Das Alte Serail ( bzw. ; ) ist ein ehemaliges Serail in Akkon, Nordbezirk Israels. Die persischstämmige arabische Vokabel Serail ( oder ) bezeichnet im levantinischen Sprachgebrauch Bauten für Repräsentation, Wohnzwecke und Verwaltung aus osmanischer Zeit,, auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 24. Februar 2019. denn private Gemächer, auch solche für Haremsdamen, wie Verwaltungsräume, waren oft unter einem Dach.Dafür finden sich verschiedentlich im ehemals osmanischen Reichsgebiet Beispiele, so bezeichnet man das Regierungsgebäude in Beirut als Grand Sérail (), ähnlich auch al-Sarāyā al-Ḥamrā () in Tripolis, das Neue Serail in Tel Aviv-Jaffa, Ak Saray (Weißes Serail) in Ankara, Grand Sérail in Aleppo, oder Topkapı Sarayı (Kanonentor-Serail) in Istanbul. Das Alte Serail als Verwaltungssitz bildet mit der Dschazzār-Moschee (Gebetsstätte) und Akkos Zitadelle (Militärstandort) das ehemalige regionale Regierungsviertel.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 0-231-12327-2.
Nach verschiedenen Verwendungen dient der um einen Ehrenhof errichtete Dreiflügelbau des Serails seit 1998 als Kultur-, Jugend- und Sportzentrum MaTNa“S a-Sarājah () in städtischer Trägerschaft., auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 26. Februar 2019.
Das Alte Serail wurde 1750 auf der Krypta der ansonsten weitgehend zerstörten Johanniterkirche St. Johannis erbaut und bezieht in seinem Westflügel deren Westfassade und Teile von deren Nordfassade ein. Bauherr des Alten Serails war der arabische Regionalpotentat Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775). Bis 1830 erbaute sich einer seiner Nachfolger ein Neues Serail,“The House of ʿAbdu'lláh Páshá”, in: Baháʾí World, Bd. 18 (1979-1983), S. 77–80, hier S. 77, abgerufen am 27. Februar 2019. woher der Namenszusatz ‹Altes› rührt. Da das Neue Serail seit 1983 meist als Palais des Paschas () bezeichnet wird, verblasst die Benennung Neues Serail. Entsprechend wird auch das Alte Serail oft ohne Zusatz einfach Serail genannt.
mini|300px|Plan Akkos mit Grundrissen von Wällen, Grundriss H10px: Krypta unterm Alten Serail, Zitadelle (№ 2: Nordmauer des osmanischen Vorhofs, № 3: Säle 1–6, № 4: Hof, № 5: Refektorium), № 20: Dschazzār-Moschee auf Unterbau der Kreuzkathedrale, № 22: Chan al-Ifranǧ und weiteren Bauten Lage Das Alte Serail liegt in Akkon im nördlichen Teil der heutigen Altstadt innerhalb der enger gezogenen osmanischen Stadtmauer, die nur einen Teil der Fläche der einstigen Kreuzfahrerstadt einschließt.Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 45. Die Mauer ist das Werk Ẓāhir al-ʿUmars und seines Nachfolgers Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200. Das Alte Serail liegt auf der südlichen Straßenseite des Rechov Portzej ha-Mivtzar (; ) Ecke Rechov Ritschard Lev-Ari (, ). Dem Alten Serail nördlich gegenüber erhebt sich die Zitadelle. Sie besteht oben aus Bauten der osmanischen Zeit und schließt die Reste der nördlichen Johanniterkommende darunter (Erhard Gorys, Das Heilige Land: Historische und religiöse Stätten von Judentum, Christentum und Islam in dem 10000 Jahre alten Kulturland zwischen Mittelmeer, Rotem Meer und Jordan, Köln: DuMont, 21984, (=DuMont-Kunst-Reiseführer), S. 368. ISBN 3-7701-1474-4.Jack Bocar, « Quartier Templiers emplacement des structures », auf: ) ein, die sich nördlich und südlich beiderseits des Rechov Portzej ha-Mivtzar erstreckte.
