mini|Mila Racine, o. D. Miriam (Mila) Racine (geboren 14. September 1919 in Moskau, Sowjetrussland; gestorben 20. März 1945 in Amstetten, Niederösterreich) war eine jüdische russisch-stämmige französische Widerstandskämpferin. Sie starb im Frauenlager Amstetten „Bahnbau II“, einer als Außenlager dem KZ Mauthausen unterstellten Baustelle. Sie benutzte als Decknamen „Marie-Anne Richemond“ und später „Marie-Anne Racine“.

Leben Racine war das zweite Kind von Georges und Berthe (Bassia) Hirsch, deren Nachname zu Racine französisiert wurde. 1926 ließ sich die Familie auf der Flucht vor dem bolschewistischen Regime in Paris nieder. Sie hatte einen älteren Bruder, Emmanuel, und eine jüngere Schwester, Sacha, die später mit Maurice Maidenberg verheiratet war. Alle Geschwister wurden Mitglieder der Résistance.

Racine wurde Mitglied der Women’s International Zionist Organisation (WIZO). Nach der Niederlage von 1940 floh Racine nach Toulouse und ließ sich kurz darauf in Bagnères-de-Luchon nieder.

Racine engagierte sich im Widerstand vom 5. Januar 1942 bis zum 21. Oktober 1943. Sie schloss sich einer von Tony Gryn geführten Gruppe von etwa zehn Personen in Gurs an, in der auch Maurice Maidenberg, Roland Epstein, Frida Wattenberg sowie Rolande Birgy, eine Sozialarbeiterin vom Reseau Garel, waren.

1942 begab sie sich nach Saint-Gervais-les-Bains in der Haute-Savoie, wo sie eine gerade gegründete lokale Gruppe des Mouvement de jeunesse sioniste (MJS) leitete, um gefährdeten Juden zu helfen. Anschließend zog sie nach Annecy. Sie gehörte zu den Gründern eines Untergrundnetzes in Richtung Schweiz, dessen Organisator ihr Bruder Emmanuel war, der eng mit Georges Loinger zusammenarbeitete. Nach dem von Italien mit den Alliierten im September 1943 unterzeichneten Waffenstillstand von Cassibile flüchteten die Juden aus dem Alpenraum nach Nizza. Racine machte sich daraufhin daran, Konvois mit Kindern und Erwachsenen nach Annemasse zu führen, um sie über die Schweizer Grenze zu bringen.

Am 21. Oktober 1943 wurde ein von ihr gemeinsam mit Epstein geleiteter Konvoi in Saint-Julien-en-Genevois von den Deutschen abgefangen und nach Annemasse zum Sitz der Gestapo im Hotel du Pax gebracht. Dem Bürgermeister von Annemasse, Jean Deffaugt, gelang es, einige Kinder freizubekommen, darunter ein vierzehn Monate altes Baby. Er schlug Racine einen Fluchtversuch vor, doch sie lehnte ab, da sie Vergeltungsmaßnahmen gegen die Kinder befürchtete. Ihre Aufgabe bei den Flüchtlingskonvois übernahm Marianne Cohn.

Als Jüdin, die sich als „Marie-Anne Racine“ nicht als solche zu erkennen gab, wurde sie im Gefängnis Montluc in Lyon inhaftiert. Am 31. Januar 1944 wurde sie von Compiègne aus mit dem Convoi I.175 ins KZ Ravensbrück deportiert. Von dort wurde sie ins KZ Mauthausen verlegt, wo sie im Außenlager Frauenlager Amstetten „Bahnbau II“ bei der Reparatur von durch Bombenangriffe der Alliierten zerstörten Eisenbahnschienen eingesetzt wurde. Sie kam am 7. März 1945 dort an und starb am 20. März bei einem erneuten Bombenangriff.

Racine wurde posthum mit Dekret vom 15. Juni 1946 mit der Médaille de la Résistance und 1950 mit dem Croix de guerre mit silbernem Stern ausgezeichnet.

Ein öffentlicher Kindergarten im 10. Arrondissement von Paris, gelegen in der Rue Pierre Bullet 4, eine Kindertagesstätte der WIZO in Tel Aviv und ein Park in Annemasse sind nach ihr benannt.

Gedenktafeln befinden sich in der Rue de Rome 97 in Paris, wo sie von 1936 bis 1940 zusammen mit ihren Geschwistern wohnte, in der Eingangshalle des Lycée Racine in der Rue du Rocher 20 im 8. Arrondissement von Paris, wo sie 1936 ihren Sekundarschulabschluss erwarb, und am Maison des Mémoires im ehemaligen Hôtel du Pax in Annemasse.

Der letzte Abschnitt ihres Lebens wird im vierten Band der 2016 erschienenen Comic-Reihe Femmes en résistance behandelt.

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Einzelnachweise

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