Die Zitadelle Akkons ist ein Festungskomplex in Akkon im Nordbezirk Israels. Der Baukomplex besteht aus mittelalterlicher Kommende der Johanniter, osmanischer oberer Festung (; , translit. Mətzūdath ʿAkkō) mit Vorhof und Altem Serail. Die zum Komplex gehörenden Bauten entstanden in getrennten Bauphasen zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert. Bauherren waren der Johanniterorden (12.–13. Jahrhundert), der arabische Regionalpotentat Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775) sowie die osmanischen Statthalter Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha (1722–1804) und Süleyman Pascha ‹al-ʿĀdil› (1760er–1819).
Der Komplex ist heute aufgeteilt in vier Nutzungsbereiche, die getrennt zugänglich sind. Diese vier Bereiche sind (1.) die erhaltenen Bauten des nördlichen Teils der Kommende (,Erhard Gorys, Das Heilige Land: Historische und religiöse Stätten von Judentum, Christentum und Islam in dem 10000 Jahre alten Kulturland zwischen Mittelmeer, Rotem Meer und Jordan, Köln: DuMont, 21984, (=DuMont-Kunst-Reiseführer), S. 368, ISBN 3-7701-1474-4.Jack Bocar, « Quartier Templiers emplacement des structures », auf: L’Orient Latin: La Terre Sainte à l’époque Romane – L’Orient au Temps des Francs, abgerufen am 25. Februar 2019. ehemals Ordensverwaltung wie Pilger- und Ritterhospiz) als unterste Ebene meist unterm heutigen Straßenniveau, sie sind Museum, (2.) südlich anliegend auf dem südlichen Teil der Kommende das Alte Serail, jetzt Kultur- und Jugendzentrum, (3.) das Museum der Gefangenen des Untergrunds im osmanischen Oberbau auf erhaltenen Teilen der Kommende,, auf: Die Geheimnisse der überirdischen und der unterirdischen Stadt Akko, abgerufen am 26. Februar 2019. wo vormals das Gefängnis Akkon und dann eine forensische Psychiatrie untergebracht waren und (4.) schließlich der Diwan-Chan im Vorhof der Zitadelle, seit 1980 ein Kunstmuseum.
mini|250px|Plan der Altstadt mit Grundrissen von Wällen, Zitadelle (№ 2: Nordmauer des osmanischen Vorhofs, № 3: Säle 1–6, № 4: Hof, № 5: Refektorium), № 20: Dschazzār-Moschee auf Unterbau der Kreuzkathedrale, № 22: Chan al-Ifranǧ und weiteren Bauten
Lage Die Zitadelle liegt in Akkon am nördlichen Rand der heutigen Altstadt direkt an der enger gezogenen osmanischen Stadtmauer, die nur einen Teil der Fläche der einstigen Kreuzfahrerstadt einschließt,Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 45. und das Werk Ẓāhir al-ʿUmars und seines Nachfolgers Ahmad ‹al-Dschazzār› Paschas ist.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200. An dieser alten Stadtmauer, die hier seit Anlage der Neustadt Montmusard zu Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Zerstörung Akkos 1291 zwischen Neu- und Altstadt verlief, besetzte die Johanniterkommende von Westen aus gesehen den Mauerabschnitt zwischen dem zweiten und dritten Turm, die osmanisch überbaut erhalten sind. Die Zitadelle besteht oben aus Bauten der osmanischen Zeit und schließt imposante Reste der Johanniterkommende darunter ein, die sich nördlich und südlich beiderseits des Rechov Portzej ha-Mivtzar (; ) erstrecken. Die Anlage umfasst entsprechend die Blöcke 18012 und, zum Teil, 18013 des UNESCO-Altstadtplanes.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: L’Orient Latin: La Terre Sainte à l’époque Romane – L’Orient au Temps des Francs, abgerufen am 25. Februar 2019.
Die Gassen und Straßen um Zitadelle und Altes Serail liegen heute sieben bis acht Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau,Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie gesondert angegeben, ISBN 0-231-12327-2. da man bei Wiedererschließung der Ruinen im 18. Jahrhundert herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten oberen Etagen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen. Damit ist dieser Bereich heute die höchste Lage in Akkos Altstadt. Entsprechend nahm man nur auf dieser Höhe Baureste in Nutzung bzw. baute auf erhaltenen Untergeschossen neu, die auf dem neuen Niveau noch herausragten.
