Die Weschnitz ist ein knapp 60 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins im Süden Hessens und Norden Baden-Württembergs. Sie entspringt im hessischen Odenwald, tritt bei Weinheim in die Oberrheinische Tiefebene ein und mündet nordwestlich von Biblis in den Rhein.
Flussname Die Weschnitz wird um 764 als „Wisgoz“ erstmals erwähnt, um die Lage des Klosters Lorsch zu beschreiben. Auch in zahlreichen weiteren Urkunden des Lorscher Codex wird auf die Weschnitz in dieser oder ähnlichen Schreibweisen Bezug genommen.
Albrecht Greule sieht keine sichere Deutung des Namens, er könne mit dem indogermanischen Verb *ṷeis- „fließen“ in Zusammenhang stehen. Im 15. Jahrhundert scheint die Endung -enz mit Namensformen wie „Wessecze“, „Weschentze“ oder „Weschentz“ aufgekommen zu sein. Eine mögliche Erklärung ist der Einfluss anderer Gewässernamen der Region wie Elsenz oder Alsenz.
Geographie Verlauf Die Weschnitz entspringt im Odenwald östlich des hohen Wagenbergs. Es gibt zwei Quellarme, der südliche und längere liegt am Ortsrand von Hammelbach, einem Ortsteil der Gemeinde Grasellenbach. Der nördliche Arm mit einer gefassten Quelle ist von einem Freizeitgelände mit einem Teich und einer Grillhütte umgeben. Hammelbach liegt auf einem Bergsattel, der die Einzugsgebiete der Weschnitz und des Neckarzuflusses Ulfenbach trennt.
Nördliche Fließrichtung einschlagend, erreicht die Weschnitz bald die Ortschaft Weschnitz, die ebenfalls auf einem Bergsattel liegt. Hier grenzt das Einzugsgebiet des Osterbachs an, der ein Quellbach des Mainzuflusses Gersprenz ist. Am rechten Talhang liegt der Wallfahrtsort Walburgiskapelle. Beim Ort Weschnitz wendet sich der Fluss nach Westen und durchbricht in einem zwei Kilometer langen, stellenweise schluchtartigen Tal den Trommrücken. Links liegt der hohe Krehberg, rechts der hohe Kohlwald; durch das Tal führt die B 460.
Unterhalb von Brombach weitet sich das Tal zur Weschnitzsenke auf. Die Senke wird umrahmt von der Tromm im Osten, den Höhen zwischen Birkenau und der Kreidacher Höhe im Süden, einem Bergkette im Westen, an die die Bergstraße anschließt, und dem Krehberg sowie der Neunkircher Höhe im Norden. In der Senke steht der Weschnitzpluton mit Granodioritgestein an. Das weiträumige Becken entstand als Folge des Einbruchs der Oberrheinischen Tiefebene, wodurch die Erosionsbasis tiefergelegt wurde und sich Verwerfungen im Odenwald bildeten.
Ab Brombach fließt die Weschnitz in südsüdwestlicher Richtung über Krumbach nach Fürth. Ab Krumbach begleitet die B 38 den Fluss; Fürth ist der Endbahnhof der Weschnitztalbahn. Unterhalb von Fürth weitet sich das Tal innerhalb der Weschnitzsenke, die Weschnitz fließt über Fahrenbach, Lörzenbach, Rimbach und dann durch das Naturschutzgebiet Weschnitzaue von Rimbach und Mörlenbach. Ab Mörlenbach treten die Hügel der Weschnitzsenke wieder näher an den Fluss heran; die Weschnitz erreicht nach Reisen den Ort Birkenau.
In Birkenau verlässt der Fluss die Weschnitzsenke, wendet sich nach Westen, passiert die Landesgrenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg und erreicht in einem windungsreichen, fast schluchtartigen Tal die Stadt Weinheim. Dieses Tal war wegen des starken Gefälles ein günstiger Platz für Mühlen; Ende des 19. Jahrhunderts war Weinheim einer der bedeutendsten Mühlenstandorte Süddeutschlands. Besonders markant ist der Silobau der Hildebrand’schen Mühle, ein Bauwerk des Historismus, das ähnlich gestaltet ist wie die Malakoff-Türme des Ruhrbergbaus und die Architektur der Burgenlandschaft an der Bergstraße aufgreift. Die Mühle war 1891/1892 die weltweit erste vollautomatische Großmühle.
In Weinheim quert der Fluss die B 3 sowie die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg. Die Weschnitz verlässt den Schwemmkegel, den sie beim Eintritt in die Oberrheinische Tiefebene ausgebildet hat, in zwei Flussarme aufgespalten: Links die Alte Weschnitz, rechts die Neue Weschnitz. Beide Flussarme verlaufen, meist im Abstand von wenigen Hundert Metern, nach Nordnordwesten, unterqueren die A 5 und erreichen in Höhe von Hüttenfeld und Hemsbach wieder hessisches Gebiet. Nach rund 10 Kilometer vereinigen sich beide Flussarme im Naturschutzgebiet Weschnitzinsel. Die Weschnitz passiert die Klosterruine Altenmünster, den ersten Standort des Klosters Lorsch, und unterquert die B 460, die B 47 und die Nibelungenbahn.
