Félicie (Fela) Perelman, geborene Liwer (geboren 20. Juli 1909 in Będzin, Gouvernement Petrokow, Kongresspolen; gestorben 17. September 1991 in Salt Lake City, Utah, Vereinigte Staaten), war eine jüdische polnisch-belgische Historikerin, Widerstandskämpferin und Schriftstellerin. Während des Zweiten Weltkriegs war sie Mitglied des Comité de défense des Juifs und trug zur Rettung von Hunderten jüdischer Kinder bei.
Leben Perelman wurde in eine rabbinische Familie aus Łódź in Polen geboren.
Als sie 19 Jahre alt war, kam sie nach Brüssel, um dort ein Studium der Geschichte an der Université libre de Bruxelles (ULB) abzuschließen. Dort erwarb sie einen Doktortitel mit einer Dissertation über Belgique et la Pologne en 1830. Schwerpunkt ihrer Forschung waren die Beziehungen zwischen Polen und Belgien im 19. Jahrhundert. Sie war außerdem Lizenziatin in Psychagogik.
Während ihres Studiums lernte sie Chaim Perelman kennen, den sie am 3. Januar 1935 in Brüssel heiratete. Das Ehepaar lebte in Uccle/Ukkel und hatte eine Tochter, Noémie Perelman Mattis.
Sie war dem Judentum verbunden und trat der Association des Étudiants juifs der ULB bei. Sie war ebenfalls empfänglich für sozialistische Ideale und lehnte Kommunismus und Marxismus ab. Gegen Ende ihres Studiums engagierte sie sich im Generalsekretariat des Conseil des Associations juives de Bruxelles.
Der deutsche Überfall auf Belgien 1940 und die nachfolgende Besatzung beendete ihre akademische Karriere.
Zu Beginn der deutschen Besatzung Belgiens kümmerte sie sich um Unterstützungpakete für die Gefangenen von Fort Breendonk. Im Herbst 1942 beteiligte sie sich zusammen mit ihrem Mann an der Gründung des Comité de défense des Juifs (CDJ) an der Seite von Hertz und Yvonne Jospa. Während Chaïm Perelman sich um die jüdischen Erwachsenen und die Verbreitung von Untergrundzeitungen kümmerte, beteiligte sich Perelman an Aktivitäten der „Jugendabteilung“ des CDJ teil. Sie richtete so vier jüdische Kindergärten in Brüssel ein. Einer davon war die Einrichtung Nos Petits in Uccle im Jahr 1942 in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kinderhilfswerk (Œuvre nationale de l'enfance). Als die Razzien und Deportationen der Juden Belgiens begannen, übergab sie diese Kinder dem CDJ, um sie an sichere Orte bringen zu lassen. Die Kinder wurden häufig in katholischen Familien oder Einrichtungen versteckt, was nach dem Krieg teilweise zu Spannungen zwischen dem katholischen Lebensumfeld der geretteten Kinder und dem Interesse des CDJ, die Kinder zurückzuholen, führte. Perelman rekrutierte zudem zahlreiche Säuglingspflegerinnen, darunter Jeanne Daman. Mit ihr baute sie ein Netzwerk auf, das es ermöglichte, jüdische Frauen als Hausangestellte in Familien unterzubringen.
Perelman war überzeugte Zionistin. Konsequenterweise setzte sie sich unmittelbar nach Kriegsende dafür ein, dass Überlebende des Holocausts nach Palästina auswandern konnten, obwohl das Mandatsgebiet noch nicht offen war. Sie beschaffte echte und gefälschte Visa und Passierscheine und begleitete Flüchtlinge zur Grenze. Sie ermöglichte unter Einsatz der im und nach dem Krieg geknüpften Kontakte die Abfahrt von zwei Schiffen mit jüdischen Einwanderern nach Palästina: die Hachayal Haïvri, die am 14. Juli 1947 von Antwerpen auslief, und die Tel Chai, die von Sète auslief und Waisen aus Bergen-Belsen an Bord hatte, die über Belgien gereist waren. Ein drittes Schiff, die Theodor Herzl, lief ebenfalls von Sète aus und hatte mehr als zweitausend Passagiere an Bord, darunter 1.500 Personen, die von Perelman aus Belgien gebracht worden waren.
1947 gründete sie zusammen mit ihrem Mann die Vereinigung Amis de l'Université Hébraïque, später die Amis Belges, die lange Zeit das bevorzugte Bindeglied der Beziehungen zwischen Belgien und Israel blieb. Sie war Initiatorin der Gründung eines Instituts für Europäische Studien innerhalb der Hebräischen Universität, das ein Jahr nach ihrem Tod eingerichtet wurde.
Das Haus der Perelmans in der Rue de la Pêcherie in Uccle wurde ein Treffpunkt für israelische Diplomaten, Politiker, Intellektuelle und Künstler, die sich in Belgien aufhielten. Sie traf Persönlichkeiten wie David Ben-Gurion, Golda Meir oder Teddy Kollek.
Perelman war auch als Schriftstellerin tätig. Ein erstes Manuskript ging während der Kriegswirren im Mai 1940 verloren. 1947 veröffentlichte sie Dans le ventre de la baleine („Im Bauch des Wals“).
1983 wurden Fela und Chaim Perelman von König Baudouin geadelt; sie erhielten den Titel eines Barons beziehungsweise einer Baronin.
Nach dem Tod ihres Mannes schenkte Perelman den Nachlass der ULB. Ihre Tochter Noémie Perelman Mattis schenkte nach Perelmans Tod den weiteren Nachlass ihrer Eltern dem United States Holocaust Memorial Museum.
Perelman starb am 1991 in Salt Lake City, wohin sie gereist war, um an der Hochzeit ihrer Enkelin teilzunehmen.
Zu ihren Ehren wurde in Israel in Neve Ilan auf dem Waldgelände der Gedenkstätte für die belgischen Juden ein Hain aus zehn Bäumen gepflanzt.
Einzelnachweise
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