Die Medienunternehmen in Österreich umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien. Österreich ist mit rund neun Millionen Einwohnern ein vergleichsweise kleiner, durch eine außergewöhnlich hohe Eigentumskonzentration geprägter Medienmarkt, bei dem das deutsche Sprachgebiet gleichzeitig kulturellen Rahmen und intensiven Wettbewerb durch ausländische Medienanbieter schafft.Steinmaurer, T. (2002): Konzentriert und verflochten. Österreichs Mediensystem im Überblick. Innsbruck/Wien: StudienVerlag. ISBN 978-3-7065-1755-3 Als strukturelle Besonderheit gilt die ausgeprägte diagonale Verflechtung: Mehrere bedeutende Medienunternehmen stehen im Eigentum von Bankkonzernen, Industriefamilien oder kirchlichen Trägern.Theine, H. & Grabner, D. (2023): Voranschreitende Kommodifizierung der Medien in Österreich. In: Güney, S. et al. (Hrsg.), Eigentum, Medien, Öffentlichkeit. Frankfurt: Westend Verlag.

Überblick und Marktstruktur

Der ORF dominiert als größte Medienorganisation den österreichischen Medienmarkt. Im privaten Fernsehsegment lagen 2024 die deutschen Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 mit je rund 15 Prozent Marktanteil unmittelbar hinter den gemeinsam rund 33 Prozent erreichenden ORF-Kanälen; ServusTV erzielte etwa 5 bis 6 Prozent.Gadringer, S., Sparviero, S., Trappel, J. & Colaceci, A. (2024): Digital News Report Austria 2024. Universität Salzburg. DOI:10.5281/zenodo.11555810 Im Printbereich ist die Kronen Zeitung mit täglich rund 2,8 Millionen Leserinnen und Lesern (2025) die reichweitenstärkste Tageszeitung Österreichs.

Österreichs Mediensystem gilt in der kommunikationswissenschaftlichen Literatur als eines der am stärksten konzentrierten in Westeuropa.Trappel, J. (2019): Medienkonzentration – trotz Internet kein Ende in Sicht. In: Karmasin, M. & Oggolder, C. (Hrsg.), Österreichische Mediengeschichte. Wiesbaden: Springer VS. Sechs der dreißig bedeutendsten Medienunternehmen befinden sich laut dem Euromedia Ownership Monitor (EurOMo) vollständig oder nahezu vollständig in Familienbesitz, häufig über Privatstiftungen abgesichert; hinzu kommen Bankkonzerne und kirchliche Träger als Eigentümer.Aleksevych, M. & Trappel, J. (2025): Austria. Country report 2025. Euromedia Ownership Monitor (EurOMo). DOI:10.25598/EurOMo/2025/AT

Im World Press Freedom Index von Reporters Without Borders verschlechterte sich Österreichs Platzierung von Rang 7 (2015) auf Rang 32 (2024) und verbesserte sich 2026 wieder auf Rang 19.RSF – Reporters Without Borders: Länderprofil Österreich. Online: rsf.org Als Hauptursachen werden politische Einflussnahme auf Medien, mangelnde Transparenz bei staatlicher Inseratenvergabe und redaktionelle Abhängigkeiten angeführt.

Geschichte der Medienkonzentration Die Konzentration im österreichischen Mediensystem vollzog sich in mehreren Wellen. Bis in die 1970er-Jahre war der Pressemarkt durch eine Vielzahl parteipolitisch gebundener Blätter geprägt. Deren sukzessiver Rückgang sowie die Expansion der Kronen Zeitung (Neugründung 1959 durch Hans Dichand) trieben eine erste Konzentrationswelle voran. In den 1980er- und 1990er-Jahren trat die deutsche WAZ-Gruppe (heute: Funke Mediengruppe) als dominanter Fremdeigentümer auf und hielt zeitweise 50 Prozent an Kronen Zeitung und Kurier sowie Anteile an zahlreichen Magazinen.

Die Zulassung privater Radiosender erfolgte erst 1995; Privatfernsehen mit nationaler Konzession ermöglichte Österreich erst 2002 – als eines der letzten Länder Europas. Vorausgegangen war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), das das österreichische Rundfunkmonopol als Verletzung von Artikel 10 der EMRK (Meinungsfreiheit) qualifiziert hatte.

Eine weitere Umstrukturierungsphase setzte nach 2015 ein, als mehrere ausländische Verlage – darunter Bertelsmann/Gruner+Jahr – ihre österreichischen Anteile abgaben. Die 2023 eingeleitete Insolvenz der Signa Holding (René Benko) erzwang 2024 und 2025 eine tiefgreifende Neuordnung der Eigentumsverhältnisse: Die Familie Dichand erlangte die vollständige Kontrolle über die Kronen Zeitung, und Raiffeisen stieg zum zweitgrößten österreichischen Medieneigentümer nach dem ORF auf.

