zentriert|180px|Porträt Präsident Woodrow Wilson Woodrow Wilson gewinnt die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten. zentriert|160px|Sun Yat-sen, ca. 1912 Sun Yat-sen proklamiert die Republik China und gründet die Kuomintang. zentriert|350px|Untergang der Titanic Im Nordatlantik versinkt das Passagierschiff Titanic. 1912 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1360/61 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1904/05 (10./11. September) Baha'i-Kalender 68/69 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1317/18 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2455/56 (südlicher Buddhismus); 2454/55 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr der Wasser-Ratte 壬子 (seit 18. Februar, davor Metall-Schwein 辛亥) Chuch’e-Ideologie (Nordkorea) Chuch’e 1 Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1274/75 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4245/46 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1290/91 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1330/31 (10./11. Dezember) Japanischer Kalender Meiji 45 (, bis 30. Juli)/Taishō 1 (, ab 30. Juli);Kōki 2572 Jüdischer Kalender 5672/73 (11./12. September) Koptischer Kalender 1628/29 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1087/88 Minguo-Kalender (China) Jahr 1 der Republik Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1327/28 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2222/23 (Jahreswechsel April) Syrien: 2223/24 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2454/55 (1. April) Tibetischer Kalender 1658 Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1968/69 (April)

Das Jahr 1912 ist vor allem durch die wachsende Konfliktsituation in Europa geprägt, die zwei Jahre später in den Ersten Weltkrieg münden wird.

Gespräche des britischen Kriegsministers Richard Burdon Haldane mit dem deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg im Februar über ein Abkommen zur Beschränkung der Flottenrüstung bleiben ergebnislos. Im Mai beschließt der deutsche Reichstag im Gegenteil einen weiteren Ausbau der Flotte. Auf dem Balkan gründen mehrere nach wie vor unter osmanischer Oberhoheit befindliche Staaten den Balkanbund und beginnen – ermutigt durch die Erfolge Italiens im Italienisch-Türkischen Krieg – im Oktober den Ersten Balkankrieg gegen das nach dem Sturz der Jungtürken zerfallende Osmanische Reich.

Nach dem Verzicht des sechsjährigen chinesischen Kaisers Puyi auf den Thron wird die Republik China proklamiert, womit das chinesische Kaiserreich endet. Dies entfacht einen Machtkampf um die Staatsführung.

Vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten kommt es zur Abspaltung der Progressiven Partei unter dem ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt von der Republikanischen Partei. Da einander die Kandidaten dieser beiden Parteien gegenseitig die Stimmen wegnehmen, geht der Demokrat Woodrow Wilson als Sieger aus der Wahl hervor.

Weitere Ereignisse sind das tragische Ende der britischen Terra-Nova-Expedition unter der Leitung von Robert Falcon Scott zum Südpol, der Untergang des britischen Luxusdampfers Titanic im Nordatlantik und die Austragung der V. Olympischen Sommerspiele in Stockholm.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Europa und Mittelmeerraum Italien/Osmanisches Reich

7. Januar: Die italienische Flotte beschießt im Italienisch-Türkischen Krieg die Hafenstadt Hodeida am Roten Meer und versenkt mehrere osmanische Kanonenboote. 24. Februar: Die italienische Flotte beschießt die türkische Festung Beirut. März: Der italienische Pilot Carlo Piazza kehrt erstmals mit Photographien von einem Aufklärungsflug zurück. 14. März: Bei einer Messe im Pantheon in Rom feuert der Anarchist Antonio D'Alba mehrmals auf den italienischen König Viktor Emanuel III. Der König entkommt dem Attentat unverletzt. 18. April: Nach Beschießung der Dardanellen durch italienische Kriegsschiffe schließt die Türkei die See-Verbindung zwischen Schwarzem und Mittelmeer für den Schiffsverkehr. 4. Mai: Die in Nordafrika festsitzenden Italiener versuchen den Krieg in andere Regionen zu tragen und erobern die Mittelmeerinsel Rhodos und weitere Inseln des Dodekanes. 25. Mai: Im Königreich Italien wird per Gesetz das „Allgemeine Wahlrecht“ (suffragio universale) eingeführt. Für die Wahlen, die im Herbst 1913 durchgeführt werden, sind alle männlichen Staatsbürger über 21 Jahre wahlberechtigt, sofern sie lesen und schreiben können, außerdem männliche Analphabeten, sofern sie über 30 Jahre alt sind. Insgesamt sind damit rund 27 % der italienischen Bevölkerung wahlberechtigt. 18. Oktober: Der Italienisch-Türkische Krieg endet nach Friedensverhandlungen in Ouchy bei Lausanne. Das Osmanische Reich verzichtet im Frieden von Ouchy auf seinen nordafrikanischen Besitz Tripolitanien, Kyrenaika und Fessan (im heutigen Libyen) sowie auf den Dodekanes zu Gunsten des Königreiches Italien.

