Israels Bezirke Haifa und Nord physisch

300px Die Franziskanerkirche St. Johannis Baptistae (; ; ) in Akkon, Nordbezirk Israels, ist eine FranziskanerkircheDetlef Löhr: Christen heute im Heiligen Land: Ein Reiseführer, Erlangen: Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, 1971, ISBN 3-87214-029-9, S. 20. aus dem 18. Jahrhundert auf baulichen Strukturen einer älteren, 1291 zerstörten Kreuzfahrerkirche. Mit ihrer prominenten Lage ist die Johanniskirche von der Bucht von Haifa aus gut zu sehen und wohl die bekannteste Kirche der Stadt.

Die Franziskanerkirche St. Johannis ist heute die lateinische, d. h. im levantinischen Sprachgebrauch römisch-katholische, Pfarrkirche von Akkon., auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 20. August 2019. Die Franziskanerkirche St. Johannis ist weder zu verwechseln mit dem anderen Gotteshaus desselben Ordens am Ort, der Klosterkirche St. Franziskus im Schāriʿ Faransīs al-Assīsī () noch mit der zerstörten Johanniterkirche St. Johannis, deren Standort jetzt das Alte Serail einnimmt.

Lage Die Franziskanerkirche St. Johannis liegt in Akkon im Südwesten der Altstadt an der Seemauer zwischen dem Pisanischen Hafen im Osten und der Bastion Burǧ al-Sanǧaq () im Westen,Bernhard Dichter mit Salman Baumwoll (Bearb.), Alex Carmel (Bearb.) und Ejal Jakob Eisler (Bearb.): עַכּוֹ - אֲתָרִים מִיָּמֵי הַתּוּרְכִּים / (Zusatztitel: Akko, Bauten aus der türkischen Zeit / Akko, sites from the Turkish period), Universität Haifa / (Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Hrsg.), Haifa: , 2000, S. 157.Jaʿel Fuhrmann[-Naʿaman] und Adi Kitov im Auftr. der Abteilung Denkmalpflege der israelischen Altertümerbehörde (Hrsg.): Nomination of the Old City of Acre for the World Heritage List (= WHC Nomination Documentation; Nr. 1042), UNESCO, Paris 2001, No. 31 ‹Saint John’s Church› des Monument Appendix. auf der der Leuchtturm der Stadt steht. Die Kirche steht auf Gewölben so hoch wie die Stadtmauer selbst, die nach Norden aus deren Verlauf vorspringen. Die Mauer ist das Werk des arabischen Regionalpotentaten Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775) und seines Nachfolgers, des osmanischen Statthalters Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha (1722–1804).Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200. Ein Zugang zur Kirche zweigt oben von der südlichen Stadtmauer ab.

Die Gassen und Straßen um St. Johannis liegen heute ein paar Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau,Thomas Philipp: Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001 (= History and society of the modern Middle East series. Bd. 6), Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 0-231-12327-2. da man bei Wiedererschließung der Kreuzfahrerruinen im 18. Jahrhundert herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten, 1291 zerstörten oberen Etagen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: , abgerufen am 25. Februar 2019. Entsprechend nahm man nur auf dieser Höhe Baureste in Nutzung bzw. baute auf erhaltenen Untergeschossen, die auf dem höheren Niveau noch herausragten, neu, wie im Falle der Johanniskirche.

Geschichte Akko ist eine alte Stadt am Mittelmeer, wo der Handelsweg Via Maris zwischen Ägypten und Mesopotamien von See- auf Karawanentransport und umgekehrt wechselte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 199. Mehrfach zerstört und aufgebaut und noch öfter von einem Herrn an einen anderen gefallen (Phönikier, Altägypter, Alexander der Große, Römer, Byzantiner, ägyptische Fatimiden, Kreuzfahrer, Mamluken, um nur einige zu nennen) gehörte Akko, wie die gesamte Levante, seit 1516/1517 zum Osmanischen Reich.Hans Kühner: Israel: ein Reiseführer durch dreitausend Jahre, David Harris (Photos), Olten und Freiburg im Breisgau: Walter, 1975, ISBN 3-530-49171-3, S. 250. Auch unter den Osmanen blieb Akko ein Ruinenfeld.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al. (= Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 219. Akkos Kirchen und Befestigungen waren auf Befehl seines siegreichen Eroberers Sultan Chalil 1291 durch Emir ʿAlam al-Din Sandschar al-Schudschaʿi al-Mansuri () geschleift worden,Vardit Shotten-Hallel, “Reconstructing the Hospitaller Church of St. John, Acre, with the help of Gravier d’Ortières’s drawing of 1685–1687”, in: Crusades, Bd. 9 (2010), S. 185–198, hier S. 195. um christliche Spuren zu tilgen und den Kreuzfahrern – nach einer eventuellen Rückeroberung – eine erneute Nutzung als Stützpunkt unmöglich zu machen.Thomas Veser, „Heiligkreuzkirche unter dem Harem“, in: Neue Zürcher Zeitung, 24. Dezember 2003, abgerufen am 22. Februar 2019.

Nur wenige autark lebende Menschen, oft arabische Fischer, ließen sich neu in den Ruinen nieder und richteten sich ein. Akkos Hafen war der einzige in der Levante, in dem bei jedem Wetter Ladung angelandet werden konnte. Im 17. Jahrhundert trieb der florierende Handel in Westeuropa vor allem französische, aber auch niederländische Kaufleute auf der Suche nach Geschäftsgelegenheiten an die Küsten der Levante, wobei erstere gewissen Rechtsschutz durch die Kapitulationen des Osmanischen Reiches genossen und unter Europäern ein Monopol im osmanischen Handel beanspruchten.

