Das Gemälde zeigt den Tod der Rahel, wurde vom Florentiner Maler Francesco Furini (1603–1646) angefertigt und wird auf das Jahr 1633 datiert. Das Werk hat eine Größe von 187 × 232 cm. Es hängt in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim in der Großen Galerie. Es ist in einem sogenannten Effner-Rahmen gerahmt.

Bildbeschreibung Das Bild stellt eine Historienmalerei im Querformat dar. Das Motiv zeigt den Tod Rahels nach der Entbindung ihres Sohnes Benjamin. In dem Bild sind Rahel, ihr Neugeborenes, drei weitere Frauen sowie ein junger Mann zu sehen. Die Szene findet in einem Innenraum statt.

Bildpersonal Auf dem Bild sind mehrere Figuren zu sehen, welche den Großteil der Bildfläche in Anspruch nehmen. Auf der rechten Seite sitzt Rahel dem Betrachter zugewandt auf einem Sessel, während ihr Kopf leicht nach rechts geneigt auf ihrer Schulter liegt. Ihre Augen und ihr Mund sind leicht geöffnet. Sie trägt ein weißes Untergewand, darüber ein grünes Gewand und über ihren Knien liegt ein rotes Tuch, welches bis zu ihren Füßen reicht. Auf Bauchhöhe weist die Kleidung ein Loch auf, welches gerade mit Fäden wieder zusammengenäht wird. Ihr rechtes Ohr ziert ein Ohrring und in ihren Haaren ist ein Band als Kopfschmuck. Ihre Kleidung hängt auf ihrer linken Seite herunter, wodurch ihre linke Brust frei wird. Der linke Arm hängt schlaff über der Lehne und wird von dem dahinterstehenden Mann berührt, welcher sich über Rahels rechte Schulter lehnt. Er blickt auf Rahels Körper und seine rechte Hand liegt auf ihrem Schoß. Sein Mantel reicht bis zu den Knien und er trägt Sandalen mit Verzierungen, welche bis über die Knöchel reichen. Sein linkes Bein ist im Schatten des Stuhles nach vorne gewendet.

Die Frau neben ihm weint. Sie ist mit ihrem Oberkörper zu Rahel geneigt und näht mit der rechten Hand die offene Stelle des Gewandes der Rahel zu. Neben ihrem bodenlangen Gewand trägt sie zusätzlich ein um den Kopf geschlungenes Tuch, welches die Haare zusammenhält. Sie blickt nach links unten zum Neugeborenen im Arm der rotgekleideten Frau, welche ganz rechts vorne dem Betrachter den Rücken zuwendet. Diese Frau kniet mit dem linken Bein am Boden, während sie das andere angewinkelt aufstellt, um darauf ihren Arm mit dem Neugeborenen abzustützen. Der Betrachter sieht nur den Hinterkopf des Kindes. Die das Baby haltende Frau trägt ein weißes Untergewand, das mit einer Schnur um die linke Schulter und den rechten Oberarm zusammengehalten wird. Ihr bodenlanges rotes Übergewand und ihre Haare sind mit einem Bändchen zu einem Haarknoten zusammengebunden.

Im Hintergrund, in der linken oberen Bildecke, eilt eine weitere Frau ins Zimmer. Ihr Kopf ist leicht nach rechts geneigt und ihre Haare sind offen. In ihren Händen trägt sie ein Tablett, auf dem zwei kleine, schlichte Gefäße stehen. Links über ihr hängt ein dunkler Vorhang, der an einer Stelle zur Seite gebunden ist. Hinter ihr ist eine Wand zu sehen.

Einrichtungsgegenstände

Der Sessel, auf dem Rahel sitzt, ist nur von der linken Seite zu sehen. Er ist kunstvoll mit Figuren und Ornamenten verziert. An der senkrechten Lehne befindet sich eine unbekleidete weibliche Figur, die auf Ornamenten und Blättern kniet. Unter den Ornamenten geht die Lehne waagerecht weiter und endet an den Schultern einer weiteren weiblichen Figur. Diese wird nur mit dem Oberkörper dargestellt und trägt einen Kopfschmuck. Vor ihrem Oberkörper liegen weitere organische Ornamente. Weitere Verzierungen umlaufen den waagerechten Bereich der Armlehne. Darunter, an der vorderen Kante, ist eine weitere Figur, die mit ihren Armen den Überhang über sich stützt.

Vor dem Sessel stehen drei silberne Gefäße: eine Schale und zwei Krüge. Sie sind mit Reliefs verziert: Auf der Schale sind drei unbekleidete Frauen und ein Mann zu sehen. Zwei der Frauen umschlingen den Mann, wobei sich die dritte im Wasser befindet und beinahe im Schatten verschwindet. Auf der rechten Seite erscheint ein weiterer Frauenkopf. Unter diesem hängt ein Kranz mit Blättern. Der vordere Krug zeigt zuunterst eine Figur, die Tierhufe hat. Darüber befinden sich weitere plastische Ornamente und Figuren. Der Henkel ist neben Schnörkeln mit einem männlichen Kopf verziert. Der Henkel des dahinter stehenden Kruges wird zudem mit einem weiblichen Oberkörper geschmückt. Zu den Ziergefäßen zählt zudem ein auf der linken Seite befindlicher goldener Krug. Dieser ist größer als die anderen und wird zur Hälfte vom Bildrahmen abgeschnitten. Der Krug ist ebenso verziert: Im mittleren Bereich sind wieder menschliche Figuren zu erkennen und darüber Ornamente. Ganz links befindet sich ein kleines Tischchen mit einem weiteren Gefäß darauf.

