Israels Bezirke Haifa und Nord physisch
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Die Ritterhallen (, translit. Ūlammōth ha-Abbīrīm; ; ) sind Ausstellungsräume und eine Stätte für kulturelle Veranstaltungen in Akkon, Nordbezirk Israels. Zur Unterscheidung von anderen Teilen der Zitadelle, in die sie baulich einbezogen sind, bezeichnet man als Ritterhallen die öffentlich zugänglichen Räume des so genannten Grand Manoir (Großes Herrenhaus,Jack Bocar, « Quartier Templiers emplacement des structures », auf: L’Orient Latin: La Terre Sainte à l’époque Romane – L’Orient au Temps des Francs, abgerufen am 25. Februar 2019. einstige Ordensverwaltung) wie des Ritter- und Pilgerhospizes im nördlichen Teil der Johanniterkommende.
Die Ritterhallen sind Gewölbesäle der originalen Bausubstanz der mittelalterlichen Johanniterkommende (; ), die der Johanniterorden im 12. und 13. Jahrhundert errichten ließ. Die heute zugänglichen Hallen, teils über drei Etagen erhalten, sind jene, die die Zerstörungen 1291 und den folgenden Verfall überstanden und ab den 1950er Jahren ergraben und freigelegt wurden. Die Krypta der einstigen Johanniterkirche St. Johannis Baptistae, von Beginn an Teil der Ausstellungsräume, im südlichen Teil der Kommende ist durch einen 60 Meter langen Gang unter dem heutigen Straßenniveau als Teil der Ritterhallen erschlossen.Abraham Rabinovich, Akko – St. Jean d’Acre, Herzliah: , 1980, (=Palphot’s pictorial Guide & Souvenir), S. 11.
Die Ritterhallen stehen dem Publikum seit 1979 zu regelmäßigen Öffnungszeiten offen. Die seit den 1950er Jahren freigelegten Gewölbe der Kommende wurden zunächst wissenschaftlich ausgewertet und waren anfangs nur gelegentlich, wie zu Führungen oder Konzerten, der Öffentlichkeit zugänglich.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 220. Die Zahl der in die Ritterhallen einbezogenen Räume wuchs mit der Erschließung und Stabilisierung weiterer Teile des Ordensbaus, wie 2000 der offene, ausgehobene Hof des Grand Manoir und 2009 die gesamte Pfeilerhalle im Ostflügel.
Als Museum zeigen die Ritterhallen Exponate und Informationstafeln zu Geschichte, Kultur und Architektur von Kreuzfahrern, katholischen Levantinern lateinischen Ritus (so genannte Franken; ) und Pullanen im ehemaligen Königreich Jerusalem. Auch Fundstücke aus anderen Epochen werden in den Ritterhallen gezeigt. Geeignete Räume dienen gelegentlich auch öffentlichen Veranstaltungen oder geschlossenen Gesellschaften.
Lage mini|300px|Plan der Altstadt mit Grundrissen von Wällen, Ritterhallen (№ 2: Nordmauer des osmanischen Vorhofs, № 3: Säle 1–6, № 4: Hof, № 5: Refektorium, Grundriss H10px: Krypta von St. Johannis), № 20: Dschazzār-Moschee auf Unterbau der Kreuzkathedrale, № 22: Chan al-Ifranǧ und weiteren Bauten Die Ritterhallen liegen in Akkon am nördlichen Rand der heutigen Altstadt direkt an der enger gezogenen osmanischen Stadtmauer, die nur einen Teil der Fläche der einstigen Kreuzfahrerstadt einschließt,Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 45. und das Werk des arabischen Regionalpotentaten Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775) und des osmanischen Statthalters Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha (1722–1804) ist.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200. An dieser alten Stadtmauer, die hier seit Anlage der Neustadt Montmusard zu Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Zerstörung Akkons 1291 zwischen Neu- und Altstadt verlief, besetzte die Johanniterkommende von Westen aus gesehen den Mauerabschnitt zwischen dem zweiten und dritten Turm, die osmanisch überbaut erhalten sind., auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 26. Februar 2019. Die Ritterhallen sind die ergrabenen und baulich stabilisierten Reste der Johanniterkommende, die sich nördlich und südlich beiderseits des Rechov Portzej ha-Mivtzar (; ) erstrecken.
