Gosette Lubondo (* 1993 in Kinshasa) ist eine kongolesische Fotografin, die in Kinshasa lebt und arbeitet. Ihr künstlerisches Schaffen erkundet die Geschichte von Räumen, von einst symbolträchtigen Orten, die in Vergessenheit geraten sind. Sie inszeniert ebenso die Geschichte der Menschen, die Räume beleben, wie auch von zeitlosen Figuren. Mittels Inszenierung und fotografischer Performance hinterfragt sie die Geschichte ihres Landes, ihre eigene Geschichte sowie ihre Identität.

Biografie Gosette Lubondo wurde in eine Familie von Fotografen hineingeboren. Ihre Mutter ist Anne-Marie Mawete, ihr Vater Gaston Yina-Mambu Diakota. Sie ist das jüngste von fünf Geschwistern. Bereits im Alter von 14 Jahren beschäftigte sie sich mit Studiofotografie und nahm an mehreren Workshops teil. Diese wurden von in Kinshasa ansässigen Kooperativen wie Eza Possibles unter der Leitung des Fotografen Bruno Budjelal und M’Pongo organisiert. Weiter nahm sie an Workshops unter der Leitung des belgischen Fotografen Alexandre Christiaens teil. Mit 18 Jahren begann sie ein Studium an der Akademie der Schönen Künste in Kinshasa und machte 2014 ihren Abschluss in Visueller Kommunikation.

Im Jahr 2014 beteiligte sie sich an ihrer ersten Ausstellung Lady by Lady in Kinshasa, die vom Kulturzentrum Centre Wallonie-Bruxelles in Partnerschaft mit dem KinArtStudio organisiert wurde. 2015 nahm sie an Portfolio-Sichtungen und Diskussionsrunden teil, die im Rahmen der Fotobiennale Bamako unter der Leitung des Kunstkritikers Simon Njami mit Unterstützung des Goethe-Instituts Johannesburg stattfanden. Ihre Serie Imaginary Trip wurde 2016 der Fotobiennale Kampala, auf der Art Paris Art Fair 2017 sowie 2022 im Fowler Museum at UCLA, Los Angeles gezeigt. Im Jahr 2020 war Lubondo eine von fünf Preisträgerinnen des Contemporary African Photography (CAP) Prize.

Gosette Lubondo wurde zur Sharjah Biennial 17 unter dem Motto „What remains, sits restive“ eingeladen.

Werk Unter dem Titel Imaginary Trip (2016) schuf Lubondo eine Serie mit Fotoaufnahmen, die in einem ausrangierten Zug am Bahnhof von Kinshasa entstanden. Die Körper der Menschen scheinen sich dabei aufzulösen, als würden sie aus einer geisterhaften Vergangenheit kommen. Das Werk richtet sich an die postkolonialen Generationen des heutigen Afrikas, die Generationen der „Post-Memory“. Lubondo selbst gehört dieser Generation an. Sie wurde nach der Unabhängigkeit geboren und reflektiert über die fortwirkenden Resonanzen in der postkolonialen Gesellschaft.

Tala Ngai (2017) ist ein Ausdruck aus dem Lingala und bedeutet „Schau mich an“ oder „Besuch mich“. Eine Serie von zu einem Triptychon arrangierte Fotos navigieren zwischen dem intimen Bereich und der Außenwelt. In einem Foto zeigt sich jede Porträtierte in Ausgehkleidung, einmal im Alltag zu Hause und ein Foto zeigt einen Ausschnitt aus der eigenen Wohnung. Die Frauen von Kinshasa werden realistisch in den sozialen und kulturellen Realitäten dieser Gesellschaft dargestellt und müssen sich nicht wie in einem Selfie inszenieren. Das zugeordnete dritte Bild der Serie stellt die Vorstellung infrage, Individuen auf der Grundlage ihrer Herkunft zu kategorisieren. Für die Serie wurde Gosette Lubondo mit dem CAP-Preis ausgezeichnet.

