Israels Bezirke Haifa und Nord physisch
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Das Gefängnis Akkon (1918–1948: ; 1948/1949: ) war eine Haftanstalt in Akkon zu Zeiten des Osmanischen Reiches, des britischen Völkerbundsmandats für Palästina und zuletzt der israelischen Armee in Israels Gründungsphase. Das Gefängnis nahm den osmanischen Oberbau der Zitadelle Akkon im Nordbezirk Israels ein.
Als der arabische Regionalpotentat Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775) um 1750 in den Ruinen der Johanniterkommende Akkos die Zitadelle als seinen Amts- und Wohnsitz einrichtete,Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 0-231-12327-2. ließ er darin auch Zellen für Gefangene einbauen., auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 24. Februar 2019.
Der neue Wālī verlegte 1832 Sitz und regionale Verwaltung (Eyâlet) von Akkon nach Sidon (Eyâlet Sidon), dabei blieb ersteres Sitz des Unterbezirks Nahiya Akkon im Eyâlet, nach dessen Auflösung kam die Nahiya 1864 ans Vilâyet Syrien, 1888 ans neu geschaffene Vilâyet Beirut. Während all dieser Grenz- und Verwaltungsänderungen blieb die Zitadelle als Kaserne und Gefängnis in Akko bestehen. Abgesehen von einer kurzen Räumung des Gefängnisses 1870 bestand es durchgehend. Im 19. Jahrhunderte wurde die westliche Öffentlichkeit verschiedentlich auf das Gefängnis und die Zustände darin aufmerksam. Die osmanische Herrschaft endete mit der Einnahme Akkos durch Entente-Einheiten (hier der Egyptian Expeditionary Force) am 23. September 1918.
Mit Ablösung der Besatzungsverwaltung Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South) der Entente-Mächte und Übergang zur regulären britischen Zivilverwaltung im Jahre 1918 wandelte die Mandatsmacht die gesamte Zitadelle zum Central Prison unter Aufsicht der Palästina-Polizei um. Die Mandatsmacht richtete auch eine Richtstätte für zum Tode Verurteilte ein. Nach der israelischen Eroberung Akkos am 17. Mai 1948 richtete Zahal in der Zitadelle ein Militärgefängnis ein, das nach Ende des Krieges um Israels Unabhängigkeit (Juli 1949) aufgelöst wurde. Anschließend bezog eine psychiatrische Klinik die Zitadelle.
Insbesondere inhaftierte Bahāʾī (bis 1908) und Untergrundkämpfer gegen die osmanische Herrschaft (bis 1918) bzw. britische Mandatsmacht (bis 1948) hatten öffentliche Aufmerksamkeit und auch Bekanntheit außerhalb der Gefängnismauern erlangt. Bekannte Gefangene waren Abba Achimeʾir, Bahāʾullāh, Mosche Dajan, ʿAbbas Effendi, Schlomo Erʾel, Uzi Gal, Seʾev Jabotinsky, Harutiun Jangülian, Mosche Karmel, Hans Lebrecht, David Resiʾel, Stojan Saimow und Leopold Trepper, um nur einige zu nennen. Im Gedenken an zionistische Untergrundbewegungen eröffnete das Verteidigungsministerium 1963 Gedenkstätte und Museum der Gefangenen des Untergrunds im Bereich der ehemaligen britischen Richtstätte. 1983 wurde das Museum erweitert und nimmt seither sämtliche Räumlichkeiten des osmanischen Oberbaus der Zitadelle ein.“”, auf: , abgerufen am 13. Juni 2018.
mini|Tafel zur Erinnerung ans Gefängnis vorm ehemaligen Eingang mini|250px|Plan der Altstadt mit Grundrissen von Wällen, Zitadelle (№ 2: Nordmauer des osmanischen Vorhofs, № 3: Säle 1–6, № 4: Hof, № 5: Refektorium), № 20: Dschazzār-Moschee auf Unterbau der Kreuzkathedrale, № 22: Chan al-Ifranǧ und weiteren Bauten Lage Der Oberbau der Zitadelle, worin einst das Gefängnis bestand, liegt in Akkon am nördlichen Rand der heutigen Altstadt direkt an der enger gezogenen osmanischen Stadtmauer, die nur einen Teil der Fläche der einstigen Kreuzfahrerstadt einschließt,Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 45. und das Werk Ẓāhir al-ʿUmars und des osmanischen Statthalters Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha (1722–1804) ist.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200. An dieser alten Stadtmauer, die hier seit Anlage der Neustadt Montmusard zu Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Zerstörung Akkos 1291 zwischen Neu- und Altstadt verlief, besetzt die Zitadelle von Westen aus gesehen den Mauerabschnitt zwischen dem zweiten und dritten Turm, die osmanisch überbaut erhalten sind., auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 26. Februar 2019. Die Zitadelle besteht oben aus Bauten der osmanischen Zeit und grenzt im Süden an den Rechov Portzej ha-Mivtzar (; ).
Die Gassen und Straßen um die Zitadelle liegen heute sieben bis acht Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau, da man im 18. Jahrhundert herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten oberen Etagen der Kreuzfahrerbauten bei Wiedererschließung der Ruinen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: , abgerufen am 25. Februar 2019. Damit ist dieser Bereich heute die höchste Lage in Akkos Altstadt. Entsprechend nahm man nur auf dieser Höhe Baureste in Nutzung bzw. baute auf erhaltenen Untergeschossen neu, die auf dem neuen Niveau noch herausragten. So setzen die osmanischen Bauteile der Zitadelle direkt auf die erhaltene, seinerzeit verschüttete ehemalige Johanniterkommende auf.
