mini|Flagge Sloweniens

Die Geschichte Sloweniens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Slowenien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Slowenien ist seit 1991 ein unabhängiger Staat in Mitteleuropa, der seit Mai 2004 der Europäischen Union angehört. Das Gebiet des heutigen Sloweniens wurde seit Ende des 6. Jahrhunderts überwiegend von den Vorfahren der heutigen Slowenen bewohnt. Ende des 8. Jahrhunderts kam das Gebiet an das Fränkische Reich und blieb Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs. Aufgeteilt auf verschiedene Markgrafschaften und Herzogtümer kam das Gebiet im Spätmittelalter unter die Herrschaft der Habsburger und wurde 1918 Teil des neugegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, das später Jugoslawien hieß. Im Zweiten Weltkrieg war Slowenien aufgeteilt und unter deutsche und italienische Besatzung gestellt. 1945 kam Slowenien zum wieder gegründeten, jetzt aber kommunistischen Jugoslawien. Am 25. Juni 1991 löste sich Slowenien aus dem Staatsverband Jugoslawien und erklärte seine Unabhängigkeit.

Zeit bis zum Mittelalter Vor- und Frühgeschichte Um 250.000 v. Chr. wurden die ersten Steinwerkzeuge von Menschenartigen gefertigt, die beispielsweise in den Höhlen von Loza (unweit von Postojna) gefunden wurden. Um 2000 v. Chr. errichteten Menschen der Bronzezeit Pfahlbausiedlungen in einem Moorgebiet in der Nähe des heutigen Ljubljana. Siedlungen auf Hügelkuppen, umgeben mit Ringwällen, lösten um 1200 v. Chr. die Pfahlbauten ab. Diese wiederum wurden von den Kelten im 3. Jahrhundert v. Chr. zerstört. Um dieselbe Zeit wurde Aegida (Koper) von griechischen Kaufleuten als Stützpunkt an der nördlichen Adria gegründet.Joachim Hösler: Slowenien. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Verlag Pustet, Regensburg 2006, ISBN 3-7917-2004-X, S. 264.

Taurisker Die Taurisker waren vom 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. ein keltischer Stammesverband am Ostalpenrand, deren Siedlungsgebiet meist auf Kärnten und Slowenien eingegrenzt wird. Ihre Beziehung zu den Norikern ist nicht ganz geklärt. Nach der Schlacht bei Telamon 225 v. Chr. waren die Taurisker Teil der keltischen Verbündeten, die eine schwere Niederlage gegen die Römer erlitten. Die an der Schlacht nicht beteiligten Teile der Taurisker siedelten an der oberen Save und handelten in der Folge mit den Römern vor allem mit Gold.Peter Petru: Die ostalpinen Taurisker und Latobiker. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Politische Geschichte. Provinzen und Randvölker. Lateinischer Donau-Balkanraum. Verlag de Gruyter, Berlin 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 482 und 487. Die Goldproduktion verstärkte ihre politische und wirtschaftliche Macht. Gemeinsam mit den Boiern wurde immer wieder Norikum bedroht und Noreia angegriffen. Die Taurisker dürften damals schon den Boiern untergeordnet gewesen sein. 60 v. Chr. unterlagen die Verbündeten den Dakern unter Burebista. Daraufhin mussten sie anderen keltischen Stämmen, die Latobiker genannt wurden, die Ansiedlung auf ihrem Gebiet in der späteren Krain gestatten.Peter Petru: Die ostalpinen Taurisker und Latobiker. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Politische Geschichte. Provinzen und Randvölker. Lateinischer Donau-Balkanraum. Verlag de Gruyter, Berlin 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 490f. und 495.

Römisches Reich seit 9. v. Chr. mini|hochkant=1.8|Römische Provinzen in Südosteuropa

Etwa fünfzig Jahre später hatte das Römische Reich vorläufig den Höhepunkt seiner Macht unter Gaius Iulius Caesar, der den Julischen Alpen den Namen gab, errungen. Aber erst unter seinem Stiefsohn und Nachfolger Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, wurden das Königreich Noricum und das Gebiet der Taurisker erobert. Unter dessen Stiefsohn und Nachfolger Tiberius wurde das Gebiet im Jahre 9 v. Chr. befriedet und in die römischen Provinzen Noricum, Pannonien und Dalmatia unterteilt. Zentrum und Hauptstadt Noricums war Virunum auf dem Zollfeld in Kärnten. Von hier wurde auch die nun römische Provinz regiert.