Im Jahr 2018 fotografierte sie eine verlassene ehemalige Schule in Zentral-Kongo. Daraus entstand im Rahmen eines Fotografie-Residenzprogramms am Musée du quai Branly die Serie Imaginary Trip II. Die Arbeiten wurden vom Museum erworben und 2020 im Rahmen der Gruppenausstellung „Who is gazing?“ präsentiert.

Während ihrer Zeit in Frankreich entstanden Werke zum Prozess der Champagnerherstellung (Manu Solerti, 2021). Gosette Lubondo war beeindruckt von den Hinterlassenschaften der Geschichte und den Spuren der Zeit: dem Fortbestand eines jahrhundertealten Wissens der Winzer, die sich beispielsweise in den Abdrücken der Spitzhacken an den Wänden der Keller im Kreidestein (Crayères) zeigen. Der Prozess der Champagnerherstellung beruht seit drei Jahrhunderten auf menschlicher Arbeit und fachkundigen, überlieferten Handgriffen. mini|Ruinen des ehemaligen Palastkomplexes Gbadolite, Luftbild Gbadolite ist die Heimat von Mobutu Sese Seko. Während seiner Herrschaft verwandelte sich das Dorf in ein Prestigeprojekt. Ein prunkvoller Palastkomplex wurde mitten im Dschungel errichtet. Nach der Entmachtung Mobutus 1997 wurden die Stadt und ihre Paläste gestürmt und geplündert. Heute ist davon nur noch eine leere Hülle übrig. In Terre de lait, terre de miel (2022) inszenierte Gosette Lubondo eine Zeremonie in den Ruinen, die von ehemals üblichen Darbietungen, Gesängen und Tänzen zum Lobpreis Mobutus inspiriert wurden. Das Versprechen von Überfluss (ein Land, das von Milch und Honig überfließt,) ist ein zerbrochener Traum.

Imaginary Trip III (2024) befasst sich mit den kolonialen Industrieanlagen von Lukula in der Provinz Kongo Central. Sie waren auf die Verarbeitung von Holz und anderen regionalen Produkten spezialisiert. Sie stellten im Kolonialsystems wichtige Anker der lokalen Wirtschaft dar. Nach der Unabhängigkeit behaupteten sie sich bis in die 1970er Jahre und schlossen im darauffolgenden Jahrzehnt. Lubondo fotografierte das Gelände und ehemalige Mitarbeiter, die sich in der Hoffnung auf eine Wiederauferstehung bis heute um die überwucherten Gebäude kümmern. Sie porträtiert sie als geisterhafte Gestalten.

Auszeichnungen (Auswahl)

2017/2018: Résidences Photographiques, Musée du Quai Branly-Jacques Chirac, Paris 2020: CAP-Preis, IAF Basel – Festival for Contemporary Art, Basel 2021: Maison Ruinart Residency 2021: Maison Ruinart Prize 2026: The Toyota Tsusho CFAO African Art Award, Prix d'excellence

Literatur

Barbara Steiner, Nicole Fritz (Hrsg.): Congo Stars (Ausstellungskatalog Kunsthaus Graz, Kunsthalle Tübingen, de/en), Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2019. ISBN 978-3-96098-434-4 Kinshasa Chroniques (Ausstellungskatalog Le MIAM, Sète, und La Cité de l'architecture et du Patrimoine, Paris, fr/en), Editions de l’œil, Montreuil 2019. ISBN 978-2-35137-260-9 Christine Barthe, Pierre Daubert, Gary Neville Van Wyk: Gosette Lubondo: Au fil du temps; Imaginary Trip; Imaginary Trip II; Tala Ngai. Editions de l'Oeil, Montreuil 2020. ISBN 978-2-35137-296-8 Simon Njami, Sean O’Toole (Hrsg.): The Journey: New Positions in African Photography. Goethe Institute, Kerber Photo, 2020. ISBN 978-3-7356-0682-2 Memoria: récits d’une autre Histoire / Memoria: Accounts of another History (Ausstellungskatalog Fondation H, Antananarivo fr/en), Actes Sud, 2021.

Weblinks Website Gosette Lubondo, galerie-angalia.com, abgerufen am 24. Mai 2026.

Einzelnachweise

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