Die Gassen und Straßen um Altes Serail und Zitadelle liegen heute sieben bis acht Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau, da man im 18. Jahrhundert bei Wiedererschließung der Kreuzfahrerruinen herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten, im Jahr 1291 zerstörten oberen Etagen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: Damit ist dieser Bereich heute die höchste Lage in Akkos Altstadt. Entsprechend nahm man nur auf dieser Höhe Baureste in Nutzung bzw. baute auf erhaltenen Untergeschossen, wie der Krypta von St. Johannis, die auf dem neuen Niveau noch herausragte, neu, wie mit dem Alten Serail geschehen.
Geschichte Akko ist eine alte Stadt am Mittelmeer, wo der Handelsweg Via Maris zwischen Ägypten und Mesopotamien von See- auf Karawanentransport und umgekehrt wechselte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 199. Mehrfach zerstört und aufgebaut und noch öfter von einem Herrn an einen anderen gefallen (Phönikier, Altägypter, Alexander der Große, Römer, Byzantiner, ägyptische Fatimiden, Kreuzfahrer, Mamluken, um nur einige zu nennen) gehörte Akko, wie die gesamte Levante, seit 1516/1517 zum Osmanischen Reich.Hans Kühner, Israel: ein Reiseführer durch dreitausend Jahre, David Harris (Photos), Olten und Freiburg im Breisgau: Walter, 1975, S. 250. ISBN 3-530-49171-3. Auch unter den Osmanen blieb Akko ein Ruinenfeld.Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 219. Akkos Kirchen und Befestigungen waren auf Befehl seines siegreichen Eroberers Sultan Chalil 1291 durch Emir ʿAlam al-Din Sandschar al-Schudschaʿi al-Mansuri () geschleift worden waren,Vardit Shotten-Hallel, “Reconstructing the Hospitaller Church of St. John, Acre, with the help of Gravier d’Ortières’s drawing of 1685-1687”, in: Crusades, Bd. 9 (2010), S. 185–198, hier S. 195. um christliche Spuren zu tilgen und den Kreuzfahrern – nach einer eventuellen Rückeroberung – eine erneute Nutzung als Stützpunkt unmöglich zu machen.Thomas Veser, „Heiligkreuzkirche unter dem Harem“, in: Neue Zürcher Zeitung, 24. Dezember 2003, abgerufen am 22. Februar 2019. Allerdings blieb von den massiven Bauten der Johanniterkommende einiges erhalten.Bernhard Dichter mit Salman Baumwoll (Bearb.), Alex Carmel (Bearb.) und Ejal Jakob Eisler (Bearb.), עַכּוֹ - אֲתָרִים מִיָּמֵי הַתּוּרְכִּים / (Zusatztitel: Akko, Bauten aus der türkischen Zeit / Akko, sites from the Turkish period), Universität Haifa / (Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Hrsg.), Haifa: , 2000, S. 52.
Nur wenige autark lebende Menschen, oft arabische Fischer, ließen sich neu in den Ruinen nieder und richteten sich ein. Akkos Hafen war der einzige in der Levante, in dem bei jedem Wetter Ladung angelandet werden konnte. Im 17. Jahrhundert trieb der florierende Handel in Westeuropa vor allem französische, aber auch niederländische Kaufleute auf der Suche nach Geschäftsgelegenheiten an die Küsten der Levante, wobei erstere gewissen Rechtsschutz durch die Kapitulationen des Osmanischen Reiches genossen und unter Europäern ein Monopol im osmanischen Handel beanspruchten.
