Eine Auszeichnungssprache (, abgekürzt ML) ist eine maschinenlesbare Sprache für die Gliederung und Formatierung von Texten und anderen Daten. Der bekannteste Vertreter ist die Hypertext Markup Language (HTML), welche die Kernsprache des World Wide Webs ist.

Mit Auszeichnungssprachen werden Eigenschaften, Zugehörigkeiten und Darstellungen von Zeichen, Wörtern, Absätzen und Abschnitten eines Textes bzw. Dokumentes oder von anderen Daten beschrieben. Dies geschieht in der Regel durch Einschluss des Inhalts mittels Tags. Beide Tags, ggf. zusätzliche Attribute und der so ausgezeichnete Inhalt bilden ein Element.

Dieser Artikel behandelt besonders die mit der Standard Generalized Markup Language (SGML) empfohlene „Trennung von Struktur und Darstellung“.

Wortherkunft und Geschichte Der typografische Begriff Auszeichnung kommt aus der Druckersprache. Ursprünglich war damit lediglich die Methode gemeint, Teile eines Textes durch von der Grundschrift abweichende Schriften zu gestalten, z. B. durch andere Schriftgrößen und -arten, aber auch durch Unterstreichen, Sperren oder andere Druckfarben. Für den Schriftsetzer wurden die entsprechenden Stellen früher handschriftlich auf dem zugehörigen Manuskript kenntlich gemacht; auch dies wurde Auszeichnen genannt.Meyers enzyklopädisches Lexikon. Mannheim 1971. Band 3, S. 188. Mit der Weiterentwicklung der Typografie für digitale Texte wurden daraus maschinenlesbare Sprachen, und das Konzept wurde auf Fußnoten, Literaturhinweise, Absätze, Überschriften etc. erweitert. Dann wurde der Gedanke der Trennung von Inhalt und Form – ursprünglich ein Schlagwort der Formalen Soziologie – populär, so dass in den Quelltexten für Dokumente Hinweise auf die Formatierung von Textteilen mehr und mehr durch Kennzeichnungen der Art von Information ersetzt wurden, die jeweils mitgeteilt werden sollte. Dies führte 1986 zu SGML als internationalem Auszeichnungsstandard (ISO 8879) und 1998 zur Spezifikation von XML durch das World Wide Web Consortium. XML wurde in den folgenden Jahren auch für andere Zwecke als für die Formatierung von Textdokumenten eingesetzt, etwa für Datenformate im Zusammenhang mit der Datenserialisierung.

Wie ausgezeichneter Text aussieht Grundzüge Typische Auszeichnungssprachen kennzeichnen Teile von Texten oder anderen Daten mit Tags. Die Quelltexte dafür werden mit einem computerlesbaren Zeichensatz verfasst, in der Regel ASCII oder UTF-8. Oft bietet die Sprache auch die Möglichkeit, Sonderzeichen zu beschreiben, meist mit Hilfe einer numerischen Zuweisung z. B. bei Unicode oder durch benannte Zeichenentitäten, für µ zum Beispiel \mu in LaTeX und µ in HTML.

Ergebnis und Code in Beispielen Beispiel für … Darstellungs-beispiel HTML LaTeX MediaWiki-Wikitext Markdown AsciiDoc Überschrift Abschnitt <h2>Abschnitt</h2> \section{Abschnitt} == Abschnitt == ## Abschnitt== Abschnitt Aufzählung Punkt 1 Punkt 2 Punkt 3<ul> <li>Punkt 1</li> <li>Punkt 2</li> <li>Punkt 3</li> </ul>\begin{itemize} \item Punkt 1 \item Punkt 2 \item Punkt 3 \end{itemize}* Punkt 1 * Punkt 2 * Punkt 3- Punkt 1 * Punkt 2 - Punkt 3* Punkt 1 * Punkt 2 * Punkt 3 Hyperlink W3C <a href="http://www.w3.org/">W3C</a> \href{https://www.w3.org}{W3C} [http://www.w3.org/ W3C] [W3C](http://www.w3.org/)http://www.w3.org/[W3C] fetten Text fett <b>fett</b> \textbf{fett} '''fett''' **fett** oder __fett__*fett* kursiven Text kursiv <i>kursiv</i> \textit{kursiv} ''kursiv'' *kursiv* oder _kursiv__kursiv_ Der Hyperlink mit LaTeX funktioniert nicht allgemein, jedenfalls aber mit dem Zusatzpaket hyperref und bei Erzeugung eines Ergebnisses im PDF-Format.

