mini|hochkant=1.5|Luftaufnahme von Mostar (2010) mini|hochkant=1.5|Stari most – Brücke über die Neretva – Wahrzeichen der Stadt, wiederaufgebaut 1995–2004 (2009)

() ist die größte Stadt der Herzegowina, des südlichen Teils von Bosnien und Herzegowina, sowie die fünftgrößte Stadt des Landes. Sie ist die Hauptstadt des Kantons Herzegowina-Neretva der Föderation Bosnien und Herzegowina und hat etwa 113.000 Einwohner, wovon etwa 75.000 Einwohner in der eigentlichen Stadt wohnen.

Geographie Lage Mostar liegt im Süden des Landes an der Neretva in einem Kessel zwischen den Bergmassiven Velež (1968 m) und Čabulja (1776 m) auf einer Höhe von lediglich 60 m über dem Meeresspiegel am Fuße des Hum mit dem Millenniumskreuz.

Klima Die Kessellage der Stadt bringt es mit sich, dass im Sommer (Juli/August) hohe Temperaturen herrschen. Das Klima in Mostar ist mediterran und subtropisch geprägt. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 14,6 °C; der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt 1515 mm. Damit ist Mostar die Stadt in Bosnien und Herzegowina mit den höchsten Temperaturen und dem meisten Niederschlag.

Mit einer Sonnenscheindauer von durchschnittlich 2291 Stunden pro Jahr ist Mostar der sonnenscheinreichste Ort in Bosnien und Herzegowina. Mostar gehört zu den heißesten Städten Europas. In den Sommermonaten steigen die Temperaturen nicht selten auf über 40 °C.

Stadtgliederung Außer der Kernstadt Mostar umfasst das Stadtgebiet folgende Orte: Bačevići, Banjdol, Blagaj, Bogodol, Buna, Cim, Čule, Dobrč, Donja Drežnica, Donji Jasenjani, Dračevice, Gnojnice, Goranci, Gornja Drežnica, Gornje Gnojnice, Gornji Jasenjani, Gubavica, Hodbina, Humilišani, Ilići, Jasenica, Kamena (teilweise), Kokorina (teilweise), Kosor, Kremenac, Krivodol, Kružanj, Kutilivač, Lakševine, Malo Polje, Miljkovići, Orlac, Ortiješ, Pijesci, Podgorani, Podgorje, Podvelež, Polog, Potoci, Prigrađani, Rabina (teilweise), Raška Gora, Raštani, Ravni, Rodoč, Selište, Slipčići, Sovići, Sretnice, Striževo, Vihovići, Vojno, Vranjevići, Vrapčići, Vrdi, Zijemlje (teilweise), Željuša, Žitomislići und Žulja.

Im Wesentlichen entspricht dies dem Gebiet der 1991 bestehenden Gemeinde Mostar; es wurden aber nach dem Abkommen von Dayton kleine Teile an die neugegründete Gemeinde Istočni Mostar (Ost-Mostar) abgegeben bzw. von der Gemeinde Nevesinje hinzugewonnen.

Geschichte Die Gegend um Mostar ist seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Bei Cim und Sutina wurden Reste von spätantiken Basiliken ausgegraben, was eine kontinuierliche Besiedlung vermuten lässt.Proleksis Enciklopedija: Mostar. Leksikografski zavod Miroslav Krleža, Zagreb 2013, abgerufen am 1. April 2015. Im Spätmittelalter stand das Neretvatal unter der Herrschaft der Familie Kosača. 1454 befand sich hier ein befestigter Übergang über die Neretva. Dieser wurde 1466 von den Osmanen erobert, die den Ort zu einem Verwaltungssitz ausbauten, der 1474 erstmals unter dem Namen Mostar (= Brückenwächter) erwähnt wird. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Mostar das Handels- und Wirtschaftszentrum der Herzegowina; zeitweilig war es auch Sitz der politischen Macht. 1566 wurde an Stelle der alten Holzbrücke die bis heute berühmte Steinbrücke Stari most erbaut, 1557 die Karađozbeg-Moschee. Nach dem Großen Türkenkrieg und dem Frieden von Karlowitz erhielt die Stadt neue Befestigungen. 1833 wurde der bestehende Sandschak zum Paschalik Herzegowina unter dem Wesir Ali-paša Rizvanbegović aufgewertet, nach dessen Tod jedoch wieder mit Bosnien vereinigt.

mini|Das 8. Korps der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee in Mostar (Februar 1945)