Balkan

13. März: Das Königreich Serbien und das Zarentum Bulgarien schließen ein geheimes Defensivbündnis, aus dem der gegen das Osmanische Reich gerichtete Balkanbund erwächst. Am 12. Mai wird das Defensivbündnis auf ein Militärbündnis erweitert. 12. Mai: Das Königreich Griechenland (Megali Idea) und Bulgarien schließen in Sofia ein gegen das Osmanische Reich gerichtetes Bündnis. Später folgt eine ähnliche Vereinbarung zwischen Bulgarien und dem Königreich Montenegro. September: Unter dem Vorsitz von Sir Edward Grey beginnt im Londoner St James’s Palace die Londoner Botschafterkonferenz. Es treffen sich die Gesandten der sechs europäischen Großmächte Russland, Österreich-Ungarn, Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, um zwischen dem Balkanbund und dem Osmanischen Reich zu vermitteln. Es geht insbesondere um die Zukunft Albaniens. 8. Oktober: Nachdem das Osmanische Reich die ultimative Forderung des mittlerweile aus Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland bestehenden Balkanbundes nach Autonomie für Albanien und Altserbien zurückgewiesen hat, beginnt mit der Kriegserklärung Montenegros der Erste Balkankrieg. 16. Oktober: Das Osmanische Reich erklärt Bulgarien den Krieg. 17. Oktober: Serbien, Bulgarien und Griechenland erklären dem Osmanischen Reich den Krieg.

mini|Im Ersten Balkankrieg durch den Balkanbund eroberte Gebiete 21. Oktober: Griechenland besiegt die osmanischen Streitkräfte beim Sarantaporos-Fluss. 24. Oktober: Die Griechen marschieren in Kozani ein. Die Bulgaren erobern Kirk Kilisse. 26. Oktober: Die Griechen marschieren in Thessaloniki ein.

mini|links|Osmanische Truppen auf dem Rückzug bei Lüleburgaz 29. Oktober: Während des Ersten Balkankriegs beginnt die bis zum 2. November dauernde Schlacht von Lüleburgaz, die mit einem Sieg der bulgarischen Armee unter Iwan Fitschew endet, die es jedoch versäumt, die osmanischen Truppen zu verfolgen, die sich daraufhin bei Çatalca vor Konstantinopel eingraben können. Die Schlacht ist die größte Schlacht in Europa seit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. 31. Oktober: Der griechischen Armee gelingt ein neuerlicher Sieg bei Giannitsa. 3./4. November: Serbien besiegt das Osmanische Reich bei Kumanovo. 7. November: Die griechische Armee marschiert in Saloniki ein. Es kommt zu ersten Auseinandersetzungen mit den wenige Stunden später eintreffenden bulgarischen Einheiten. 17./18. November: Bulgarien versucht vergeblich, Konstantinopel einzunehmen. 25. November: Ioannina wird von griechischen Einheiten eingeschlossen.

mini|links|Unabhängigkeitserklärung Albaniens in Vlora mini|Flagge der provisorischen Regierung Albaniens 28. November: Ismail Qemali ruft gemeinsam mit Isa Boletini und Luigj Gurakuqi in Vlora die Unabhängigkeit Albaniens aus und hisst auf dem Balkon die Flagge mit Skanderbegs Doppeladler. 29. November: Serbische Streitkräfte marschieren in Monastir ein. 3. Dezember: In der türkischen Stadt Çatalca wird ein vorläufiger Waffenstillstand im Ersten Balkankrieg von der Türkei, Bulgarien, Serbien und Montenegro unterzeichnet. 16. Dezember: Bei der Londoner Botschafterkonferenz wird die Loslösung Albaniens vom Osmanischen Reich von Europas Großmächten anerkannt.

