mini|Klassische Kaffeehausszene Das Café (französisch für „Kaffee“, hier kurz für cabaret de café, Kaffeehaus, Kaffeeschänke) ist ursprünglich eine Gaststätte, in der vor allem heißer Kaffee als Getränk angeboten wird. Die Kaffeehaustradition, die bei der weltweiten Verbreitung des Kaffeekonsums eine treibende Kraft war, hat sich vor allem in Wien (als Wiener Kaffeehaus), Prag und Budapest erhalten. Den Betreiber eines Kaffeehauses nannte man früher Kaffeesieder.
Geschichte Die ersten Kaffeehäuser verschiedener Städte:
Die ersten Kaffeehäuser gingen aus arabischen EinrichtungenViviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. 2007, S. 249. hervor und entstanden im Osmanischen Reich, insbesondere in Kairo, Damaskus und Aleppo, den Metropolen Ägyptens, Syriens und des heutigen Iraks. Nachdem Sultan Süleyman I., im Deutschen auch Suleiman (genannt „der Prächtige“) Serbiens Hauptstadt Belgrad am 28. August 1521 erobert hatte und ihm die Stadt übergeben worden war, eröffnete er dort bereits im Folgejahr die erste dokumentierte Kafana (südosteuropäisches Kaffeehaus) in Europa, dort wurde nur türkischer Kaffee serviert. An den Handelsplätzen der Levante fanden weitere Gründungen von Kaffeeschänken statt. In der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel ist seit 1554 ein Kaffeehaus belegt.
Im westlichen Europa wurde 1647 das erste Café (ein Vorläufer des Alla Venezia Trionfante,Horst Hanisch: Der kleine Trinkkultur- und Getränkeknigge. 4. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2019, ISBN 978-3-7481-4974-3, S. 63. später Caffè Florian genannt) in VenedigJürgen Schneider: Produktion, Handel und Konsum von Kaffee (15. bis Ende 18. Jh.). 1990, S. 129. unter den Arkaden des Markusplatzes gegründet, da die Kaufleute solche Einrichtungen in Konstantinopel und Alexandria als sehr angenehm empfunden hatten. 1650 folgte ein von einem syrischen Juden namens Jacob eröffnetes Kaffeehaus im englischen Oxford und 1652 wurde in London unter dem Namen „Virginia Coffee-House“ ein weiteres Café gegründet. In den folgenden Jahren verbreiteten sie sich besonders um die Börse, die London Stock Exchange, herum und dienten Börsenmaklern und Geschäftsleuten als Treffpunkt.
Bald erreichten die Kaffeehäuser auch andere wichtige Städte wie Marseille und Paris, wo erstmals 1672 von Armeniern ein öffentliches Kaffeehaus errichtet worden sein soll.Ignaz Denzinger: Erste Kaffee-Schenke in Würzburg. In: Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Band 9, Heft 2, 1847, S. 161 f. Die erste Kaffeestube im deutschsprachigen Raum entstand 1673 in Bremen, wo genau, ist nicht belegt. Es könnte im Schütting oder einem der umliegenden Häuser am Marktplatz gewesen sein.
In Wien eröffnete ein Armenier namens Johannes Theodat (auch Johannes Diodato, Owanes Astouatzatur) 1685 das erste Kaffeehaus der Stadt. Ein weiterer Armenier namens Georgius Deodatus (auch Georg Deodat) eröffnete 1714 das erste Kaffeehaus in Prag. Es hält sich auch weiterhin das Gerücht, dass Georg Franz Kolschitzky nach der zweiten Wiener Türkenbelagerung sich um von den Türken zurückgelassene Kaffeebohnensäcke bemühte, um dann ein Kaffeehaus zu eröffnen. Im Jahr 1700 waren es bereits vier Griechen, die ein Privileg erhalten hatten, „Cafée offentlich auszuschäncken“.
