mini|hochkant|Bragas Relief am Quadri-Grab (1883) auf dem Friedhof von Como Enrico Braga (* 1841 im Kanton Tessin; † 1919 in Mailand) war ein schweizerisch-italienischer Bildhauer, der in Mailand und Sankt Petersburg tätig war.

Leben und Werk Enrico Braga wurde im Kanton Tessin geboren.Vincenzo Vicario: Gli scultori italiani. Dal neoclassico al liberty. Band 1. Il Pomerio, Lodi 1994, S. 185. Vermutlich stammte er aus Sigirino in der Nähe von Lugano, dem einzigen Ort in der Schweiz, in dem der Nachname Braga alteingesessen ist. Er studierte an der Accademia di Brera in Mailand und stellte hier 1868 die lebensgroße Skulptur Die Braut (La Isposa) aus. mini|hochkant|links|Bragas Statue Der Gaukler, Illustration anlässlich der Pariser Weltausstellung 1878 1874 war er mit anderen in Italien tätigen Bildhauern wie Pietro Guarnerio, Raimondo Pereda, Antonio Tantardini und Ugo Zannoni auf der Kunstausstellung in Berlin vertreten. Bruno Meyer kritisierte Bragas ausgestellte Skulptur Die Schamhafte als „kleines, schrecklich verrenktes Mädchen im Hemdchen“ und ließ sich über die Gruppe Knabe, der mit einem Hunde spielt folgendermaßen aus:

Bragas Teilnahme an der Berliner Kunstausstellung wird in Friedrich Spielhagens Gesellschaftsroman Sturmflut (1877) erwähnt. Im vierten Buch berichtet der Italiener Gilardi, er habe „Guarnerio, Braga und einigen andern unserer Freunde in Mailand und Rom, welche Werke eingesandt haben“, versprochen, Platzierung und Wirkung ihrer Statuen in der Ausstellung zu überprüfen.Friedrich Spielhagen: Sturmflut. Roman. Zweiter Band. Staackmann, Leipzig 1897, S. 11. Später liest er einen „Brief des Bildhauers Enrico Braga aus Mailand“ vor.Friedrich Spielhagen: Sturmflut. Roman. Zweiter Band. Staackmann, Leipzig 1897, S. 129. Bereits im ersten Buch erzählt der Künstler Justus Anders, dass „der Mailänder Enrico Braga, der im Sommer zu Besuch kam, ganz außer sich gewesen sei“ über seine Statue einer Schnitterin.Friedrich Spielhagen: Sturmflut. Erster Band (= Sämmtliche Werke. Band 13). Staackmann, Leipzig 1878, S. 273 f.

Auf der Kunst- und Kunstindustrieausstellung in Neapel 1877 und auf der Weltausstellung in Paris 1878 zeigte Braga ein vergleichbares Werk, das einen jungen Gaukler darstellt, der ein geducktes Hündchen zum Sprung über seine zum Halbkreis gebogene Reitpeitsche auffordert. Es wurde von Carl Albert Regnet weitaus wohlwollender beurteilt:

mini|hochkant|Bregas Statue Kleopatra, Illustration anlässlich der Pariser Weltausstellung 1878 Neben dem Gaukler zeigte Braga in Paris auch einen Bacchus und die Marmorskulptur Kleopatra,Braga (Enrico). In: Angelo De Gubernatis (Hrsg.): Dizionario degli artisti italiani viventi. Le Monnier, Florenz 1889, S. 74 (Digitalisat). die 1876 bereits an der Weltausstellung in Philadelphia zu sehen gewesen war. Die ägyptische Königin ist im Moment dargestellt, da sie sich zu Cäsar aufmacht, der soeben ihr Heer besiegt hat, um ihn ihrerseits mit ihrer Schönheit einzunehmen.Cleopatra, Marmorstatue von Enrico Braga. In: Die Pariser Welt-Ausstellung 1878. Nr. 9, 1878, S. 68 f. (Digitalisat). Zu ihren Füssen kniet ihr Diener Apollodoros. Eine Bronzeversion wurde 2008 bei Christie’s für 55'250 Pfund versteigert.