Geschichte Akko ist eine alte Stadt am Mittelmeer, wo der Handelsweg Via Maris zwischen Ägypten und Mesopotamien von See- auf Karawanentransport und umgekehrt wechselte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 199. Mehrfach zerstört und aufgebaut und noch öfter von einem Herrn an einen anderen gefallen (Phönikier, Altägypter, Alexander der Große, Römer, Byzantiner, um nur einige zu nennen) gehörte Akko seit dem 10. Jahrhundert zum Reich der ägyptischen Fatimiden.Hans Kühner, Israel: ein Reiseführer durch dreitausend Jahre, David Harris (Photos), Olten und Freiburg im Breisgau: Walter, 1975, S. 250, ISBN 3-530-49171-3. 1104 belagerte das Königreich Jerusalem mit seinen Streitkräften, unterstützt von Kreuzfahrern und genuesischer Marine, die Stadt Akko,Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al., (=Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 218. das unter den Fatimiden als Kaufmannsstadt an Bedeutung verloren hatte.
Unter Zusage entweder des freien Abzugs mit ihrer beweglichen Habe oder des Verbleibs als Untertanen des Königs von Jerusalem ergaben sich die Akkoner, jedoch überfielen Genuesen wehrlos Ausziehende, was dann als allgemeines Gemetzel der Belagerer an allen Einwohnern und ihrer Plünderung endete.Peter Milger, Die Kreuzzüge: Krieg im Namen Gottes, München: Bertelsmann, 1988, S. 162, ISBN 3-570-07356-4. Dennoch wuchs die Stadtbevölkerung unter den Kreuzfahrern bald wieder auf 40 bis 50 Tausend Einwohner, womit das Akko der Kreuzfahrer eine bedeutende mittelalterliche Stadt war. Neben den vorherrschenden Christen der katholischen, europäisch orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen wohnten auch Muslime und etwa 200 Juden in Akko, wie Benjamin von Tudela 1170 berichtet.Benjamin Ben-Jōnā aus Tudela, Itinerary of Benjamin of Tudela [, nach 1170; engl.], Marcus Nathan Adler (Hrsg., Übs. und Kommentator), London: Frowde, 1907, S. 21. Keine ISBN.
mini|Modell der Kommende mit Johanniskirche (li.) sowie Grand Manoir (re.), verbunden durch eine Brücke über die Geschäftsstraße, Ansicht von Osten vor 1291 Zu Zeiten der Kreuzfahrer Nach Einnahme der Stadt 1104 durch die Kreuzfahrer übernahmen die Johanniter als ihre Kommende ein Geviert südwestlich der großen Freitagsmoschee (zu der Zeit im Umbau/Abbruch für die neue Heilig-Kreuz-KathedraleDenys Pringle, The Churches of the Crusader Kingdom of Jerusalem. A Corpus: 4 vol.s, Cambridge, Engl.: Cambridge University Press, 2009, vol. 4 ‹The Cities of Acre and Tyre with Addenda and Corrigenda to Volumes I-III›, S. 83, ISBN 978-0-521-10983-3.), das Seʾev Goldmann als eine arabisch-fatimidische Karawanserei des 10. oder 11. Jahrhunderts identifizierte.Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 202.Seʾev Goldmann, „Die Bauten des Johanniterordens in Akkon“, in: Der Johanniter-Orden – Der Malteser-Orden: Der ritterliche Orden des heiligen Johannes vom Spital zu Jerusalem – Seine Aufgaben, seine Geschichte, Adam Wienand (Hrsg.) mit Carl Wolfgang Graf von Ballestrem und Christoph Freiherr von Imhoff, Köln: Wienand, 1977, S. 108–115, hier Seite wie gesondert angegeben. Auf dem östlich angrenzenden Unterbau der Kathedrale steht heute der Komplex der Dschazzar-Pascha-Moschee.Thomas Veser, „Heiligkreuzkirche unter dem Harem“, in: Neue Zürcher Zeitung, 24. Dezember 2003, abgerufen am 22. Februar 2019.
