Elisabeth Hirsch, genannt Böszi oder Böegy (geboren am 5. Januar 1913 in Sighișoara, Königreich Rumänien; gestorben 11. März 1996 in La Verrière, Département Yvelines, Frankreich), war eine jüdische rumänisch-französische Sozialarbeiterin und Widerstandskämpferin. Sie war leitende Sozialarbeiterin beim Œuvre de secours aux enfants (OSE) in Lyon und war an der Rettung von Kindern aus dem Durchgangslager Camp de Vénissieux beteiligt.

Leben Hirsch wurde in Rumänien in eine jüdische Familie geboren. Sie war die jüngere Schwester von Sigismond Hirsch (1906–1990) und Shatta Simon (geborene Charlotte Hirsch, 1910–2003). Hirsch kam 1930 nach Frankreich. Sie war zunächst Praktikantin im Home Israélite de Jeunes Filles, einem von Laure Weil gegründeten und geführten jüdischem Mädchenheim in Straßburg. Danach besuchte Hirsch die unter der Leitung von Paul Gemähling, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Straßburg, stehende Ècole de formation sociale et jardinière d’enfants, die erste Schule für Sozialarbeit.

Hirsch wurde 1934 Sozialarbeiterin. Sie lernte auch an der von Isabelle Cremer geleiteten École pratique de service social, die einzige Einrichtung in Paris, die auf das Diplom als Sozialarbeiterin vorbereitete. Hirsch und Cremer lernten sich dort kennen, Hirsch war eine von Cremers Schülerinnen.

1940 bat Andrée Salomon vom Œuvre de secours aux enfants (OSE) Hirsch, sich einer Gruppe von Sozialarbeiterinnen anzuschließen, die im Internierungslager Camp de Gurs stationiert war. Zusammen mit Ninon Haït-Weyl und Ruth Lambert gelang es ihr, Hunderte von Kindern und Jugendlichen aus den Internierungslagern in Frankreich zu befreien.

Hirsch leitete 1942 den Lyoner Zweig des (OSE) und war Mitglied des Widerstandsnetzwerks Réseau Garel von Georges Garel. Sie warb Madeleine Dreyfus an.

Im August 1942 war Hirsch beteiligt an der Rettung jüdischer Kinder aus dem Durchgangslager Camp de Vénissieux. Über Tausend Juden aus der Region Lyon waren im Lager zusammengetrieben wurden. Einer „Auswahlkommission“ gelang es, insgesamt 471 Kinder unter 15 Jahren aus dem Lager herauszuholen. Unter den dann nach Auschwitz deportierten 545 Erwachsenen waren viele Eltern, die schriftlich auf ihre Kinder verzichten mussten, um diese zu retten.

Ende 1942 wurde Hirsch von der OSE nach Paris entsandt, um dort Verstecke für jüdische Kinder zu finden, denen die Deportation drohte. Sie bat Cremer, sie bei sich aufzunehmen. Cremer willigte nicht nur ein, Hirsch bei der Überführung jüdischer Kinder in die Südzone persönlich zu helfen, sondern versorgte ihre ehemalige Schülerin auch mit Informationen, die sie über bevorstehende Razzien sammeln konnte. Diese Informationen ermöglichten es insbesondere dem Arzt Eugène Minkowski, dem Leiter der OSE in Paris, und Simon Levitte, dem Leiter des Mouvement de jeunesse Sioniste, der Jüdischen Jugendbewegung, Verhaftungen zu entgehen.

1949 erklärte sich Hirsch bereit, bis zu ihrer Pensionierung das Maison de refuge pour l'enfance israélite in Neuilly, ein nach dem Krieg wiederhergestelltes jüdisches Kinderheim der von ihren Geschwistern 1923 gegründeten Pfadfinder-Bewegung Éclaireuses et éclaireurs israélites de France (EIF), zu leiten. Das Heim bot nach dem Zweiten Weltkrieg und später nach der Unabhängigkeit Algeriens zahlreichen jungen, alleinstehenden Juden ohne Familie eine Zuflucht.

Einzelnachweise

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