1880 präsentierte Braga auf der vierten Nationalen Kunstausstellung in Turin erneut die Kleopatra, ferner die Werke Rataplan, Zum Namenstag (Per l'Onomastico) und Der Preis (Il premio).Braga (Enrico). In: Angelo De Gubernatis (Hrsg.): Dizionario degli artisti italiani viventi. Le Monnier, Florenz 1889, S. 74 (Digitalisat). 1883 schuf er ein Bronzerelief für das Grabmal der Familie Quadri auf dem Friedhof von Como. Im selben Jahr nahm er mit der Skulptur Tochter des Meeres (Figlia del mare) an der Kunstausstellung in Rom teil. mini|hochkant|links|Büste des russischen Kaisers Alexander III. von Enrico Braga (1880er) Spätestens ab 1884 arbeitete Braga acht Jahre lang in Sankt Petersburg im Russischen Kaiserreich. 1884 wurde er für die Marmorskulptur Mädchen, das den Eltern einen Preis überreicht (Devočka, padajuščaja roditeljam premiju) zum Ehrenmitglied der Kaiserlichen Kunstakademie gewählt.Брага Энрико (1841–1919). In: В. Я. Юмангулов, Н. Ю. Хадеева: Скульптура Ораниенбаума. Каталог коллекции. ГМЗ «Петергоф», Sankt Petersburg, S. 157 (PDF). Aus seiner Zeit in Russland stammen mehrere Porträts der kaiserlichen Familie, darunter eine Marmorbüste des russischen Kaisers Alexander III., ferner ein Reliefporträt der Großfürstin Jelena Pawlowna, das im Menschikowpalais in Lomonossow (Oranienbaum) zu sehen ist, und eine Bronzebüste der Schauspielerin Sarah Bernhardt, welche im Nationalen Kunstmuseum der Republik Belarus in Minsk aufbewahrt wird. mini|hochkant|Das Garibaldi-Denkmal in Novara, 1886 eingeweiht Am 6. Juni 1886 wurde auf der Piazza Garibaldi in Novara die von Braga geschaffene Bronzeplastik Garibaldi am 25. Juli 1866 als Garibaldi-Denkmal eingeweiht.

1893 zeigte Braga an der Schweizerischen Turnus-Ausstellung in Basel und Winterthur die Marmorbüste Allein.Die Turnusausstellung des Schweizer. Kunstvereins im Gemeindesaal des Stadthauses in Winterthur. In: Der Landbote. Nr. 100, 29. April 1893, S. 577 (online).Catalog der Schweizerischen Kunst-Ausstellung in Basel. Adolf Geering, Basel 1893, S. 19 (PDF). 1896 schuf er das Grabmal Francesco Alemanis auf dem Monumentalfriedhof von Mailand. Am 21. Mai 1899 wurde im Atrium des Rathauses von Cassano d’Adda die von ihm geschaffene Gedenktafel für den Senator Giuseppe Robecchi eingeweiht. 1906 war seine Gipsstatue Dopo an der Nationalen Kunstausstellung in Mailand zu sehen.

Er starb 1919 in Mailand.

Galerie

Literatur Braga (Enrico). In: Angelo De Gubernatis (Hrsg.): Dizionario degli artisti italiani viventi. Le Monnier, Florenz 1889, S. 74 (Digitalisat). Francesco Sapori: Scultura italiana moderna. Libreria dello Stato, Rom 1949. Vincenzo Vicario: Gli scultori italiani. Dal neoclassico al liberty. Band 1. Il Pomerio, Lodi 1994, S. 185 f. Alfonso Panzetta: Nuovo Dizionario degli Scultori Italiani dell’ottocento e del primo novecento. Band 1: A–L. Adarte, 2003, S. 107. Брага Энрико (1841–1919). In: В. Я. Юмангулов, Н. Ю. Хадеева: Скульптура Ораниенбаума. Каталог коллекции. ГМЗ «Петергоф», Sankt Petersburg 2021, S. 157 (PDF).

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