hochkant|mini|Anonymus (nach Guido Reni): Die büßende Magdalena, 18. Jh., Staatsgalerie Schloss Schleißheim, Foto Die büßende Magdalena () ist eine Kopie des Gemäldes La Maddalena penitente des Bologneser Malers und Bildhauers Guido Reni (1575–1642). Das Originalbild wurde vor 1630 im Auftrag des Kardinals Antonio Santacroce angefertigt und befindet sich heute im Palazzo Barberini, im Bestand der Gallerie Nazionali d’Arte Antica in Rom.
Die büßende Magdalena im Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befindet sich in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim bei München, im ehemaligen Kabinett der Kurfürstin (Raum 19) und ist in einem prächtigen sogenannten Effner-Rahmen gefasst.
Das Gemälde zeigt ein im 17. Jahrhundert während der Gegenreformation beliebtes Motiv der Heiligen Maria Magdalena als Büßerin in einer Höhle, umgeben von Symbolen des Todes und der Entsagung.
Provenienz 300x300px|mini|Neues Schloss Schleißheim bei München Das Gemälde der büßenden Magdalena ging aus der kurfürstlichen Sammlung des bayerischen Herrschergeschlechts der Wittelsbacher in den Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen über. Kopien, besonders von ikonischen Gemälden, wurden häufig von Fürsten in Auftrag gegeben, um Sammlungen aufzuwerten. Diese gefällige Ausführung der Büßenden Magdalena von Guido Reni war im 17. und 18. Jahrhundert bei Klerus, Adel und Bürgertum sehr beliebt.
Der Maler des Werks ist unbekannt (Stand 2026).
Bildbeschreibung Die Komposition des Gemäldes ist bewusst didaktisch einfach gehalten und war damals für alle Gläubigen leicht verständlich. Das Gemälde zeigt die Hl. Maria Magdalena in Ganzkörperdarstellung in bildfüllender Diagonale als Büßerin in einer Höhle mit dem für Guido Reni typischen feinen Gesicht und „himmelnden Blick“. Maria Magdalena hebt ihren Geist „seufzend voller Schmerzen“ zum Himmel empor. Über ihr schweben zwei Putti und weisen in den Himmel.
Maria Magdalena ist umgeben von Symbolen des Todes (Kreuz, Totenschädel) und der Entsagung (karge Felsen, abgeschnittene Wurzeln). Hinter dem Kreuz liegen die Bücher des Alten und Neuen Testaments. Die Heilige ist als anmutige, schöne junge Frau dargestellt. Im Gegensatz zu vielen anderen Magdalenen-Darstellungen ist sie nicht barbusig, sondern in ein schneeweißes zartes Hemd und ein rosafarbenes Gewand mit üppigen Falten gehüllt.
Sie ist barfuß, und ihre langen blonden Haare fallen in offenen Flechten bis auf ihre Hüften. Der linke Arm ist ausgestreckt, die linke Hand liegt auf dem Totenschädel, während der rechte Arm angewinkelt ist und sie ihren Kopf leicht auf die rechte Hand stützt. Durch den Eingang zur Höhle blickt der Betrachter auf eine idyllische Landschaft bei Sonnenuntergang.
Vor dem dunklen, in Erd- und Grautönen gemalten Hintergrund der Höhle leuchtet die in hellen Farbtönen gemalte Figur der Maria Magdalena heraus. Während das Inkarnat der beiden Putti in der rechten oberen Ecke rosig und sehr lebendig gemalt ist, erzählt das fast überirdisch weiße Inkarnat der Heiligen von einem Leben in Abgeschiedenheit und Kontemplation.
Ihr Hemd ist blütenweiß, jedoch nicht transparent, und umhüllt ihren Körper in weichen Falten, während ihr rosafarbenes Gewand in dicken, schweren Falten die Heilige wie eine wärmende Decke umfängt. Das Rosa des Gewandes korrespondiert mit dem blauen Band, das einen Putto umfängt und dessen Scham bedeckt.
Das Licht scheint aus dem Inneren der Höhle zu kommen und beleuchtet sowohl die Figur der Heiligen als auch die Putti und schafft so eine dialoghafte Verbindung zwischen ihnen. Der Körper der Heiligen bildet eine Diagonale von rechts unten nach links oben, während die Achse hinauf zu den Putti und in den Himmel eine Diagonale von Mitte links nach rechts oben bildet. Beide Diagonalen bilden zusammen ein offenes V.
Die ikonografische Bedeutung der Attribute der Heiligen Maria Magdalena oder auch Maria aus Magdala (1. Jh.) war eine der galiläischen Frauen, die Jesus von Nazareth begleiteten und ihn und seine Jünger finanziell unterstützten. Sie stammte aus Magdala, dem heutigen Migdal am Westufer des Sees Genezareth, und war eine der ersten Anhänger Jesu.
