Das als Maria mit Kind und der hl. Martha von Astorga bekannte Kunstwerk ist ein Gemälde des italienischen Künstlers Ciro Ferri. Es befindet sich im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und ist in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim (Oberschleißheim) ausgestellt. Die Datierung des 140 cm breiten und 157,2 cm hohen, in Öl auf Leinwand gefertigten Gemäldes ist unbekannt.
Bildbeschreibung Auf dem Gemälde zu sehen sind drei Personen. Diese gruppieren sich als eine Dreierkonstellation in der Mitte des Vordergrundes im Bild. Etwas erhöht, vermutlich auf einem Stein sitzend, ist Maria. Auf ihrem Schoß hält sie zu ihrer rechten Seite ein Kind, das Jesuskind. Die Darstellungsweise der Gottesmutter entspricht jener der Madonna dell'Umiltà, der Demutsmadonna. Ergänzt werden die beiden durch die rechts, zu ihnen gewandte und kniende heilige Martha von Astorga. Aus der Positionierung der Figuren ergibt sich eine Staffelung: Maria bildet die Spitze, gefolgt von ihrem Kind, und Martha ist am tiefsten platziert.
Keine der drei Personen blickt in Richtung des Betrachters, Maria hält ihren Blick gesenkt in Richtung des Bodens, während das Jesuskind seinen Blick der heiligen Martha zuwendet. Diese erwidert seinen Blick jedoch nicht, sondern blickt auf ihre Hand, die sie dem Kind entgegenstreckt. Dominiert wird die Figurenkonstellation von drei Objekten, die wiederum in sich eine Anordnung ergeben. In seiner rechten Hand hält das Jesuskind einen Palmwedel, in seiner Linken eine Lilie, welche es – so lässt es sich optisch deuten – gerade an die heilige Martha von Astorga übergibt. Diese wiederum greift mit ihrer rechten Hand nach der Blume und hält in ihrem linken Arm einen Haken. Ein Beil lässt sich zu ihrer Rechten auf dem Boden liegend erkennen. Komposition und Farbgestaltung
Gekleidet ist die Gottesmutter in ein blaues und rotes Gewand, das Jesuskind wird nur durch ein weißes Tuch bedeckt. Die Heilige erscheint ebenfalls in einem blauen Kleid, jedoch ist dieses weniger kräftig. Eingehüllt wird Martha von einem goldenen Überwurf. Durch die Verwendung der Grundfarben Blau und Rot ergeben sich im Gemälde starke Kontraste, wobei sich diese von Maria deutlich dominanter zeigen als jene der Martha. Ebenfalls einen starken Kontrast bildet das weiße Tuch, in welches das Jesuskind gehüllt ist, mit dem Blau Mariens. Aufgrund dieser farblichen Gestaltung erscheint Maria mit dem Kind als dominante Komponente im Gemälde.
Während der Mittelgrund fast vollständig in der Dunkelheit verschwindet, werden der Vorder- und Hintergrund durch eine nicht sichtbare Lichtquelle ausgeleuchtet. Der Himmel im Hintergrund, welcher farblich in einem hellen Blau gestaltet ist, wird vermutlich durch Sonnenlicht von links beleuchtet. Aufgrund der sich räumlich weit erstreckenden Distanz zwischen Vorder- und Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass es sich dabei nicht um die gleiche Lichtquelle handeln kann, welche den Vordergrund ausleuchtet. Durch die gewählte Lichtgestaltung des Künstlers wird der gestaffelte Raum und somit der plastische Eindruck verstärkt. Der Schattenwurf, welcher sich auf den Gewändern der dargestellten Figuren abzeichnet, sowie die deutliche Ausleuchtung der linken Gesichtshälfte von Maria mit ihrem Kind, lässt darauf schließen, dass sich die vordere Lichtquelle im linken oberen Eck verorten lässt.
Die bereits angedeuteten, durch die Lichtquelle entstehenden, Farb- und Helligkeitskontraste heben die drei Figuren räumlich von ihrem Hintergrund ab und staffeln den Bildraum in drei Ebenen. Die vordere Ebene besteht somit aus Maria mit Kind und der heiligen Martha, der mittlere Bildraum verschwindet fast vollständig im Dunkeln und lässt lediglich einen Wald erahnen. Dieser gibt sodann den Blick für die im oberen rechten Teil des Gemäldes erscheinende Landschaft mit Häusern, Bergen und Wolken frei. Der Kontrast zwischen der dunkleren Gestaltung des Waldes und dem hellen Hintergrund sowie den ausgeleuchteten Personen im Vordergrund, schafft eine optische Staffelung des Bildraumes. Dadurch bilden sich Korrespondenzen zwischen dem Himmel und den Heiligen, welche im symbolischen Bezug zueinander stehen.
Ikonografie und symbolische Farbbedeutungen Maria Die Farbe Blau Maria erscheint in einem blauen Gewand. Blau, die Farbe des Meeres und des Himmels, gilt als diejenige, die die Welt von oben und unten umschließend, als „der Grundstein allen Seins“, als Verbindung mit dem ursprünglichen, dem Elementaren. Die „Elementarien der Schöpfung“ als unbewusste „Verknüpfung der Blauempfindung“. Diese Deutung kann sowohl weltlich als auch christlich gesehen werden. Nach C. Döring ist blau vor allem aber eine Repräsentation des Himmels und der Treue. Der Mantel Mariens, als symbolischer „Schutz für Hilfesuchende“, fungiert in Form der sogenannten Schutzmantelmadonna in der Kunst seit dem 13. Jahrhundert als ein gebräuchliches Motiv. Die Jungfrau Maria bietet hier Schutz für ihr Kind sowie für die heilige Martha von Astorga.
