mini|Afrika aus europäischer Sicht, 1570 mini|Afrika aus europäischer Sicht, 1812 mini|Afrika aus europäischer Sicht, 1910 mini|Kolonisation, 1913

Die Geschichte Afrikas umfasst die Entwicklungen des Kontinentes Afrika von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Erkenntnisse der Paläoanthropologie und der Molekularbiologie, insbesondere Genanalysen, legen in der Tat nahe, dass die Wiege der Menschheit auf dem afrikanischen Kontinent stand. Afrika ist somit der am längsten von Menschen bewohnte Erdteil.

Voraussetzungen Regionale Aufteilung Der Kontinent hat aufgrund seiner Größe verschiedene kulturelle Regionen und Einflussbereiche: Nördlich der Sahara: Ägypten ist eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit, die immer in Kontakt mit anderen Kulturen Asiens, Europas und Afrikas war; das übrige Nordafrika (heute durch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen vertreten) war seit dem Altertum in engem Kontakt mit Europa (Römisches Reich) und dem Nahen Osten (Islam). Zwar behinderte die Sahara in historischer Zeit den kulturellen Austausch mit dem übrigen Afrika. Sie stellte jedoch – von zahlreichen Handelsrouten durchzogen – nie eine undurchlässige Sprach- und Gesellschaftsgrenze dar.

Das Horn von Afrika, insbesondere Äthiopien, Eritrea und Sudan, wird sowohl zum nördlichen Afrika gezählt als auch als Übergangsregion zum südlichen und östlichen Subsahara-Afrika verstanden. Gleichzeitig lassen sich hier Berührungen nach Asien erkennen.

Südlich der Sahara war Afrika bis etwa zur Zeitwende ohne ausgedehnte Staatsstrukturen und kannte nur begrenzte Landwirtschaft. Dabei macht beispielsweise der Urwald das Auffinden von archäologischen Fundstücken besonders schwer. Am Südrand der Sahara entstanden in Mali erste Staaten. Das Munhumutapa-Reich mit der Hauptstadt Groß-Simbabwe gilt als erstes Staatswesen im südlichen Afrika.

Die Sprachen Afrikas lassen ebenfalls eine Nord-Süd-Unterteilung erkennen. Während im Norden afroasiatische Sprachen verbreitet sind, überwiegen im Süden Niger-Kongo-Sprachen. Daneben existieren Khoisan- und andere Sprachen.

Quellenlage Die historische Quellenlage in der afrikanischen Geschichtsforschung gestaltet sich höchst unterschiedlich, in den meisten Regionen Afrikas aber problematisch. Während in Ägypten die schriftlichen Quellen bis in die Zeit vor 3000 v. Chr. zurück reichen, gibt es aus Zentral- und Südafrika fast überhaupt keine Quellen, die älter als 1000 Jahre sind. Die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen zu Westafrika stammen von arabischen Autoren des 8. Jahrhunderts n. Chr. Archäologische Untersuchungen wurden in West- und Ostafrika erst in jüngerer Zeit unternommen, im Fall zum Beispiel der nigerianischen Nok-Kultur lassen sich die gefundenen Terrakotten etwa 2500 Jahre zurückdatieren. Deutlich ältere, steinzeitliche Zeugnisse finden sich an vielen Stellen Westafrikas. Die ältere Geschichte des Kontinents erschließt sich uns aber abgesehen von Nordafrika erst allmählich.

Die wissenschaftliche Erforschung der afrikanischen Geschichte beginnt mit dem deutschen Afrikaforscher Heinrich Barth, der auf seiner Reise durch Sahara und Sudan in den Jahren 1850 bis 1855 wertvolle Dokumente und Chroniken einsehen konnte, diese auswertete und als erster Historiker große Teile der westafrikanischen Vergangenheit rekonstruieren konnte. Barth erkannte als erster europäischer Gelehrter die Bedeutung von Felsbildern für die Rekonstruktion der Geschichte, wenngleich seine Datierung der Felsmalereien im Tassili n'Ajjer längst nicht mehr haltbar ist. Angesichts des grassierenden Rassismus und der unter den Gelehrten vorherrschenden Ansicht, dass die Afrikaner eine geschichtslose „Rasse“ seien, stieß er allerdings auf große Widerstände, und seine Forschungsergebnisse zur afrikanischen Geschichte gerieten in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert wurde sein interdisziplinär angelegter Forschungsansatz wieder aufgegriffen, vornehmlich von britischen und amerikanischen Historikern, aber auch von afrikanischen Fachkollegen wie Albert Adu Boahen und Joseph Ki-Zerbo.

Evolution des Menschen in Afrika

Afrika ist die Wiege der Menschheit. Hier wurden die frühesten Spuren der unmittelbaren Vorfahren des Menschen entdeckt, und hier hat sich auch der moderne Mensch (Homo sapiens) aus Homo erectus entwickelt. Allerdings sind die Forschungsergebnisse aufgrund insgesamt nur weniger Funde von Skelettresten (die allermeisten menschlichen Überreste werden in ziemlich kurzer Zeit völlig zersetzt) mit großen Unsicherheiten behaftet, die auch moderne genetische Untersuchungen bislang nicht haben beheben können.

Nach jüngsten paläoanthropologischen Forschungsergebnissen entwickelten sich die ersten Hominini vor sieben bis sechs Millionen Jahren in Afrika aus einer bis dahin gemeinsamen Entwicklungslinie mit den Vorfahren der heutigen Schimpansen. Schon der in Nordost-Afrika entdeckte, rund fünf Millionen Jahre alte Ardipithecus bewegte sich zumindest zeitweise aufrecht auf zwei Beinen. Durch diese Art der Fortbewegung (Bipedie) konnten die frühen Hominini sowohl am Rande von tropischen Wäldern als auch in der Savanne, die sich damals aufgrund klimatischer Veränderungen ausdehnte, überleben.

Vor mehr als vier Millionen Jahren entwickelten sich die Arten der Gattung Australopithecus – wahrscheinlich in Ostafrika.

Der nächste große Entwicklungsschub geschah vor etwa 2,5 Millionen Jahren mit dem Auftreten von Homo rudolfensis und Homo habilis, die bereits erste Steinwerkzeuge anfertigen konnten. Das afrikanische Early Stone Age begann damit deutlich früher als das europäische Altpaläolithikum.

Vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelten sich Homo ergaster bzw. Homo erectus. Homo erectus war vermutlich die erste Homo-Art, die Afrika verließ und sich über den vorderen Orient nach Europa und Asien auszubreiten begann; der europäische Neandertaler war ein Nachfahre dieser Expansion. Homo erectus gilt als die erste Art der Gattung Homo, die Feuer zu machen befähigt war.

Dokumentierte archäologische Funde wie die der Pinnacle-Point-Menschen und der Broken-Hill-Schädel belegen, dass der archaische Homo sapiens bereits vor rund 160.000 Jahren in Afrika existierte. Aufgrund genetischer Analysen gilt heute als gesichert, dass auch die Ausbreitung von Homo sapiens über die anderen Kontinente in Afrika ihren Ausgang nahm.

Wissenschaftler vermuten, dass die Khoisan, eine ethnische Gruppe in Südwestafrika, die direktesten Nachfahren der Urpopulation des Homo sapiens sind. Umstrittene Hypothesen sehen sogar die Klick- und Schnalzlaute der Khoisansprachen als Relikte der evolutionären Herausbildung des menschlichen Sprechapparates beim Homo erectus.

Frühe Zivilisationen Beginn des Ackerbaus in Afrika Gegen Ende der letzten Kaltzeit um 10500 v. Chr. war die Sahara ein grünes und fruchtbares Land und wurde wieder von jenen Völkern besiedelt, die sich zuvor südlich der Sahara angesiedelt hatten. Doch um 5000 v. Chr. wurde die Region immer trockener, wodurch ihre Bewohner gezwungen waren in klimatisch günstigere Gebiete abzuwandern. Sie gründeten daraufhin vor allem im Niltal südlich des zweiten Katarakts dauernde oder halbdauernde Siedlungen. Der klimatische Umbruch verursachte auch, dass die heftigen und anhaltenden Niederschläge in Zentral- und Ostafrika weniger wurden. Seitdem herrscht in diesen Gebieten trockenes Klima.

Die ältesten Funde von domestizierten Rindern stammen aus Nordafrika um 4500 v. Chr. Unter den domestizierten Tierarten waren auch Schafe und/oder Ziegen. Parallel zu diesen pastoralistisch lebenden Gruppen existierten Jäger- und Sammlerkulturen.

