Johannes Baptist Krauß (oft auch: J. B. Krauss oder I. B. Krauss) (* 30. Mai 1883 in Thann (Elsaß); † 1937 in Berlin) war ein deutscher Journalist, Verleger und durch seine Agentur Pressebüro Krauß Herausgeber eines Informationsdienstes in Berlin, der in der Weimarer Republik als offiziöse Stimme der katholischen Zentrumspartei bekannt war.

Leben Krauß wurde in der Kleinstadt Thann im damals deutschen Reichsland Elsaß-Lothringen geboren. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Tübingen und weiteren Hochschulen.„Vom Zentrum: Ein Verdienstvoller“. Kölner Lokal-Anzeiger 28. September 1930, S. 9 (Zeitungsportal) Während des Studiums war er Mitglied einer katholischen Studentenverbindung im Cartellverband (CV). Krauß war verheiratet mit Toni Weckmüller. Eine gemeinsame Tochter wurde 1909 geboren.Geburtsanzeige in Academia, Zeitschrift des Cartellverbandes, Band 22, Nr. 2, 15. Juni 1909, S. 77. Er war aktives Mitglied in der katholischen Arbeiterbewegung, der Zentrumspartei und ihrer Jugendorganisation, dem Windthorstbund.

1905 wurde er Redaktionsleiter der Westpfälzischen Zeitung in St. Ingbert (Saarland). Bereits wenige Monate später wechselte er 1906 ins rheinische Düren. Dort war er sieben Jahre lang Chefredakteur der Dürener Zeitung, die mit dem Dürener Anzeiger zu einem wichtigen Blatt der Zentrumspartei fusionierte. Hier wirkte er sieben Jahre lang.

In dieser Zeit publizierte er mehrere Bücher. Dazu gehörte ein Debattenbeitrag zu einem der Skandale des späten Kaiserreichs: Das Königtum von Gottes Gnaden. Zur Diskussion über die letzten Kaiserreden und zur innerpolitischen Lage (1910). Er bezog sich auf zwei äußerst umstrittene Reden Wilhelms II. im August 1910, in denen der Kaiser von seinem „Gottesgnadentum“ gesprochen und dadurch scharfe Kritik von SPD und Liberalen auf sich gezogen hatte. Krauß versuchte die Kritik zu entkräften und als Missverständnis zu deuten.[Bücherschau] Pastor Bonus : Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und Praxis, 23. Jg., 1910/11, S. 764 (GoogleBooks) 1912 folgte das Buch Der Reichstagswahlkampf 1911/12, das als eine Art Wahlkampf-Handbuch zu zahlreichen Programm- und Politikfeldern Zentrums-Kandidaten als Vorlage, Wegweiser und Referenzwerk für Reden und Artikel sowie Entscheidungen bei Kandidatenaufstellungen und Wahlrecht dienen sollte.

Der einflussreiche Kölner Reichstags- und Landtagsabgeordnete Karl Trimborn protegierte Krauß. 1912 kandidierte Krauß im industriell geprägten Wahlkreis Solingen (Düsseldorf 3). Er verlor gegen den prominenten SPD-Politiker Philipp Scheidemann.

1913 wechselte er – nun gefördert vom Zentrumspolitiker Peter Spahn – als Direktor und Chefredakteur zum Frankfurter Volksblatt, das sich im selben Jahr in Frankfurter Volkszeitung umbenannte (weiterer Titelwechsel 1923 Rhein-Mainische Volkszeitung).

Matthias Erzberger, einer der publizistisch wichtigsten Reichstagsabgeordneten des Zentrums, überzeugte Krauß im Juni 1916, nach Berlin zu wechseln und seine von ihm seit 1903 als Privatunternehmen geführte Korrespondenz für die Zentrumspresse, kurz Zentrumskorrespondenz, zu übernehmen.Koszyk, Kurt. Deutsche Presse 1914–1945: Geschichte der deutschen Presse Teil III. Berlin: Colloqium Verlag 1972, S. 298. Dies war eine Agentur, also ein Informations- und Artikeldienst, für die kleine und mittlere katholische Provinzpresse. Bei Kriegsausbruch hatte Erzberger seinen Dienst eingestellt, um sich im Reichsauftrag der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Ausland zu widmen. 1916 endete der Burgfrieden, die innenpolitischen Auseinandersetzungen nahmen wieder zu. Dadurch erhielt die Presseberichterstattung und Kommentierung – trotz enger Zensurmaßnahmen von Militär und Regierung – eine neue Bedeutung für Erzberger und die Partei.

