mini|Nicolas Millich – Porträtbüste von Königin Hedwig Eleonore von Schweden. Schwedisches Nationalmuseum Nicolas Millich (* 5. Januar 1629 in Antwerpen; † nach 1687) war ein flämischer Bildhauer und Architekt. In den Quellen ist sein Name auch als Millincks, Mullick, Melincx, Melinckx sowie in latinisierten und schwedischen Schreibweisen (Nicolaas, Nikolaus) überliefert.

Leben Nicolas Millich wird heute allgemein mit dem 1653 in den Brüsseler Gildeunterlagen genannten Lehrling des Bildhauers Nicolaas Stercx identifiziert, der dort als „Nic. Melincx étranger“ (Nic. Melincx, der Fremde) verzeichnet ist. 1657/58 erwarb er die Freimeisterschaft in der Antwerpener Lukasgilde. 1664/65 war er als Assistent von Rombout Verhulst an den Bildhauerarbeiten für das Amsterdamer Rathaus beteiligt. Von 1669 bis 1676 sowie erneut von 1680 bis 1687 war er in Schweden tätig, wo er vor allem im Dienst der Königinwitwe Hedwig Eleonora von Schleswig-Holstein-Gottorf stand. Für Schloss Drottningholm führte er von 1669 an insgesamt 27 Marmorfiguren, Büsten und weitere Dekorationsarbeiten aus. Der überwiegende Teil davon wurde 1866 in das Nationalmuseum Stockholm überführt. Zu den Hauptwerken dieser Zeit zählen die Skulpturen für die Residenztreppe. Dazu gehört eine 1671 entstandene Minerva, der die Gesichtszüge der abgedankten Königin Christina zugeschrieben werden. Im Jahr 1674 wurde Millich zum Inspekteur der schwedischen Marmorbrüche ernannt. mini|Nicolas Millich – Porträtbüste von Prinz Ulrik von Schweden (1684–1685). Schwedisches Nationalmuseum 1676 arbeitete er in Livland, wo das Epitaph für Johann Hastfer in der Domkirche von Tallinn entstand. Um 1679/1680 kehrte er für kurze Zeit nach Antwerpen zurück und entwarf den barocken Turm der Sint-Pauluskerk, sein architektonisches Hauptwerk. 1680 kehrte Nicolas Millich nach Schweden zurück, wurde zum Hofbildhauer ernannt und vollendete die neun überlebensgroßen Marmorskulpturen, die die Treppenpostamente in Drottningholm bekrönen. Daneben fertigte er Büsten mythischer und mittelalterlicher schwedischer Könige an. Dabei dienten ihm imaginierte Porträtstiche aus zeitgenössischen Publikationen – unter anderem aus Johannes Magnus’ Historia de omnibus Gothorum Sveonumque regibus – als Vorlage.

Im Jahr 1685 entstanden im Auftrag von Hedwig Eleonora zwei Marmorbüsten der früh verstorbenen Prinzen Gustav (1683–1685) und Ulrik (1684–1685). Beide Büsten wurden vom zeitgleich in Stockholm tätigen niederländischen Maler Cornelis van der Meulen auf zwei Vanitas-Stillleben dargestellt. Diese befinden sich heute im Nationalmuseum Stockholm. Millichs schlechtes Verhältnis zu Nicodemus Tessin d. J., einem Schüler Berninis, der 1681 die Leitung der Arbeiten an Schloss Drottningholm übernahm, führte dazu, dass Nicolas Millich in der Folge keine weiteren Aufträge mehr erhielt. Nach 1687, dem Jahr seines mutmaßlichen Weggangs aus Schweden, lässt sich kein Werk mehr sicher nachweisen, und es liegen keine Informationen über seine letzten Lebensjahre vor. Zu Millichs Schülern zählte Burchard Precht der Ältere.

Werk mini|Nicolas Millich – Porträtbüste von Prinz Gustav von Schweden (1683–1685). Schwedisches Nationalmuseum Neben den Arbeiten für Schloss Drottningholm schuf Nicolas Millich zahlreiche Porträtplastiken der schwedischen Königsfamilie sowie Grabmonumente und Epitaphien. Zu diesen Werken zählen das Grabmal des Barons Gustav Bonde (um 1670, Spånga kyrka bei Stockholm) und das Grabmal Erik Flemings (1678, Sorunda kyrka bei Nynäshamn). Sein bedeutendstes sepulkrales Werk ist die Grabanlage für Admiral Klas Bielkenstierna und seine Familie (1683) in der Kirche von Österhaninge. Darauf sind Putten in einem Aufbau aus Trophäen, Waffen und Kanonen dargestellt, umgeben von Figuren des Verstorbenen und seiner Witwe sowie einer Chronos-Darstellung.

Als Hofkünstler lieferte Millich zudem Entwürfe für Festdekorationen (etwa 1672 für Reiterspiele) sowie für Stuckarbeiten, Möbel, Bilderrahmen und Leuchter. Laut Thieme-Becker wird ihm außerdem eine Tonfigur, die Allegorie der Treue (Nationalmuseum Stockholm), zugeschrieben. Erhaltene und dokumentierte Werke befinden sich unter anderem in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen, im Schloss Läckö in Lidköping, im Rathaus von Narva (Justitia-Gruppe, vollendet 1684), im Nationalmuseum in Stockholm, in Schloss Drottningholm sowie in der Kirche von Solna.

Literatur

Dagmar Gerstl: Nicolaes Millich und das Reiterstandbild Karls X. Gustav in Malmö. In: Kunstchronik. Bd. 67, Nr. 3, 2014, S. 131–138. Bianca Kühnel (Hrsg.), Clarissa Campbell Orr (Hrsg.): Queenship in Europe 1660–1815. The Role of the Consort. Cambridge University Press, Cambridge 2004. Beatrijs Noldus: Trade in Good Taste. Relations in Architecture and Culture between the Dutch Republic and the Baltic World. Brepols, Turnhout 2005. Margareta Rossholm Lagerlöf: Fate, Glory and Love in Early Modern Gallery Decoration. Ashgate, Farnham 2013. Karl Steneberg: Analecta Regniensia I. Stockholm 1966, S. 346–353. August von Wurzbach: Niederländisches Künstler-Lexikon. Bd. 2, Halm & Goldmann, Wien/Leipzig 1910. Martin Wrede: Die Inszenierung der heroischen Monarchie. Frühneuzeitliches Königtum zwischen ritterlicher Tradition und militärischer Herausforderung. Akademie Verlag, Berlin 2014. Svenskt konstnärslexikon. Bd. 4, Allhems Förlag, Malmö 1961. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.

Weblinks

RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis, Eintrag zu Nicolas Millich Svenskt biografiskt lexikon, Eintrag zu Nicolas Millich

Einzelnachweise

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