mini|Canaletto: Vedute mit den Kirchen Sant’Isepo und San Nicolò di Castello, um 1740, Öl auf Leinwand, 47,5 × 77,5 cm, Privatsammlung San Nicolò di Castello war eine vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1810 bestehende Kirche im Osten des venezianischen Sestiere Castello, die zu einem Hospiz- und Klosterkomplex am Ostrand der Stadt gehörte. Dieser Komplex an der Punta di Sant’Antonio wurde auf Initiative Napoleons zugunsten einer weiträumigen Gartenanlage abgerissen. Sie gehört zum Gelände der Biennale di Venezia.

Geschichte mini|Plan der Stadt Venedig, entstanden um 1500 durch Jacopo de’ Barbari (Detail) 1471 beschloss die Republik Venedig, ein „Cohopertum“ für die Armen zu errichten, eine Art Schutzeinrichtung. Die Kosten sollten vom Ufficio del Sale getragen werden, das inzwischen mit seinen Einnahmen aus dem Salzmonopol für öffentliche Bauvorhaben zuständig war. Als Standort wurde der Campo Sant’Antonio gewählt, ein weitläufiges, freies Gelände „intra Sanctum Dominicum et Sanctum Antonium“. An diesem Ort sollten auch die zahlreichen Bettler, die das Stadtzentrum seit dem sich verschärfenden Konflikt mit den Osmanen zunehmend bevölkerten, untergebracht werden. So sollten die Arkaden des Markusplatzes, wo sich diese Verarmten ballten, wieder begehbar werden.

Später erfolgte die Finanzierung der Almosen aus dem Verkauf von Ablässen. Am 30. Mai 1475 gewährte Papst Sixtus IV. eine entsprechende Bulle. Wer im Hospital beichtete und Spenden hinterließ, sollte für zwanzig Jahre Ablass erhalten.

Am 7. April 1476 fand die Grundsteinlegung statt, ermöglicht durch eine umfangreiche Spende des Dogen Andrea Vendramin. Diese fand durch den Patriarchen Maffeo Gherardi in Anwesenheit des Dogen und des Senats statt. Die Einrichtung unterstand dem Dogen selbst und drei Prokuratoren von San Marco sowie drei weiteren gewählten Prokuratoren. Papst Innozenz VIII. verlängerte die Bulle seines Vorgängers um weitere zwanzig Jahre, was den Geldzufluss verstetigte. Dennoch kam der Bau nur langsam voran, er wurde erst am 25. März 1503 geweiht. Im Hospiz wurden nur Arme, Venezianer und Seeleute oder andere, die sich um den Staat verdient gemacht hatten, aufgenommen. Außerdem musste man mindestens sechzig Jahre alt sein, unverheiratet oder verwitwet, und darüber hinaus bereit sein, dauerhaft in der Einrichtung zu leben. mini|Mappa della Punta di Sant’Antonio, um 1500, Museo Correr mini|Domenico Lovisa (1690–1750): Die Kirche San Nicolò und das angrenzende Hospiz, 1720 1573 erhielt die Fraterna dei marineri di San Nicolò, die Bruderschaft der Seemänner von San Nicolò, die Erlaubnis, die Kirche einmal im Monat für eine Messe zu nutzen, gefolgt von einer Prozession um das Gebäude herum. 1658 wurde den Marineri gestattet, in der Kirche einen Altar zu errichten, der den Heiligen Josef und Nikolaus von Bari gewidmet war.Alessandro Gaggiato: Le chiese distrutte a Venezia e nelle isole della Laguna, Venedig 2019, S. 197. Wahrscheinlich wurde die Kirche seither mit dem Namen „San Nicolò di Bari“ bezeichnet.