Licht und Farbe Das Licht kommt von vorne und erhellt besonders die Hauttöne (Inkarnat) der drei Frauen im Vordergrund sowie das Gesicht des Mannes. Auch die silbernen Gefäße und das rote Umhängetuch der Frau auf der linken Seite werden vom Licht hervorgehoben. Der Hintergrund ist dunkel und teilweise schwer zu erkennen.

Die im Bild verwendeten Ölfarben sind vorwiegend rot, grün und braun in dunkleren Tönen. Rot ist das Übergewand der Frau mit dem Kind sowie das Tuch über Rahels Beine. Das einzige Grün findet sich ebenfalls in dem Übergewand von Rahel. Die zwei anderen Figuren im Vordergrund tragen braune Gewänder. Zudem tragen alle vier ein weißes Untergewand. Die Farbe ist eher flächig aufgetragen. Schatten und Plastizität werden durch Farbabstufungen mit Hilfe von Schwarz und Weiß erzeugt. Ikonographie Im Gemälde sind sechs Personen abgebildet. Die sterbende Rahel auf dem Sessel wird von einer Magd betrauert. Bei dem Mann neben ihr handelt es sich vermutlich um Jakob, Rahels Mann. Die kniende Amme im Vordergrund hält den Neugeborenen Benjamin. Im Hintergrund eilt eine Dienerin herbei.

Die alttestamentarische Szene, die das Gemälde präsentiert, bezieht sich auf eine Stelle aus dem Buch Genesis (Gen, 35, 16-20). In dieser Bibelepisode sind Rahel, Jakob und dessen Gefolge auf der Reise nach Bethlehem und machen Halt in der Nähe der Stadt Ephrat in einem Zelt. Dort bringt Rahel ihren zweiten Sohn zur Welt. Sie gibt ihm den Namen Benoni (Sohn des Leidens), aber sein Vater nennt ihn später Benjamin (Sohn der Freude). Rahel starb nach der Geburt und wurde am Weg nach Ephrat begraben.

Das Relief auf der Schale ist eine Bild-im-Bild-Komposition und zeigt eine griechisch-mythologische Szene aus der Argonautensage: „Hylas und die Nymphen“. Das Motiv basiert auf einem früheren Gemälde von Furini. Der Mythos handelt von Hylas, dem jugendlichen Geliebten des Herakles, welcher mit den Argonauten auf dem Weg nach Kolchis auf der Suche nach dem Goldenen Vlies an einer Quelle anhält, um zu trinken und dabei von Nymphen entführt wird. Furini spielt mit der mythologischen Szene auf das Bibelgeschehen an, da es in beiden Fällen um den Verlust eines geliebten Menschen geht.

Provenienz Bei dem Auftraggeber des Gemäldes mit der Szene des Todes der Rahel handelt es sich um Don Lorenzo de‘ Medici. Dieser ließ Furini an den Hof seiner Villa della Petraja kommen, um ihm dieses sowie ein zweites Gemälde, das die drei Grazien zeigt, in Auftrag zu geben. Der Tod der Rahel wurde auf das Jahr 1633 datiert. Beide Bilder schenkte Don Lorenzo dem Marchese Strozzi Ridolfi. In dessen Sammlung blieben die Gemälde bis 1906. Daraufhin erwarb Ludwig v. Buerkel das Gemälde mit dem Tod der Rahel aus dem Florentiner Kunsthandel für Dr. Bassermann-Jordan in München. Von dort aus gelang es 1932 als Schenkung an die Staatsgalerie Schleißheim, wo es bis heute im Neuen Schloss in der Großen Galerie zu sehen ist.

Literatur Ludwig v. Buerkel: Francesco Furini. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses. Band 27. Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz / Austria, Graz 1907/1909. Giuseppe Cantelli: Francesco Furini e i furiniani (= Studi d'arte e collezionismo. Nr. 1). GL arte collezioni, Firenze 2010. (Übersetzungshilfe, DeepL) Von Hohenzollern, Johann Georg Prinz: Staatsgalerie Schleißheim. Verzeichnis der Gemälde. Hirmer, München 1980. Francesco Furini, Mina Gregori, Rodolfo Maffeis: Un'altra bellezza: Francesco Furini. Mandragora, Firenze 2007. (Übersetzungshilfe, DeepL)

Weblinks

Sammlung Pinakothek Le Gallerie Degli Uffizi

Anmerkungen und Einzelnachweise

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