Wie ganz Bosnien und Herzegowina kam Mostar 1878 unter österreichisch-ungarische Verwaltung. 1881 wurde die Stadt Sitz eines katholischen Bischofs. Mostar erhielt Eisenbahnanschluss, zudem wurden weitere drei Brücken über die Neretva gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Mostar zu Jugoslawien, zunächst zur Mostarska oblast, von 1929 bis 1939 zur Primorska banovina, von 1939 bis 1941 zur autonomen Banovina Hrvatska. Im Zweiten Weltkrieg wurde Mostar dem Unabhängigen Staat Kroatien angegliedert und lag in der italienischen Besatzungszone. Nach dem italienischen Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 wurden die Juden aus Mostar von Deutschen in die Vernichtungslager deportiert. Am 14. Februar 1945 wurde es von Partisanen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee eingenommen. Nach dem Krieg kam die Stadt zur Teilrepublik Bosnien und Herzegowina im wiederhergestellten, nun sozialistischen Jugoslawien. 1977 wurde die Universität eröffnet.

Während des Bosnienkrieges kam es 1992/1993 in Mostar zu Kämpfen zwischen kroatisch-bosniakischen und serbischen Einheiten, 1993/1994 zu Kämpfen zwischen Kroaten und Bosniaken. Dabei wurde die Stadt unter anderem durch Vertreibungen in einen kroatisch-westlichen sowie einen bosniakisch-östlichen Teil aufgeteilt.

Während des Krieges zerstörten kroatische Streitkräfte das Wahrzeichen Mostars, die Brücke Stari most, in einem mehrstündigen gezielten Beschuss.Anklageschrift des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, 2. März 2004 (Anklagepunkte 116 und 118). Seite zu einer Fernsehdokumentation des ZDF (2003). Nach Kriegsende wurde die Brücke wieder aufgebaut und 2004 offiziell eröffnet. Im Mai 2013 verurteilte der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien sechs Verantwortliche der Kroatischen Republik Herceg-Bosna unter anderem wegen der Zerstörung der Brücke erstinstanzlich zu mehrjährigen Haftstrafen. Im November 2017 wurden alle Urteile nach Berufung bestätigt, Slobodan Praljak vollzog noch im Gerichtssaal Suizid.Gift-Tod in Den Haag – Verurteilter Slobodan Praljak gestorben. In: Die Welt vom 29. November 2017.

Verwaltungstechnisch bildete Mostar seit dem Krieg zwei Städte: eine kroatische auf dem westlichen Ufer des Flusses Neretva und eine bosniakische auf dem östlichen Ufer. Im Auftrag der EU wurde Hans Koschnick als Vermittler nach Mostar entsandt. Im Januar 2004 wurde dieser Zustand formal aufgehoben und eine neue Regelung eingeführt, wonach die Stadt in sechs Stadtgemeinden eingeteilt ist, die zusammen eine Einheit darstellen. Infolge des fortgesetzten Streites um die Verwaltungsstruktur gab es von 2008 an bis 2020 keine Kommunalwahlen in Mostar.

Der privatisierte Staatsbetrieb Fabrika Duhana Mostar (FDM) durchlief mehrere Unternehmenskrisen.

Im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa wurde bei Mostar im Jahr 2018 eine temporäre Flüchtlingsunterkunft geschaffen, die Migranten als zeitweiligen Aufenthaltsort vor dem Grenzübertritt in die Europäische Union nutzen.

Ein schwerer Schlag für die Bevölkerung war die Schließung des Industriewerks von Aluminij, des größten privaten Arbeitgebers in der Stadt, mit der Streichung von rund 900 Arbeitsplätzen.

Bevölkerung mini|Seit dem Krieg noch unveränderte Ruine (2014)

Die Bewohner Mostars gehören verschiedenen Nationalitäten an. Die Volkszählung 1991 ergab 126.628 Einwohner, die sich folgenden Gruppen zurechneten: Bosniaken: 43.856 (34,63 %), Kroaten: 43.037 (33,98 %), Serben: 23.846 (18,83 %), Jugoslawen: 12.768 (10,08 %) und Andere: 3.121 (2,31 %). Außerdem lebten in der Stadt auch wenige Albaner und Türken.

Der Bosnienkrieg führte zu einer Segregation der Bevölkerung. Nach Angaben von OHR und UNHCR vom Februar 1999, lebten von den 47.838 kroatischen Einwohnern 47.587 westlich und von den 49.623 bosniakischen Einwohnern 49.023 östlich des Flusses Neretva. Von der verbliebenen serbischen Bevölkerung lebten 1083 im westlichen und 439 im östlichen Teil.