Erzbergers Korrespondenz stand im Wettbewerb mit der älteren, seit 1912 von Franz Fortmann geleiteten Centrums-Parlaments-Correspondenz (CPC), die vom Augustinus-Verein zur Pflege der Katholischen Presse getragen wurde und als offiziöses Sprachrohr von Partei und Reichstagsfraktion galt.Bornefeld-Ettmann, Michael. „Die Centrums-Parlaments-Correspondenz (CPC)“. Communicatio Socialis 1968, S. 318–324. (Volltext) Die bei Kriegsende ausgezehrte CPC wurde 1920 reorganisiert, aber sie überlebte die für die Zeitungsbranche schwere Inflationskrise nicht. Sie wurde im Sommer 1922 aufgelöst. An ihrer Stelle gründete Krauß mit Unterstützung führender Zentrumspolitiker 1923 in Berlin sein eigenes „Pressebüro Krauß“. Im November 1923 übernahm es, von der Partei ausdrücklich als offiziöser Dienst des Zentrums anerkannt, die Aufgaben der CPC.Morsey, Rudolf. Die Deutsche Zentrumspartei 1917–1923. Düsseldorf: Droste 1966, S. 605 [Volltext]

Krauß erhielt mehrere hohe katholische Laienorden: Komtur-Kreuz und Stern und Ritterkreuz vom Pästlichen Gregoriusorden, einer der höchsten Auszeichnungen, die der Papst an Laien verleiht; Lateinisches Kreuz in Gold; und Ordenskreuz der Päpstlichen Erzbasilika San Giovanni in Lateran In Rom; sowie Kommandeur der Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grabe zu Jerusalem, neben dem Malteserorden einer der zwei Päpstlichen Ritterorden.„Krauss, Johannes Baptist“. Degeners Wer ist's?, Band 10, Berlin: Verlag Hermann Degener, S. 882.„Päpstliche Auszeichnung für einen katholischen Journalisten“ Bürener Zeitung, Nr. 125, 1. Bl., 38. Jg., 1.6.33, S. 3 (Zeitungsportal) Papst Pius XI. gewährte Krauß, der einen Pilgerempfang begleitete, sogar eine Sonderaudienz.„Der Heilige Vater segnet Deutschland“. Bürener Zeitung, 38. Jg., 29. September 1933, S. 5.

Die Zentrumspartei löste sich 1933 auf. Die zentrumsnahen und katholischen Zeitungsverlage wurde im Nationalsozialismus ebenso gleichgeschaltet wie Nachrichtenagenturen. Das Pressebüro Krauß existierte bis 1937 weiter, als sein Inhaber Krauß in Berlin starb.„Reichsverband der Deutschen Korrespondenz- und Nachrichtenbüros“. Zeitungs-Verlag Nr. 4, 1937, S. 56; Nr. 43, 1937, S. 637.

Werke

Das Königtum von Gottes Gnaden. Zur Diskussion über die letzten Kaiserreden und zur innerpolitischen Lage. Wiesbaden: Verlag von Hermann Rauch, 1910. Der Reichstagswahlkampf 1911/12: Darstellung und Kritik der politischen Ereignisse seit den Reichstagswahlen von 1907 nebst Anhang „Führer zur Reichstagswahl 1912“. Köln: Verlag des Verbandes der Windthorstbunde 1911.

Literatur

„Krauss, Johannes Baptist“. Degeners Wer ist's?, Band 10, Berlin: Verlag Hermann Degener, S. 882. [I. B. Krauss] [Personalien] Deutsche Presse 20. Jg., Nr. 40, 4. Oktober 1930, S. 540. (Volltext bei HathiTrust) [I. B Krauss] [Personalien] Deutsche Presse 23. Jg., Nr. 10, 31. Mai 1933, S. 156. „Krauss, Johannes Baptist“, Personenregistereintrag der Edition Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik (Stand 2005–2007). (Volltext)

Fußnoten

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