Der Große Arber () ist mit der höchste Berg des Böhmerwaldes / Bayerischen Waldes und von Niederbayern. Er ist zudem der höchste Berg Bayerns außerhalb der Alpen und nach dem Feldberg der zweithöchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. Außerdem stellt ein Felsriegel westlich des Gipfelkreuzes mit Höhe, seit der Gebietsreform in Bayern 1972, den höchsten Punkt der Oberpfalz dar. Daher wird der im niederbayerischen Landkreis Regen und im oberpfälzischen Landkreis Cham gelegene Berg als König des Bayerischen Waldes bezeichnet. Seine Gipfelregion besteht aus Paragneis.

Name Der Name leitet sich wahrscheinlich vom keltischen „Arduikos“, zu deutsch „der hohe Berg“ ab. In einer Urkunde von 1279 trägt er den Namen Adwich, Johannes Aventinus nennt ihn 1500 Hädweg und 1540 Ätwa. Bei Philipp Apian trägt er die Bezeichnung Aetwha m., also Aetwha mons (mons, montis: lat. Berg), 1720 ist er auf einer Karte als Aidweich bezeichnet. Im Jahr 1740 findet sich in einer Urkunde erstmals die Bezeichnung Arber.

Geographie Lage Der Große Arber erhebt sich im Hinteren Bayerischen Wald auf der in Gipfelnähe verlaufenden Grenze der Naturparks Oberer Bayerischer Wald im Norden und Bayerischer Wald im Süden. Sein Gipfel liegt im Gemeindegebiet von Bayerisch Eisenstein und die Südwestflanke in jenem des Marktes Bodenmais. Beide Gemeinden befinden sich im Landkreis Regen. Seine Westflanke gehört zur Gemeinde Lohberg im Landkreis Cham.

mini|links|Felsen des Richard-Wagner-Kopfes mit dem Großen Rachel im Hintergrund mini|Der „Große Seeriegel“ Der Große Arber hat vier Gipfel: den Hauptgipfel mit dem 1913 errichteten Gipfelkreuz, den Bodenmaiser Riegel mit dem charakteristischen, oft abgebildeten Richard-Wagner-Kopf, sowie den Kleinen und Großen Seeriegel. Zu seiner Berggruppe gehört unter anderem auch der Kleine Arber mit Höhe.

Naturräumliche Zuordnung Der Große Arber gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Oberpfalzer und Bayerischer Wald (Nr. 40), in der Haupteinheit Hinterer Bayerischer Wald (403) und in der Untereinheit Arber-Kaitersbergzug (403.5) zum Naturraum Arbermassiv (403.51).

Gewässer Auf der Südostflanke des Großen Arber liegt der Große Arbersee und nordwestlich von ihm bzw. nordnordöstlich des Kleinen Arbers der Kleine Arbersee, die beide jeweils in einem Naturschutzgebiet liegen. Zu den auf dem Berg entspringenden Fließgewässern gehören: zwei Arberbäche (jeweils einer im Osten und Süden), Geigenbach, Hirschaubach, Schwellbach, Seebach, Steinbach, Teufelsbach und Weidenbach. Nordöstlich vorbei fließt der Große Regen, der in Bergnähe durch den Arbersee- und Teufelsbach gespeist wird, und auf der Nordwestflanke entfließt dem Kleinen Arbersee der Weiße Regen, in den am Berg der Weidenbach mündet.

Naturparks Seit dem Sommer 1995 ist im Naturpark Bayerischer Wald im Gebiet des Großen Arber eine hauptamtliche Naturschutzwacht tätig. Die Gebietsbetreuung steht schwerpunktmäßig für die Gipfelregion des Berges, aber auch für die Schutzgebiete des Berges als Ansprechpartner für Naturschutzfachfragen und für Führungen zur Verfügung; zu deren Aufgaben zählt neben Besucherinformation und Öffentlichkeitsarbeit auch die Überwachung der Schutzgebietsvorschriften. Für den benachbarten Naturpark Oberer Bayerischer Wald ist seit 1999 eine weitere Gebietsbetreuung für den Großen Arber (Schwerpunkt: Gipfelplateau und NSG „Kleiner Arbersee“) im Einsatz.

Schutzgebiete Von der Gipfelregion des Großen Arber in Richtung Südosten erstreckt sich das Naturschutzgebiet (NSG) Großer Arbersee und Arberseewand (CDDA-Nr. 163348; 1939 ausgewiesen; 1,4857 km² groß) und von der Gipfelregion nach Nordwesten das NSG Kleiner Arbersee (CDDA-Nr. 164117; 1998; 4,1059 km²); in Bergnähe liegt bei den Rieslochfällen das NSG Riesloch (CDDA-Nr. 318989; 1939; 33,4 ha). Auf dem Berg erstrecken sich Teile der Landschaftsschutzgebiete Bayerischer Wald (CDDA-Nr. 396098; 1983; 2310,1276 km²) und Oberer Bayerischer Wald (CDDA-Nr. 396128 1308,5616 km²), des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Großer und Kleiner Arber mit Arberseen (FFH-Nr. 6844-373; 22,952 km²) und des Vogelschutzgebiets Großer und Kleiner Arber mit Schwarzeck (VSG-Nr. 6844-471; 35,4624 km²).