Das erste Kaffeehaus Süddeutschlands entstand im Sommer 1686 in Nürnberg im „Haus zum Frosch“ am ehemaligen Fünferplatz 6. Gründer waren der Gastwirt Conrad Stör vom „Goldenen Ochsen“ und der Zuckerbäcker Georg Albrecht. Ausgeschenkt wurden Tee, Kaffee und Schokolade. Das Unternehmen und die Schanklizenz ging am 8. August 1696 ganz in das Eigentum des „Kaffewirts“ Stör über, dem auch das „Haus zum Frosch“ gehörte. Per Dekret vom 29. August 1718 hatte in Erlangen Jean Trinques das Recht erhalten, der alleinige „Maitre au Caffé“ der Stadt zu sein (im Sommer 1730 bekam dann auch der ebenfalls in Christian-Erlangen lebende Peruquier André Grenard eine Konzession zum Bier-, Wein-, Likör-, Tee-, Schokolade- und Kaffeeausschank).Viviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. In: Wolfgang Protzner, Christiane Köglmaier-Horn (Hrsg.): Culina Franconia. (= Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 109). Franz Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-09001-8, S. 245–264, hier: S. 254 und 257–260.
mini|Café Procope, 2010 Zu den ältesten heute noch bestehenden Kaffeehäusern zählt das angeblich 1686 eröffnete „Café Procope“ in Paris. Auch das 1686 in Regensburg eröffnete „Café Prinzess“ besteht heute noch. Dazu gehört auch das Café „Zum Arabischen Coffe Baum“ in Leipzig, wo nachweislich seit 1711 Kaffee ausgeschenkt wurde.
Im Jahr 1697 gründete der Beutetürke Mehmet Sadullah Pascha, getauft am 24. Juni 1695 auf den Namen Johann Ernst Nicolauß Strauß, ein Kaffeehaus in Würzburg.Ignaz Denzinger: Erste Kaffee-Schenke in Würzburg. In: Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Band 9, Heft 2, 1847, S. 161 f. Dieses erste Kaffeehaus Würzburgs wurde am 23. März 1697 genehmigt.Viviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. In: Wolfgang Protzner, Christiane Köglmaier-Horn (Hrsg.): Culina Franconia. (= Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 109). Franz Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-09001-8, S. 245–264, hier: S. 253–256 (Das erste Kaffeehaus in Würzburg).
Unter anderem Jürgen Habermas betont in seinem Werk Strukturwandel der Öffentlichkeit die Funktion der Kaffeehäuser als wichtigen Bereich der öffentlichen Sphäre, durch die sich eine bürgerliche Öffentlichkeit etablieren konnte.
Aber nicht nur die Geschäftsleute hatten ihre Kaffeehäuser, es gab ebenso Stammcafés für Literaten (etwa das berühmte „Will's“, in dem John Dryden Hof hielt, auch Alexander Pope verkehrte hier, oder das „Smyrna“, das Jonathan Swift und Daniel Defoe zu seinen Gästen zählte), für Gelehrte („The Grecian“), Juristen und Spieler. Kennzeichnend für Kaffeehausgesellschaften war die Überwindung von Standesdünkel – hier saßen einfache Leute und Adlige am selben Tisch zusammen und redeten über die Weltlage im Allgemeinen und ihre Geschäfte im Besonderen.
Das Kaffeehaus ist auch der Ursprung des Postwesens („Penny Post“), die ersten Postfächer richtete man sich in seinem Stammcafé ein. Die erste Versicherung ging auf eine Geschäftsidee des von Edward Lloyd 1688 als Lloyd’s Coffee House in der Lombard Street gegründeten Londoner Kaffeehauses Lloyd’s zurück, in dem sich Kaufleute bzw. Versicherungsvertreter aus dem SchifffahrtswesenViviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. 2007, S. 250. trafen und ihre Risiken zu minimieren suchten, indem sie ihre Schiffsladungen aus den Kolonien gegen Havarie versicherten. Ebenso bedeutend sind die Cafés hinsichtlich der Entwicklung der Zeitung. Der Tatler (von Daniel Reed bis 1711 herausgegeben), der Spectator (Joseph Addison und Reed, die Redaktion saß im „Button’s Coffee-house“), später weitere Gazetten erschienen täglich und vereinten Berichte über Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ganz ähnlich, wie es heute noch der Fall ist.
