Ursula Ravens (* 1945 in Marne, Schleswig-Holstein) ist eine deutsche Pharmakologin und wird als Pionierin auf dem Gebiet der kardialen Elektrophysiologie angesehen.
Leben Ursula Ravens wuchs in Marl, Westfalen auf und wohnte dort bis 1960. Die Familie zog bis 1963 nach Hongkong.
Ursula Ravens studierte von 1963 bis 1969 Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Universität Wien und beendete ihr Studium 1969 mit dem Doktor der Medizin mit der Promotionsschrift Automatiefördernde Dehnungseffekte an Herzmuskelfasern bei Affen. Nach einem Praktikum in Berlin und der Approbation im Jahr 1970 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für Pharmakologie an der Universität Kiel und blieb dort bis 1985.
Sie spezialisierte sich weiter, schloss 1977 den Facharzt ab und habilitierte sich 1979 in Pharmakologie. 1985 erhielt Ravens den Ruf als Professorin für kardiovaskuläre Pharmakologie der Universität Essen und wurde ab 1986 zur Dekanin für studentische Angelegenheiten der Medizinischen Fakultät gewählt, was sie bis 1990 ausübte.
Von 1994 bis 1995 war sie am Imperial College in London tätig. 1997 übernahm Ursula die Professur und den Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie an der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden.
Seit 2007 Mitglied ist sie Mitglied im Vorstand bzw. Lenkungsausschuss des AFNET (= Kompetenzzentrum für Vorhofflimmern) und koordinierte dort die Grundlagenforschungsabteilung. Seit 2014 ist die Wissenschaftlerin Seniorprofessorin am Lehrstuhl für Physiologie der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden und gleichzeitig seit 2009 Gastprofessorin am Dänischen Arrhythmie-Forschungszentrum der Universität Kopenhagen.
Ursula war Vorsitzende mehrerer Arbeitsgruppen und Ausschüsse wie die ESC-Working Group, beim Lenkungsausschuss AFNET, der AG zelluläre Elektrophysiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) oder dem Senatsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für Sonderforschungsbereiche, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie (DGP) und ist Mitglied in verschiedenen Redaktionsbeiräten. Seit 2014 ist sie emeritiert und seit 2016 als Gastprofessorin am Institut für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin in Freiburg.
Forschungsschwerpunkte Ursula Ravens gilt als Pionierin auf dem Gebiet der Elektrophysiologie des Herzens.
Sie arbeitet besonders an der elektrischen Veränderung bei Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern oder Herzinsuffizienz, an der Pharmakologie der Herzkranzgefäße, der Rolle von Ionenkanälen und den regenerativen Möglichkeiten des Herzens. Außerdem untersucht sie, wie Zellen mechanische Stimuli wahrnehmen und Zellfunktionen an mechanische Veränderungen anpassen.
Positionen Ravens schätzt seit ihrer Anfangszeit besonders den qualifizierten Austausch mit Kollegen, um ihre Forschung voranzutreiben und sieht den Einsatz von künstlicher Intelligenz als Unterstützungsmedium in der Zukunft als hilfreich an. Zusätzlich findet sie für die Kontinuität in der Wissenschaft Mentorenprogramme sinnvoll und beteiligt sich selbst daran. Sie sieht es als Gewinn für die Gesellschaft, dass im Gegensatz zu ihrer Anfangszeit als Wissenschaftlerin (sie durfte ihre Forschungsergebnisse als Schwangere nicht selbst vortragen) mittlerweile Kompetenzen statt des Geschlechts im Vordergrund stehen.
Auszeichnungen
2001: Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 2015: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Verdienste um die Wissenschaft und das besondere Verantwortungsbewusstsein zum Wohle der Menschen 2026: Schmiedeberg-Plakette der DGPT für hervorragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Pharmakologie, der klinischen Pharmakologie und der Toxikologie
Schriften (Auswahl)
Bücher
(Zusammen mit Onkar N. Tripati und T. Alesander Quinn:) Heart Rate and Rhythm: Molecular Basis, Pharmacological Modulation and Clinical Implications. Springer Verlag, Heidelberg 2024, ISBN 978-3-0313-3590-7. (Zusammen mit Nadin Dagmar Exner und Petra Radehaus:) Frequenzabhängige Blockade des atrialen Natriumstroms: durch Lidocain und Vernakalant. Vergleich von Sinusrhythmus und Vorhofflimmern. AV Akademikerverlag, London 2014, ISBN 978-3-6396-3056-5. (Zusammen mit von Onkar N. Tripathi, Michael C. Sanguinetti, Hrsg.:) Heart Rate and Rhythm: Molecular Basis, Pharmacological Modulation and Clinical Implications, English edition. Springer Verlag, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-6421-7575-6.
Zeitschriftenartikel
(Zusammen mit Torsten Christ:) Tribute to Alberto J. Kaumann. In: Naunyn-Schmiedeberg's archives of pharmacology, 399 (2026), 3, S. 3227–3233. https://doi.org/10.1007/s00210-025-04708-5, ISSN 1432-1912. (Zusammen mit Christina Lorenz:) Finn Waagstein and the paradigm shift in the treatment of heart failure with β-adrenergic receptor antagonists (‘β-blockers’). In: Naunyn-schmiedeberg's archives of pharmacology, 399 (2026), 3, S. 3133–3141. https://doi.org/10.1007/s00210-025-04594-x, ISSN 1432-1912. (Zusammen mit Jiaying Fu, Breanne A. Cameron, Breanne A. et al.:) Stretch-induced increase in Ca2+‐spark rate in rabbit atrial cardiomyocytes requires TRPA1 and intact microtubule network. In: Journal of the American Heart Association, 14 (2025), 17, https://doi.org/10.1161/jaha.124.040495, ISSN 2047-9980. (Zusammen mit Rainer Schimpf:) Genetik bei Vorhofflimmern und malignen Arrhythmiesyndromen. In: Herzschrittmachertherapie + Elektrophysiologie, 35 (2024), 1, S. 1–2. https://doi.org/10.1007/s00399-024-00998-z, ISSN 1435-1544. (Zusammen mit Remi Peyronnet:) Electrical remodelling in cardiac disease. In: Cells, 12 (2023), 2, S. 230. https://doi.org/10.3390/cells12020230, ISSN 2073-4409.
Weblinks
Homepage der Universität Zürich zu Ursula Ravens
Einzelnachweise
Kategorie:Pharmakologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Duisburg-Essen, Campus Essen) Kategorie:Hochschullehrer (Imperial College) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Dresden) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Kopenhagen) Kategorie:Hochschullehrer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger der Schmiedeberg-Plakette Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Frau