Deutsches Reich

mini|links|Die Ergebnisse der Reichstagswahl nach Wahlkreisen 12. Januar: Bei der Reichstagswahl zum 13. Deutschen Reichstag verdoppeln die Sozialdemokraten ihre Sitze und werden trotz der Verzerrung durch das Mehrheitswahlrecht stärkste Fraktion. Antisemitische Kreise prägen daraufhin den Kampfbegriff der „Judenwahl“. Das zersplitterte bürgerliche Lager rückt zusammen und kann unter Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg wieder die Regierung bilden. 8. Februar: In Berlin beginnt der britische Kriegsminister Richard Burdon Haldane mit Kanzler Hollweg Gespräche zur Entschärfung der Flottenrivalität, die ergebnislos bleiben, weil Flottenadmiral Alfred von Tirpitz eine britische Neutralitätsgarantie und damit de facto die Auflösung der Triple Entente mit Frankreich und Russland fordert. 11. März: Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet: Militär wird eingesetzt, so dass der Ausstand am 19. März abgebrochen werden muss. 14. Mai: Der Deutsche Reichstag billigt eine neue Flottenvorlage, die u. a. den Bau von 41 Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern vorsieht.

mini|Die Demonstrations-Wagenfahrt, im Bild links Anita Augspurg (mit x gekennzeichnet) 24. September: In München findet eine Demonstrationsfahrt für das Frauenstimmrecht statt. 13. Oktober: In Hoyerswerda wird die Domowina als Dachverband der Lausitzer Sorben gegründet. 8. Dezember: Beim Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 Kaiser Wilhelms II. mit der militärischen Führungsspitze wird über einen zukünftigen Krieg gegen Russland, Frankreich und Großbritannien beraten. 8. Dezember: Der Dreibund zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien wird um sechs Jahre verlängert. 12. Dezember: Nach dem Tod von Luitpold von Bayern wird sein Sohn Ludwig III. neuer Prinzregent in Bayern. Er regiert für seinen geisteskranken und regierungsunfähigen Cousin Otto. Der Ministerrat berät über eine Königsproklamation für Ludwig, die aber auf das nächste Jahr hinausgeschoben wird.

Großbritannien und Irland

13. April: Im Vereinigten Königreich wird das Royal Flying Corps gegründet, der Vorläufer der Royal Air Force. 13. Mai: Die Ballon-Einheit der Royal Engineers wird dem Royal Flying Corps unterstellt. 28. September: Aus Protest gegen die Home-Rule-Politik der britischen Regierung unterzeichnen zahlreiche irische Unionisten in Belfast den Belfast Covenant. Der erste Unterzeichner ist Edward Carson.

Frankreich/Marokko

14. Januar: Raymond Poincaré wird zum ersten Mal französischer Ministerpräsident und gleichzeitig Minister des Auswärtigen.

mini|hochkant|Französisch-Marokko und das spanische Einflussgebiet 30. März: Nach der Beilegung der Zweiten Marokkokrise mit dem Deutschen Reich durch den Marokko-Kongo-Vertrag vom 4. November 1911 errichtet Frankreich mit dem Vertrag von Fès mit Sultan Mulai Abd al-Hafiz ein Protektorat über Marokko. Rabat wird neue Hauptstadt Französisch-Marokkos. 27. November: Nach Abschluss eines Vertrages mit Frankreich erhält Spanien ein Einflussgebiet im Norden Marokkos. Um Tanger wird ein internationales entmilitarisiertes Gebiet eingerichtet.

Portugal und seine Kolonien

30. Januar: Nach einem Militäreinsatz gegen streikende Landarbeiter beginnt ein Generalstreik in Portugal. Es kommt zu Straßenschlachten in Lissabon. 24. Februar: António José de Almeida tritt aus der traditionellen republikanischen Partei Partido Republicano Português (PRP) aus und gründet den liberalen Partido Republicano Evolucionista (PRE). 26. Februar: Brito Camacho gründet den konservativen Partido Unionista, eine weitere Abspaltung vom Partido Republicano. Der verbleibende linksliberale Flügel des PRP unter der Führung von Afonso Augusto da Costa nennt sich ab diesem Zeitpunkt Partido Democrático.