Öffentlich-rechtliche Medien ORF – Österreichischer Rundfunk Der Österreichische Rundfunk (ORF) ist die größte Medienorganisation Österreichs und Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Er betreibt vier Fernsehkanäle (ORF 1, ORF 2, ORF III, ORF Sport+), drei nationale Radioprogramme (Ö1, Ö3, FM4) sowie neun Landesstudios, das Nachrichtenportal orf.at und die Mediathek ORF ON. Als meistgenutzte österreichische Nachrichtenquelle gilt die Hauptnachrichtensendung Zeit im Bild.

Der ORF wird durch einen 35-köpfigen Stiftungsrat geleitet. Der Verfassungsgerichtshof stellte 2023 fest, dass die bisherige Zusammensetzung des Stiftungsrats verfassungswidrig war; im Juni 2025 trat ein reformierter Stiftungsrat sein Amt an. Seit 2024 finanziert sich der ORF durch einen einheitlichen Haushaltsbeitrag von 15 Euro monatlich sowie durch Werbeeinnahmen; die frühere gerätegebundene Gebühr entfiel.

APA – Austria Presse Agentur Die Austria Presse Agentur (APA) wurde 1849 als kaiserlich-königliches Telegraphen-Korrespondenz-Bureau gegründet und 1946 als nationale Nachrichtenagentur neukonstituiert. Seit 1994 ist sie eine Genossenschaft im Eigentum österreichischer Tageszeitungen und des ORF. Sie beschäftigt rund 511 Mitarbeitende und erzielte 2023 einen Umsatz von 75,8 Millionen Euro. Der Dienst APA-OTS ist die führende österreichische Plattform für Presseaussendungen.Austria Presse Agentur: Über die APA. Online: apa.at

Private Medienlandschaft – Fernsehen ServusTV / Red Bull Media House Die Red Bull Media House GmbH betreibt ServusTV, einen nationalen sowie im bayerischen Raum empfangbaren Sender, der unter anderem durch Motorsport-Übertragungen und eine breitgefächerte Dokumentationspalette bekannt ist. Laut EurOMo (2025) wird der Sender in medienwissenschaftlichen Analysen dem konservativ-liberalen Spektrum zugeordnet. Das Unternehmen gehört je zu annähernd 49 Prozent Mark Mateschitz (Sohn des 2022 verstorbenen Dietrich Mateschitz) und der thailändischen Familie Yoovidhya. Neben ServusTV und der Streaming-Plattform ServusTV On verlegt Red Bull Media House das internationale Magazin Red Bulletin.

ProSiebenSat.1 Puls 4 Die ProSiebenSat.1 Puls 4 GmbH ist die österreichische Tochtergesellschaft von ProSiebenSat.1 Media und betreibt Puls 4 (Vollprogramm), Puls 24 (Nachrichtenkanal) und ATV (Unterhaltung) sowie die Streaming-Plattform Joyn Austria. Bei der deutschen Muttergesellschaft hielt 2024 Renáta Kellnerová (PPF-Gruppe) rund 15 Prozent und die Berlusconi-Familie (MFE – Media For Europe) rund 9 Prozent. Eine vollständige Mehrheitsübernahme durch MFE war für 2025 angekündigt, stand zum Redaktionsschluss aber unter Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.

Private Medienlandschaft – Printmedien Kronen Zeitung Die Kronen Zeitung, 1959 durch Hans Dichand neugegründet, ist mit täglich rund 2,8 Millionen Leserinnen und Lesern die meistgelesene Tageszeitung Österreichs. Seit Sommer 2025 befinden sich alle Anteile im Familienbesitz. Die Kronen Zeitung und der Kurier halten gemeinsam je 50 Prozent der Gesellschaftsanteile an der Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlags GmbH & Co KG, dem größten österreichischen Zeitungsdruck- und Vertriebskonzern; die Gewinne werden im Verhältnis 70 zu 30 (Krone : Kurier) ausgeschüttet.Mediaprint – Verlagsriese von Krone und Kurier. In: diemedien.at (2025). Online: diemedien.at

Kurier und Raiffeisen Der Kurier (gegr. 20. Oktober 1954) steht mehrheitlich im Eigentum der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien (ca. 50 Prozent über RBI AG und RH Finanzbeteiligungs GmbH). Nach der Signa-Insolvenz erwarb Raiffeisen 2024 unter Auflagen der Bundeswettbewerbsbehörde das Niederösterreichische Pressehaus (NÖP); 2025 wurden die Funke-Anteile ebenfalls an Raiffeisen verkauft. Zum Kurier-Verbund gehören das Wochenmagazin profil (gegr. 1970), Kurier.at sowie der Chronos Buchverlag. Raiffeisen ist ferner gemeinsam mit der Diözese St. Pölten Miteigentümer der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN).Kaltenbrunner, A. (2022): Scheinbar transparent IV. Die Inserate der Bundesregierung in Österreichs Tageszeitungen 2022. Medienhaus Wien, Wien.

