mini|hochkant=0.85|David Hogg (2023)

David Miles Hogg (* 12. April 2000 in Los Angeles, Kalifornien) ist ein ehemaliger Schüler an der Marjory Stoneman Douglas High School (MSD) in Parkland (Florida), der das dortige Schulmassaker am 14. Februar 2018 überlebte (Parkland Survivor). Er ist seitdem Aktivist gegen Waffengewalt und für schärfere Waffengesetze sowie Autor. Als Mitgründer von Never Again MSD und Initiator des March for Our Lives und anderer Proteste wurde er eine führende Stimme der Proteste zu Waffenkontrolle in den Vereinigten Staaten 2018 und mehrfach ausgezeichnet. Aufgrund seines Engagements ist er Opfer von Verschwörungstheorien.

Im Februar 2025 wurde er zu einem von insgesamt vier stellvertretenden Vorsitzenden (Vice Chairs) des Democratic National Committee, des nationalen Organisationsgremiums der Demokratischen Partei, gewählt. Er blieb bis Juni 2025 im Amt.

Ausbildung David Hogg wurde im Jahr 2000 in Los Angeles als Sohn eines früheren FBI-Agenten, Kevin Hogg, und einer Lehrerin im Broward County geboren und hat eine jüngere Schwester namens Lauren. Die Familie zog 2014 nach Florida. Hogg strebte an, Journalist zu werden, und entschied sich unter anderem deshalb für die Marjory Stoneman Douglas High, weil diese Kurse über Fernsehproduktion anbot. Er beteiligte sich dort an den Schulnachrichten Eagle Eye News.

Laura Ingraham von Fox News machte sich darüber lustig, dass im März 2018 mehrere Universitäten, bei denen er sich beworben hatte, ihn abgelehnt hatten, entschuldigte sich dann aber dafür. Als Reaktion rief Hogg zu einem Boykott von Unternehmen auf, die während ihrer Show Werbung schalteten; insgesamt 24 von ihnen verließen die Show daraufhin. Nach seinem Schulabschluss am 3. Juni 2018 verkündete er, ein Gap Year einzulegen, um seinen Aktivismus in Washington, D.C. fortzusetzen. Am 22. Dezember 2018 gab er bekannt, dass er ab Herbst 2019 die Harvard University für ein Studium der Politikwissenschaft besuchen werde. Die Entscheidung Harvards, ihn anzunehmen, wurde von rechten Persönlichkeiten wegen Hoggs unterdurchschnittlicher Ergebnisse im Bewerbungstest kritisiert; Verteidiger hielten dagegen, dies zeige, dass der Test nicht alles sei. Nach seinem Abschluss wolle Hogg, sobald er 25 Jahre alt ist, als Abgeordneter für das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten kandidieren. Er graduierte von Harvard im Mai 2023.

Seine Schwester Lauren kam drei Jahre nach ihm an die MDS und machte ihren Abschluss 2021.

Schulmassaker von Parkland

Am 14. Februar 2018, einem Mittwoch, wurde die Marjory Stoneman Douglas High von einem ehemaligen Schüler, der zuvor den Feueralarm aktiviert hatte, mit einem Gewehr angegriffen, wodurch 14 Schüler und drei Erwachsene starben. David und Lauren Hogg waren an diesem Tag auch in der Schule anwesend. David saß zu dem Zeitpunkt in einem Advanced-Placement-Kurs für Umweltwissenschaften, als Geräusche zu hören waren, die für ihn – wie er der Lehrerin mitteilte – nach Schüssen klangen, worauf die Lehrerin die Tür abschloss. Weil es an dem Tag bereits einen Probealarm gegeben hatte, hielten sie auch diese Geräusche für eine Übung. Als der Feueralarm ertönte, machte die Klasse sich auf Richtung Ausgang, unwissentlich auch in Richtung des Täters, aber ein Hausmeister schickte sie zurück in den Klassenraum einer Lehrerin namens Ashley Kurth, wo sich darauf insgesamt 30 bis 40 Schüler befanden. Diese schloss den Raum ab und versteckte Schüler in einem Wandschrank. David schreibt dem Hausmeister und der Lehrerin zu, durch ihre heldenhaften Taten die Leben der Schüler gerettet zu haben. In dem Schrank erfuhr David über sein Handy in Echtzeit von der Tat und benutzte das Gerät, um seine Situation zu dokumentieren, Mitschüler zu interviewen und eine Botschaft zu hinterlassen, für den Fall, dass er nicht überleben würde: „Wir sind jetzt gerade in der Schule, [hier ist] ein Schütze. Es ist keine Übung und es geschieht in diesem Moment, es ist 2:52 Uhr. Ich habe ein Gewehr gehört, ich habe einen Schuss gehört. Wir dachten zuerst, es sei eine Übung, aber ist es nicht.“ David erhielt von seiner Schwester, die sich am anderen Ende des Gebäudes weit weg vom Schützen befand, eine Textnachricht und einen Anruf, und er selbst rief ihren Vater an, der ihn beruhigte und antwortete: „Ich bin auf dem Weg.“ Lauren schickte ihrer Mutter die Nachricht: „Code Red. An der Schule. Ich liebe euch auch.“, aber dann ging ihr Akku aus, sodass ihre Eltern während des Angriffs nichts Weiteres von ihr hörten. Nach etwa einer Stunde wurden die Schüler von einem SWAT-Team herausgeholt und David, Lauren und ihr Vater Kevin Hogg trafen zusammen.