Geschichte
Akko ist eine alte Stadt am Mittelmeer, wo der Handelsweg Via Maris zwischen Ägypten und Mesopotamien von See- auf Karawanentransport und umgekehrt wechselte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 199. Mehrfach zerstört und aufgebaut und noch öfter von einem Herrn an einen anderen gefallen (Phönikier, Altägypter, Alexander der Große, Römer, Byzantiner, ägyptische Fatimiden, Kreuzfahrer, Mamluken, um nur einige zu nennen) gehörte Akko, wie die gesamte Levante, seit 1516/1517 zum Osmanischen Reich.Hans Kühner: Israel: ein Reiseführer durch dreitausend Jahre, David Harris (Fotos), Olten und Freiburg im Breisgau: Walter, 1975, ISBN 3-530-49171-3, S. 250. Auch unter den Osmanen blieb Akko ein Ruinenfeld.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) u. a., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe). verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 219. Akkos Kirchen und Befestigungen waren auf Befehl seines siegreichen Eroberers Sultan Chalil 1291 durch Emir ʿAlam al-Din Sandschar al-Schudschaʿi al-Mansuri () geschleift worden,Vardit Shotten-Hallel, “Reconstructing the Hospitaller Church of St. John, Acre, with the help of Gravier d’Ortières’s drawing of 1685–1687”, in: Crusades, Band 9, 2010, S. 185–198, hier S. 195. um christliche Spuren zu tilgen und den Kreuzfahrern – nach einer eventuellen Rückeroberung – eine erneute Nutzung als Stützpunkt unmöglich zu machen.Thomas Veser: „Heiligkreuzkirche unter dem Harem“, in: Neue Zürcher Zeitung. 24. Dezember 2003, abgerufen am 22. Februar 2019. Allerdings blieb von den massiven Bauten der Johanniterkommende einiges erhalten.Bernhard Dichter, Salman Baumwoll, Alex Carmel, Ejal Jakob Eisler (Bearb.), / (Zusatztitel: Akko, Bauten aus der türkischen Zeit / Akko, sites from the Turkish period), Universität Haifa / (Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Hrsg.), Haifa: , 2000, S. 52.
Zunächst ließen sich nur wenige autark lebende Menschen, oft arabische Fischer, neu in den Ruinen nieder und richteten sich ein. Im 17. Jahrhundert trieb der florierende Handel in Westeuropa vor allem französische, aber auch niederländische Kaufleute auf der Suche nach Geschäftsgelegenheiten an die Küsten der Levante, wobei erstere gewissen Rechtsschutz durch die Kapitulationen des Osmanischen Reiches genossen und unter Europäern ein Monopol im osmanischen Handel beanspruchten.
Europäische Kaufleute steuerten auch den Hafen Akkos an. Im Jahre 1691 wohnten bereits 13 französische Kaufleute in Akko. Die Textilindustrie in Frankreich prosperierte und steigerte ihre Baumwollimporte zwischen 1700 und 1750 um das Zehnfache, und obwohl die Produzenten das Angebot steigerten, wuchs die Nachfrage schneller, weshalb sich der Baumwollpreis in der gleichen Zeit verdoppelte. Auf der Suche nach Baumwolllieferanten reisten Marseiller Kaufleute 1691 schon durchs galiläische Hinterland bis Safed. Die wenigen freien Bauern, vor allem aber die vielen abhängigen bäuerlichen Landpächter staatlichen Miri-Landes im osmanischen Tımar-System erkannten, dass Baumwollproduktion über ihren Eigenbedarf hinaus sich zu steigenden Preisen absetzen ließ.
Wenn Steuerpächter () über die Dörfer kamen, meist um rigoros die Abgabe auf Miri-Land einzutreiben, konnten die oft illiquiden bäuerlichen Pächter diese nur aus Erlösen bestreiten, die sie aus Schnellverkäufen hektisch und nicht voll gereift geernteter Baumwolle an europäische Kaufleute zu schlechten Preisen erzielten. So fielen Preis, Quantität und Qualität für Produzenten und Kaufleute ungünstig aus, weshalb französische Kaufleute bis 1720 einen Terminmarkt für Baumwolle (später auch für andere Terminwaren wie Olivenöl und Getreide) etablierten, indem sie Produzenten vor der Ernte den abgezinsten Verkaufserlös zahlten, die so bequem ihre Abgaben zahlen konnten, und den vollen Ertrag erst dann lieferten, wenn sie die reife Ernte eingeholt hatten.
Die Hohe Pforte verbot 1729 Termingeschäfte mit Agrarprodukten, aber ohne Erfolg. In Vollzug des Verbotes verhafteten die Behörden im Juni 1730 Saʿd al-Zaydānī, ältester Bruder Ẓāhir al-ʿUmars (1690–1775), da er den Verkauf der Ernten dreier Dörfer auf Termin an französische Kaufleute vermittelt hatte, die sich auch erfolgreich für seine Freilassung einsetzten. Ẓāhir al-ʿUmar, selber erfolgreicher Kaufmann im Handel zwischen Galiläa und Damaskus, erkannte eine Chance und vereinbarte 1731 mit dem in Akko niedergelassenen Kaufmann Yūsuf al-Qassīs (), seine Waren ins Ausland zu verkaufen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Ẓāhir al-ʿUmar die Aufgabe des Multazims, wobei er kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge setzte, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen.
Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die die Einwohner sich verlassen konnten. Ẓāhir al-ʿUmar erhob sich zum autonomistischen Regionalpotentaten, geflissentlich dem osmanischen Fiskus die geforderten Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, sondern deren Anerkennung suchend.
Verwaltung und Gefängnis für die Region ab 1740