Styria Media Group Die Styria Media Group AG geht auf den 1869 in der Diözese Graz-Seckau gegründeten Katholischen Preßverein zurück. Zu 98,33 Prozent steht sie im Eigentum der Katholischer Medien Verein Privatstiftung; 1,67 Prozent hält der Katholische Medien Verein. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Januar 2025 Othmar Ederer (zugleich Vorstandsvorsitzender der Privatstiftung).Styria Media Group. In: diemedien.at (2025). Online: diemedien.at Portfolio:

Kleine Zeitung (überregionale Qualitätszeitung für Steiermark und Kärnten) Die Presse (überregionale Qualitätsnationalzeitung; Mehrheitsübernahme durch Styria 1991, Vollübernahme 1999) Bezirksblätter / MeinBezirk.at (regionale Gratiswochenzeitungen; 50:50-Joint-Venture mit der Moser Holding AG als RegionalMedien Austria AG, gegr. 2009; → siehe auch Abschnitt Moser Holding) Antenne Steiermark, Antenne Kärnten (Privatradios) Willhaben.at (marktführender österreichischer Online-Kleinanzeigenmarktplatz; Styria erwarb 2025 weitere Anteile von Adevinta gemeinsam mit Sprints Capital) Internationale Aktivitäten: Večernji list (Kroatien, übern. 2001); 24sata (Kroatien); Žurnal24.si (Slowenien, 2007–2014); Dnevnik-Beteiligung (Slowenien)

Styria ist neben ORF und Raiffeisen eine der größten Mediengruppen Österreichs.

Der Standard Der Standard wurde am 18. April 1988 von Oscar Bronner gegründet und befindet sich zu 98,5 Prozent im Eigentum der Familie Bronner. Die Zeitung gilt als führendes liberales Qualitätsblatt Österreichs; derstandard.at zählt zu den meistgenutzten österreichischen Nachrichtenwebsites.

Moser Holding und Regional-Medien Austria Die Moser Holding AG (Innsbruck; Eigentümergruppe: Familie Cuturi über Wimmer Mediagroup) gilt als eines der vier größten Medienunternehmen Österreichs. Sie hält 50 Prozent an der RegionalMedien Austria AG (RMA), die andere Hälfte hält Styria. Die RMA verlegt unter der Dachmarke MeinBezirk.at rund 120 regionale Gratiswochenzeitungen in allen Bundesländern. Daneben verlegt die Moser Holding die Oberösterreichische Rundschau sowie Tiroler Regional- und Wochenzeitungen.Österreichs größte Medienunternehmen. diemedien.at (2025). Online: diemedien.at

Russmedia Die Russmedia GmbH mit Hauptsitz in Schwarzach (Vorarlberg) geht auf eine 1919 gegründete Buchdruckerei in Bregenz zurück und firmiert seit 2012 unter diesem Namen (zuvor: Vorarlberger Medienhaus). Das Unternehmen gehört zu 61,5 Prozent der Russmedia Holding GmbH, hinter der die EAR Privatstiftung (Begünstigter: Eugen A. Russ) steht; die übrigen 38,5 Prozent hält die Sophie Kempf-Russ Privatstiftung.Vorarlberger Nachrichten: Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz. Online: vn.at/impressum Russmedia verlegt die Vorarlberger Nachrichten (Reichweite laut Österreichischer Media-Analyse: rund 67 Prozent in Vorarlberg) und die Neue Vorarlberger Tageszeitung (rund 11 Prozent) sowie das Wochenendblatt NEUE am Sonntag. Ferner betreibt das Unternehmen das Onlineportal VOL.AT – Vorarlberg Online sowie den Privatradiosender Antenne Vorarlberg (seit 1995). International ist Russmedia auf Online-Marktplätze (u. a. Erento) spezialisiert.

Salzburger Nachrichten Medien Die Salzburger Nachrichten Medien GmbH & Co. KG gehört der MAMDa Beteiligungs GmbH, die zu 60 Prozent von Herausgeber und CEO Maximilian Dasch sowie zu je 20 Prozent von seinen Schwestern Alexandra und Michaela Dasch gehalten wird. Zur Gruppe gehören die Salzburger Nachrichten, das Onlineportal Salzburg24.at sowie regionale Gratiswochenzeitungen und Magazine.

Weitere Mediengruppen im Printbereich