Beispiele „darstellender“ gegenüber „beschreibender“ Auszeichnung Fett und kursiv in der vorigen Tabelle bedeuten eine bestimmte Darstellung (d. h. Formatierung, hier konkret die Wahl eines Schriftschnitts), während Überschrift ein semantisches Merkmal ist und im Allgemeinen keine Darstellung (z. B. fett) festlegt. In Druckwerken werden Überschriften statt in Fettschrift auch durch Kapitälchen oder Kursivstellung formatiert.

Zu HTML und LaTeX gibt die vorige Tabelle daher für fett und kursiv den Code für die Schriftauszeichnung an; tatsächlich erzeugt die MediaWiki-Software der Wikipedia aus dem Wikitext '''fett''' den HTML-Code <b>fett</b>.Genauer rahmen die „ASCII-Apostrophe“ in MediaWiki-Wikitext eigentlich nicht Elemente ein, und sie gestatten kein Verschachteln von Elementen, dafür erlauben sie überlappendes Markup: Das erste Tripel von Apostrophen in einem Quelltextabsatz erzeugt ein <b>, das nächste ein </b>, das dritte wieder ein <b> usw. Das erste Paar von Apostrophen, dem kein weiterer Apostroph folgt, erzeugt ein <i>, das nächste ein </i>, das nächste wieder ein <i> usw. Am Ende des Absatzes werden offene Tags automatisch durch schließende ergänzt. Im Gegensatz dazu bietet HTML die semantische Auszeichnung durch strong an, was „Wichtigkeit“ ausdrücken soll, Beispiel: HTML Ergebnis mit Voreinstellungen <strong>wichtig!</strong> wichtig! Das HTML-Element strong wird also normalerweise (d. h. gemäß den Browser-Voreinstellungen) durch fetten Text dargestellt.

Analog zum Verhältnis des HTML-Elements b zum HTML-Element strong ist die Beziehung des HTML-Elements i zu em: Das zweite Element steht für die Betonung, seine voreingestellte Darstellung ist die Kursivstellung. In LaTeX gibt es ebenfalls mit \textit eine Darstellungsauszeichnung und mit \emph eine semantische Variante.LaTeX/Fonts#Emphasizing text in den Wikibooks (englisch)Mittelbach und Goossens (#Literatur) S. 341ff. HTML LaTeX Ergebnis mit Voreinstellungen<body> eine <em>Betonung</em> in normaler Umgebung </body>\begin{document} eine \emph{Betonung} in normaler Umgebung \end{document} eine Betonung in normaler Umgebung

Innerhalb eines kursiv gesetzten Texts aber ist Kursivstellung zur Betonung ungeeignet. LaTeX berücksichtigt das: HTML Ergebnis mit Voreinstellungen <i>eine <em>Betonung</em> in kursiver Umgebung</i> eine Betonung in kursiver Umgebung \textit{eine \emph{Betonung} in kursiver Umgebung} eine Betonung in kursiver Umgebung LaTeX Ergebnis Wikitext verhält sich hier in gewisser Weise wie LaTeX; in HTML kann das Verhalten von LaTeX durch die CSS-Deklaration i em { font-style: normal; } ansatzweise erzielt werden. Nach HTML5-Spezifikation soll die Verschachtelung von em-Elementen verstärkte Betonung ausdrücken, was anscheinend noch kaum implementiert ist. LaTeX hingegen schaltet bei Verschachtelung von \emph nur zwischen Kursiv- und Aufrechtstellung hin und her, so dass beim Lesen dreifache Betonung von einfacher Betonung nicht zu unterscheiden ist. Letztlich sind demnach gebräuchliche und gleichzeitig sinnvolle Implementierungen der Betonung in HTML nur für die einfachsten Fälle und in LaTeX nur für die einfachsten und die zweiteinfachsten Fälle bekannt.

Bei HTML wurde lange angestrebt, darstellende (im Jargon „präsentationale“) Elemente abzuschaffenIn HTML3.2 vom 14. Januar 1997 war davon noch nichts zu sehen, jedoch war am 17. Dezember 1996 mit CSS1 der Grundstein gelegt worden. Im Arbeitsentwurf für HTML 4.0 vom 8. Juli 1997 wurde dann angekündigt, dass „präsentationale“ Elemente und Attribute nach und nach durch Stylesheets ersetzt werden sollten. (HTML4-Varianten „strict“Dokumenttypdefinition vs. „transitional“). Mit HTML5 soll dieses Ziel erreicht sein, obwohl b und i für Fälle, in denen Fettschrift bzw. Kursivstellung dringend erwünscht ist, immer noch vorhanden sind. Eine Aufzählung von Fällen, in denen die konkrete Schriftschnittwahl angebracht ist, wird als „semantische Definition“ der beiden Elemente betrachtet.

