Bad Fallingbostel (bis 2002 Fallingbostel, ) ist die Kreisstadt des Heidekreises in Niedersachsen. Die Stadt war seit 1975 staatlich anerkannter Luftkurort und seit 1976 staatlich anerkanntes Kneippheilbad und führt die Bezeichnung Bad seit dem 5. August 2002.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 Ende Juli 2015 wurde die Anerkennung der Prädikate Kneippheilbad und Luftkurort vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr mit sofortiger Wirkung widerrufen, nachdem der Stadtrat entschieden hatte, in diesem Bereich kein Geld mehr zu investieren. Der einstige Kurort darf den Zusatz Bad im Namen weiter tragen, was im Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz festgeschrieben ist.
Geografie Geographische Lage Bad Fallingbostel liegt in der südwestlichen Lüneburger Heide (Heidmark) an der Böhme zwischen Soltau und Walsrode.
Stadtgliederung mini|Bad Fallingbostel, Stadtmitte (Walsroder Straße) mini|Die Böhme im Ortszentrum Die Stadt Bad Fallingbostel besteht neben der Kernstadt aus den Ortschaften Dorfmark, Riepe, Vierde, Jettebruch und Mengebostel.
Die Kernstadt gliedert sich in folgende Stadtteile:
Im Westen: Idingen, Am Wiethop, Am Rooksberg Im Norden: Adolphsheide, Große Heide, Lehmhorst, Klint Im Osten: Ober- und Unter-Grünhagen Im Süden: Am Weinberg, Gewerbegebiete An der Autobahn, Pröhlsfeld, Oerbker Berg und Ost
Nachbarstädte
Garnison In Ortsnähe befinden sich Europas größter Truppenübungsplatz (NATO-Truppenübungsplatz Bergen) sowie Kasernen der , u. a. mit dem . Im Oktober 2015 haben die letzten Soldaten der Britischen Streitkräfte in Deutschland ihre Kaserne verlassen. Die Gebäude wurden als Flüchtlingsaufnahmelager genutzt.
Naturraum und landschaftliche Eigenart mini|Steilhänge der Lieth im Böhmetal oberhalb des Stadtzentrums
Durch das Gebiet fließt die Böhme, der westlichste der größeren Flüsse der Südheide und natürliche Längsachse des Heidekreises. Zwischen dem Stadtteil Dorfmark und dem Walsroder Stadtteil Benzen bildet sie das Böhmeknie, dessen Charakter einschließlich der Nebentäler durch schmalere Talsohlen und teilweise steile Hänge gekennzeichnet ist. Dies gilt besonders für das bis ans Stadtzentrum reichende bis 40 Meter hohe Steilufer der Lieth, aber auch für die Täler des südlich von Dorfmark einmündenden Steinbachs und des Örbker Baches, der im Bereich der Lieth von Süden einmündet. Oberhalb von Dorfmark ist das Böhmetal ein weites Talbecken. Im Nordwesten reicht das Stadtgebiet bis an die Bomlitz heran, den hier bei Grubenthal nur um 10 Meter eingesenkten größten Nebenbach der Böhme. Die von den waldreichen Wiesentälern gegliederten schwachwelligen Plateaus geben dem Naturraum der Walsroder Lehmgeest, auch Fallingbosteler Lehmplatten genannt, das typische Gepräge.Siehe auch Bundesamt für Naturschutz: Die lehmigeren Teile der Hochflächen sind ackerbaulich genutzt (besonders der Höhenrücken nordwestlich der Böhme), die sandigeren meist bewaldet. Feuchte Senken sind von anmoorigem Grünland oder kleinen Mooren eingenommen, vor allem im Nordwesten am Ostrand der Wisselshorst und im Nordosten bei Mengebostel.
Die natürlichen Geländehöhen variieren zwischen 34 m an der Elferdinger Böhmebrücke im Südwesten des Stadtgebiets und 85 m auf dem Westendorfer Berg westlich der Ortslage von Dorfmark. Er liegt auf dem gleichen Höhenrücken, der weiter südlich in der Lieth vom Böhmetal durchschnitten wird.
