Das Gemälde Haustiere und Gerätschaften stammt von dem Maler Giovanni Benedetto Castiglione, ist jedoch nicht datiert. Das 166 mal 265 Zentimeter große Gemälde ist heute Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und wird im Schloss Schleißheim ausgestellt. Es zeigt eine landschaftliche Szene, in der sowohl eine Vielzahl von Tieren als auch Gerätschaften dargestellt sind.
Bildbeschreibung Grob lässt sich das Gemälde in drei Teile unterteilen. Den Hintergrund bilden der dynamische Wolkenhimmel sowie ein Berg, an dessen Fuß sich eine kleine Ansammlung an Tieren befindet. Zum Mittelgrund des Bildes kann man das objektbeladene Maultier sowie das braune Kamel zählen. Im Vordergrund und als Hauptgegenstand des Gemäldes ist die dichte Ansammlung von Tieren und Gegenständen in der unteren Bildhälfte anzusehen. Das Bildzentrum bildet der Kopf des gefleckten Hundes.
Im Hintergrund des Bildes ist ein blau-grauer wolkenverhangener Himmel zu sehen, den einzelne goldene Sonnenstrahlen in horizontaler Richtung durchbrechen. Die größte Ansammlung aus Wolken wird an dem linken Gemälderand von einem dunkelgrau aufragenden Berg teilweise verdeckt. Am Fuß des Berges befindet sich eine Ansammlung an Tieren. Eine liegende braune Kuh mit einem weißen Fleck auf der Stirn bildet das Zentrum, rechts von ihr befindet sich ein grauer Esel, der halb von der Rückseite einer weiteren stehenden braunen Kuh verdeckt wird. Vor der stehenden Kuh befindet sich ein gräulich anmutender Vogel, bei dem es sich um einen Flamingo handeln könnte. Rechts von dem Vogel befinden sich zwei Schafe, die in Richtung des Berges blicken. Eine weitere Unterbrechung der dynamischen Himmellandschaft befindet sich in der rechten oberen Mitte bis Ecke des Gemäldes, wo sich eine große Palme befindet.
Vor dieser Pflanze erkennt man im Mittelgrund ein Maultier, das mit einem roten Tuch bedeckt ist. Auf diesem Tuch trägt das Tier eine Vielzahl an Gegenständen. So sind etwa eine Art Öllaterne mit kegelförmigem Dach, ein Weidenkorb, eine sehr flache blau-silberne Vase und ein bronzefarbenes urnenförmiges Gefäß, was an eine Amphore erinnert, zu sehen. Gekrönt wird die Ansammlung an Objekten von einem kleinen Äffchen, wobei es sich um einen Weißbüschelaffen handeln dürfte. Rechts des Maultiers befindet sich ein Dromedar, jedoch ragen nur Hals und Kopf des Tieres in den Bildraum hinein, der restliche Körper befindet sich außerhalb davon. Der Blick des Tieres ist geradewegs auf die Betrachterinnen und Betrachter gerichtet. Im Schatten des Kamels ist ein weißer Ziegenkopf sichtbar, der restliche Körper wird von einer weiteren hellbraunen Ziege mit langem Fell verdeckt. Neben der Ziege befinden sich ein trinkendes Schaf und ein Widder mit weißem Fell am Kopf und braunem Fell am Körper, der Teile des bereits erwähnten Maultiers verdeckt.
Die restlichen Tiere und Gegenstände befinden sich im Vordergrund des Bildes. In der rechten unteren Ecke des Gemäldes befindet sich vor Ziegen und Widder eine Vielzahl an Kleintieren. Unmittelbar vor dem trinkenden Schaf stehen zwei schwarz-weiß gefleckte Haubenhühner, das linke hält den Kopf erhoben, das rechte pickt auf dem Boden. Rechts neben den Hühnern direkt vor der braunen Ziege stehen zwei weiße Gänse, die linke von den beiden wendet sich der Ziege zu und schaut links zur Seite, das rechte Tier steht frontal zur linken Gans und blickt in Richtung der Betrachterinnen und Betrachter. Im unteren rechten Eck befinden sich des Weiteren ein hellbraun-weiß gefleckter Vogel, bei dem es sich um eine Ente handeln könnte, und eine weiße Taube. Knapp über dem Bildrand vor den Hühnern krabbeln zwei Schildkröten über den Boden.