Die Farbe Rot Die Gottesmutter ist mit einem roten Stoff umhüllt, welcher im Kontrast zu dem Blau ihres Mantels steht. Die Farbe Rot ist mit der Liebe konnotiert, hier die Liebe zu ihrem Sohn, den sie auf ihrem Schoß umsorgt. Sie schenkt ihre Liebe auch der schutzsuchenden Martha von Astorga. Beiden gegenüber jedoch nicht in Form einer erotisierenden Liebe, sondern einer demütigen und respektzeugenden. Nicht nur lässt sich die Farbe in diesem Kontext deuten, sondern sie ist auch Ausdruck des Märtyrertums und verweist somit auf die Märtyrer, welche ihr Blut für Christus vergossen haben, um ins Paradies zu gelangen, so auch Martha von Astorga.
Jesuskind Die Lilie Das Jesuskind hält in seiner linken Hand eine Lilie, welche es der heiligen Martha entgegenstreckt. Diese hat ihre Hand geöffnet, um die Blume entgegenzunehmen. Dies tut sie mit einer demütigen Haltung, ohne hierbei den Blickkontakt zu einer der Personen zu suchen. Unter den Kirchenvätern gilt sie als die Blume der Mutter Gottes mit ihrem leuchtenden Weiß, als Sinnbild ihrer Reinheit und damit der „Inbegriff der Keuschheit“ und „Vollkommenheit der göttlichen Schöpfung“. Diese Bedeutung wird nun symbolisch durch das Jesuskind auch auf die heilige Martha von Astorga übertragen.
Der Palmwedel In seiner anderen Hand hält das Jesuskind einen Palmwedel. Margarethe Schmidt erklärt, dass dieser, historisch betrachtet, bereits seit dem alten Ägypten als ein Friedenszeichen gilt und im antiken Griechenland Sieger von Festen oder Wettkämpfen symbolisch mit Palmkränzen gekrönt wurden. Auch in Rom galt die Pflanze stets als ein Zeichen des Triumphes, zu Ehren der Siegesgöttin Viktoria. Im alten Testament wurde der Pflanze die Funktion der Bezeichnung von Gläubigen und Ungläubigen zugeschrieben, wobei die Gerechten – die Gläubigen – sich „wie eine Palme“ entfalten. Ikonographisch steht der Palmwedel somit sinnbildlich für den Erfolg und ist gleichzeitig Repräsentation des Paradieses.
Hl. Martha von Astorga Die heilige Martha von Astorga gilt als Schutzpatronin der gleichnamigen Stadt in Spanien. Auf dem Gemälde ist sie mit einem Objekt dargestellt, das sich als Haken identifizieren lässt. Auf dem Boden rechts neben ihr liegt ein Beil. Sie versprach sich zeitlebens Jesus Christus und starb als Märtyrerin. Laut Überlieferungen lehnte sie zu Zeiten der Christenverfolgungen eine Heirat mit dem Sohn des Kaisers Decius ab, als Konsequenz wurde sie mit einem Haken gefoltert und ihre Wunden sodann mit Salz bedeckt. Aufgrund der Glaubensstärke der Heiligen, erliegt sie diesen Verletzungen nicht und wurde sodann hingerichtet. Martha erhält durch die Überreichung der Lilie die Bestätigung des Glaubens, für die sie ihr Leben gab. Schutz erhält sie durch die Präsenz und den Ausdruck Mariens als Schutzgebende. Diese tritt ihr, angesichts der Darstellung als Demutsmadonna, nahezu auf Augenhöhe gegenüber und zeugt von ihrer Achtung gegenüber der Heiligen.
Literatur Biesinger, Albert / Braun, Gerhard: Gott in Farben sehen: die symbolische und religiöse Bedeutung der Farben, München 1995. Doering, Oskar / Hartig, Michael: Christliche Symbole: Leitfaden durch die Formen- und Ideenwelt der Sinnbilder in der christlichen Kunst, Freiburg im Breisgau 1940. Heinz-Mohr, Gerd: Lexikon der Symbole – Bilder und Zeichen der christlichen Kunst, Düsseldorf/Köln 1981. Schmidt, Margarethe: Warum ein Apfel, Eva? Die Bildsprache von Baum, Frucht und Blume, Regensburg 2000. Merz, Jörg Martin: Pietro da Cortona und sein Kreis: die Zeichnungen in Düsseldorf, München 2005. Williamson, Beth: The Madonna of humility: development, dissemination and reception, c. 1340-1400, Woodbridge 2009.
Einzelnachweise
Kategorie:Bayerische Staatsgemäldesammlungen Kategorie:Marienbildnis Kategorie:Heiligenbild Kategorie:Jesuskind Kategorie:Gruppenbildnis Kategorie:Werk (17. Jahrhundert)