Die Geschichte von dem Azbin-Pferde ist ein Märchen der Fulbe aus West- und Zentralafrika (AaTh 327 B: Däumling und Menschenfresser + 313: Magische Flucht).Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 259–265, 356.

Handlung Die Leute der Azbin reiten ein Azbin-Pferd, das sie verkaufen wollen, jedoch ist der Preis zu hoch, also bietet es dessen Besitzer für die Brust einer Frau an. Vielen ist der Preis dennoch zu teuer; ein Knabe aber weiß, dass seine Mutter alles für ihn tun würde, und so geht er zu ihr und bittet sie um ihre Brust. Diese heißt ihn ein Messer zu holen und lässt sich damit von ihm die Brust abschneiden, sodass der Knabe sein Pferd erhält. Mit diesem begibt er sich sodann auf die Reise, um das Ende der Welt zu sehen.

Unterwegs trifft der Knabe seinen Freund, die Spinne, die mit ihm reiten will. Also fertigt sie sich einen Sattel aus einer Baumblüte und sie reiten gemeinsam dahin. Sie gelangen an einen Ort, wo kein Land mehr existiert, nur Wind, Wasser sowie Schwärze, und dort treffen sie auf eine Frau, die sie in ihr Haus einlädt. Diese will einen Hahn für sie schlachten, der ihr jedoch entkommt, also essen sie Klöße und gehen danach zu Bett. Mitten in der Nacht nimmt die Frau ein Messer und beginnt es zu schärfen, woraufhin der Hahn kräht, um die beiden Freunde vor der hungrigen Hexe zu warnen. Dreimal warnt er vor ihr, sodass sie die Nacht überstehen; dem Hahn allerdings wird am nächsten Tag der Garaus gemacht. In der nächsten Nacht setzt sich die Spinne dann mit einem eisernen Stock hinter die Tür und schlägt der Hexe dreimal den Kopf blutig, sodass diese wieder nichts verrichten kann. Am nächsten Morgen beschließen die beiden Freunde, wieder in ihr Land zu gehen.

Bevor sie losreiten, befestigt der Knabe ein Rasiermesser im Schwanz des Azbin-Pferdes, sodass sich die Hexe, die sie mit Windeseile verfolgt, daran schneidet. So flüchten sie weiter über einen heißen See und Wasser, das wie Feuer ist, und immer wieder schneidet sich die Verfolgerin an dem Messer. An einem großen Fluss mit kaltem Wasser gibt die Hexe ihre Jagd schließlich auf, sodass die beiden Freunde heimgelangen.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Diedrich Westermanns Handbuch der Fulsprache (Berlin 1909, 267 f.). In Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) trägt es den Titel Die Geschichte von dem Azbin-Pferde. Ein vergleichbares Märchen der Hausa findet sich in James Frederick Schöns Dictionary of the Hausa Language (London 1876, XXIV ff.).

Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 259–265, 356.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Fulbe Kategorie:Pferd in der Literatur Kategorie:Spinne als Thema