Das Gemälde führt unterschiedliche Darstellungstraditionen der Hl. Maria Magdalena zusammen – zum einen Elemente aus dem Neuen Testament, zum anderen Elemente der Magdalenenvita aus der Überlieferung in der mittelalterlichen Volksschrift der Legenda aurea von Jacobus de Voragine (12. Jh.).
Auf dem Gemälde ist Maria Magdalena von christlich geprägten Attributen umgeben, die auf ihre Rolle als Heilige, Einsiedlerin und Büßerin anspielen:
Die Bücher auf dem Felsen hinter dem Kreuz kann man als die Bücher des Alten und Neuen Testaments deuten und weisen Maria Magdalena als gebildete Frau und Predigerin aus. Nach der Legenda aurea werden Maria Magdalena und ihre Geschwister, Martha von Bethanien und Lazarus, in einem segellosen Schiff ausgesetzt und landen in der Provence in der Nähe von Marseille, wo sie das Evangelium predigen und die Lehre Jesu verbreiten.Jacobus da Voragine: Die Legenda aurea. Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, 14. Auflage 2004. S. 364. Das Kruzifix ist generell ein Attribut für heilige Personen, die in der Nachfolge Christi standen, wie z. B. Apostel oder Kirchenväter. Es zeichnet Maria Magdalena als Heilige, Einsiedlerin und Büßerin aus. Der Totenkopf wurde vor allem in der Kunst des 17. Jahrhunderts als Attribut für Einsiedler verwendet und ist u. a. der Heiligen Maria Magdalena zugeordnet. Die Wurzeln stehen für Selbstkasteiung und ein karges Leben in Enthaltsamkeit. Maria Magdalena bedurfte, laut der Legenda aurea, keiner Nahrung, sondern wurde siebenmal am Tag vom Gesang der Engel gespeist.Jacobus da Voragine: Die Legenda aurea. Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz. 14. Auflage 2004. S. 367. Die Höhle ist ein Motiv aus der Magdalenenvita der Legenda aurea, in der die Heilige bis zu ihrem Tod als Asketin und Einsiedlerin in einer Höhle im Massif-de-Sainte-Baume lebte. Die beiden Putti verweisen auf die Legende, dass Maria Magdalena jeden Tag von Engeln in den Himmel getragen wurde, um dort ihrem Gesang zu lauschen. Ihr offenes Haar hingegen bezieht sich auf eine Stelle im Lukas-Evangelium, in der eine Sünderin aus Dankbarkeit und Buße Jesus die Füße wäscht und diese mit ihren offenen Haaren trocknet (Lk, 7,37-38). Papst Gregor I. setzte im Jahr 591 in einer Predigt Maria Magdalena mit dieser anonymen Sünderin gleich. Diese Identifikation wurde Teil der katholischen Tradition um Maria Magdalena.Hiltgart Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und Biblischen Gestalten. 9. durchgesehene Auflage 2001, Reclam-Verlag. Stuttgart 1968, S. 412.
Literatur Aoife Brady: The Studio of Guido Reni from 1620 to 1630. In: Getty Research Journal. Nr. 12, 2020. S. 1–28. Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. 7. durchgesehene und erweiterte Neuausgabe, München 2008, ISBN 978-3-423-34149-3, S. 232–233. Jörg Martin Merz: Reni, Guido. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 98: Raum–Rimpatta. Saur, München 2018, S. 246 (Biogramm: degruyterbrill.com). Richard Spear: La Maddalena Penitente. In: Guido Reni: 1575–1642. Pinacoteca Nazionale, Bologna / Los Angeles County Museum of Art / Kimbell Art Museum, Fort Worth, Bologna 1988, ISBN 88-7779-047-4, S. 142 (Ausstellungskatalog). Hannelore Sachs, Ernst Badstübner, Helga Neumann: Wörterbuch der christlichen Ikonographie. 8. veränderte Auflage, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1653-1. Jacobus da Voragine: Die Legenda aurea des Jacobus da Voragine. 14. Auflage, 2004, ISBN 3-579-02560-0, S. 364–365 (Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, Gütersloh 1955). Hiltgart Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und Biblischen Gestalten. 9. durchgesehene Auflage 2001. Reclam-Verlag. Stuttgart 1968, ISBN 3-15-010492-0, S. 411–414.
Weblinks Link zum Bild bei der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim
Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde (17. Jahrhundert) Kategorie:Bayerische Staatsgemäldesammlungen Kategorie:Werk über Maria Magdalena