Geologie Das Stadtgebiet von Bad Fallingbostel liegt in einer Geestlandschaft, die vor allem in der vorletzten Kaltzeit des gegenwärtigen Eiszeitalters geformt wurde. Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Lockermaterialien, die vom Inlandeis der Saale-Kaltzeit und seinem Schmelzwasser ab- und umgelagert wurden. Das Stadtgebiet wird zumeist von der mehrere Meter mächtigen Grundmoräne des Stadials Drenthe I unterlagert. Darüber folgen die Nachschüttsande der zurückweichenden Eisfront und dann die Vorschüttsande der sich nähernden Eisfront des Drenthe-II-Stadials, dessen dünne, an grobem Geschiebe und Findlingen reiche Grundmoräne die heutigen anlehmigen Ackerflächen der Hochflächen ausmacht. Im Böhmetal sind diese obere Grundmoräne und die unterlagernden, rund 20 Meter mächtigen Sande teilweise bis zur Drenthe-I-Grundmöräne abgetragen. Die Talverläufe waren teilweise vorgezeichnet durch die sich kreuzenden geradlinigen, flachen Furchen, die das überfahrende Inlandeis hinterlassen hat. Südöstlich des Stadtgebietes, im heutigen Truppenübungsplatz Bergen, hat es die markanten Kuppen der Falkenberg-Endmoräne aufgeschüttet.
Klima Bad Fallingbostel liegt in der gemäßigten Klimazone (Cfb der Klassifikation von KöppenKlimaweltkarte der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation, eingesehen am 28. April 2011.); der maritime Einfluss geht hier bereits etwas zu Gunsten kontinentaler Klimamerkmale (größere Temperaturschwankungen) zurück.
Die Temperaturen liegen im Jahresmittel bei 9 °C, mit Höchstwerten um 22 °C in den Monaten Juli und August und mittleren Niedrigstwerten um −2 °C im Januar und im Februar. Die durchschnittlich meisten Niederschlagstage gibt es mit rund zwölf im Dezember und die wenigsten im Februar, September und Oktober mit jeweils rund neun Tagen. Die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden pro Tag schwankt zwischen einer Stunde (Dezember/Januar) und sieben Stunden (Mai/Juni).holidaycheck.de: Klimainformationen für Walsrode-Hünzingen, eingesehen am 28. April 2010. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 755 mm/Jahr.linear Interpoliert nach Entfernung aus den Klimadiagrammen Soltau und Hannover-Langenhagen, 1971–2000, Temperaturen höhenkorrigiert.
Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich rund 20 Kilometer nordöstlich in Soltau.Klimadiagramm Soltau
Ortsname Fallingbostel fand erstmals im Jahre 993 seine Erwähnung als Vastulingeburstalle. Weitere frühere Ortsnamen von Fallingbostel waren in den Jahren 1160 Vasteldingaburstolde, 1263 Valingheborstele, 1293 Valingeborstele sowie Valingheborstelde, 1295 Vellingesborstele, 1379 Valingborstele, Ende des 14. Jahrhunderts valinghborstelde, 1438 Vallingborstell, 1438 Vallingborstele und 1489 Vallingborstel. Das Namenselement „-borstel“ gehört zu den verbreitetsten in ganz Nordwestdeutschland. Es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung aus dem altsächsischen „bur“ für „Haus, Wohnstätte, Ansiedlung, Gemeinde“ und Altsächsisch „stal“ für „Ort, Stelle“. Der Name Vastulingeburstalle bedeutet daher so viel wie „Wohnplatz des Vastulo“ oder „Wohnplatz der Vastulinger“. Der Vorname „Vastila, Vastulo“ gehört wahrscheinlich zu „fast, fest“, also „fest, stark“.
mini|Scharnhorststraße in Bad Fallingbostel
Geschichte Bronzezeitliche Spuren finden sich im aufgefundenen Schmuckensemble der Braut von Fallingbostel.
mini|Die Kriegsgefangenen des Stalag XI B in Fallingbostel begrüßen ihre Befreier am 16. April 1945.
Fallingbostel blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich war Fallingbostel eine rein landwirtschaftliche Ansiedlung, denn die Landwirtschaft war viele Jahrhunderte lang die Lebensgrundlage der Einwohner des altsächsischen Loingaus. Damals legte Otto III. die Grenzen zwischen den Bistümern Hildesheim und Minden fest.
Um 1300 wurde die Vogtei Fallingbostel eingerichtet. Später Amt Fallingbostel genannt, bestand sie bis ins 19. Jahrhundert. 1838 wurde von Heinrich von Quintus-Icilius, dem Assessor der Vogtei, als eine der ersten ländlichen Sparkassen des Königreichs Hannover die Fallingbosteler Sparkasse „Sparcasse für die Amtsvogtei Fallingbostel“ gegründet. Sie war eine der ersten ländlichen Sparkassen im Königreich Hannover. 1866 wurden in der preußischen Provinz Hannover Landkreise gebildet, darunter der Landkreis Fallingbostel. Am 1. April 1949 erhielt Fallingbostel die Stadtrechte.