Fauna und Flora Die Gipfelregion des Großen Arber überragt nicht die natürliche Waldgrenze. Sie ist trotzdem baumfrei und von subalpinen Magerrasen, Felsfluren und Latschengebüschen geprägt, wie sie in dieser Ausdehnung im Bayerischen Wald sonst nirgends auftreten. Zu den charakteristischen Vogelarten dieser Region gehören Wiesenpieper, Alpenbraunelle, Bergpieper, Ringdrossel und Steinschmätzer. Im Norden Richtung Lam herrscht bäuerlich bewirtschafteter Plenterwald vor, im Süden gegen Bodenmais Staatswald.

Klima Überblick Die Gipfelregion des Großen Arber weist im Durchschnitt 160 Frosttage und eine Schneedeckendauer von 150 Tagen auf. Wegen der Spät- und Frühfröste hat die Vegetationsperiode eine Dauer von wenig mehr als 100 Tagen. Die Julitemperatur liegt in den Kammbereichen bei 11 Grad. Von den etwa 1950 mm Jahresniederschlägen fallen 40 % als Schnee.

Arbermandl Im Winter bildet der Ostwind zusammen mit Eisschnee die so genannten Arbermandl. Die Bergfichten des Großen Arber erstarren dabei zu bizarren und oft skurril wirkenden Gestalten. Der Begriff „Arbermandl“ ist nicht historisch, sondern entstand durch einen Fernsehbeitrag des Kameramanns Martin Lippl aus dem Jahr 1985. Die Aufnahmen entstanden eher zufällig in einer kurzen Pause mit Sonnenschein während eines Schneesturms. Elfie Pertramer unterlegte diese Aufnahmen später mit einem mystischen Gedicht. Unter dem Titel Stimmen aus dem Zauberwald wird der Film jeweils um Jahresbeginn im Bayerischen Fernsehen in der Sendung Zwischen Spessart und Karwendel ausgestrahlt.

Geschichte Der größte Teil des Großen Arber und die umliegenden Waldgebiete befinden sich im Besitz der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen. Diese erwarben 1852 die Besitzung des Glashüttenmeisters Hafenbrädl in Böhmisch Eisenstein, später Markt Eisenstein, heute Železná Ruda, und 1872 die in Bayerisch Eisenstein. Das Jahr 1884 brachte die Errichtung einer hölzernen Schutzhütte durch den Bayerischen Wald-Verein. 1903 entstand das erste Schutzhaus auf dem Gipfel. Das jetzige mit Schindeln beschlagene Arberschutzhaus wurde 1936 errichtet und 1985 erweitert.

Arberkapelle und Arberkirchweih mini|Arberkapelle Etwas nordwestlich und wenige Meter unterhalb vom Gipfel des Großen Arber steht die kleine Arberkapelle, die dem heiligen Bartholomäus geweiht wurde. Die erste dortige Kapelle ließ 1806 der Glashüttenherr Freiherr von Hafenbrädl erbauen. Seitdem wurde das Gebäude viermal erneuert; das jetzige entstand 2015.

Anlässlich des hundertjährigen Kapellenbestehens zelebrierte dort am Bartholomäustag 1906 der Abt Willibald Adam von Kloster Metten in Gegenwart von 2000 Teilnehmern erstmals eine Bergmesse. Am 29. August 1965 feierte der Arberpfarrer Josef Kufner hier erneut eine Messe, womit die erste eigentliche Arberkirchweih begründet wurde. Seitdem wird sie alljährlich am vorletzten Sonntag im August gefeiert. Nach den Messen trifft man sich zum Mittagessen im Arberschutzhaus; anschließend zeigen Volkssänger und Musikanten ihre Darbietungen.

Radaranlage mini|hochkant=2|Großer Arber mit Radom von Süden Auf der Gipfelregion stehen zwei Gebäude der Luftwaffe mit Radomen. Die Anlage wurde während des Kalten Krieges so nahe an der tschechoslowakischen Grenze errichtet, um den Flugverkehr im Ostblock überwachen zu können. Die Einrichtung wurde 1983 in Dienst gestellt, ursprünglich mit zwei Radarantennen. 1996 wurde sie umgerüstet und mit einem Großraumradargerät RRP 117 bestückt. Der zweite Turm beinhaltet seitdem die Sende- und Empfangsantennen für den Funkverkehr. Die Luftverteidigungsanlage Großer Arber wird als Teil des Integrierten NATO-Luftverteidigungssystems betrieben.