Aus Militärlagern entwickelten sich erste Städte: Emona (Ljubljana), Piranum (Piran), Claudia Celeia (Celje) und Poetovio (Ptuj).Joachim Hösler: Slowenien. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Verlag Pustet, Regensburg 2006, ISBN 3-7917-2004-X, S. 15. Die neuen Herren förderten die Kupfer- und Eisenindustrie der Alteingesessenen, bauten ein umfangreiches Straßennetz aus und nutzten die vielen Thermalquellen. Allmählich entwickelte sich das Land zu einer wichtigen Region des Reiches, die Bevölkerung wurde romanisiert.

Die Region besaß für die Römer eine wichtige verkehrsgeographische und strategische Funktion, da sie eine wichtige Landverbindung zwischen Mittel- und Südosteuropa und Italien darstellte. Als sich im 3. Jahrhundert die Einfälle germanischer Stämme nach Italien häuften, wurden unter der Herrschaft Kaiser Diokletians zu Beginn des 4. Jahrhunderts in den Julischen Alpen die Claustra Alpium Iuliarum errichtet, ein Sperrsystem aus Mauern und Befestigungen. Ein Zentrum dieses Systems bildete die Festung Ad Pirum auf der Passhöhe des Birnbaumer Waldes im Nordwesten des heutigen Slowenien.

Ab dem 2. Jahrhundert war die Donau die Nordgrenze (Donaulimes) des Imperium Romanum. Dort befanden sich alle Legionen zur Sicherung der römischen Provinzen, während die Städte im Landesinneren unbefestigt blieben. Dies führte dazu, dass einmal an den Grenzen durchgebrochene Barbaren fast ohne Hindernisse bis tief ins Reichsinnere vordringen konnten. In dem für Rom politisch unsicheren 3. Jahrhundert nutzten die im Großraum der Ungarischen Tiefebene lebenden sarmatischen Stämme der Jazygen und Roxolanen die Situation, um in den Jahren 259/260, während ihrer Raubzüge, bis an den Südwestrand der Provinz Pannonia superior zu gelangen. Auf dem nordöstlichen Gebiet des heutigen Sloweniens richteten sie dabei schwere Verwüstungen an.Slavko Ciglenečki: Slowenien. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 29. Walter de Gruyter. Berlin 2005, ISBN 3-11-018360-9, S. 123.

Erst am Beginn des 4. Jahrhunderts, unter der Regentschaft von Kaiser Diokletian, wurden sowohl die Verwaltungseinheiten als auch die Legionen geteilt. In vielen Städten in den neuen Teilprovinzen Noricum Mediterraneum und Pannonia prima (daraus bildete sich das spätantike Slowenien) wurden zur Sicherheit römische Truppen stationiert. Die beiden Teilprovinzen gehörten damals zur pannonisch-westillyrischen Diözese mit der Hauptstadt Sirmium. Der Westteil des heutigen Slowenien war mit der Provinz Venezia-Histria Teil der Dioecesis Italiae mit der Hauptstadt Mailand. Die beiden binnennorischen Städte Celeia und Poetovio liegen in der ehemaligen Spodnja Štajerska/Untersteiermark. Um 381 – auf der Synode von Aquileia – machte sich der Bischof von Poetovio, Iulianus Valens, durch das Tragen gotischer Tracht verdächtig, Arianer oder gar „Heiden-Priester“ zu sein, wie wir durch eine Überprüfung der Rechtgläubigkeit durch den Mailänder Bischof Ambrosius wissen.Philipp von Rummel: Habitus barbarus. Kleidung und Repräsentation spätantiker Eliten im 4. und 5. Jahrhundert. Verlag de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019150-9, S. 128 ff. Dort nannte sich auch – in Gegenwart von Ambrosius – Bischof Anemius von Sirmium „Kirchenvater Illyriens“. Durch die politischen Umschwünge der folgenden Ereignisse konnten aber weder Mailand noch Sirmium ihre kirchliche Patronanz im heute slowenischen Raum behaupten. Die Jurisdiktion Aquileias beschränkte sich auf die westlichsten Gebiete Sloweniens.