mini|Paul Hoeniger: „Café Josty“ am Potsdamer Platz in Berlin
Allmählich ersetzte der Kaffee die bis dahin üblichen alkoholischen Getränke, doch noch bis ins 18. Jahrhundert hinein hielt sich die Biersuppe als übliche Frühstücksnahrung und das Bier als Getränk, das man den ganzen Tag über zu sich nahm. Die Ablösung durch den Kaffee bedeutete auch, dass der ständige leichte Rausch, an den man sich seit Jahrhunderten gewöhnt hatte, durch ein Gefühl der wachen, konzentrierten Nüchternheit abgelöst wurde (der „nüchterne Rausch“, wie Voltaire ihn nannte, der selbst ein bekennender Kaffeevieltrinker war). Doch der Kaffee traf nicht nur auf Gegenliebe: Anrainer beschwerten sich über den „Gestank“ des gerösteten Kaffees (tatsächlich haben die beim Kaffeerösten entstehenden Schwaden nichts vom Wohlgeruch des Produktes), und eine Gruppe Londoner Frauen schrieb ein wütendes Pamphlet gegen den Kaffeekonsum – offenbar vor allem der Tatsache geschuldet, dass ihre Männer den größten Teil des Tages im Coffee-House verbrachten, während ihnen selbst der Eintritt, wenn er schon nicht verwehrt war, so doch zumindest als Rufschädigung angekreidet wurde.
Es kam auch zu Verboten von Kaffeehäusern und Kaffeekonsum. Es gab verschiedene Gründe für die Verbote: Misstrauen der Herrschenden gegenüber den politischen Aktivitäten der Kaffeehausbesucher, Vorgehen gegen eine sich ausbreitende Spielleidenschaft, Unterbindung des Anbietens sexueller Dienstleistungen in einigen Häusern sowie gefürchtete Einnahmeverluste an anderer Stelle (etwa im Braugewerbe). In England wurde von König Karl II. (gestorben 1685) erstmals ein Verbot sämtlicher Kaffeehäuser erlassen, jedoch nach heftigen Protesten und wenigen Tagen wieder aufgehoben. Das erste absolute Kaffeeverbot hatte 1756 in Schweden längere Zeit Bestand. Eine Verbotspolitik betrieben zum Beispiel auch 1764 das Herzogtum Braunschweig, 1777 das Königreich Preußen (unter Einsatz von sogenannten Kaffeeriechern) und 1780 das Kurfürstentum Hannover. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verebbte die Prohibitionspolitik gegen den Kaffee. Stattdessen wurden staatlicherseits nun Zölle und Steuern erhoben und an Kaffeehauskonzessionen und am Kaffeehandel verdient.Annerose Menninger: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.–19. Jahrhundert). Stuttgart 2004, S. 384 ff.Viviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. 2007, S. 251–253.
Cafés spielten gelegentlich auch eine politische Rolle, so in Frankreich als Versammlungsort während der Französischen Revolution (1789–1799). So genutzte Kaffeehäuser waren in Paris zum Beispiel das Café de Foy, das Café Hottot und das Café Corazza.Peter Albrecht: Kaffeetrinken als Symbol sozialen Wandels im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Roman Sandgruber, Harry Kühnel (Hrsg.): Genuss & Kunst. Kaffee, Tee, Schokolade, Tabak, Cola. Innsbruck 1994, S. 28–39, hier: S. 34.Viviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. 2007, S. 249 f.