Das Gemälde mit der Darstellung der Hll. Hieronymus, Magdalena, Antonius und Franziskus ist ein Ölgemälde auf Leinwand des Künstlers Carlo Saraceni. Eine genaue Datierung liegt nicht vor; aufgrund stilistischer Merkmale kann das Werk allerdings in die Zeit um 1600 eingeordnet werden. Das Kunstwerk ist Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und wird in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim ausgestellt. Erworben wurde es im Jahr 1803 im Zuge der Säkularisation aus der Augustinerkirche München.

Bildbeschreibung Das Gemälde zeigt eine mehrfigurige Andachtsszene, in der vier bedeutende Heilige gemeinsam vor einer monumentalen architektonischen Kulisse erscheinen. Die Figuren sind in einer eng gefügten, horizontalen Gruppenkomposition angeordnet. Die rechte Hälfte des Hintergrundes wird von einer Säulenarchitektur mit kannelierten Säulen und ionischen Kapitellen dominiert und strukturiert den Bildraum. Eine vertikale Mittelachse gliedert die Komposition in zwei Bildhälften.

Unterhalb der Säulenanordnung im rechten Teil des Bildes sind die drei Heiligen Hieronymus, Maria Magdalena und Antonius der Große positioniert. Im Bildvordergrund auf einer Anhöhung sitzend ist der Heilige Hieronymus dargestellt. Sein Oberkörper ist nackt, nur ein Tuch bedeckt seine Hüfte und Oberschenkel. Die Figur ist in einer leichten Drehung positioniert, wobei der Oberkörper dem Betrachter zugewandt ist, während der Kopf nach links oben gerichtet ist. Die Anatomie des Körpers ist detailliert ausgearbeitet. In der rechten Hand der Figur befindet sich ein aufgeschlagenes Buch, während der rechte Arm den Körper stützt. Zu den Füßen des Hieronymus, in der rechten Bildecke, liegt ein Löwe. Nur der vordere Teil des Tieres ist zu sehen, wobei sich der Kopf nach rechts in den Bildraum hinein wendet. Zudem befindet sich auf dem Boden vor dem Löwen ein menschlicher Totenschädel.

Erhöht hinter Hieronymus steht Maria Magdalena. Sie trägt ein weiß-blaues, voluminöses Gewand, dessen Stoff weich von den Schultern fällt. Die Haare sind offen und fallen auf einer Seite nach hinten. Die Hände sind vor ihrem Körper zusammengeführt und legen sich sanft auf ihre Brust. Maria Magdalenas Kopf ist gesenkt und richtet sich mit ruhigem Blick hinab auf Hieronymus. Neben der Figur ist ein helles, kleines Gefäß dargestellt.

Links neben den beiden Figuren, in einem dunklen und mächtigen Gewand, ist der Heilige Antonius der Große zu sehen. Sein Körper ist leicht nach vorne geneigt und dem Heiligen Hieronymus zugewandt. In seinen Händen hält Antonius einen Stab, auf den er sich stützt, sowie ein Glöckchen.

In der linken Hälfte des Gemäldes ist die vierte Heiligenfigur, der Heilige Franziskus von Assisi dargestellt. Er befindet sich auf einer hinteren Bildebene als die anderen Heiligen und ist teilweise verschattet zu sehen. Die Haltung des Franziskus ist nach vorne gebeugt, seine Hände leicht ausgebreitet. Sein Körper wendet sich von der Heiligengruppierung ab nach links oben in Richtung des Himmels.

Der Hintergrund auf der linken Bildhälfte ist dominiert von einem wolkenverhangenen Himmel. Die Wolken sind dunkel und dramatisch dargestellt, während zwischen ihnen klar blauer Himmel hervorkommt. Das Licht fällt von links oben ein und hebt einzelne Elemente stärker hervor.

Ikonographische Deutung des Gemäldes Die Darstellung vereint vier zentrale Heilige des Christentums, die jeweils für zentrale Werte des christlichen Glaubens stehen. Die Kombination der Heiligen legt eine Ausrichtung auf kontemplative Andacht nahe.

Im Mittelpunkt der Komposition befindet sich der Heilige Hieronymus, einer der vier Kirchenväter. Seine halbnackte Darstellung weist auf eine asketische Lebensweise hin, in welcher Hieronymus die Rolle des Büßers einnahm. Das aufgeschlagene Buch in seiner Hand steht für seinen Gelehrtenstatus, insbesondere verweist es auf seine Übersetzung der Bibel, die Vulgata. Der Löwe zu seinen Füßen ist ein traditionelles Attribut des Hieronymus und geht auf eine Legende zurück, nach der er dem Löwen einen Dorn aus den Pranken entfernte und ihn von seinem Leid erlöste. Der besagte Löwe wurde später zu seinem Haustier und Wegbegleiter.

Die Heilige Maria Magdalena befindet sich unmittelbar hinter Hieronymus. Das Salbgefäß, welches rechts neben der Figur zu sehen ist, ist ein klassisches Attribut der Maria Magdalena und verweist auf ihre Salbung und Pflege Jesu Christi am Grab. In der christlichen Ikonographie verkörpert die Figur Reue, Hoffnung und Erlösung. Ihre in sich gekehrte Haltung und ihr gesenkter Blick unterstreichen ihre Rolle als unterstützende Begleitfigur.

Unmittelbar links des Heiligen Hieronymus ist der heilige Antonius der Große dargestellt. Das dunkle Ordensgewand mit Mantel ist eine typische Darstellungsform des heiligen Antonius. Auch durch die Attribute des Glöckchens in seiner Hand sowie des T-förmigen Stabes ist der Heilige eindeutig zu identifizieren. Antonius gilt als ein Begründer des christlichen Mönchtums und steht somit für Askese und Frömmigkeit. Seine Haltung, die sich dem Hieronymus zuwendet, unterstreicht seine Rolle als geistlicher Mittler der Gruppierung.