Am 1. August 1977 wurden die Landkreise Fallingbostel und Soltau zum Landkreis Soltau-Fallingbostel zusammengelegt. Dabei wurde Fallingbostel Kreissitz des neuen Landkreises, der 2011 in Heidekreis umbenannt wurde.
Seit 1975 war Fallingbostel anerkannter Luftkurort, seit 1976 Kneippheilbad. Am 5. August 2002 wurde der Namenszusatz Bad verliehen.
Am 15. Oktober 2012 kam es zu einem Chemieunfall in einem naheliegenden Werk des Nahrungsmittelherstellers Kraft Foods, weshalb Katastrophenalarm ausgerufen und mehrere Menschen aus dem Umkreis des Werks evakuiert wurden.
Für 2011 war eine Fusion Bad Fallingbostels mit der Stadt Walsrode und der Gemeinde Bomlitz zur Stadt Böhmetal geplant. Bei einer Bürgerbefragung am 2. November 2008 wurde dieser Plan in Bad Fallingbostel mit deutlicher Mehrheit von den Bürgern abgelehnt. Knapp 80 Prozent der Wähler haben sich bei einer Wahlbeteiligung von knapp 62 Prozent gegen die Fusion ausgesprochen. In Walsrode und Bomlitz gab es Zustimmung (56,4 % in Bomlitz und 53,8 % in Walsrode) zur Fusion. Der Rat der Stadt Bad Fallingbostel hat sich daher am 10. November 2008 mehrheitlich gegen die Fusion ausgesprochen.
Eingemeindungen Am 17. Oktober 1928 wurde Adolphsheide eingemeindet.Amtsblatt der Regierung Lüneburg 1928, S. 260 Am 1. März 1974 wurden im Rahmen der Gemeindereform die Gemeinden Dorfmark, Jettebruch, Mengebostel, Riepe und Vierde eingemeindet.
Religion Evangelische Kirche mini|hochkant|St.-Dionysius-Kirche
Die Mehrzahl der konfessionell gebundenen christlichen Einwohner gehört zur evangelisch-lutherischen Kirche. Im Stadtgebiet gibt es zwei Kirchengemeinden: Kirchengemeinde Fallingbostel mit der St.-Dionysius-Kirche und 4912 Gemeindegliedern und Friedenskirche in Bommelsen (früher Gemeinde Bomlitz, seit 2020 Stadt Walsrode) mit 625 Gemeindegliedern Kirchengemeinde Dorfmark mit der St.-Martins-Kirche und 2848 Gemeindegliedern Sie werden von drei Geistlichen betreut. Beide Kirchengemeinden gehören zum Kirchenkreis Walsrode im Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
Katholische Kirche mini|links|hochkant|Katholische Kirche
Die katholischen Christen Bad Fallingbostels gehören zur römisch-katholischen Pfarrgemeinde Sankt Maria vom heiligen Rosenkranz, die im August 2004 neu gegründet wurde. Die bis dahin selbstständige katholische Kirchengemeinde St. Maria in Bad Fallingbostel wurde dabei mit den katholischen Nachbargemeinden Sankt Maria in Walsrode und Heilig-Geist in Benefeld (früher Gemeinde Bomlitz, seit 2020 Stadt Walsrode) sowie Herz-Jesu in Visselhövede zur Katholischen Kirchengemeinde Sankt Maria zusammengelegt. Pfarramtssitz ist Walsrode. Die Kirche in Bad Fallingbostel entstand 1960 nach Plänen des Architekten Josef Fehlig, die Kirchengemeinde liegt im Bereich des Dekanats Verden im Bistum Hildesheim.
Weitere Konfessionen In Fallingbostel gibt es zudem Gemeinden der Siebenten-Tags-Adventisten und der Neuapostolischen Kirche.
Politik
Rat
Der Rat der Stadt Bad Fallingbostel besteht aus 30 Ratsherren und -frauen. Dies ist die gemäß § 46 Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000. Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Die Kommunalwahlen am 12. September 2021,Website der Stadt – Ergebnis Rat der Stadt Bad Fallingbostel 2021, abgerufen am 23. Januar 2022. am 11. September 2016,, abgerufen am 2. November 2017. am 11. September 2011, am 10. September 2006 und am 9. September 2001 führten zu folgenden Ergebnissen: