mini|Länder Asiens heute mini|Satellitenaufnahme des asiatischen Kontinents mini|Asien topographisch

Die Geschichte Asiens umfasst die Entwicklungen des Kontinentes Asien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie lässt sich in vier große Epochen gliedern:

Nach der Ausbreitung der frühen Homininen wie Homo erectus von Afrika nach Asien während des Altpaläolithikums und der Zuwanderung des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) im Mittelpaläolithikum, ebenfalls von Afrika kommend, folgt dessen Sesshaftwerdung während der Jungsteinzeit (Neolithikum). Durch die Sesshaftwerdung steigt die Bevölkerungszahl, die ersten Städte entstehen und die frühen Hochkulturen Asiens in den Schwemmländern Mesopotamiens, des Indus und des Gelben Flusses können sich etablieren. Sie kennen Schrift und Bronzeverarbeitung (Bronzezeit). Die ersten Zivilisationen der nachfolgenden Eisenzeit werden als die Klassischen Hochkulturen der Antike bezeichnet. Ihr Niedergang wird durch die großen Nomadenwanderungen des beginnenden Mittelalters verursacht, das in Asien vor allem durch die Ausbreitung des Islam und die kulturelle Ausstrahlung des chinesischen und indischen Kulturraums geprägt ist. Mit den europäischen Entdeckungsfahrten beginnt die Neuzeit, die durch die sich intensivierende Kulturkontakte zwischen Asien und Europa, die dadurch ermöglichte immense technologische und wissenschaftliche Entwicklung in Europa und dessen darauf beruhender Expansion bis hin zu dem Ende der europäischen Vorherrschaft nach den Weltkriegen bestimmt wird.

Diese Periodisierung zeichnet sich durch einen gewissen Eurozentrismus aus, dient aber dank ihrer Gebräuchlichkeit auch im Rahmen asiatischer Perspektiven auf die Geschichte Asiens der Übersichtlichkeit.

Einleitung Der japanische Kunsthistoriker Okakura Kakuzō eröffnet sein Buch The Ideals of the East mit der weitreichenden Behauptung „Asia is one“. Unter dem Eindruck der intensiven Auseinandersetzung mit der europäischen Kultur, die Japan in der Meiji-Zeit (1868–1912) revolutionierte, sowie einer Reise nach Indien (1901–02) macht der japanische Kulturwissenschaftler sich damit eine Perspektive auf „Asien“ zu eigen, die in der Geschichte Asiens bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatte. Über lange Zeit erschien „Asia“ allenfalls in der Fremdperspektive als zusammenhängender Raum. Aus griechischer Perspektive bezeichnete der Name „Asia“ zunächst alles Land östlich des Bosporus. Die Menschen der Antike des Vorderen Orients bezeichneten mit diesem Begriff, vermutlich von dem assyrischen Wort für Sonnenaufgang stammend, die das legendäre Indien mitumfassenden Länder im Osten.

Prägend wurde der Steppen- und Wüstengürtel Zentralasiens, der zwischen den tundrischen Waldgebieten Sibiriens und den subtropischen und tropischen Regionen gelegen, sowohl die Ausbreitung von Nomadenvölkern, als auch einen kulturellen Austausch und später einen interkontinentalen Handel erleichterte. Dagegen hinderte das Hochgebirge des Himalaya den Zugang zu Südostasien und dem Subkontinent Indien. Diese südlicheren Regionen werden im Gegensatz zum nördlicheren kontinentalen Klima durch den Monsun bestimmt. Die dadurch verursachte dichtere Vegetation zusammen mit den Hochländern des Dekhan in Indien und von Annam in Südostasien erschwerten die Bildung größerer Reiche wie in Zentralasien oder China. Dagegen erleichterten die regelmäßigen Winde des Monsuns im Indischen Ozean aber auch Schifffahrt und Handel.

Die sehr unterschiedliche Quellenlage hindert die Historiker oftmals an einem einheitlichen Blick in die Vergangenheit. Archäologisch ist Asien sehr unterschiedlich erschlossen. Während China und die Städte entlang der Seidenstraße eher gut erschlossen sind, sind weite Teile Asiens nur unzulänglich erforscht. Ebenso ist im Gegensatz zu den Keilschriften Mesopotamiens und den Hieroglyphen Ägyptens keine Entzifferung der Schrift der Indus-Kultur gelungen, was einen ähnlich tiefen Einblick in diese Kultur ausschließt. Die Schrift breitete sich erst im Laufe des 1. nachchristlichen Jahrhunderts nach Zentralasien (türkische Runen) und Südostasien aus, so dass für die frühe Zeit auf Quellen aus benachbarten Ländern wie China zurückgegriffen werden muss. Hier sind die Quellen nicht nur nach ihrem Urheber wie bei Herrscherinschriften, sondern zudem durch die Fremdperspektive interpretationsbedürftig. Erst mit den Berichten von Missionaren und den Aktenbeständen der europäischen Kolonialherren, die sich häufig nicht in den jeweiligen Ländern, sondern in Europas Archiven befinden, vervielfachen sich die schriftlichen Zeugnisse. Für die Ausbreitung und Verwandtschaft der Völker gewinnen zunehmend linguistische und genetische Untersuchungen an Bedeutung.

