mini|Théâtre Pigalle, 1930 Das Théâtre Pigalle war ein privates Theater in der Rue Pigalle 10–12 im 9. Arrondissement in Paris, das 1929 eröffnet, 1949 geschlossen und 1959 abgerissen wurde.

Geschichte mini|Henri de Rothschild Das Theater wurde von 1924 bis 1929 nach Plänen der Architekten Charles Siclis (1889–1942), Henri Just (1883–1943) und Pierre Blum (* 1883) in der Rue Pigalle erbaut, nachdem die Villa Scribe auf dem Grundstück abgebrochen worden war.Héreau: L’Hôtel d’Eugène Scribe à Paris, Catalogue des peintures du château de Compiègne, abgerufen am 27. Juni 2026 Auftraggeber war Henri de Rothschild (1872–1947), Arzt, Philanthrop, Theaterautor und ein passionierter Theaterliebhaber, Koordinator des Projekts war sein Sohn Philippe de Rothschild. Die Bauarbeiten erstreckten sich über vier Jahre und verschlangen 42 Millionen Francs.Matthijs Vermeulen: Een model-schouwburg dbn l, abgerufen am 27. Juni 20261929, le théâtre le plus moderne au monde 1929, Luminaris, abgerufen am 26. Juni 2026 Baumaterialien waren Stahl, Glas, Marmor, Beton und Mahagoni. Für die Gestaltung der Fassade, der Inneneinrichtung und der Lichtinstallationen war Charles Siclis federführend. Das Theater wurde am 1. Oktober 1931 mit dem Stück Histoires de France von Sacha Guitry mit dem Autor und Yvonne Printemps in den Hauptrollen eröffnet, Musik Henri Büsser.Histoires de France, Sacha Guitry Théâtre documentations, abgerufen am 25. Juni 2026

Erster Direktor des Theaters war André Antoine. Von 1930 bis 1931 waren Louis Jouvet und Gaston Baty seine Nachfolger. Ab 1932 geriet das Theater zunehmend wegen der heterogenen Gestaltung des Programms und mangelndem Zuspruch vom Publikum in finanzielle Schwierigkeiten, die schließlich zu seinem Ruin führten.P. Marcerou: Theatre pigalle, an impossible theatre, abstract, in: Revue d’Histoire du Theatre, 1. Januar 2014 Ab 1945 wechselten ständig die Direktoren, nur wenige Stücke konnten sich länger auf dem Spielplan halten. 1949 wurde das Haus geschlossen und 1959 abgerissen. Heute befindet sich hier eine Tiefgarage.

Architektur und Inneneinrichtung Der Theatersaal hatte ca. 1500/1800 Sitzplätze, die Angaben variieren in den Quellen. Die Bühne war 22 Meter lang, 20 Meter tief und 48 Meter hoch und wurde technisch allen Anforderungen des modernen Theaters gerecht. Der Bühnenboden war in jeder Richtung beweglich. Schnelle Szenenwechsel wurden durch vier Böden ermöglicht, die horizontal und vertikal bewegt werden und in die Höhe oder Tiefe gleiten konnten. Sie konnten dabei jeweils mit kompletten, auch komplizierten Bühnenbildern ausgestattet sein, sodass Szenenwechsel ohne Verzögerungen möglich waren. Die Szenenwechsel funktionierten mit Hilfe einer effizienten, gräuschlos und präzise arbeitenden Bühnenmaschinerie.

Auf einer weiße Leinwand, die bei Bedarf ausgerollt werden konnte, waren Projektionen von Landschaften, Lichteffekte, Farbspiele etc. möglich. Verantwortlich für Bau und Betrieb der Bühnenmaschinerie war Georges Fouilloux, ein Ingenieur und Co-Direktor des Theaters.Brochure del Théatre Pigalle per Donogoo, commedia di Jules Romains. Paris 1930 , Libreria Marini, abgerufen am 27. Juni 2026

Der mit Mahagonipaneelen ausgekleidete Theatersaal hatte ein aufsteigendes Parterre, mehrere übereinanderliegende Ränge und war mit einer raffiniert beleuchteten Kuppel in den Formen des Art Déco überspannt.

Das Theater war mit einer Cavaillé-Coll-Orgel ausgestattet, die vor dem Abbruch des Hauses vorübergehend im Pariser Konservatorium zwischengelagert wurde, und deren weiterer Verbleib unbekannt ist.Organs in Concert Halls The Organs of Paris, abgerufen am 24. Juni 2026 Im Untergeschoss des Hauses befand sich eine Kunstgalerie, die in Wechselausstellungen zeitgenössische Kunst präsentierte.

Kinofilme Bereits in den Neubau war eine Kabine zur Projektion von Filmen integriert, die mit der neuesten Technik ausgestattet war. Seit April 1932 gab es im Theater Kinofilme.Le théâtre Pigalle (démoli) Paris promeneurs, abgerufen am 25. Juni 2026 Der Film, der am 18. April 1932 gezeigt wurde, war La nuit de Carrefour von Jean Renoir, die erste Verfilmung eines Maigret-Romans überhaupt.

Literatur Germaine Krull: Pigalle Theater. Its lighting. Its machinery. Draeger, Paris 1929. Preface by Jean Cocteau, including a composition in colors by Jean Carlu and eight full-page photographs by Germaine Krull in heliogravure.

Weblinks

Théâtre Pigalle, Théâtre privé Les archives du spectacle Bildergalerie INS Le Théâtre Pigalle, salle de cinéma La belle équipe, 17. Januar 2017

Einzelnachweise

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