Die Gassen und Straßen um die Ritterhallen liegen heute sieben bis acht Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau,Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 0-231-12327-2. da man bei Wiedererschließung der Ruinen im 18. Jahrhundert herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten oberen Etagen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: L’Orient Latin: La Terre Sainte à l’époque Romane – L’Orient au Temps des Francs, abgerufen am 25. Februar 2019. Damit ist dieser Bereich heute die höchste Lage in Akkos Altstadt. Entsprechend liegen die Ritterhallen überwiegend unter dem heutigen Straßenniveau.
mini|Vorhof: Ha-Gan ha-Qassūm mit Brunnen, 2014
Ausstellung Außer den Ritterhallen befinden sich im Komplex der Zitadelle das Museum der Gefangenen des Untergrunds im osmanischen Oberbau und das 1980 eröffnete Okaschi-Museum für Kunst am östlichen Vorhof der Zitadelle im so genannten Diwan-Chan. Besucher betreten den Komplex der Ritterhallen durch den östlichen, in osmanischer Zeit erbauten Vorhof vom Rechov Weizmann 1 (1 ).
Dort befinden sich auch Kasse und Funktionsräume für Besucher. Durch eine Grünanlage, ha-Gan ha-Qassūm (), im Vorhof und zu Füßen des Burǧ al-Chazna () erreichen die Besucher den eigentlichen Baukomplex des Grand Manoir. Vor 2000 betraten Besucher die Ritterhallen noch vom durch ein Gewölbe des Diwan-Chans östlich neben dem Okaschi-Museum.Karin Lucke, Israel mit Gazastreifen, Golanhöhen und Westjordanland, Nürnberg: BW-Verlag, 1994, (=Edition Erde Reiseführer), S. 205. ISBN 3-8214-6533-6. Nicht alle Teile der ergrabenen Johanniterkommende sind heute öffentlich zugänglich, weshalb die Räume und Funde, die darin gemacht wurden, nicht an dieser Stelle im Abschnitt über die Ausstellung, sondern im Kapitel Baubeschreibung dargestellt sind.
mini|Refektorium: Vor Ort geborgenes Geschirr, 2017 Besucher können sich vor allem von den Überresten unterer Geschosse der Johanniterkommende einen Eindruck verschaffen, da höher gelegene Etagen durch moslemische Eroberer und den Zahn der Zeit zerstört wurden. Inzwischen freigelegte und restaurierte Teile der Kommende bergen heute eine Dauerausstellung zu ihrer Geschichte und jener der Kreuzfahrerzeit. Im Refektorium ist Geschirr zu sehen, dass man vor Ort gefunden hat. Neben den vielen einfachen Schüsseln fanden die Ausgräber auch Bruchstücke eines aufwändiger gestalteten Exemplars, die unter ihrer Glasur olivfarbene Johanniterkreuze im fahlgelben Untergrund zeigen. Es ist mithin eines der frühesten Artefakte, welches das Ordenskreuz noch im gradlinigen Stil des 12. Jahrhunderts zeigt.
mini|Ritterhallen: Aufführung beim Akko-Festival, 2012 Im Kerker der Kommende zeigen Vitrinen Funde aus Akko aus phönikischer, hellenistischer, römischer oder umayyadischer Zeit, die nicht nur aus der Grabungen in der Kommende stammen. Es gibt auch Stände von Kunsthandwerkern, die ihre Schöpfungen vor Ort fertigen und an Interessierte verkaufen. Teile der Kommende werden gelegentlich auch für geschlossene Veranstaltungen genutzt, oder für öffentliche Ereignisse, wie das Akko-Festival für alternatives israelisches Theater ().Ute Frings und Rolly Rosen (), Israel. Palästina. Ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1991, (=Anders reisen; Bd. 7596), S. 214. ISBN 3-499-17596-7.