Im Jahre 1110 bestätigte Balduin I. von Jerusalem die Johanniter im Eigentum weiterer, ihnen gestifteter Bauten nördlich der Heilig-Kreuz-Kathedrale des Bistums Akko lateinischen Ritus.Eliʿezer Stern, « La commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », in: Bulletin Monumental, Bd. 164 (Nr. 1, 2006 mit dem Titel ‹L’architecture en Terre Sainte au temps de Saint Louis›), S. 53–60, hier S. 54. Auf die Schenkungen hin begannen zu Beginn des 12. Jahrhunderts die Johanniter ihre Kommende nördlich des ursprünglichen Gevierts, jenseits einer wichtigen Geschäftsstraße zu erweitern. In den 1130er Jahren mussten beim Anbau des neuen Nordportals der Heilig-Kreuz-Kathedrale benachbarte Johanniterbauten weichen, woraufhin die Ordensgemeinschaft den Standort nördlich der Kathedrale aufgab und Mitte des 12. Jahrhunderts seine Niederlassung weiter westlich um ein neues Ordenshaus erweiterte, was heute den Grand Manoir im Unterbau der heutigen Zitadelle darstellt. Älteste Nachricht dieses Baus stammt von 1141 aus der Zeit der Königin-Regentin Melisende von Jerusalem.
mini|Unterm Rechov Portzej ha-Mivtzar: Niveau der alten Geschäftsstraße mit Projektion der Verarbeitung von Zuckerrohr zu Zucker, 2016 Als neue Nordseite des Hospitalhofes, südlich an der Geschäftsstraße und nunmehr im Zentrum der sich beiderseits dieser Straße erstreckenden Kommende errichteten die Johanniter ihr Johannes dem Täufer geweihtes Gotteshaus, wenig westlich von der Kreuzkathedrale. Älteste Nachricht von dieser Johanniskirche stammt aus dem Jahre 1149.Eliʿezer Stern, « La commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », in: Bulletin Monumental, Bd. 164 (Nr. 1, 2006 mit dem Titel ‹L’architecture en Terre Sainte au temps de Saint Louis›), S. 53–60, hier S. 59. Die Kirche schloss eine heute erhaltene Krypta aus sechs gewölbten Sälen ein, und war laut zeitgenössischen Berichten ein sehr hoch aufragendes Gebäude. Besagte wichtige Geschäftsstraße, ab dem Johannistor in der Neustadt Montmusard im Norden südwärts gerichtet, verlief im mittleren Abschnitt am Ostflügel des Grand Manoir entlang, schwenkte dann nach Westen, um sich nach kurzem Abschnitt inmitten des Komplexes der Johanniterkommende zwischen nördlichem Grand Manoir und südlicher Johanniskirche wieder nach Süden gen Genuesenviertel zu wenden.
Als wichtige Geschäftsstraße blieb auch jener Abschnitt für die Allgemeinheit offen, der auf etwa 50 Meter Länge den Ordenskomplex durchschnitt, war aber teils überbrückt, um den Grand Manoir, die Ordensverwaltung sowie das Hospiz für Ritterbrüder und Pilger, kreuzungsfrei mit dem südlichen Teil der Kommende aus Johanniskirche und Johanniterhospital zu verbinden. Den zwischen nördlichem und südlichem Teil des Ordenskomplexes verlaufenden Straßenabschnitt, heute unterm Rechov Portzej ha-Mivtzar gelegen, konnte der Johanniterorden in Zeiten der Not durch ein massives Tor sperren, um ein unerwünschtes Durchdringen der Kommende zu unterbinden. Der Rheinländer Theodericus Monachus beschrieb die Kommende, die er 1172 auf seiner Pilgerfahrt gesehen hatte, als befestigte, beeindruckende Bauanlage, mit der sich allenfalls die Tempelritterfestung im Südwesteck der Altstadt Akkos messen konnte.Vgl. Christine Sauer, „Theoderichs ‹Libellus de locis sanctis› (ca. 1169–1174). Architekturbeschreibungen eines Pilgers“, in: Hagiographie der Kunst: Heiligenkult in Schrift, Bild und Architektur, Gottfried Kerscher (Hrsg.), Berlin: Reimer, 1993, S. 213–239, ISBN 978-3-496-01107-1.