mini|Übersichtskarte mit den Kirchen auf Murano mini|Jacopo de’ Barbari: Murano (Ausschnitt aus seiner Luftansicht Venedigs, entstanden um 1500) mini|Darstellung der Insel aus der Zeit um 1600, oben „San Bernardo“ mini|Blick in die Calle San Bernardo, 2019 San Bernardo hieß ein Komplex aus Kirche nebst Kloster, zunächst von Augustinerinnen, dann von Zisterzienserinnen, im Zentrum der venezianischen Insel Murano, genauer im südlichen Teil der Insel San Donato. Das Kloster entstand im 14. Jahrhundert und wurde 1806 unter Napoleon aufgehoben. Der in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts abgerissene Komplex befand sich am noch heute bestehenden Campo San Bernardo, einem schmalen Platz, der sich west-ostwärts erstreckt, während die Calle San Bernardo westlich des ehemaligen Gebäudes verläuft.
Geschichte Filippa, Witwe des Jacopo da Lezze, eines adligen Venezianers, hinterließ 1362 testamentarisch einen Teil ihres Erbes für den Bau der Kirche und des Klosters. Bonincontro, der Abt von San Cipriano, der zugleich Generalvikar des Bischofs von Torcello namens Giovanni war, gab den dortigen Nonnen die Regel der Augustinerinnen vor. Daher trugen sie fortan deren graues Habit.
Um den Nonnen Richtlinien mitzugeben, wurden am 7. Dezember 1362 zwei Nonnen aus dem Kloster San Jacopo di Murano beigezogen, wobei Chiara zur ersten Priorin des neuen Klosters wurde. Zugleich brachten sie die Regel der Zisterzienser mit. Wann dieser Wechsel stattgefunden hat, ist unklar, da ein Brand das Klosterarchiv zerstört hat.
Das erste Klostergebäude bestand bis zum Jahr 1581. Es wurde auf Kosten der Nonnen und einiger Unterstützer vergrößert und am 2. April 1617 neu geweiht. Auf Ersuchen der Nonnen bei den Provveditori sopra i Monasteri entstand Mitte des 18. Jahrhunderts eine eigene Schule. Luigia Maria Dolfin war die letzte Äbtissin des Klosters.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 355.
Unter Napoleon erfolgte mit dem Dekret vom 28. Juli 1806 die Zusammenfassung der Nonnen im Kloster Santa Maria degli Angeli. Bereits am 28. November des Jahres wurde das Klostergelände an die französische Marine übertragen. In den Jahren nach 1808 muss der Komplex abgerissen worden sein; als Emmanuele Antonio Cicogna das Areal 1854 aufsuchte, befand sich dort nur noch eine Hütte und ein Garten.
Literatur Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 351–367. (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 650–653. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 54 f. („S. Bernardo“). (Digitalisat)
Anmerkungen
Bernardo Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Zerstört im 19. Jahrhundert Kategorie:Kirche auf Murano Murano Kategorie:Bauensemble in Italien Kategorie:Kloster (14. Jahrhundert) Kategorie:Ehemaliges Augustinerinnenkloster Kategorie:Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Kategorie:Aufgelöst 1806 Kategorie:Klosterkirche in Italien