La traviata ( für „Die vom Wege Abgekommene“ bzw. „Die vom Wege Abgedrängte“) ist eine Oper von Giuseppe Verdi (Musik) und Francesco Maria Piave (Libretto) nach dem Roman La dame aux camélias (1848), den der Autor Alexandre Dumas der Jüngere im Februar 1852 auch als Schauspiel auf die Bühne gebracht hatte. Die Oper wurde am 6. März 1853 im Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt und fiel zunächst beim Publikum durch, bevor sie überarbeitet zu einer der erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte wurde.
Wie zuvor in Rigoletto und Il trovatore stellte Verdi eine von der Gesellschaft geächtete und abgelehnte Person ins Zentrum des Geschehens. Eine Oper über eine Kurtisane, die noch dazu an Tuberkulose stirbt, war für die damalige Zeit eine unerhörte Neuerung.
Handlung Erster Akt Salon im Haus Violettas
Paris, Mitte des 19. Jahrhunderts, Oktober: Die Kurtisane Violetta Valéry veranstaltet in ihrem Salon eine Feier. Violetta wird einem attraktiven jungen Mann vorgestellt, Alfredo Germont, der weit aufmerksamer und aufrichtiger ist als ihr aktueller Begleiter, Baron Douphol. Er stimmt ein temperamentvolles Trinklied auf die Liebe an.
Als Violetta sich nach einem Hustenanfall ausruhen muss, nutzt Alfredo den Moment an ihrer Seite, um ihr seine Liebe zu erklären. Sie entmutigt ihn, weil sie gar nicht wisse, wie man liebe, und außerstande sei, mit starken Gefühlen umzugehen.
Schließlich gibt sie ihm aber als Einladung eine Kamelie, die er ihr, sobald sie verblüht ist – das heißt am nächsten Tag –, zurückbringen soll. Die Gäste verabschieden sich. Allein gibt sie sich beinahe Alfredos Vorstellung gegenseitiger Hingabe hin, versucht dann aber, diese Gedanken mit einem Lobgesang auf den Genuss zu verdrängen.
Zweiter Akt Erstes Bild: Landhaus bei Paris, Salon im Erdgeschoss
Drei Monate später, im Januar, leben Violetta und Alfredo in einem Haus außerhalb von Paris. Alfredo findet heraus, dass Violetta heimlich ihre Besitztümer verkauft hat, um den neuen Lebensstil der beiden zu finanzieren. Beschämt verschwindet er nach Paris, wo er versuchen will, Geld zu beschaffen.
Während seiner Abwesenheit erhält Violetta Besuch von Alfredos Vater, Giorgio Germont, der von der Aufrichtigkeit ihrer Hingabe beeindruckt ist. Dennoch verlangt er von ihr, das Liebesverhältnis zu beenden, um das Ansehen seiner Familie zu bewahren. Violetta, im Wissen darum, dass sie an Tuberkulose sterben wird, akzeptiert, dass dieses Ende vielleicht das Beste sei.
Alfredo kehrt heim und findet Violetta aufgewühlt einen Brief schreibend. Er ist erst beruhigt, als sie ihm (noch einmal) ihre Liebe gesteht. Sie geht, ein Bote kommt herein, berichtet Alfredo, dass Violetta mit der Kutsche davongefahren sei, und übergibt ihm einen Brief von ihr. Er glaubt zunächst, es gehe um das Geld. Als er jedoch liest, dass sie sich entschieden hat, zu ihrem alten Leben zurückzukehren, ist er verzweifelt.
Alfredos Vater kommt herein und bittet ihn, nach Hause zu kommen. Er weigert sich. Er findet eine Einladung zu einem Fest bei Flora Bervoix, der Freundin von Violetta. Nun weiß er, wo er Violetta finden kann; seine Verzweiflung schlägt in Ärger um, und er stürzt hinaus.
Zweites Bild: Galerie im Palast Floras
Violetta, am Arm von Baron Douphol, besucht den Ball Floras. Als Zigeunerinnen und Stierkämpfer verkleidete Gäste unterhalten die anderen mit Tanz und Gesang. Alfredo findet sich ebenfalls ein und beginnt beim Kartenspiel zu gewinnen. Dabei lässt er laut Bemerkungen über Violetta fallen, die den Baron erzürnen.
Als die übrigen Gäste den Saal verlassen, um Erfrischungen zu sich zu nehmen, bittet Violetta Alfredo zu gehen. Alfredo erwidert, er werde nur gehen, wenn sie mit ihm komme. Sie weigert sich. Als er sie zur Rede stellt, nennt sie als Beweggrund ein gegebenes Versprechen (sie denkt an Alfredos Vater). Er glaubt, sie liebe Douphol.
