Sabine (Yanka) Zlatin, geborene Chwast (geboren 13. Januar 1907 in Warschau, Polen; gestorben 21. September 1996 im 15. Arrondissement, Paris), war eine jüdische französische Malerin und Widerstandskämpferin. Zusammen mit ihrem Mann Miron Zlatin betreute sie während des Zweiten Weltkriegs das Waisenhaus La Maison d’Izieu in Izieu.

Leben Zlatin war das jüngste von zwölf Kindern. Ihr Vater war Architekt. Ihm gefiel der Vorname seiner Tochter nicht, und so beschloss er, sie „Yanka“ zu nennen. Da sie das erstickende familiäre Umfeld und den Antisemitismus der Polen, der sich nach der Unabhängigkeitserklärung vom Russischen Reich stark ausgebreitet hatte, nicht länger ertragen konnte, beschloss sie Mitte der 1920er Jahre, ihr Heimatland zu verlassen. Im Laufe ihrer Reisen gelangte sie nacheinander nach Danzig, Königsberg, Berlin und Brüssel, um schließlich in Frankreich, in Nancy, anzukommen, wo sie ein Studium der Kunstgeschichte aufnahm. Sie war zudem Aktivistin im Bund, der antizionistischen jüdischen Arbeiterbewegung.

Sie lernte Miron Zlatin, einen jüdischen Studenten aus Russland kennen, der an der Universität Nancy Agrarwissenschaften studierte. Sie heirateten am 31. Juli 1927. Das Paar hatte keine Kinder. 1929 erwarben sie einen Geflügelzuchtbetrieb in Landas. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erwies sich der Betrieb als Erfolg. Am 26. Juli 1939 wurden sie eingebürgert.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs begann Zlatin eine Ausbildung zur Militärkrankenschwester beim Roten Kreuz in Lille. Als der Krieg Frankreich erreichte, floh das Ehepaar Zlatin 1940 nach Montpellier, wo Zlatin als Krankenschwester des Roten Kreuzes im Militärkrankenhaus von Lauwe arbeitete. Auf Basis der antisemitischen Gesetze des Vichy-Regimes wurde sie entlassen. Daraufhin engagierte sie sich beim Œuvre de secours aux enfants (OSE) und arbeitete ehrenamtlich in der Präfektur des Départements Hérault als „Sozialarbeiterin“.

Zlatin engagierte sich in den Rettungsversuchen für jüdische Kinder. Mit Hilfe des Priesters Charles Prévost versteckte sie Kinder, die aus dem Internierungslager Camp d’Agde und dem Camp de Rivesaltes herausgebracht werden konnten. Bis 1941 holt sie 194 Kinder aus diesen Lagern heraus, die mit der OSE in die Schweiz, mit den Quäkern in die Vereinigten Staaten oder in verschiedene andere Zentren gebracht werden konnten.

Zusammen mit ihrem Mann brachte sie Kinder über den Winter in Prevosts Villa in Palavas-les-Flots unter, wo sie wegen der Saison relativ sicher waren. Im August 1942 fand eine großräumige Razzia mit Verhaftungen statt, und Zlatin wandte sich an die Präfektur, um die Freilassung der unter Fünfzehnjährigen zu beantragen, die auch gewährt wurde. Die Jugendlichen wurden daraufhin über Palavas in verschiedene Heime gebracht. Anfang 1943 bat der ebenfalls im Widerstand tätige Roger Fridrici, der Generalsekretär der Präfektur, sie, sich um den Transfer einer Gruppe von siebzehn Kindern in Campestre bei Lodève in die italienische Zone zu kümmern. Fridrici kümmerte sich um Papiere und Zlatin reiste mit den Kindern nach Chambéry, von wo aus sie schließlich nach Izieu weiterreisten.