mini|250px|Chan al-Ifranǧ: Überbaut mit Terra-Sancta-Schule, überragt von St. Franziskus, 2015 Europäische Kaufleute steuerten auch den Hafen Akkos an. Im Jahre 1691 wohnten bereits 13 französische Kaufleute in Akko, die Handelsposten im hafennahen ehemaligen venezianischen Handelshof unterhielten, der um 1700 inmitten der Trümmer hergerichtet wurde und bis heute ihretwegen auf Arabisch Chan al-Ifranǧ (Franke () ist im levantinischen Arabischen ein Synonym für Europäer.) genannt wird. Die Textilindustrie in Frankreich prosperierte und steigerte ihre Baumwollimporte zwischen 1700 und 1750 um das Zehnfache, und obwohl die Produzenten das Angebot steigerten, wuchs die Nachfrage schneller, weshalb sich der Baumwollpreis in der gleichen Zeit verdoppelte. Auf der Suche nach Baumwolllieferanten reisten Marseiller Kaufleute 1691 schon durchs galiläische Hinterland bis Safed. Die wenigen freien Bauern, vor allem aber die vielen abhängigen bäuerlichen Landpächter staatlichen Miri-Landes im osmanischen Tımar-System erkannten, dass Baumwollproduktion über ihren Eigenbedarf hinaus sich zu steigenden Preisen absetzen ließ.
Wenn Steuerpächter () über die Dörfer kamen, meist um rigoros die Abgabe auf Miri-Land einzutreiben, konnten die oft illiquiden bäuerlichen Pächter diese nur aus Erlösen bestreiten, die sie aus Schnellverkäufen hektisch und nicht voll gereift geernteter Baumwolle an europäische Kaufleute zu schlechten Preisen erzielten. So fielen Preis, Quantität und Qualität für Produzenten und Kaufleute ungünstig aus, weshalb französische Kaufleute bis 1720 einen Terminmarkt für Baumwolle (später auch für andere Terminwaren wie Olivenöl und Getreide) etablierten, indem sie Produzenten vor der Ernte den abgezinsten Verkaufserlös zahlten, die so bequem ihre Abgaben zahlen konnten, und den vollen Ertrag erst dann lieferten, wenn sie die reife Ernte eingeholt hatten.
Die Hohe Pforte verbot im Jahr 1729 Termingeschäfte mit Agrarprodukten, aber ohne Erfolg. In Vollzug des Verbotes verhafteten die Behörden im Juni 1730 Saʿd al-Zaydānī, ältester Bruder Ẓāhir al-ʿUmars (1690–1775), da er den Verkauf der Ernten dreier Dörfer auf Termin an französische Kaufleute vermittelt hatte, die sich auch erfolgreich für seine Freilassung einsetzten. Ẓāhir al-ʿUmar, selber erfolgreicher Kaufmann im Handel zwischen Galiläa und Damaskus, erkannte eine Chance und vereinbarte 1731 mit dem in Akko niedergelassenen Melkiten und Kaufmann Jūssuf al-Qassīs (; zunächst sein Berater, ab den 1740er Jahren sein Wesir), seine Waren ins Ausland zu verkaufen.
Ẓāhir al-ʿUmar, dessen nach Galiläa eingewanderte beduinische Familie sich als Kaufleute und Steuerpächter etabliert hatte, übernahm nach dem Tod seines Vaters die Aufgabe des Multasims (Steuerpächters), wobei er kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge setzte, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen.
Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die sich die Einwohner verlassen konnten. Ẓāhir al-ʿUmar erhob sich zum autonomistischen Regionalpotentaten, geflissentlich dem osmanischen Fiskus die geforderten Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, sondern deren Anerkennung suchend.
Quartier Hospitalier, emplacement des structures 2012 Zeichner unbekanntJohanniterquartier: Lage der Bauten№ 11: Dschazzār-Moschee, № 51: Ölbaummoschee, № 53: Türkischer Basar, № 54: südlicher Rest des Johanniterspitals, № 55: Oratorium, № 56: Hof des Johanniterspitals, № 57: Altes Serail, № 59: Türkischer Hammam, № 60: Zāwiyat al-Šāḏaliya, № 61: Hof, № 62: Saal 1, № 65: Turm am Vorhof, № 66: Burǧ al-Chazna und № 67: Brücke über Wallgraben zur Zitadelle Link zum Bild(Bitte Urheberrechte beachten)
Aufbau als Verwaltungssitz ab 1740