Darauf ruft Alfredo die Gäste zurück in den Ballsaal. Er lässt sich von seiner Eifersucht hinreißen und wirft das gewonnene Geld auf Violetta, quasi als Entlohnung für ihre Liebesdienste. Violetta sinkt ohnmächtig zu Boden, die Gäste sind empört. Auch Alfredos Vater ist entsetzt und macht seinem bald reumütigen Sohn heftige Vorwürfe. Violetta trauert darüber, dass sie ihrem Geliebten nicht ihr Herz öffnen kann. Douphol fordert seinen Rivalen zum Duell.
Dritter Akt Schlafzimmer Violettas
mini|Titelblatt des Klavierauszugs, Ricordi um 1855, Szene aus dem dritten Akt
Februar: Violettas Zustand hat sich stark verschlechtert. Sie ist bettlägerig, und der Arzt deutet der Dienerin und Vertrauten Annina an, dass ihre Herrin nur noch Stunden zu leben habe. Ein Brief des Giorgio Germont berichtet, dass der Baron im Duell verwundet worden sei und sich nun erhole. Alfredo habe eine Weile ins Ausland gehen müssen.
Der Vater, beschämt wegen seiner früheren Prinzipienreiterei und des Kummers, den er anderen verursacht hat, enthüllt Alfredo das Opfer, das Violetta auf sein Drängen hin gebracht hat. Der will nun eilig zu seiner Geliebten zurückkehren. Violetta weiß, dass sie keine Zukunft hat, und nimmt von ihrer Vergangenheit Abschied. Durch das Fenster dringen fröhlicher Lärm und Gesang herein – die Pariser feiern Karneval.
Alfredo erscheint plötzlich und nur kurz zuvor angekündigt. Er sinkt, um Verzeihung bittend, Violetta in die Arme. Für kurze Zeit vergisst sie ihre Krankheit und schließt sich seinen Plänen für eine glückliche Zukunft an. Sie will sich erheben, bricht aber in einem Hustenanfall zusammen und muss erkennen, dass sie nicht mehr die Kraft dazu hat.
Vater Germont kommt und segnet ihre Liebe. Violetta schenkt Alfredo ein Medaillon mit ihrem Bild, das ihn an sie erinnern soll. Er soll ein neues Glück suchen, und seine Braut solle es dann tragen, und sie wolle im Himmel für beide beten. Alfredo bittet sie verzweifelt, zu bleiben. Tatsächlich fühlt Violetta ihre alten Kräfte zurückkommen; sie erhebt sich – und fällt tot nieder.
Musik Orchesterbesetzung Holzbläser: zwei Flöten (2. auch Piccolo), zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Cimbasso Pauken, Schlagzeug: Becken, Große Trommel, Triangel Streicher Bühnenmusik: 2 Piccoloflöten, As-Klarinette, Es-Klarinette, zwei B-Klarinetten, zwei Hörner, Flügelhorn, drei Trompeten, zwei Posaunen, Tamburin, Große Trommel, Kastagnetten (Banda), Harfe, zwei Kontrabässe
Nummern mini|Catherine Malfitano, Strasbourg 1980
Erster Akt
Nr. 1. Preludio Nr. 2. Introduktion Introduktion: Dell’invito trascorsa è già l’ora… (Violetta, Alfredo, Flora, Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Chor) Brindisi: Libiamo ne’ lieti calici (Alfredo, Violetta, Flora, Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Chor) Walzer: Che è ciò? – Non gradireste ora le danze? (Violetta, Flora, Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Alfredo, Chor) Duett: Un dì, felice, eterea (Alfredo, Violetta) Stretta: Si ridesta in ciel l’aurora (Chor) Nr. 3. Arie der Violetta Szene: È strano!… è strano!… (Violetta) Arie: Ah, fors’è lui che l’anima (Violetta) Tempo di mezzo: Follie!… follie!… (Violetta) Cabaletta: Sempre libera degg’io (Violetta)
Zweiter Akt Nr. 4. Szene und Arie Alfredos Szene: Lunge da lei per me non v’ha diletto! (Alfredo) (Allegro vivo in La Minore) Arie: De’ miei bollenti spiriti (Alfredo) Tempo di mezzo: Annina, donde vieni? (Alfredo, Annina) Cabaletta: Oh mio rimorso!… Oh infamia… (Alfredo) Nr. 5. Szene und Duett Violetta und Germont Szene: Alfredo? – Per Parigi or or partiva (Violetta, Annina, Giuseppe) Szene: Madamigella Valery? (Violetta, Germont) Duett: Pura siccome un angelo (Germont, Violetta) Übergang: Non sapete quale affetto (Violetta, Germont) Cantabile: Un dì, quando le veneri (Germont, Violetta) Übergang: Così alla misera (Violetta, Germont) Cantabile: Dite alla giovine sì bella e pura (Violetta, Germont) Tempo di mezzo: Or imponete – Non amarlo ditegli (Violetta, Germont) Cabaletta: Morrò!