Geschichte Akko ist eine alte Stadt am Mittelmeer, wo der Handelsweg Via Maris zwischen Ägypten und Mesopotamien von See- auf Karawanentransport und umgekehrt wechselte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 199. Mehrfach zerstört und aufgebaut und noch öfter von einem Herrn an einen anderen gefallen (Phönikier, Altägypter, Alexander der Große, Römer, Byzantiner, um nur einige zu nennen) gehörte Akko seit dem 10. Jahrhundert zum Reich der ägyptischen Fatimiden.Hans Kühner, Israel: ein Reiseführer durch dreitausend Jahre, David Harris (Photos), Olten und Freiburg im Breisgau: Walter, 1975, S. 250. ISBN 3-530-49171-3. 1104 belagerte das Königreich Jerusalem mit seinen Streitkräften, unterstützt von Kreuzfahrern und genuesischer Marine die Stadt Akko.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 218.
Unter Zusage freien Abzugs mit ihrer beweglichen Habe oder des Verbleibs als Untertanen des Königs von Jerusalem ergaben sich die Akkoner, jedoch überfielen Genuesen wehrlos ausziehende Einwohner, was dann als allgemeines Gemetzel der Belagerer an allen Akkonern und ihrer Plünderung endete.Peter Milger, Die Kreuzzüge: Krieg im Namen Gottes, München: Bertelsmann, 1988, S. 162. ISBN 3-570-07356-4. Dennoch wuchs die Stadtbevölkerung unter den Kreuzfahrern bald wieder auf 40.000 bis 50.000 Einwohner, womit das Akko der Kreuzfahrer eine bedeutende mittelalterliche Stadt war.
mini|Modell der Kommende mit Johanniskirche (li.) sowie Pilger- und Ritterhospiz (re.), verbunden durch eine Brücke über die Geschäftsstraße, Ansicht von Osten vor 1291
Zu Zeiten der Kreuzfahrer
Nach Einnahme der Stadt durch die Kreuzfahrer übernahmen die Johanniter als ihre Kommende ein Geviert südwestlich der großen Freitagsmoschee (zu der Zeit im Umbau/Abbruch für die neue Heilig-Kreuz-KathedraleDenys Pringle, The Churches of the Crusader Kingdom of Jerusalem. A Corpus: 4 Bde., Cambridge, Engl.: Cambridge University Press, 2009, Bd. 4 ‹The Cities of Acre and Tyre with Addenda and Corrigenda to Volumes I-III›, S. 83. ISBN 978-0-521-10983-3.), das Seʾev Goldmann als eine arabisch-fatimidische Karawanserei des 10. oder 11. Jahrhunderts identifizierte.Seʾev Goldmann, „Die Bauten des Johanniterordens in Akkon“, in: Der Johanniter-Orden – Der Malteser-Orden: Der ritterliche Orden des heiligen Johannes vom Spital zu Jerusalem – Seine Aufgaben, seine Geschichte, Adam Wienand (Hrsg.) mit Carl Wolfgang Graf von Ballestrem und Christoph Freiherr von Imhoff, Köln: Wienand, 1977, S. 108–115, hier S. 109.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 202.
Auf Schenkungen hin begannen zu Beginn des 12. Jahrhunderts die Johanniter ihre Kommende nördlich des ursprünglichen Gevierts, jenseits einer wichtigen Geschäftsstraße zu erweitern. In den 1130er Jahren mussten beim Ausbau der Heilig-Kreuz-Kathedrale um einen mächtigen Nordzugang benachbarte Johanniterbauten weichen, woraufhin die Ordensgemeinschaft den Standort nördlich der Kathedrale aufgab und Mitte des 12. Jahrhunderts seine Niederlassung weiter westlich um ein neues Ordenshaus erweiterte, was heute weitenteils freigelegt als Ritterhallen zu sehen ist. Älteste Nachricht dieses neuen Baus stammt von 1141 aus der Zeit der Königin-Regentin Melisende von Jerusalem.
mini|Unterm Rechov Portzej ha-Mivtzar: Niveau der alten Geschäftsstraße mit Projektion der Verarbeitung von Zuckerrohr zu Zucker, 2016