Israels Bezirke Haifa und Nord physisch
300px Die Johanniterkirche St. Johannis Baptistae (; ; ) in Akkon, Königreich Jerusalem (heute Nordbezirk Israels) war eine mittelalterliche Johanniterkirche, die Johannes dem Täufer geweiht war. Sie war eine von 38 KirchenAbraham Rabinovich, Akko – St. Jean d’Acre, Herzliah: , 1980, (=Palphot’s pictorial Guide & Souvenir), S. 11. unter insgesamt 71 dokumentierten geweihten religiösen Stätten im Akkon der Kreuzfahrerzeit.Denys Pringle, “The Churches of Crusader Acre: Destruction and Detection”, in: Archeology and the Crusades, Peter Edbury und Sophia Kalopissi-Verti (Hrsg.), Athen: Pierides Foundation, 2006, S. 111-132, hier S. 111. ISBN 9963-9071-2-1. Sie war Teil der Johanniterkommende der Stadt und wurde mit dieser 1291 überwiegend zerstört.
Erhalten sind Krypta und Teile von West- und Nordfassade. Die Krypta ist heute als Teil der Ritterhallen, Akkons Museum zu Architektur und Epoche der Kreuzfahrer, öffentlich zugänglich. Auf der erhaltenen Krypta der einstigen Kirche besetzt heute das Alte Serail die Stelle des Schiffes und bezieht in seinem Westflügel erhaltene Teile ihrer Fassade mit ein.
mini|300px|Plan Akkos mit Grundrissen von Wällen, Zitadelle (№ 2: Nordmauer des osmanischen Vorhofs, № 3: Säle 1–6, № 4: Hof, № 5: Refektorium, Grundriss H10px: Krypta von St. Johannis), № 20: Dschazzār-Moschee auf Unterbau der Kreuzkathedrale, № 22: Chan al-Ifranǧ und weiteren Bauten Lage
Die Johanniterkirche St. Johannis bzw. das Alte Serail, das ihre baulichen Reste einschließt, liegt in Akkon in der nördlichen Altstadt innerhalb der heutigen enger gezogenen osmanischen Stadtmauer, die nur einen Teil der Fläche der einstigen Kreuzfahrerstadt einschließt,Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 45.Andrew Petersen, A Gazetteer of Buildings in Muslim Palestine, Council for British Research in the Levant (Hrsg.), (=British Academy monographs in archaeology; Nr. 12), Oxford: Oxford University Press, 2001, S. 68. ISBN 978-0-19-727011-0. Die Mauer ist das Werk des arabischen Regionalpotentaten Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775) und seines Nachfolgers, des osmanischen Statthalters Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha (1722–1804).Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200. Die Kirche ist nur in Resten erhalten. Die Westfassade der Kirche befindet sich am Rechov Rīʧārd Lev-Arī (, ) und Teile der Nordfassade, beide im Westflügel des Alten Serails, liegen am Rechov Portzej ha-Mivtzar (; ).
Die Gassen und Straßen um die Reste der Johanniterkirche liegen heute sieben bis acht Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau,Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 0-231-12327-2. da man bei Wiedererschließung der Ruinen im 18. Jahrhundert herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten oberen Etagen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: ; abgerufen am 25. Februar 2019. Damit ist dieser Bereich heute die höchste Lage in Akkos Altstadt. Entsprechend nahm man nur auf dieser Höhe Baureste in Nutzung bzw. baute auf erhaltenen Untergeschossen, beispielsweise die Krypta von St. Johannis, die auf dem höheren Niveau noch herausragte, neu, wie mit dem Alten Serail geschehen. Die Krypta liegt unter dem heutigen Straßenniveau.