Vorgeschichte

Homininen/Paläolithikum mini|Die Ausbreitung des Homo Sapiens Funde von Homo erectus aus Java („Java-Mensch“) werden heute auf ein Alter von über 1 Million Jahren datiert. Asien war demnach schon sehr früh durch eine Art der Gattung Homo besiedelt. Der aus Afrika zugewanderte Homo erectus wurde später durch den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) ersetzt, der in einer zweiten Auswanderungswelle gleichfalls aus Afrika einwanderte.

Fundorte von homininen Fossilien sind unter anderem: China: Zhoukoudian („Peking-Mensch“) und Dali („Dali-Mensch“ über 300.000 Jahre alt) (Siehe auch: Liste von homininen Fossilien des Paläolithikums in China, Liste paläolithischer Fundstätten in China) Indien: Äxte und unter anderem im Soan-Tal und Beas-Tal, aber auch weit im Süden Russland: Denissowa-Höhle (Denisova-Mensch) Georgien: Dmanissi (Hominine Fossilien von Dmanissi) Indonesien: Flores (Homo floresiensis)

Während des Mittelpaläolithikums erreichte vor etwa 100.000 Jahren der in Ostafrika entstandene anatomisch moderne Mensch den Nahen Osten (Out-of-Africa-Theorie), Fundorte sind zum Beispiel die Qafzeh-Höhle und die Skhul-Höhle in Israel. Von dort ausgehend erreichte er entlang den Küsten Südasiens vor 60.000 Jahren Australien (Malakunanja II in Arnhem Land und Lake Mungo). In der Folge wendete er sich nach Norden. Offenbar sind 40.000 Jahre alte Spuren im Inneren Südostasiens belegt, vor 30.000 Jahren in China und vor 26.000 Jahren in Nordostasien. Es scheint, als sei die um 8000 v. Chr. entstandene Jōmon-Kultur Japans auf eine Einwanderung aus Australien zurückzuführen. Bis 3500 v. Chr. wurde Polynesien besiedelt.

um 50.000 Jahre vor heute: Es wird angenommen, dass sich zu dieser Zeit eine komplexe Sprache entwickelte. Es wird weiter vermutet, dass damit die mit dem Jungpaläolithikum ab 40.000 v. Chr. verbundene Entwicklung von Kultur (Bestattungen, Malerei) und Jägergesellschaften in Zusammenhang steht. Dieser Fortschritt führte zu einer Ausdehnung des vom Menschen besiedelten Gebietes. Die archäologischen Nachweise für den nun uneingeschränkt modernen Menschen sind jedoch spärlich; der älteste Fund wurde im Libanon (Ksar Akil) gemacht und auf ein Alter von rund 42.000 Jahren datiert.

Neolithische Revolution

Bereits vor dem eigentlichen Übergang zu Landwirtschaft und Viehzucht beginnt eine Jägerkultur um 12.000 v. Chr. in Palästina sesshaft zu werden (Natufien, Epipaläolithikum, Mittelsteinzeit). Danach beginnt, vermutlich durch einen Rückgang des Großwildes ausgelöst, der Mensch ab 8000 v. Chr. in den subtropischen Regionen Asiens Landwirtschaft zu betreiben. Zuerst geschieht dies an den Berghängen Vorderasiens (Fruchtbarer Halbmond), an denen zunehmend Regenfeldbau betrieben wird. Getreide und Haustiere werden domestiziert, sowie zunehmend Keramik verwandt. Diese Neolithische Revolution führt zu einer gewaltigen Vergrößerung der menschlichen Population. Man schätzt, dass die Bevölkerung von etwa 6 Millionen zu Beginn, auf etwa 250 Millionen im 1. nachchristlichen Jahrhundert wuchs.