David blieb bis in den Donnerstag auf dem Schulgelände und sprach am Morgen mit Reportern: „Das ist inakzeptabel. Das ist etwas komplett Inakzeptables und wir müssen handeln. […] Es sollten keine Kinder mehr sterben. Wir müssen handeln.“ Insbesondere rief er die gesetzgebenden Politiker zu tatsächlicher Handlung auf: „Wir sind Kinder, Ihr seid die Erwachsenen. Ihr müsst handeln […] und etwas hinkriegen.“

Aktivismus gegen Waffengewalt Aktionen 2018 und 2019 Als Folge des Angriffs wurden viele überlebende Schüler der MSD, neben Hogg als prominent gewordene Namen unter anderem Emma González, Alfonso Calderon und Cameron Kasky, als Aktivisten gegen Waffengewalt und für strengere Waffengesetze tätig, die Proteste organisierten und anführten, zu Boykotts aufriefen und die National Rifle Association und Politiker, die Spenden der NRA angenommen haben, stark kritisierten. Auch wenn dies hauptsächlich Republikaner traf, betonten die Schüler, dass ihre Bewegung nicht einer einzelnen Partei zugehörig oder gegen eine einzelne Partei gerichtet sei. Hogg sagte: „Die Politiker in diesem Land müssen zusammenarbeiten. Und es interessiert mich nicht, ob man Republikaner oder Demokrat ist. Es geht um die Leben von Kindern.“ Bei einem Interview mit CNN formulierte er, was er in der Gesetzgebung umgesetzt sehen will: „Dass das Mindestalter, um eine Waffe zu besitzen, bundesweit auf 21 gehoben wird; dass Bump Stocks verbannt werden; dass universelle Hintergrundüberprüfungen gesichert werden; dass sichergestellt wird, dass Menschen, die häusliche Gewalt verübt haben, keine Waffe mehr bekommen können, was in Florida zwar schwieriger, aber noch nicht unmöglich ist; dass Menschen mit krimineller Vergangenheit oder psychischer Störung nicht mehr diese Massentötungswaffen bekommen können.““Raising the federal age of gun ownership and possession to the age of 21; banning all bump stocks; making sure that we have universal background checks; making sure that people that have committed acts of domestic violence are no longer able to get a gun, which in Florida, it's harder, it's just not impossible, fully, yet; and making sure that people with a criminal history and a history of mental illness are not able to obtain these weapons of mass destruction.”

Bereits am Donnerstag wurde von Kasky die Organisation Never Again MSD gegründet, der Hogg und González als Führungsmitglieder am Samstag beitraten, als sie und Kasky bei einer Kundgebung in Fort Lauderdale für eine schärfere Waffenkontrolle gesprochen hatten. Kasky sagte über die beiden: „Wir sagten, wir sind die drei Stimmen hiervon. Wir sind stark, aber zusammen unaufhaltsam. Denn David hat eine großartige Selbstbeherrschung, er ist politisch unglaublich intelligent; ich habe etwas Selbstbeherrschung; und Emma hat wundervollerweise gar keine Selbstbeherrschung, denn sie versucht nicht, irgendwas vor irgendwem zu verbergen,“ Die Studenten, die möglichst viel in den Medien auftreten wollen, gaben in Parkland mehrere Kommentare und Interviews an Nachrichtensender und verkündeten auf diese Weise auch den March for Our Lives für den 24. März 2018.