Geschichte Akko ist eine alte Stadt am Mittelmeer, wo der Handelsweg Via Maris zwischen Ägypten und Mesopotamien von See- auf Karawanentransport und umgekehrt wechselte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. Mehrfach zerstört und aufgebaut und noch öfter von einem Herrn an einen anderen gefallen (Phönikier, Altägypter, Alexander der Große, Römer, Byzantiner, um nur einige zu nennen) gehörte Akko seit dem 10. Jahrhundert zum Reich der ägyptischen Fatimiden.Hans Kühner, Israel: ein Reiseführer durch dreitausend Jahre, David Harris (Photos), Olten und Freiburg im Breisgau: Walter, 1975, Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 3-530-49171-3. Zu Zeiten der Kreuzfahrer 1104 belagerte das Königreich Jerusalem mit seinen Streitkräften, unterstützt von Kreuzfahrern und genuesischer Marine die Stadt Akko.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 218. Unter Zusage freien Abzugs mit ihrer beweglichen Habe oder des Verbleibs als Untertanen des Königs von Jerusalem ergaben sich die Akkoner schließlich, jedoch überfielen Genuesen die wehrlos Ausziehenden, was dann als allgemeines Gemetzel der Belagerer an allen Einwohnern und ihrer Plünderung endete.Peter Milger, Die Kreuzzüge: Krieg im Namen Gottes, München: Bertelsmann, 1988, S. 162. ISBN 3-570-07356-4. Dennoch wuchs die Stadtbevölkerung unter den Kreuzfahrern bald wieder auf 40.000 bis 50.000 Einwohner, womit das Akko der Kreuzfahrer eine bedeutende mittelalterliche Stadt war. Neben den vorherrschenden Christen der katholischen, europäisch orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen wohnten auch Muslime und etwa 200 Juden in Akko, wie Benjamin von Tudela 1170 berichtet.Benjamin Ben-Jōnā aus Tudela, Itinerary of Benjamin of Tudela [, nach 1170; engl.], Marcus Nathan Adler (Hrsg., Übs. und Kommentator), London: Frowde, 1907, S. 21. Keine ISBN.
mini|Krypta: Besucher in einem Gewölbe, 2013 Nach Einnahme der Stadt durch die Kreuzfahrer übernahmen die Johanniter ein südwestlich der großen Freitagsmoschee (zu der Zeit im Umbau/Abbruch für die neue Heilig-Kreuz-KathedraleDenys Pringle, The Churches of the Crusader Kingdom of Jerusalem. A Corpus: 4 vol.s, Cambridge, Engl.: Cambridge University Press, 2009, vol. 4 ‹The Cities of Acre and Tyre with Addenda and Corrigenda to Volumes I-III›, S. 83. ISBN 978-0-521-10983-3.) gelegenes Geviert als ihre Kommende, das Seʾev Goldmann als eine arabisch-fatimidische Karawanserei des 10. oder 11. Jahrhunderts identifizierte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 202.Seʾev Goldmann, „Die Bauten des Johanniterordens in Akkon“, in: Der Johanniter-Orden – Der Malteser-Orden: Der ritterliche Orden des heiligen Johannes vom Spital zu Jerusalem – Seine Aufgaben, seine Geschichte, Adam Wienand (Hrsg.) mit Carl Wolfgang Graf von Ballestrem und Christoph Freiherr von Imhoff, Köln: Wienand, 1977, S. 108–115, hier S. 109. Unter dem östlich der Krypta von St. Johannis angrenzenden Komplex von Dschazzar-Pascha-Moschee und Riwaq befindet sich noch der Unterbau der ehemaligen Kathedrale,Thomas Veser, „Heiligkreuzkirche unter dem Harem“, in: Neue Zürcher Zeitung, 24. Dezember 2003, abgerufen am 22. Februar 2019. die in osmanischer Zeit als Zisterne genutzt wurde und auf anderthalb bis zwei Meter über dem Meeresspiegel hinabreicht, womit die Zisterne niveaugleich mit der Krypta der Johanniterkirche ist.Bartosz Radojewski, The Historical Documentation of the Water Cisterns under the Jazzar Pasha Mosque in Acre, Akko: International Conservation Center, 2010, S. 9.