Ab 4000 v. Chr. schritt die Desertifikation der Sahara weiter voran. Die zunehmende Knappheit an wichtigen Ressourcen, insbesondere für Pastoraliten, könnte verantwortlich sein für eine Migration pastoralistisch lebender Gruppen in die weiter südlich gelegenen Regionen Westafrikas und das Niltal.

Um 2500 v. Chr. begann im Sahel mit der Perlhirse Pennisetum glaucum der Anbau von Pflanzen. Die Mohrenhirse, Sorghum, ist bisher nur aus nachchristlichen Zusammenhängen bekannt.

In Westafrika werden heute Yams und Ölpalmen, in Ostafrika Kaffee und Zwerghirse angebaut. In Äthiopien wurden außerdem noch Erbsen, Linsen und Flachs domestiziert.

Jungsteinzeitliche Kulturen Felsgravierungen aus dem Neolithikum in der libyschen Sahara geben Zeugnis von einer frühen Jäger- und Sammlerkultur im trockenen Grasland Nordafrikas während der letzten Kaltzeit. Wo sich heute die Wüste Sahara erstreckt, lebten vor 5000 Jahren Fischer und Jäger. Typisch für die südliche Sahara ist die mit Wellenlinien verzierte Keramik, die sogenannte „wavy-line-pottery“. Infolge der Desertifikation der Sahara konzentrierte sich die Besiedlung im Nil-Tal. Archäologische Funde belegen, dass hier schon 6000 Jahre v. Chr. Landwirtschaft betrieben wurde. Andere flohen vor der zunehmenden Trockenheit in die südlich gelegene Sahelzone.

Linguistische Forschungen ergaben, dass sich Bantu-Völker ausgehend vom Hochland von Adamaua nach Südwesten hin ausbreiteten und die dortige Urbevölkerung, die Khoisan, verdrängten. Der Zeitpunkt dieser Migrationsbewegung ist nicht bekannt. Diese Bantu-Völker verwendeten eine bestimmte Anbaufolge, bei der Perlhirse und Yams beteiligt waren. Ihre Hauptwaffen waren Bogen, Speere und Schilde. Archäologische Belege für eine solche Bewegung fehlen allerdings. Dies ist auch auf die schlechte Erhaltung und Sichtbarkeit von Siedlungsresten im dichten Regenwald zurückzuführen.

Auch im heutigen Eritrea und Äthiopien gab es eine jungsteinzeitliche Kultur, die in Austausch mit asiatischen und europäischen Kulturen stand. Sie verwendete eine eigene Sprache und baute Kaffee, Sorghum und Zwerghirse an.

In Westafrika finden sich Überreste steinzeitlicher Kulturen wie etwa der Gajiganna-Kultur, die vor nahezu 4000 Jahren im nördlichen Nigeria bestand oder die deutlich jüngeren Senegambischen Steinkreise im Senegal und in Gambia.

Nord- und Nordostafrika in der Antike Altes Ägypten

Die schriftlich fixierte Geschichte entstammte dem Alten Ägypten; der ägyptische Kalender diente als Standard für die Datierungen während der bronze- und eisenzeitlichen Kulturen der Region.

Ca. 3100 v. Chr. wurde Ägypten unter der Herrschaft des Menes (Mena) vereinigt, mit dem die erste der 30 Dynastien begann, in die Ägyptens alte Geschichte geteilt wird: Altes Reich, Mittleres Reich und Neues Reich. Die Pyramiden von Gizeh (bei Kairo), die in der 4. Dynastie errichtet wurden, bezeugen die religiöse und staatliche Macht des Pharaonenkultes. Die Cheops-Pyramide, das Pharaonengrab, ist das einzige erhaltene Denkmal der Sieben Weltwunder. Altägypten erreichte den Höhepunkt an Macht, Reichtum und territorialem Umfang in der Periode des neuen Reichs (1567–1085 v. Chr.).

Die Ägypter erreichten Kreta etwa 2000 v. Chr. und wurden durch eindringende Indogermanen und semitische Hyksos erobert. Sie besiegten die Eindringlinge 1570 v. Chr. und drangen vor bis in die Ägäis, Sudan, nach Libyen und einen großen Teil Südwestasiens bis zum Euphrat.