1591 wurde das Gregorianische Seminar von seinem ursprünglichen Sitz in Santi Filippo e Giacomo, der wieder vollständig dem Primicerius zur Verfügung gestellt wurde, in einen Teil des Hospitalkomplexes verlegt. Die Leitung dieses Seminars, das der Ausbildung der Kanoniker der Markuskirche diente, wurde der Ordensgemeinschaft der Somasker übertragen, die sie bis 1612 innehatten und dann ab 1627 endgültig übernahmen. Den Somaskern wurde zudem das Hospiz und auch die Kirche übertragen.Odilla Battiston (Hrsg.): Chiese e monasteri distrutti a Castello dopo il 1807, Filippi, Venedig 1992, S. 43–45.

Doch der Komplex wurde noch weiter ausgebaut. 1668 wurde nämlich einer Gruppe von Kapuzinerinnen der östliche Teil des Hospitals zur Einrichtung eines eigenen Klosters überlassen. Zudem entstand eine kleine Kirche innerhalb des bestehenden Gebäudes, die 1675 geweiht wurde.

1806 wurden mit der Ausweitung des napoleonischen Dekrets zur Auflösung und Umstrukturierung der Klöster auf die venezianischen Gebiete, die nunmehr unter französischer Kontrolle standen, das Seminar und alle anderen religiösen Einrichtungen der Punta di Sant’Antonio aufgelöst. Sie gingen an die französische Marine. Auf der Grundlage des Dekrets vom 7. Dezember 1807 sollte Venedig mit großen öffentlichen Gärten ausgestattet werden.

Dazu wurden die Kirche San Nicolò, das Hospiz und das Kloster mit der Kirche Sant’Antonio abgerissen und die Gartenpläne unter Leitung des Architekten Giannantonio Selva umgesetzt, der vom Podestà Daniele Renier, dem noch von den Österreichern eingesetzten Bürgermeister Venedigs, dazu beordert wurde. Es dauerte bis 1810, bis sämtliche Gebäude abgerissen waren. mini|Das ehemalige Hauptportal von San Nicolò di Castello wurde 1824 als Nebentür der Gallerie dell’Accademia eingesetzt. Von der Kirche wurden nur die mit Kandelaber- und Girlandenmotiven verzierten Portale der Fassade gerettet und in die Gebäude der Gallerie dell’Accademia verlegt: Das Hauptportal wurde 1824 an der Außenwand in der Nähe der südwestlichen Ecke des Komplexes wieder aufgebaut, während die Fragmente der beiden kleineren Portale im Innenhof eingemauert wurden.

Literatur Alessandro Gaggiato: Le chiese distrutte a Venezia e nelle isole della Laguna, Supernova, Venedig 2019. Elena Bassi: Tracce di chiese veneziane distrutte. Ricostruzioni dai disegni di Antonio Visentini, Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, Venedig 1997. Odilla Battiston (Hrsg.): Chiese e monasteri distrutti a Castello dopo il 1807 (S. Domenico, S. Nicolo di Bari, Ospedale di Messer Gesu Cristo, Seminario Ducale, convento della Cappuccine, S. Antonio), Filippi, Venedig 1992, S. 41–52. Dulcia Meijers: L’architettura della nuova filantropia, in: Bernard Aikema, Dulcia Meijers (Hrsg.): Nel regno dei poveri. Arte e storia dei grandi ospedali veneziani in eta moderna 1474–1797, Arsenale, Venedig 1989, S. 43–69. Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Giuseppe Orlandelli editore, Venedig 1824, S. 359–367 (4 Inschriften). (digitalisiert beim Münchener Digitalisierungszentrum) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 50–64 und S. 157–159 (Somasker). (Digitalisat, S. 50 f. und Digitalisat, S. 157) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 50 („S. Nicolò de Bari a Castello“). (Digitalisat)

Weblinks

3. San Nicolò di Castello, Website The Churches of Venice

Anmerkungen

Nicolo di Castello Nicolo di Castello Kategorie:Zerstört in den 1800er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Nikolaikirche Kategorie:Erbaut 1503 Kategorie:Krankenhauskirche