Auf Basis der letzten offiziellen Volkszählung 2013 konnten 105.797 Einwohner festgestellt werden, die sich folgenden Gruppen zurechneten: Kroaten: 51.216 (48,4 %), Bosniaken: 46.752 (44,2 %), Serben: 4.421 (4,2 %) und Andere: 3.408 (3,2 %).

Verkehr Der Bahnhof von Mostar liegt im Osten der Stadt. Die erste Bahnstrecke durch Mostar war die von Österreich-Ungarn errichtete schmalspurige Narentabahn (760 mm Spurweite) von Metković nach Sarajevo. Sie wurde mit der Eröffnung der normalspurigen Neubaustrecke Sarajevo–Ploče im November 1966 stillgelegt. Diese wird in der Regel von täglich je zwei Personenzugpaaren zwischen Sarajevo und Čapljina befahren. Seit dem 4. Oktober 2024 ist der Bahnverkehr in Richtung Konjic/Sarajevo aufgrund schwerer Unwetterschäden an der Strecke unterbrochen.U prekidu željeznički saobraćaj na relaciji Sarajevo - Čapljina - Sarajevo. Klix.ba; abgerufen am 4. Oktober 2024.

An das Fernstraßennetz ist Mostar mit der Magistralstraße M-17 angebunden. Mit dem Flughafen Mostar verfügt die Stadt auch über einen internationalen Verkehrsflughafen, etwa sechs Kilometer südlich des Stadtzentrums gelegen.

Der öffentliche Nahverkehr wird von Mostar Bus d.o.o. mit 26 Buslinien bedient., abgerufen am 1. April 2015. Daneben gibt es zahlreiche Fernbuslinien.

Wirtschaft Mostar ist traditionell ein Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden verschiedene Industrieunternehmen, die mittlerweile privatisiert wurden. Der Tourismus nahm in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts wieder zu; Stand 2010 besuchten jährlich eine halbe Million Touristen die Stadt.Trotz aller Touristen: Mostar bleibt geteilt, n-tv.de, 9. September 2010

Landwirtschaft Mostar bietet ein gutes Klima für Obst- und Weinbau, in dem das Unternehmen Hepok eine wesentliche Rolle spielt., abgerufen am 1. April 2015. Im Jahr 2024 hat die ortsansässige Firma Marinada d.o.o. im Ort Kruševo bei Mostar eine Fabrik zur Weiterverarbeitung von Tomaten eröffnet. Die Verarbeitungskapazitäten umfassen 4.000 Tonnen jährlich. Perspektivisch sollten weitere Produkte sowie Obst- und Gemüsesorten verarbeitet werden. Das Unternehmen kooperiert hierbei eng mit dem kroatischen Podravka-Konzern.

Industrie SOKO ist ein Hersteller von Auto- und Flugzeugteilen sowie ehemaliger Hersteller von Militärflugzeugen. Aluminij d.d. verhüttet seit 1981 Bauxit zu Aluminium und stellt verschiedene Aluminiumprodukte (Leiter, Drähte, Anoden) her., Aluminij d.d., abgerufen am 1. April 2015.

Dienstleistungen Die ehemaligen Staatsunternehmen der Post, Telekommunikation und Energieversorgung wurden im Zuge des Bosnienkrieges aufgeteilt. Entsprechend dem damaligen Bevölkerungs- und Gebietsanteil sind Hrvatska pošta Mostar (Kroatische Post), HT Eronet und Elektroprivreda Hrvatske zajednice Herceg Bosne (EPHZHB) jeweils die drittgrößten Unternehmen im Land, aber mittlerweile auch außerhalb des angestammten, d. h. kroatisch kontrollierten Gebietes aktiv. In der Stadt hat außerdem Televizija Herceg-Bosne seinen Sitz.

Seit 1997 gibt es in Mostar eine jährliche Messe.Počinje najznačajniji gospodarski događaj u BiH i zemljama regije. In: Ljubuški Vjesnik, 9. April 2013, abgerufen am 1. April 2015 (Seite nicht abrufbar).

1977 wurde in Mostar eine Universität gegründet, die während des Krieges in die (kroatisch dominierte) Universität Mostar und die (bosniakisch dominierte) Universität „Džemal Bijedić“ geteilt wurde.

Stadtreinigung und Abfallentsorgung werden seit 2012 vom Unternehmen Komunalno durchgeführt, das die früheren Unternehmen Parkovi (Westseite) und Komos (Ostseite) vereinigt., Federalna televizija, 11. Juni 2012, abgerufen am 1. April 2015.

Die Regierung des Kantons Herzegowina-Neretva sowie 5 der 16 Ministerien der FöderationMinistarstva Vlade Federacije BiH, abgerufen am 2. April 2015. haben ihren Sitz in Mostar.

Gesundheitswesen