Das Ehepaar Zlatin verlegte ihren Aufnahmeort im Mai 1943 ganz nach Izieu in die italienische Zone, wo sie das Waisenhaus La Maison d’Izieu für die Aufnahme jüdische Kinder unterhielten. Das Haus war ein Zwischenstützpunkt in einem Rettungsnetzwerk, das aus weiteren Häusern und Gastfamilien auf Schmuggelrouten in die Schweiz bestand. Mindestens 105 Kinder, überwiegend jüdischer Herkunft, wurden aufgenommen. Einige blieben nur wenige Wochen, andere einige Monate. Der Unterpräfekt Pierre-Marcel Wiltzer und die Untergrundnetze Maquis de l’Ain und Réseau lyonnais du père Chaillet gehörten zu den Unterstützern. Am 6. April 1944 verhaftete die von Klaus Barbie geleitete Gestapo von Lyon alle 44 Kinder im Haus und die sieben anwesenden Betreuer. Zlatin war nicht vor Ort. Sie war wegen der aufziehenden Gefahr nach Montpellier gefahren, um Prevost um Hilfe bei Auflösung des Hauses zu bitten. Nach der Razzia begab sich Zlatin nach Paris, wo sie sich der Résistance anschloss. Sie versuchte, die Kinder von Izieu zu retten, und bemühte sich sogar, Kontakt zu Joseph Darnand aufzunehmen. Im Juli 1945, mehr als ein Jahr nach der Razzia, erfuhr Sabine Zlatin, dass die verhafteten Kinder in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Nur eine Betreuerin aus dem Haus in Izieu, Léa Feldblum, die ebenfalls nach Auschwitz deportiert worden war, kehrte lebend zurück. Miron Zlatin wurde am 15. Mai 1944 zusammen mit Théo Reiss und einem weiteren Jugendlichen aus Izieu, Arnold Hirsch, vom Bahnhof Bobigny im Convoi 73 nach Tallinn in Estland deportiert. Er wurde im Paterei-Gefängnis festgehalten und musste in einem Steinbruch arbeiten. Ende Juli 1944 wurde er von der SS erschossen, noch bevor die sowjetischen Truppen eintrafen.

Nach der Befreiung wurde sie zusammen mit Marcelle Bidault zur Leiterin (Hôtelière-chef du Centre) des Hôtel Lutetia ernannt und war für die Organisation der Aufnahme für Überlebende der Konzentrationslager verantwortlich.

Nach der Schließung des Hôtel Lutetia im September 1945 ließ sie sich endgültig in Paris nieder. Sie widmete sich der Malerei und signierte ihre Gemälde mit dem Namen „Yanka“, dem Spitznamen, den ihr Vater ihr gegeben hatte.Eintrag „Sabine (Yanka) Zlatin“ auf der Website von artnet; abgerufen am 20. August 2026.

Jedes Jahr gedachte sie der „Kinder von Izieu“ und schmückte das 1946 im unterhalb von Izieu gelegenen Brégnier-Cordon errichtete Denkmal mit Blumen, das dank einer unter der Schirmherrschaft von Charles de Gaulle durchgeführten nationalen Spendenaktion finanziert worden war. Auf ihre Initiative hin wurde 1994 die Gedenkstätte für die Kinder von Izieu (Mémorial des enfants d'Izieu) gegründet, die vom französischen Staatspräsidenten François Mitterrand eingeweiht und deren erste Direktorin sie 1994 wurde.

1987 sagte sie im Prozess gegen Klaus Barbie aus.

1992 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen unter dem Titel Mémoires de la «Dame d'Izieu» mit einem Vorwort von François Mitterrand.

Zlatin starb 1996 in Paris, wo sie Cimetière du Montparnasse beigesetzt ist.

Nachleben Eine Gedenktafel in der Rue Madame 46 im 6. Arrondissement von Paris erinnert an ihren Wohnort. In Villeurbanne, Métropole de Lyon, gibt es die Rue Sabine-et-Miron-Zlatin.

Im Jahr 2017 wurde die neue Mittelschule in Belley, Département Ain, in Collège Sabine Zlatin umbenannt.

2007 erschien La Dame d’Izieu, ein Fernsehfilm von Alain Wermus, mit Véronique Genest in der Rolle der „Sabine Zlatin“, 2023 gab es unter demselben Titel eine zweiteilige Sendung von France Culture unter der Regie von Yaël Mandelbaum. Im selben Jahr brachte eine Musical-Truppe namens Les Brosters das Musical Encrées auf die Bühne, in dem das Schicksal von Sabine Zlatin im Mittelpunkt steht.

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