… la mia memoria (Violetta, Germont) Nr. 6. Szene, Duettino und Arie Germont Szene: Dammi tu forza, o cielo! (Violetta, Alfredo, Annina) Duettino: Ch’ei qui non mi sorprenda… (Violetta, Alfredo) Szene: Ah, vive sol quel core all’amor mio!… (Alfredo, Giuseppe, Commissario) Arie: Di Provenza il mare, il suol (Germont) Tempo di mezzo: Né rispondi d’un padre all’affetto? (Germont, Alfredo) Cabaletta: No, non udrai rimproveri (Germont, Alfredo) Nr. 7. Finale II Szene: Avrem lieta di maschere la notte (Flora, Marchese, Dottore) Chor: Noi siamo zingarelle (Chor di Zingare, Flora, Marchese) Chor: Di Madride noi siam mattadori (Chor di Mattadori, Gastone) Finale II: Alfredo!… Voi!… – Qui desiata giungi… (Violetta, Alfredo, Flora, Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Chor) Szene und Duettino: Invitato a qui seguirmi (Violetta, Alfredo) Übergang: Ne appellaste?… che volete? (Violetta, Alfredo, Flora, Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Chor) Arietta: Ogni suo aver tal femmina (Alfredo) Chor: Oh, infamia orribile (Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Chor) Largo des Finale II: Di sprezzo degno se stesso rende (Germont, Violetta, Alfredo, Flora, Gastone, Barone, Marchese, Dottore, Chor)
Dritter Akt Nr. 8. Preludio Nr. 9. Szene und Romanze Violettas Szene: Annina?… – Comandate?… (Violetta, Annina, Dottore) Declamato: Teneste la promessa… (Violetta) Szene: Attendo, attendo… né a me giungon mai!… (Violetta) Romanze: Addio, del passato bei sogni ridenti (Violetta) Nr. 10. Baccanale Chor: Largo al quadrupede (Chor di Maschere) Nr. 11. Duett di Violetta und Alfredo Szene: Signora… – Che t’accadde? (Annina, Violetta) Tempo di attacco: Alfredo! – Colpevol sono… so tutto, o cara… (Violetta, Alfredo) Duett: Parigi, o cara, noi lasceremo (Alfredo, Violetta) Tempo di mezzo: Ah, non più… a un tempio… (Violetta, Alfredo) Cabaletta: Gran Dio!… morir sì giovine – Oh mio sospiro e palpito (Violetta, Alfredo) Nr. 12. Letztes Finale Szene: Ah, Violetta! – Voi, signor!… (Germont, Violetta, Alfredo) Concertato: Prendi: quest’è l’immagine – No, non morrai, non dirmelo (Violetta, Alfredo, Germont, Annina, Dottore) Schlussszene: È strano!… – Che! – Cessarono gli spasmi del dolore (Alfredo, Violetta, Germont, Annina, Dottore)
Entstehungsgeschichte
Das Libretto von Francesco Maria Piave basiert auf dem Roman La dame aux camélias von Alexandre Dumas dem Jüngeren. Der Roman Dumas’ enthält autobiographische Elemente und basiert auf einer Affäre zwischen dem Dichter und der Modistin und Kurtisane Marie Duplessis, zu deren Verehrern auch zahlreiche Adlige gehörten. Ihre kurze Beziehung ereignete sich in den Jahren 1844 bis 1845. Bereits in dieser Zeit machte sich Maries Krankheit bemerkbar, der sie am 3. Februar 1847 erlag. 1852 wurde eine Theaterfassung des Romans aufgeführt, die einen großen Eindruck beim Publikum hinterließ und als einer der Höhepunkte des französischen Theaters dieser Zeit gilt.
Giuseppe Verdi kannte sowohl den Roman als auch das Schauspiel, dessen Uraufführung er während eines Parisaufenthaltes erlebte. Schon im Frühjahr 1852 konzipierte er gemeinsam mit Piave den szenischen Rahmen seiner Oper. Zunächst sahen sie als Titel Amore e Morte ‚Liebe und Tod‘ vor. Die Musik stellte Verdi in nur 45 Tagen fertig. Zum Zeitpunkt der Uraufführung am 6. März 1853 lag der Tod der beschriebenen Person Marie Duplessis erst sechs Jahre zurück.
Das Interesse Verdis an diesem Stoff hängt auch mit seiner eigenen Biographie zusammen. Er lebte seit 1847 mit der Sängerin Giuseppina Strepponi zusammen, die bereits mehrere uneheliche Kinder hatte und daher selbst als „Gefallene“ galt. Verdis Werk ist keine Moralpredigt, sondern verklärte das Leid der betroffenen Frau. Verdi und Strepponi heirateten erst 1859.
mini|hochkant=1.1|Plakat der Uraufführung