Auf Schenkungen hin begannen zu Beginn des 12. Jahrhunderts die Johanniter ihre Kommende nördlich des ursprünglichen Gevierts, jenseits einer wichtigen Geschäftsstraße zu erweitern. Südlich an besagter Geschäftsstraße und nunmehr im Zentrum der sich beiderseits dieser Straße erstreckenden Kommende errichteten die Johanniter ihr Johannes dem Täufer geweihtes Gotteshaus als neue Nordseite des vierseitigen Hospitalhofes. Älteste Nachricht von dieser ersten, wohl romanischen Johanniterkirche erscheint in Unterlagen der Königin-Regentin Melisende von Jerusalem aus dem Jahre 1149.Eliʿezer Stern, « La commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », in: Bulletin Monumental, Bd. 164 (Nr. 1, 2006 mit dem Titel ‹L’architecture en Terre Sainte au temps de Saint Louis›), S. 53–60, hier S. 59. Die Kirche schloss die erhaltene Krypta aus sechs gewölbten Sälen ein, und war laut zeitgenössischen Berichten ein sehr hoch aufragendes Gebäude. Besagte Geschäftsstraße, ab dem Johannistor in der nicht mehr bestehenden Neustadt Montmusard im Norden südwärts gerichtet, passierte in ihrem mittleren Verlauf die Kirche an ihrer Nordseite und trennte dadurch auf etwa 50 Metern Länge die Kommende in den nördlichen Teil mit Grand Manoir (Großes HerrenhausErhard Gorys, Das Heilige Land: Historische und religiöse Stätten von Judentum, Christentum und Islam in dem 10000 Jahre alten Kulturland zwischen Mittelmeer, Rotem Meer und Jordan, Köln: DuMont, 21984, (=DuMont-Kunst-Reiseführer), S. 368. ISBN 3-7701-1474-4.Jack Bocar, « Quartier Templiers emplacement des structures », auf: ; abgerufen am 25. Februar 2019.) aus Ordensverwaltung, Hospiz für Pilger sowie Johanniter und den südlichen Teil aus Kirche und Johanniterhospital.
Als wichtige Geschäftsstraße blieb auch jener Abschnitt für die Allgemeinheit offen, der auf etwa 50 Meter Länge die Kommende durchschnitt, eine Brücke zwischen Kirche und Grand Manoir verband beide Seiten kreuzungsfrei. Diesen zwischen nördlichem und südlichem Teil der Kommende verlaufenden Straßenabschnitt, heute unterm Rechov Portzej ha-Mivtzar gelegen, konnte der Johanniterorden in Zeiten der Not durch ein massives zweiflügeliges Tor sperren,, auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 26. Februar 2019. um ein unerwünschtes Durchdringen der Kommende zu unterbinden.
Im Jahre 1187 durch Saladins Siege verloren, hielten die Ayyubiden Akko, bis Kreuzfahrer es unter Führung von Richard Löwenherz in Kämpfen der Jahre 1189 bis 1191 zurückeroberten. Da die Kreuzfahrer zu der Zeit Jerusalem nicht hatten zurückgewinnen können, wuchsen Akko neue Aufgaben als Hauptstadt des Königreichs Jerusalem zu. Neben den Johannitern hatten Deutscher Orden, Lazarus-Orden und Tempelritter Ordenshäuser in Akko. Der Johanniterorden, der seinen Sitz in Jerusalem verloren hatte, baute seine wiedererlangte Kommende in Akko nun in Etappen weiter aus,Eliʿezer Stern, « La commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », in: Bulletin Monumental, Bd. 164 (Nr. 1, 2006 mit dem Titel ‹L’architecture en Terre Sainte au temps de Saint Louis›), S. 53–60, hier S. 54. um auch die zentrale Ordensverwaltung und ab 1271 zudem den Großmeister in repräsentativen Räumen dort unterzubringen,Eliʿezer Stern, « La commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », in: Bulletin Monumental, Bd. 164 (Nr. 1, 2006 mit dem Titel ‹L’architecture en Terre Sainte au temps de Saint Louis›), S. 53–60, hier S. 53. weshalb die Kommende in französischen Quellen des 17. Jahrhunderts auch als palais du grand-maître (Großmeisterpalais) bezeichnet wird. Die überwiegend französischsprachigen Johanniter nannten ihre Hauptverwaltung auch Grand Manoir (Großes Herrenhaus),Erhard Gorys, Das Heilige Land: Historische und religiöse Stätten von Judentum, Christentum und Islam in dem 10000 Jahre alten Kulturland zwischen Mittelmeer, Rotem Meer und Jordan, Köln: DuMont, 21984, (=DuMont-Kunst-Reiseführer), S. 368. ISBN 3-7701-1474-4. Auch die Johanniterkirche wurde gotisch erneuert.
mini|Grabplatte für Petrus de Veteri Brivato aus dem Oratorium, 1959-1962 ergraben