Am linken Bildrand erscheint der Heilige Franziskus von Assisi, gut erkennbar an seiner braunen Kutte und dem am Strickgürtel befestigten Rosenkranz. Franziskus gilt als einer der bedeutendsten Ordensgründer und steht vor allem für Armenpflege, Predigt und Seelsorge. Seine Positionierung in Randdarstellung im Gemälde hebt ihn zugleich etwas von der Gruppe ab. Innerhalb der Konstellation steht Franziskus für eine stärker mystisch geprägte Frömmigkeit, die sich von der gelehrten Frömmigkeit des Hieronymus und der asketischen Lebensweise des Antonius unterscheidet.

In der Zusammenführung dieser vier Figuren entsteht durch das Gemälde ein typologisches Bild christlicher Heiligkeit, in dem unterschiedliche Werte des Christentums wie Buße, Gelehrsamkeit, asketisches Leben und Frömmigkeit miteinander verbunden werden.

Technik und Stil Bei dem Gemälde handelt es sich um eine großformatige Ölmalerei auf Leinwand. Es weist charakteristische Merkmale von Saracenis römischer Schaffensphase zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf. Charakteristisch ist der gezielte Einsatz von Hell-Dunkel-Kontrasten, genannt Chiaroscuro, wodurch die Körper plastisch aus dem dunklen Hintergrund hervorstechen. Das Licht kommt aus einer Lichtquelle außerhalb des Bilderrahmens und fällt von links oben ein. Dadurch wird insbesondere der Körper des Heiligen Hieronymus hervorgehoben, der durch sein helles Strahlen als kompositorischer Mittelpunkt fungiert.

Die Figuren sind sehr naturalistisch dargestellt, wobei der Künstler anatomische Präzision mit einer weichen, venezianisch geprägten Farbigkeit verbindet. Auch wenn Saraceni der Gruppierung der Caravaggisti zugeordnet wird, nimmt er dort eine Sonderstellung ein. Er verknüpft römische Einflüsse mit der venezianischen Schule. Insbesondere die Verwendung warmer Rottöne und weicher Übergänge in der Modellierung, genannt Kolorismus, verweisen auf venezianische Einflüsse in seinen Werken.

Die Verbindung von caravaggistischem Chiaroscuro mit einer klaren, ausgewogenen Komposition und klassizierend wirkender Architektur ist typisch für Saracenis eigenständige Ausprägung des Caravaggismus.

Provenienz und Objektgeschichte Das Gemälde befindet sich heute in der Staatsgalerie im Schloss Schleißheim. Über seine ursprüngliche Auftraggeberschaft ist bislang wenig bekannt. Auch das genaue Entstehungsdatum bzw. die Entstehungszeit sind nicht dokumentiert. Aufgrund stilistischer Kriterien kann es allerdings in Saracenis Schaffensphase um 1600–1615 eingeordnet werden.

Das Gemälde gelangte 1803 als Säkularisationsgut aus der Augustinerkirche in München in den Besitz des Bayerischen Staates, wodurch es heute Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlung ist. Aufgrund seiner Herkunft aus einem kirchlichen Kontext ist eine ursprüngliche Verwendung als Altarretabel anzunehmen. Zudem erhielt Saraceni in Italien bekanntlich häufig Aufträge für Altarbilder, was ebenfalls ein Indiz dafür ist, dass dieses Werk als Altarbild vorgesehen war. Hierfür spricht ebenfalls das großformatige Format des Gemäldes.

In der Staatsgalerie befindet sich zudem eine kleinformatige Version (163 × 116,5 cm) des Gemäldes, die das gleiche Bildthema mit identischer Figurenanordnung zeigt. Die kleinere Fassung wird als Kopie oder Werkstattarbeit des großformatigen Gemäldes betrachtet. Ihre Existenz weist auf eine Rezeption und mögliche Weiterverbreitung der Komposition hin, erlaubt jedoch keine gesicherten Rückschlüsse auf die Entstehungssituation oder die ursprüngliche Auftraggeberschaft des Hauptwerks. Kunsthistorische Einordnung Das Gemälde lässt sich in die römische Schaffensphase des gebürtigen venezianischen Künstlers einordnen, in der die Figur des Hieronymus wiederholt als kompositorisches Zentrum erscheint. mini|Michelangelo Merisi da Caravaggio: Hl. Hieronymus, 1605–06 Neben anderen caravaggistischen Hieronymus-Darstellungen hebt sich Saracenis Version etwas ab. Im Vergleich zu Caravaggios Gemälde des Heiligen Hieronymus aus der Galleria Borghese, das in einem ähnlichen Zeitraum entstand, lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Während Caravaggio den Heiligen in körperlicher Anspannung und in einem isolierten Raum alleine darstellt, zeigt Saraceni Hieronymus in einer harmonisch wirkenden Gruppenkomposition. Dadurch unterstreicht das Gemälde die vermittelnde Stellung Saracenis zwischen römischem Caravaggismus und venezianischer Maltradition.

Literatur

Herman Grimm: Zehn ausgewählte Essays zur Einführung in das Studium der neueren Kunst. Berlin 1833. Chiara Marin: Carlo Saraceni. Venedig 2013. Dissertation, Universitá Ca’Foscari Venedig. Anna Ottani Cavina: Carlo Saraceni. Mailand 1968. Richard E. Spear: Caravaggio and his followers. New York 1975.

Anmerkungen und Einzelnachweise

Kategorie:Bayerische Staatsgemäldesammlungen Kategorie:Gemälde (17. Jahrhundert) Kategorie:Gemälde (16. Jahrhundert)