Das optische Zentrum des Bildes setzt sich wiederum aus verschiedenen Gegenständen und Tieren zusammen. Das Hauptaugenmerk liegt auf einem hellbraun-weiß gefleckten Windhund, der hinter einem dunkelbraunem ovalen Gefäß in Richtung einer hellbraunen Truhe steht. Auf ihr sitzen eine Blaustirnamazone und ein roter Ara-Papagei, der den Windhund anschaut. Des Weiteren liegen auf der Truhe eine goldene Vase sowie ein blau-weiß bemalter Teller über einer blau-gelb gestreiften Decke. An dem Aufbewahrungsstück lehnt ein großer goldener Krug, der von seiner Form her an eine Oinochoe denken lässt. Ebenfalls lehnt ein hellbraunes Instrument an der Truhe, das aussieht wie eine Bouzouki. Halb versteckt von der blau-gelb gestreiften Decke liegt ein weiteres metallisch anmutendes, bronzefarbenes Gefäß auf dem Boden. Seine Form ist bauchig, außerdem besitzt es einen länglichen Hals, zwei Griffe und einen Deckel. Vor den Gegenständen, die sich unmittelbar vor der Truhe befinden, ist ein bauchiges, weißes Gefäß mit blauen ornamenthaften Akzenten platziert, das aus Keramik zu bestehen scheint.
Links von der Ansammlung aus Truhe, Ara-Papagei, Windhund und Gegenständen befindet sich ein Truthahn, der sich von der Gruppe abzuwenden scheint. Auf Höhe des Vogels ragt der Kopf eines weiteren Tiers in den Bildraum hinein, es könnte sich um ein dunkelbraunes Alpaka handeln.
Zusammenfassend wird das Bild aus einer Vielzahl von Tieren und Gegenständen aus nah und fern zusammengesetzt.
Geographischer Lebensraum der dargestellten Tiere (Auswahl) Truthühner sind in weiten Teile des nordamerikanischen Kontinents beheimatet. Sie leben vor allem in den USA, aber auch in südlichen Gebieten Kanadas sowie in nördlichen Gebieten Mexikos. Ara-Papageien leben vor allem in Mittel- und Südamerika. Der auf dem Gemälde dargestellte Scharlachara ist vor allem in südöstlichen Gebieten Mexikos sowie im Zentrum Brasiliens beheimatet. Blaustirnamazonen bewohnen vor allem bewaldete Gebiete Südamerikas. Weißbüschelaffen bewohnen vor allem Wälder im Nordosten Brasiliens. Die ursprünglichen geographischen Lebensräume des Dromedars sind Teile Afrikas, Asiens und Indiens.
Historischer Kontext: Darstellungen von Menschen und Tieren in der Kunst des 17. Jahrhunderts Lebende Tiere aus aller Welt dienten in sogenannten Menagerien im 17. Jahrhundert zur Zuschaustellung von Macht, Prestige und Reichtum des Besitzers. Außerdem sollte, ähnlich wie in den Kunst- und Wunderkammern, die Vielfalt der Welt, hierbei insbesondere der Tierwelt im Kleinen abgebildet werden. Des Weiteren sollten die oftmals seltenen Lebewesen die Schaulust der Betrachterinnen und Betrachter stillen und zum Entertainment dienen.
Ähnliches gilt für gemalte Tiere. Während die Darstellungen von lebenden Tieren zu den ältesten Themen der Malerei gehören und bei der Historienmalerei zu der hierarchisch höchsten Gattung gezählt werden, spiegelt sich jene Faszination für die Vielfalt von Tieren in Form der Etablierung einer relativ jungen eigenständigen Gattung, dem Tierstillleben, wider. Diese widmet sich vor allem der Darstellung von toten, meist erlegten Tieren und wird zu der hierarchisch niedrigsten Gattung der Malerei gezählt. Die soeben erläuterte Darstellungsweise von Tieren in Form von Stillleben resultiert aus der Vorstellung, dass nicht-menschliche Lebewesen keine denkenden und fühlenden Subjekte seien, sondern vielmehr zu der Kategorie der belebten Objekte zählen.
Das Stillleben von Castiglione muss im Rahmen des Kolonialismus des 17. Jahrhunderts verstanden werden. Europäische adlige und bürgerliche Männer verstanden sich als autonome Subjekte, die nach ihrem eigenen Verständnis als Herrscher der Schöpfung agierten, während Frauen, außereuropäische Sklaven, Tiere und Pflanzen als Objekte verstanden wurden, über die frei verfügt werden konnte. Vor allem Sklaven wurden im Zuge der frühneuzeitlichen Kunst- und Wunderkammern zu exotischen lebendigen Exponaten objektifiziert und sozusagen „gesammelt“.