Rund 2 Kilometer nördlich von Lorsch verlässt die Weschnitz an der Wattenheimer Brücke die Niederung am Rand der Rheinebene, knickt nach Westen ab und durchbricht einen Dünengürtel. Nach der Kreuzung der A 67 durchquert der Fluss die Gemeinde Einhausen und erreicht die Rheinniederung mit verlandeten Mäandern. Biblis umgeht der Fluss südlich und kreuzt dabei die B 44 und die Riedbahn. Nach der Brücke der Bahnstrecke Biblis–Worms wendet sich die Weschnitz nach Nordwesten und passiert den Ort Wattenheim und die Burgruine Stein. Die Weschnitz mündet unweit des stillgelegten Atomkraftwerkes Biblis bei Rhein-Kilometer 454,5 in den Rhein.
Zuflüsse Liste der benannten, direkten Zuflüsse von der Quelle zur Mündung. Längen und Einzugsgebietsflächen nach den einschlägigen Kartendiensten für Hessen und Baden-Württemberg. Für die Gewässer der Rheinebene ist zusätzlich angegeben, ob es sich um Hoch- oder Tiefsysteme handelt. Hochsysteme sind eingedeicht und dienen in der Regel der Anbindung von Bächen aus dem Odenwald. Tiefsysteme sind nicht eingedeicht und dienen meist der Entwässerung der Flächen in der Rheinebene. Bei Hochwasser der Weschnitz wird die Vorflut der Tiefsysteme durch Schöpfwerke sichergestellt.
Brombach, von links bei Fürth-Brombach, 2,26 km. Krumbach, von rechts beim Freibad im Norden von Fürth, 4,86 km, 5,86 km². Entwässert den Osten von Lindenfels bis zum Gumpener Kreuz. Kröckelbach, von links in Fürth, 2,22 km. Durchfließt Kröckelbach. Steinbach, von links in Fürth, 3,97 km. Entspringt rund 600 m westlich der Weschnitzquelle, durchfließt Steinbach. Schlierbach, von rechts in Fürth, 9,9 km und 18,61 km². Entspringt südwestlich der Neunkircher Höhe, entwässert den Westen von Lindenfels mit Schlierbach. Fahrenbach, von links in Fürth-Fahrenbach, 3,67 km. Lörzenbach, von rechts am Nordrand von Rimbach, 9,00 km, 19,87 km². Entsteht nördlich von Mittershausen-Scheuerberg, durchfließt Wald-Erlenbach, Mitlechtern, Lauten-Weschnitz und Lörzenbach. Rimbach, von links in Rimbach, 3,84 km, 6,21 km². Entsteht bei der Gehöftgruppe Fuhrhöfe. Albersbach, von rechts am Südrand von Rimbach, 3,63 km. Entsteht westlich von Albersbach. Zotzenbach, von links oberhalb des Wohnplatzes Weschnitz-Mühle, 5,65 km, 9,97 km². Entsteht als Mengelbach östlich von Ober-Mengelbach, durchfließt Zotzenbach. Groß-Breitenbacher Bach, von rechts bei Mörlenbach-Groß-Breitenbach, 1,55 km. Erbach, von links im Norden von Mörlenbach, 1,32 km. Mörlenbach, von links in Mörlenbach, 9,41 km und 15,23 km². Ederbach, von rechts bei Klein-Breitenbach, 3,70 km. Durchfließt Bonsweiher. Bettenbach, von rechts bei Bettenbach, 1,40 km. Mumbach, von links nach der Mörlenbacher Kläranlage, 5,77 km. Durchfließt Rohrbach, Ober- und Nieder-Mumbach. Bach an dem Brunkel, von rechts vor Reisen, 1,32 km. Schimbach, von links in Reisen, 2,50 km. Entsteht beim Weiler Schimbach. Hornbach, von links bei Hornbach, 3,41 km. Grambach, von links in Birkenau, 1,56 km. Liebersbach, von rechts in Birkenau, 7,03 km, 9,21 km². Fließt durch Ober- und Nieder-Liebersbach. Kallstädter Bach, von links in Birkenau, 6,86 km, 5,91 km². Entspringt bei Löhrbach, durchfließt Kallstadt. Grundelbach, von links in Weinheim, 10,48 km und 27,76 km². Durchfließt alle Ortsteile von Gorxheimertal. → (Abgang der Alten Weschnitz), nach links am Weinheimer Bahnhof, rechts läuft die Weschnitz ab hier als Neue Weschnitz. Beide Zweige fließen bald zwischen Dämmen. Neugraben, Tiefsystem mit Schöpfwerk, von rechts in die Neue Weschnitz an der Landesgrenze, 9,33 km, 28,68 km². Entsteht östlich von Sulzbach, entwässert Gebiete um Hemsbach und Laudenbach Schwalbenzahl, Tiefsystem ohne Schöpfwerk, von rechts in die Neue Weschnitz, rechter Unterlaufarm des Neugrabens, 1,28 km. ← Rücklauf