Am Mittwoch, dem 21. Februar 2018, reiste eine Schülerdelegation nach Tallahassee, um sich im Florida State Capitol mit Abgeordneten von Florida, unter anderen Debbie Wasserman Schultz, zu treffen, während in Washington, D.C. ein Treffen mit Präsident Donald Trump stattfand. Laut seiner Mutter lehnte Hogg eine Einladung nach Washington ab, um in Tallahassee sein zu können, und forderte Trump auf, nach Parkland zu kommen. David, der bereits am Montag nach Los Angeles geflogen war, hatte am Mittwoch gemeinsam mit Lauren und Überlebenden vom Amoklauf an der Columbine High School einen Auftritt bei Dr. Phil, der am 22. Februar ausgestrahlt wurde, und flog am selben Tag nach Tallahassee. Über das Treffen dort sagte er: „Dies ist nur ein Übungslauf. Wenn wir es auf Bundesebene schaffen, zählt das hier nicht mehr.“

Hogg rief Touristen dazu auf, ihre Spring Break nicht in Florida zu verbringen, bis eine Waffenrechtsreform durchgebracht wird, und schlug stattdessen Puerto Rico als Ziel vor. Als der Republikaner Leslie Gibson, der um einen Platz im Repräsentantenhaus von Maine ohne Gegenkandidaten war, im März González als „Skinhead-Lesbe“ und Hogg als „kahlgesichtigen Lügner“ und Trottel bezeichnet hatte, rief Hogg dazu auf, gegen Gibson anzutreten, und dieser trat von seiner Kandidatur zurück.

Einen Monat nach dem Angriff fand ein National School Walkout statt, bei dem Schüler und Lehrer ihre Schulen für 17 Minuten (entsprechend der 17 Toten) verließen, den Hogg mitorganisierte. Nach dessen Erfolg postete er auf Twitter eine Werbung im Stil der NRA für den March for Our Lives unter dem Hashtag #WhatIf. Einen Tag vor dem Marsch sprach Hogg bei einer Veranstaltung von Axios zum Thema Waffenkontrolle. Im Gespräch mit Mike Allen kritisierte er die Medien dafür, die schwarze Schülerschaft der MSD unterrepräsentiert zu haben. Bei dem Marsch am 24. März hielt er eine Rede gegen untätige Politiker, mit der er den Ruf „No More“ anführte. Dabei trug er ein Preisschild von 1,05 $ um den Hals mit Bezugnahme auf US-Senator Marco Rubio. Hunter Pollack, Bruder eines Opfers namens Meadow, konnte seine Rede bei March for Our Lives nicht halten und behauptete, ausgeschlossen worden zu sein. Hogg postete ein Video dieser Rede, die Hunter bei einer „Ride for Meadow“-Veranstaltung hielt.

Auf Twitter drängte Hogg den Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, eine Abstimmung über Universal Background Checks zuzulassen, mit einer an ihn gerichteten Videobotschaft: „Oh hallo. Ich habe zuvor versucht, dich anzurufen, aber die Leitung war blockiert. Ich hinterließ ein paar Nachrichten, aber ich wollte sichergehen, dass du das hörst. Ich würde es wirklich toll finden, wenn du tatsächlich eine Abstimmung zu Universal Background Checks im Haus zulassen würdest. Über 90 % der Amerikaner unterstützen sie. Sie können helfen, einige Leben zu retten, und es gibt umfassenden Zuspruch für sie. Mach dir nicht mal die Mühe, hierauf zu antworten; mach es einfach! Danke.“ Mit den Hashtags #MyMessageToSpeakerRyan und #AllowTheVote rief er andere User zur Beteiligung auf. Ein Faktencheck im Oktober 2017 bestätigt die 90 %.

Am 20. April 2018 nahm Hogg an einem National School Walkout zum Jahrestag des Amoklaufs an der Columbine High School teil, nachdem der Direktor der Marjory Stoneman Douglas High Schülern bei Teilnahme mit Strafe gedroht hatte, und kritisierte, dass die Medien neben der MSD andere Schulen, die Angriffe erlebten und Protestaktionen durchführen, insbesondere wenn sie eine überwiegend schwarze Schülerschaft haben, vernachlässigen würden.

Im Mai 2018 inszenierte eine Gruppe Überlebender in Parkland einen Die-in in einem Publix-Supermarkt als Protest gegen die finanzielle Unterstützung des Pro-NRA-Kandidaten Adam Putnam und Hogg rief zu einem Boykott der Kette auf, worauf Publix seine Spenden aussetzte.

Im Juni 2018 veröffentlichten David und Lauren Hogg das Buch #NeverAgain: A New Generation Draws the Line, das auf der Bestsellerliste der New York Times landete. Sie spenden ihre Einnahmen. Außerdem ist David in dem Oktober erschienenen Buch Glimmer of Hope: How Tragedy Sparked a Movement der „March for Our Lives“-Gründer und bewarb es gemeinsam mit González und Wind.