Einordnung in das künstlerische Oeuvre Castigliones Giovanni Benedetto Castiglione war dafür bekannt, antike, mythologische und biblische Themen aufzugreifen und in Form von philosophischen und moralisierenden Bildinhalten auszudrücken. In Landschaften eingebettete Tierdarstellungen galten als sein Spezialgebiet. Somit ist das Schleißheimer Gemälde Haustiere und Gerätschaften eines unter vielen, das sich dem Interesse des Künstlers widmet, Tiere aus aller Welt naturgetreu wiederzugeben.
Ein ähnliches Werk, das in diese Kategorie von Castigliones Oeuvre fällt, ist das Gemälde Vor der Arche Noahs.Giovanni Benedetto Castiglione – In Front of Noah's Ark Das Gemälde in Öl auf Leinwand entstand ungefähr 1650, misst 145 Zentimeter in die Breite und 195 Zentimeter in die Höhe und befindet sich aktuell in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Es zeigt Noah vor der Arche mit einer Ansammlung an Tieren, die im Begriff sind, das Schiff zu betreten.
Vergleichend lässt sich feststellen, dass das Bild ähnlich zum Werk Haustiere und Gerätschaften gestaltet ist. Vor allem die Abbildung des mit Tüchern, Gegenständen und Tieren bedeckten Esels gestaltet sich sehr vergleichbar. Ebenfalls gleichen sich die beiden Werke in der naturgetreuen Darstellung der Lebewesen. Ein maßgeblicher Unterschied zu dem Schleißheimer Gemälde besteht nun allerdings in der Auswahl der Tiere. Während in Letzterem Tiere aus nah und fern abgebildet werden, werden im Dresdner Werk hauptsächlich einheimische Nutz- und Haustiere gezeigt. Des Weiteren unterscheiden sich die Werke in der Darstellung beziehungsweise in der Nicht-Darstellung von Menschen. Ein weiteres Werk, das von Castiglione stammt und Ähnlichkeiten zu Haustiere und Gerätschaften aufweist, ist jenes Gemälde, das einen Diener mit Windhund und Dromedar zeigt. Dieses Werk ist in Öl auf eine 160 mal 235 Zentimeter große Leinwand gemalt und befindet sich ebenfalls in der Staatsgalerie Schleißheim. Besagtes Gemälde zeigt zwar keine so große Vielfalt an Tieren wie in den zuvor erwähnten Bildern, jedoch ist die Darstellung der beiden hier zu sehenden Tiere, Windhund und Dromedar, nahezu identisch mit jenen in Haustiere und Gerätschaften.
Abschließend kann festgehalten werden, dass sich die Thematik der dargestellten Nutztiere sowie des beladenen Esels durch eine Vielzahl an Castigliones Werken zieht.
Weitere Werke mit Tierdarstellungen
Literatur Barockes Feuer: die Grafik des Giovanni Benedetto Castiglione. Ausstellungskatalog. Kunsthaus Zürich 2021–2022, hrsg. von Zürcher Kunstgesellschaft / Kunsthaus Zürich, Dresden 2021. Exotische Welten- europäische Phantasien. Das exotische Tier in der europäischen Kunst. Ausstellungskatalog. Institut für Auslandsbeziehungen 1987, hrsg. von Christiane Luz, Stuttgart-Bad Cannstatt 1987. Von Schönheit und Tod: Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne. Ausstellungskatalog. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 2011–2012, hrsg. von Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Heidelberg 2011. Bettina Paust: Die Schaulust am lebenden Tier: Der Blick auf ausgestellte Tiere von den barocken Menagerien bis zur zeitgenössischen Kunst, in: ders.: Animal Encounters. Kontakt, Interaktion und Relationalität, hrsg. von Alexandra Böhm/Jessica Ullrich, Stuttgart 2019 (= Cultural Animal Studies, hrsg. von Roland Borgards, Stuttgart 2019 ff., Bd. 4), S. 277–293. Viktoria Schmidt-Linsenhoff: Ästhetik der Differenz. Postkoloniale Perspektiven vom 16. bis 21. Jahrhundert. 15 Fallstudien, Marburg 2010.
Weblinks Haustiere und Gerätschaften Werkeintrag in der Online-Sammlung der Pinakotheken
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde (17. Jahrhundert) Kategorie:Bayerische Staatsgemäldesammlungen Kategorie:Barockgemälde Kategorie:Tiermalerei Kategorie:Stillleben