Innere Systematik – Abstraktionsstufen „Darstellend“ gegenüber „beschreibend“ – Übersicht 1981 unterschied Charles Goldfarb auf einer Konferenz in Lausanne und in einem einflussreichen Artikel zwischen prozeduraler ( procedural markup) und deskriptiver (beschreibender, descriptive markup) Auszeichnung von Dokumenten.Richard Furuta: Important papers in the history of document preparation systems: basic sources. S. 20.Richard Furuta: Important papers in the history of document preparation systems: basic sources. Abschnitt 4.1Goldfarb (#Literatur) 1987 wurde präsentational ( presentational markup) im Zusammenhang mit WYSIWYG-Textverarbeitung als weitere Art Text auszuzeichnen genannt.Coombs, Renear und DeRose (#Literatur)Richard Furuta: Important papers in the history of document preparation systems: basic sources. S. 30. Recht bald wurde jedoch präsentational als Synonym oder Oberbegriff von prozedural verwendet (mehr dazu weiter unten). Diese Auszeichnung bezeichnen wir hier als darstellend. Durch sie wird die Textformatierung, z. B. die Schriftauszeichnung durch Wahl einer Schriftart, eines Schriftschnitts, des Schriftgrads, einer Schriftfarbe oder einer farblichen Unterlegung der Schrift sowie die Ausrichtung von Text (relative Abstände, absolute Position auf der Seite), festgelegt. Weitere Synonyme wurden später häufiger verwendet:Robin Cover: SGML: A Textual Representation for Information Structure. für darstellend/präsentational visuell, physisch und spezifisch; für deskriptiv strukturell, deklarativ, verallgemeinert ( generalized), generisch, inhaltlich, logisch, konzeptuell ( conceptual)Downes (#Literatur) S. 1368. und semantisch.

Der Ausdruck generic coding anstelle von descriptive markup stammt von William W. Tunnicliffe. Furuta verwendete 1992 zur Darstellung von Goldfarbs und Brian Reids Unterscheidung nicht prozedural und deskriptiv, sondern präsentational und generisch, außerdem separation between content specification and format specification und zu generisch logical structure rather than its physical appearance.Richard Furuta: Important papers in the history of document preparation systems: basic sources.  19. In den Spezifikationen und Entwürfen zu HTML 4.0 und HTML 4.01 ist das vorherrschende Gegensatzpaar präsentational (auch presentation elements and attributes) versus strukturell (Separate structure and presentation). Auch von visual formatting ist die Rede.

Zu Beginn seines Artikels erklärt Goldfarb, „das Markup trenne die logischen Elemente voneinander und gebe typischerweise (Anmerkung: wohl in Bezug auf das bis dahin bekannte prozedurale Markup) die Verarbeitungsfunktionen ( processing functions) an, die auf diese Elemente angewendet werden sollen.“Goldfarb (#Literatur) S. 68.

Popularität beschreibender Auszeichnung (Vorteile, historische Entwicklung) Goldfarb, William W. Tunnicliffe und Brian Reid empfahlen damals, Dokumente beim Verfassen nur beschreibend auszuzeichnen, z. B. Phrasen und Blöcke nur als Titel, Abschnittsüberschrift, Blockzitat usw. zu kennzeichnen, um typografisch hochwertigen Satz auch ohne typografische Fachkenntnisse und Programmierkenntnisse der Verfasser zu ermöglichen, den Darstellungsstil mit geringem Aufwand ändern zu können, nicht auf bestimmte Werksatzanbieter angewiesen zu sein und um automatische Informationsgewinnung zu erleichtern, etwa um beim Durchsuchen von Dokumenten nach Stichwörtern Vorkommnisse in Überschriften stärker zu gewichten. Goldfarb weist etwa darauf hin, dass durch die bloße Kennzeichnung von Wörtern als zu zentrieren die Information verloren geht, ob es sich um eine Überschrift oder die Beschriftung einer Tabelle oder Abbildung handelt. Deskriptive Auszeichnung erleichtert auch die Darstellung in unterschiedlichen Ausgabeformaten/-geräten wie HTML, PDF und Screenreader (Barrierefreiheit, vgl. Accessible Rich Internet Applications). Im Falle von HTML kann die Nutzung präsentationaler Attribute anstelle von Stylesheets auch die HTML-Dateien „aufblähen“. Entsprechend wurde später bei HTML darauf hingearbeitet, nur strukturelle oder semantische Elemente und Attribute anzubieten und die Darstellung völlig in die Cascading Style Sheets auszulagern (Trennung von Inhalt und Form).