mini|Der Fruchtbare Halbmond

Vorderasien: Die jeweils frühesten und berühmtesten Funde sind die von Jericho (ab 9500 v. Chr., siehe Präkeramisches Neolithikum A) und Çatalhöyük (ab 7500 v. Chr.). In Vorderasien beruhen die jungsteinzeitlichen Bauerngesellschaften auf Gerste und Weizen, sowie Schafen und Ziegen. Einen bedeutenden technologischen Fortschritt stellt die Entwicklung der drehenden Töpferscheibe dar, von der ein Vorläufer aus der Obed-Zeit (ab 5900 v. Chr.) bekannt ist. Südasien: Die Mehrgarh-Kultur zwischen Indus und dem Zagros-Gebirge (ab 7000 v. Chr.) wird als Vorläufer der Induskultur betrachtet. Ostasien: Dagegen beruhen die jungsteinzeitlichen Kulturen in Ostasien auf Hirse, Reis, Schweinen und Geflügel. Die früheste ist die von Jōmon in Japan, in der besonders früh hochwertige Keramik entsteht. In Nordchina folgen (vereinfacht) am Gelben Fluss nacheinander die Hemudu-Kultur (ab 7000 v. Chr.), die Yangshao-Kultur (ab 5000 v. Chr.) und die Longshan-Kultur (ab 3000 v. Chr.), die als Vorläufer der späteren chinesischen Hochkultur gilt.

Frühe Hochkulturen mini|Vorderasien um 2000 v. Chr. mini|Vorderasien um 1220 v. Chr. mini|Assyrien um 800 v. Chr. mini|Babylonien um 580 v. Chr. mini|Induskultur-Fundstätten mini|Ausbreitung Chinas bis zu den Han

Wichtige frühe Hochkulturen befanden sich am Indus und am Huanghe. Vermutlich haben klimatische Bedingungen die Neolithisierung und damit ein Ansteigen der Populationen zusammen mit der zunehmenden Aridisierung zur Konzentration der Menschen auf die großen Flusstäler geführt. Die Intensivität der erforderlichen Bewässerungsarbeiten hat die Bildung von politischen und religiösen Hierarchien in Städten gefördert. Mit der Verdrängung der Viehzüchter aus den für den Ackerbau nutzbaren Regionen wurden die Steppengebiete von Hirten-, bzw. Nomaden besiedelt. Die frühen Hochkulturen unterscheiden sich vor allem durch die zentralisierte Wirtschaft (Nahrungsmittelsammlung und Redistribution) und Entwicklung der Schrift von den anderen Lebensformen. Der zunehmende Gebrauch von Metallen geht in den frühen Hochkulturen der alten Welt damit einher. Etwa zur gleichen Zeit wird das Rad zunehmend zum Transport eingesetzt. Das Bedürfnis nach Rohstoffen wie Erzen und Holz, die Entwicklung von Städten, Gewerbe und die gleichzeitige Erleichterung des Transports durch das Rad vor allem aber durch küstennahe Schifffahrt beleben den Handel.

Vorderer Orient

3500 v. Chr.: In Mesopotamien sind zuerst Anzeichen von Bewässerung feststellbar. Vermutlich wandern kurz darauf von Osten kommend die Sumerer nach Mesopotamien ein. Sie errichten die erste Hochkultur überhaupt. Um 3400 v. Chr. werden die Schrift, die schnell drehende Töpferscheibe und Lehmziegel erfunden. Mit dem Tempelbau von Uruk etwa 3000 v. Chr. wird der erste Monumentalbau der Geschichte errichtet (Eanna). 3000 v. Chr.: Die vermutlich aus dem Sinai und der Arabischen Halbinsel stammenden Semiten beginnen, sich im Vorderen Orient auszubreiten. Sie dringen ins spätere Palästina und nach Mesopotamien vor, wo die sumerischen Stadtstaaten von den Akkadern erobert werden. Akkade erobert auch das von Sumer unabhängige Reich von Elam. Im Norden Mesopotamiens bilden sie vermutlich einen Großteil der Bevölkerung des gegen 1800 v. Chr. entstehenden altassyrischen Reiches. Zur gleichen Zeit beerbt im Süden das Babylonische Reich die sumerische Dritte Dynastie von Ur. 2200 v. Chr.: Oasenkultur (Transoxanien) im östlichen Iran. 2000 v. Chr.: Eine erste Welle der Indo-Europäer dringt in das nördliche Mesopotamien vor (Hurriter), deren bedeutendste Reichsgründung die von Mittani ist. Andere erreichen Kleinasien und gründen das Hethiterreich. Die indo-europäischen Adelsgesellschaften zeichnen sich durch den Gebrauch von Streitwagen aus, der durch die Erfindung des Speichenrades möglich wird und einen erheblichen militärischen Vorteil bietet (vgl. dazu Hyksos und Amurriter).