Erneuerte Präsenz der Franziskaner in Akko ab 1620 mini|250px|Chan al-Ifranǧ: Überbaut mit Terra-Sanc­ta-Schule, überragt von St. Franziskus, 2015 Europäische Kaufleute steuerten auch den Hafen Akkos an. Im Jahre 1691 wohnten bereits 13 französische Kaufleute in Akko. Schon 1620 gestattete – vermittelt durch seinen franziskanischen Leibarzt Eugène Roger – Fachr ad-Dīn II., seinerzeit Regionalpotentat als Emir der Drusen, den Minderen Brüdern sich in Akko niederzulassen., auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 20. August 2019. Bereits 1217 hatte Elias von Cortona ein Franziskanermönchskloster in Akko gegründet, das bis zur Zerstörung der Stadt 1291 bestanden hatte.“Acre”, auf: Custodia Terrae Sanctae: Franciscans serving the Holy Land, abgerufen am 20. August 2019.Jack Bocar, « Églises et Monastères », auf: ; abgerufen am 21. August 2019. 1673 richteten die Brüder eine Kapelle am Chan al-Ifranǧ ein, aus der die heutige Klosterkirche St. Franziskus hervorging. Kaufleute unterhielten Handelsposten in diesem hafennahen, 1291 beschädigten ehemaligen venezianischen Handelshof, der um 1700 inmitten der Trümmer hergerichtet wurde und bis heute ihretwegen auf Arabisch Chan al-Ifranǧ (Franke () ist im levantinischen Arabischen ein Synonym für Europäer.) genannt wird.

Die Textilindustrie in Frankreich prosperierte und steigerte ihre Baumwollimporte zwischen 1700 und 1750 um das Zehnfache, und obwohl die Produzenten das Angebot steigerten, wuchs die Nachfrage schneller, weshalb sich der Baumwollpreis in der gleichen Zeit verdoppelte. Auf der Suche nach Baumwolllieferanten reisten Marseiller Kaufleute 1691 schon durchs galiläische Hinterland bis Safed. Die wenigen freien Bauern, vor allem aber die vielen abhängigen bäuerlichen Landpächter staatlichen Miri-Landes im osmanischen Tımar-System erkannten, dass Baumwollproduktion über ihren Eigenbedarf hinaus sich zu steigenden Preisen absetzen ließ.

Wenn Steuerpächter () über die Dörfer kamen, meist um rigoros die Abgabe auf Miri-Land einzutreiben, konnten die oft illiquiden bäuerlichen Pächter diese nur aus Erlösen bestreiten, die sie aus Schnellverkäufen hektisch und nicht voll gereift geernteter Baumwolle an europäische Kaufleute zu schlechten Preisen erzielten. So fielen Preis, Quantität und Qualität für Produzenten und Kaufleute ungünstig aus, weshalb französische Kaufleute bis 1720 einen Terminmarkt für Baumwolle (später auch für andere Terminwaren wie Olivenöl und Getreide) etablierten, indem sie Produzenten vor der Ernte den abgezinsten Verkaufserlös zahlten, die so bequem ihre Abgaben zahlen konnten, und den vollen Ertrag erst dann lieferten, wenn sie die reife Ernte eingeholt hatten.

Die Hohe Pforte verbot 1729 Termingeschäfte mit Agrarprodukten, aber ohne Erfolg. In Vollzug des Verbotes verhafteten die Behörden im Juni 1730 Saʿd al-Zaydānī, ältester Bruder Ẓāhir al-ʿUmars (1690–1775), da er den Verkauf der Ernten dreier Dörfer auf Termin an französische Kaufleute vermittelt hatte, die sich auch erfolgreich für seine Freilassung einsetzten. Ẓāhir al-ʿUmar, selber erfolgreicher Kaufmann im Handel zwischen Galiläa und Damaskus, erkannte eine Chance und vereinbarte 1731 mit dem in Akko niedergelassenen Melkiten und Kaufmann Jūssuf al-Qassīs (; zunächst sein Berater, ab den 1740er Jahren sein Wesir), seine Waren ins Ausland zu verkaufen.

Ẓāhir al-ʿUmar übernahm nach dem Tod seines Vaters die Aufgabe des Multasims (Steuerpächters), wobei er kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge setzte, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen.

Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die sich die Einwohner verlassen konnten. Ẓāhir al-ʿUmar erhob sich zum autonomistischen Regionalpotentaten, geflissentlich dem osmanischen Fiskus die geforderten Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, sondern deren Anerkennung suchend.

In Ẓāhir al-ʿUmars Gebiet vor Raub geschützt konnten bäuerliche Produzenten ihre Produktion steigern und behielten nach Steuer und Pacht mehr von ihrem Ertrag für sich übrig als ihresgleichen in Gebieten anderer Herren. Die unter diesen günstigen Umständen wachsende Produktion im primären Sektor, schließlich weiter verstärkt durch Förderung der Arbeitsmigration, erforderte und erlaubte durch wachsende Steuereinnahmen auch mehr Beschäftigte im verarbeitenden sekundären und Dienste (Handel, Verkehr, Verwaltung, Planung, Ordnungskräfte und Sicherheitsorgane) erbringenden tertiären Wirtschaftssektor, womit die Zahl der Akkoner von 400 um 1730 binnen weniger Jahre auf 15'000 und dann 25'000 um 1770 anstieg.

mini|Franziskanerkirche St. Johannis auf der südlichen Stadtmauer, 2008

Ab Bau der Kirche im 18. Jahrhundert Die Neu-Akkoner wanderten von Aleppo, Damaskus, griechischen Inseln, Malta oder Nazareth zu. Sie bekannten sich meist zum Christentum, insbesondere zur griechischen Orthodoxie oder griechisch-katholischen Union, wodurch ab Mitte des 18. Jahrhunderts Christen in der Stadt die Mehrheit bildeten.