Völkerwanderung mini|hochkant=1.8|Europa mit den wesentlichen Völkerwanderungsbewegungen

Im Herbst 376 wurden viele Goten, die im russischen Raum von den Hunnen bedrängt wurden, im Römischen Reich aufgenommen. Im Januar 395 starb der weströmische Kaiser Theodosius I., der in der Schlacht am Frigidus bei Wippach/Vipava (Herbst 394) das Römerreich noch einmal geeint hatte, nach dessen Tod das Imperium jedoch endgültig in das Römische und das Byzantinische Reich zerfiel. Alle Foederaten des Reiches und die Völker der pannonischen Ebene wurde mit seinem Ableben unruhig und fühlten sich nicht mehr an ihre Verträge gebunden. Die Goten waren 379 – ein Jahr nach der Schlacht von Adrianopel – bis zu den Julischen Alpen (slow.: „Julijske Alpe“) gekommen, also bis in das spätantike Karnien/Krain, ein Gebiet an der oberen Save, das später bis nach Italien und Norikum reichte. Der Kirchenvater Hieronymus beschrieb 396 einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren, in dem Goten, Sarmaten, Quaden, Alanen, Hunnen, Vandalen und Markomannen den heutigen slowenischen Raum verwüsteten.

Um 397 wurden markomannische Foederaten in der Pannonia prima (seit Kaiser Valens „Valeria“ genannt) angesiedelt, zu der auch der östlichste Teil Sloweniens – die Prekmurje jenseits der Mur – gehörte. Die markomannische Königin Fritigil führte einen Briefwechsel mit Bischof Ambrosius von Mailand, um die Bekehrung ihres Volkes zum Katholizismus zu erwirken. So wie die Quaden gaben die Markomannen ihren Sondernamen bald auf und gelten seither als Sueben, die bis zum Ende der Langobarden-Herrschaft 568 im pannonisch-slowenischen Raum nachweisbar sind.

Im Herbst 401 besetzte Alarich I. mit seinen Goten den Raum zwischen Pannonien und Italien, um von dort aus die Apenninhalbinsel anzugreifen. Sie wurden jedoch von Stilicho ein Jahr später (402) vernichtet. Im Jahr 405 zog ein weiteres ostgotisches Heer durch das heutige Slowenien und verwüstete Pannonien, Norikum und Italien.

Während die Goten nach Rom zogen, wurde für die Provinzen Noricum und Pannonien im Jahr 409 der Heide Generidus als Heermeister (magister militum) von Ravenna aus eingesetzt. Unter seinem Kommando stand zusätzlich auch die Provinz Dalmatia. Zu dieser Zeit verlor das Erzbistum Mailand allmählich seinen Einflussbereich auf das heutige Slowenien an das Patriarchat von Aquileia.

Im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts wurde Pannonien zum Zentrum der Hunnen, ab 445 errang Attila die Alleinherrschaft. Seine Regierung währte bis 453. In Pannonien brachte Attila eine Zeit relativer Ruhe. 448 oder 449 trafen neben oströmischen Gesandten auch Vertreter der Provinz Noricum am Hofe Attilas ein – darunter der Comes Romulus aus Poetovio/Pettau/Ptuj, der Großvater des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus. Nach Attilas Tod kam es 454 oder 455 in der Schlacht am Nedao zur Niederlage der Hunnen gegen eine von Gepiden geführte germanische Koalition. Damals erweiterte sich der Machtbereich des Byzantinischen Reichs bis zur Provinz Noricum, und es war der oströmische Kaiser Markianos, der noch vor seinem Tod 457 die vertragliche Niederlassung der Ostgoten auch im heute slowenischen Raum veranlasste.

Zu Beginn der Herrschaft des weströmischen Kaisers Anthemius (467–472) gelang es dem Heermeister Ricimer, der gotisch-suebischer Herkunft war, noch ein letztes Mal, die römische Staatlichkeit Norikums vor den Goten, deren Verbündeten aber auch deren Gegnern zu schützen. Bald nach seinem Tod jedoch zerbröckelte im gesamten Norikum bis um 490 die kirchliche Ordnung und damit auch die römische Verwaltung. Die romanisierte Bevölkerung emigrierte nach Italien oder zog sich in entlegene Bergtäler zurück.Herwig Wolfram: Das Reich und die Germanen. Verlag Siedler, Berlin 1998, ISBN 3-442-75518-2, S. 264 ff. Ortsnamen mit dem Präfix lasko oder lahko zeugen noch heute von der Existenz romanischer Enklaven in Slowenien.Daniela Schetar, Friedrich Köthe: Slowenien. Ljubljana – Julische Alpen – Adriaküste. DuMont Reiseverlag, 2003, ISBN 3-7701-5991-8, S. 27. Die Machtergreifung Odoakers 476 bedeutete das Ende des Römischen Reichs. Ravenna stellte die Soldzahlungen ein.