der Alten Weschnitz, von links am Südrand des Naturschutzgebiets Weschnitzinsel, 10,30 km, 3,31 km². Stadtbach, Hochsystem, von rechts am Nordrand des Naturschutzgebiets Weschnitzinsel, 10,53 km, 24,61 km². Entsteht als Sonderbach südöstlich von Sonderbach, durchfließt Kirschhausen und die Stadt Heppenheim. Landgraben, Tiefsystem mit Schöpfwerk, von links knapp nördlich des Naturschutzgebiets Weschnitzinsel, 23,58 km, 103,03 km². Entsteht als Apfelbach im Odenwald bei Rippenweier, durchfließt Großsachsen. Größter Teil des Laufes in der Rheinebene als Graben. Allmendgraben Tiefsystem mit Schöpfwerk, von rechts in Höhe von Lorsch, 3,29 km. Entsteht am westlichen Stadtrand von Heppenheim. Meerbach, Hochsystem, von rechts in Höhe von Lorsch, 13,19 km und 21,60 km². Entsteht westlich von Schannenbach als Schliefenbach, durchfließt Gronau, Zell und den Süden der Stadt Bensheim. Sallengraben, Tiefsystem mit Schöpfwerk, von rechts nordöstlich von Lorsch, 2,30 km. Entsteht im Naturschutzgebiet Erlache bei Bensheim. Neuer Graben, Hochsystem, von rechts an der Wattenheimer Brücke, 4,16 km, 3,91 km². Entsteht als Abzweig der Lauter in Bensheim. Halbmaasgraben, Tiefsystem mit Schöpfwerk, von rechts nach Wattenheim, 11,60 km, 36,33 km². Entsteht südwestlich von Einhausen, läuft bis etwas vor Wattenheim linksseits und unterquert dann die Weschnitz
Geschichte Flussgeschichte In der Niederung am Rand des Odenwalds floss bis etwa 10.000 v. Chr. der Bergstraßenneckar, ein Unterlauf des Neckars, der vom Neckarschwemmkegel bei Heidelberg längs der Bergstraße nach Norden verlief und erst bei Trebur in den Rhein mündete. Zuvor ein Zufluss des Neckars, wurde die Weschnitz mit der Verlegung der Neckarmündung in den Raum Mannheim zur Nachnutzerin der alten Neckarläufe. Bei Weinheim sind die alten Flussbetten des Neckars vom Schwemmkegel der Weschnitz überschüttet. Weiter nördlich sind die alten Flussläufe noch deutlich erkennbar, beispielsweise im Naturschutzgebiet Erlache bei Bensheim.
Heute verlässt die Weschnitz an der Wattenheimer Brücke, zwei Kilometer nördlich von Lorsch, die Niederung mit den Altläufen des Neckars. Ob der dortige Durchbruch durch die Dünenkette auf natürlichem Wege entstand oder von Menschen künstlich geschaffen wurde, wurde lange kontrovers diskutiert. Nach heutigem Forschungsstand fließt die Weschnitz seit mindestens 5000 Jahren durch die Dünenlandschaft zum Rhein, was eine natürliche Entstehung des Durchbruchs wahrscheinlich macht.
Der Schifffahrtshistoriker Martin Eckoldt hielt es hingegen 1985 für sehr naheliegend, dass die Römer die Weschnitz umgeleitet hatten. Eckoldt verwies auf die Granitsäulen der Trierer Basilika, des unter Kaiser Konstantin gebauten Vorgängerbaus des Trierer Doms. Diese, bis zu 30 Tonnen schweren Säulen wurden zwischen 328 und 337 n. Chr. im Felsenmeer im Odenwald gebrochen. Ein Großteil der Wegstrecke vom Felsenmeer nach Trier konnte mit Schiffen auf Rhein und Mosel zurückgelegt werden. Eckoldt argumentierte, dass die Wattenheimer Brücke an der kürzesten Verbindung vom Felsenmeer zum Rhein liegt und eine künstliche Ableitung der Weschnitz es den Römern ermöglichte, auch auf der größeren Hälfte dieser Strecke Schiffe zu nutzen.
Bei der Renaturierung der Weschnitz, die 1998/1999 und 2007 an der Wattenheimer Brücke durchgeführt wurde, wurden Holzpfähle freigelegt, von denen 84 geborgen werden konnten. Ein Teil der Pfähle konnte dendrochronologisch datiert werden, andere über die Radiokarbonmethode. Der älteste datierbare Pfahl wurde um oder nach 3578 v. Chr. gefällt; die anderen Datierungen decken den Zeitraum bis zum Frühmittelalter ab, wobei Datierungen aus der Römerzeit fehlen. Die Befunde widerlegen die These einer Ableitung der Weschnitz in der Römerzeit.