ÖPNV mini|Linienbus der RBO am Arber kurz vor der Abfahrt als Linie 590 in Richtung Furth im Wald, Februar 2026 Der Arber ist über mehrere (zum Teil saisonale) Buslinien an die umliegenden Gemeinden angebunden:

Linie 6081: Bayerisch Eisenstein – Arber

Linie 6198/6085: Bodenmais – Bretterschachten – Arber – Brennes

Linie 6193: Zwiesel – Arber

Linie 590: Furth im Wald – Arber mini|Linienbus der RBO auf der Linie 6081 kurz vor der Endhaltestelle „Arber Talstation“ im Juni 2026 Bei allen genannten Linien handelt es sich um saisonale Linien. Einige der Linien verkehren ganzjährig mit verschiedenen Taktungen, andere Linien sind als z. B. reine Skibuslinien nur in den Wintermonaten (Linie 6085 und 6193) oder als Wanderbus nur in den Sommermonaten (Linie 6198) in Betrieb. Eine Besonderheit aufgrund der für die Region unüblich hohe Taktung stellt die Linie 6085 dar. Während der Winter-Hauptsaison besteht zwischen Bodenmais und Bretterschachten ein Viertelstundentakt und zwischen Bodenmais und Arber ein Halbstundentakt.mini|Skibus der RBO auf der Linie 6085, Bodenmais im Januar 2026

In Bayerisch Eisenstein und Zwiesel besteht eine Umstiegsmöglichkeit zu den Zügen der Waldbahn. Freizeit und Sport Wanderwege Von Bodenmais aus führt ein Wanderweg zum Berggipfel. Er beginnt am Wandererparkplatz Rissloch und zieht sich dann vorbei an den Rieslochfällen hinauf. Der Abstieg kann am Gipfel des Kleinen Arbers vorbeiführen, geht dann an den Wasserfällen vorbei und endet am Ausgangspunkt. Des Weiteren verlaufen dort auch die 8-1000er Tour und die 12-1000er Tour. Dies sind Touren, bei denen man über den Europäischen Fernwanderweg E6 zum Gipfel gelangt und dabei über acht bzw. zwölf Berge wandert, die mehr als hoch sind.

Als günstige Ausgangspunkte für Wanderungen eignen sich auch die Jugendherbergen des Bayerischen Waldes.Jugendherbergen im Bayerischen Wald

Arberland-Berglauf Am 10. Juni 2017 fand einmalig der Arberland-Berglauf statt, der zugleich auch die Deutschen Berglaufmeisterschaften 2017 beinhaltete. 346 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel der 13,8 Kilometer langen Strecke mit einer Höhendifferenz von 887 Metern.

Arber-Bergbahn und Wintersport Die Liftanlagen auf dem Großen Arber werden als Arber-Bergbahn bezeichnet. Durch mehrere Skipisten ist der Berg als Wintersportgebiet erschlossen. Am 17. September 1949 wurde der erste Sessellift des Berges eröffnet.

Auf dem Berg fanden seit 1973 Slalom- und Riesenslalomwettbewerbe um den Europacup und seit 1976 um den Skiweltcup statt. Die Rennen wurden vom Deutschen Skiverband im Wechsel zwischen Ofterschwang, Zwiesel und Berchtesgaden vergeben. Seit 2011 fanden dort keine weiteren Skiweltcups mehr statt, und es sind nach Angaben des zuständigen Organisationskomitees auch auf absehbare Zeit keine weiteren Rennen geplant.

+ Weltcup Damen Datum Siegerin Riesenslalom Siegerin Slalom Bemerkung 4./5. Februar 2011 2./3. März 2008 – – 10./11. März 2007 7./8. Februar 2004 17.–19. Januar 1997 Zwei Riesenslalom-Weltcuprennen 9. Februar 1991 27./28. Februar 1987 20./23. März 1984 3./4. Februar 1981 Kombination: Abfahrtslauf in Pfronten + Weltcup Herren Datum Sieger Riesenslalom Sieger Slalom Bemerkung 8./9. Januar 1978 Zweites und letztes Herrenrennen 27. Januar 1976 Erstes Weltcuprennen am Arber

Hohenzollern Skistadion Am Fuße des Großen Arber liegt, direkt am Großen Arbersee, das Hohenzollern Skistadion, wo Biathlon und Skilanglauf-Europacup-Rennen stattfinden.

Weblinks

Arber – Bayerischer Wald (Skigebiet mit Informationen u. a. auch zu Hotels, Gasthöfen, Schutzhütten), auf arber.de Luftwaffe „Großer Arber“ (Radarstation), auf grosser-arber.org Arber, Großer und Kleiner Arbersee (Einzelfotos oder Diashow), auf waldberge.de

Einzelnachweise Geoprohlížeč ČÚZK (Topographische Karte 1:10.000)

Klaus Müller-Hohenstein: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 165/166 Cham. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1973. → Online-Karte (PDF; 4,4 MB)

bayerisch-eisenstein.de:

, vom 23. Juli 2015, abgerufen am 5. Januar 2016, auf pnp.de