zentriert|350px|Kriegserklärung Woodrow Wilsons an das Deutsche Reich Die Vereinigten Staaten treten in den Ersten Weltkrieg ein. zentriert|163px|Nikolaus II. nach seiner Abdankung und Internierung Der russische Zar Nikolaus II. wird durch die Februarrevolution gestürzt. zentriert|177px|Porträt Lenins in der Schweiz vor seiner Abreise Wladimir Iljitsch Lenin reistim plombierten Zugvon Zürich nach Petrograd. zentriert|350px|Kundgebung der Arbeiter- und Soldatenräte auf dem Verkündigungsplatz in Nischni Nowgorod, Oktober 1917 Mit der Oktoberrevolutionübernehmen die Bolschewiki die Macht in Russland. 1917 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1365/66 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1909/10 (10./11. September) Baha'i-Kalender 73/74 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1322/23 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2460/61 (südlicher Buddhismus); 2459/60 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr der Feuer-Schlange 丁巳 (am Beginn des Jahres Feuer-Drache 丙辰) Chuch’e-Ideologie (Nordkorea) Chuch’e 6 Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1279/80 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4250/51 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1295/96 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1335/36 (17./18. Oktober) Japanischer Kalender Taishō 6 ();Kōki 2577 Jüdischer Kalender 5677/78 (16./17. September) Koptischer Kalender 1633/34 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1092/93 Minguo-Kalender (China) Jahr 6 der Republik Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1332/33 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2227/28 (Jahreswechsel April) Syrien: 2228/29 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2459/60 (1. April) Tibetischer Kalender 1663 Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1973/74 (April)

Das Jahr 1917 ist von den internationalen Ereignissen bestimmt, die sich vor dem prägenden Hintergrund des Ersten Weltkrieges ereignen. Der durch die uneingeschränkte U-Boot-Kriegsführung des Deutschen Kaiserreiches und die Anfang des Jahres abgefangene Zimmermann-Depesche an Mexiko ausgelöste Kriegseintritt der Vereinigten Staaten auf Seiten der Entente begründet den langsamen Aufstieg von einer industriellen Großmacht zu einer politischen Weltmacht. Die verstärkte Panzerkriegsführung der Entente sowie ihr Überhang an Material und Truppen lässt die strategische Initiative auf sie übergehen.

Im Russischen Kaiserreich führen die sozialen und politischen Spannungen zum Sturz der herrschenden Zarenfamilie Romanow in der Februarrevolution, deren Repräsentanten ihrerseits von der Oktoberrevolution und dem anschließenden Bürgerkrieg gestürzt werden. Die Errichtung eines Rätesystems, der UdSSR, legt den Keim für den Ost-West-Konflikt und lässt Russland in den nächsten Jahrzehnten zu einer Weltmacht kommunistischen Entwurfs wachsen.

Die politischen und sozioökonomischen Umwälzungen, die das Kriegsgeschehen den beteiligten Ländern abverlangt, markieren das Ende des sogenannten „langen 19. Jahrhunderts“, den Bruch monarchischer Tradition hin zur Politisierung der Massen. Aufgrund dieser vielschichtigen Erscheinungen, die dem Jahr 1917 insgesamt Zäsurcharakter verleihen, wird es auch als Epochenjahr bezeichnet.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Siehe auch: Monatsübersichten für November und Dezember Erster Weltkrieg

Politische und diplomatische Entwicklungen

mini|links|hochkant|Zimmermann-Depesche 16. Januar: Arthur Zimmermann, der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amts, übermittelt ein verschlüsseltes Telegramm an den deutschen Botschafter in Washington, Johann Heinrich von Bernstorff. Dieser leitet die Zimmermann-Depesche am 19. Januar an den deutschen Botschafter in Mexiko, Heinrich von Eckardt, weiter. Darin wird Mexiko vom Deutschen Reich ein Bündnis für den Fall des Kriegseintritts der Vereinigten Staaten vorgeschlagen. Deutschland stellt Mexiko Unterstützung für die Wiedergewinnung des 1848 im Vertrag von Guadalupe Hidalgo an die Vereinigten Staaten verlorenen Gebiets in Aussicht. Das Telegramm wird vom britischen Marinegeheimdienst Room 40 unter der Leitung von William Reginald Hall abgefangen und in den nächsten Wochen entziffert. 22. Januar: US-Präsident Woodrow Wilson proklamiert in einer Rede vor dem Kongress der Vereinigten Staaten den „Frieden ohne Sieg“. 30. Januar: Die Oberste Heeresleitung gründet das Bild- und Filmamt („BUFA“); dieses betreibt psychologische Kriegsführung und Propaganda im Ersten Weltkrieg.

1. Februar: Auf Drängen der Obersten Heeresleitung nimmt das Deutsche Reich mit kaiserlicher Zustimmung den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf. Die Vereinigten Staaten brechen daraufhin am 3. Februar die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Kaiserreich ab. Botschafter Johann Heinrich von Bernstorff wird ausgewiesen. 1. März: US-Außenminister Robert Lansing gibt der Presse Details der im Januar abgefangenen Zimmermann-Depesche bekannt.

mini|links|Wilsons zweite Inauguration 1917 4. März: US-Präsident Woodrow Wilson tritt seine zweite Amtszeit an. 6. April: Die Vereinigten Staaten erklären Deutschland den Krieg. 7. April: In seiner Osterbotschaft stellt der deutsche Kaiser Wilhelm II. nach dem Ende des Krieges Verfassungsänderungen in Aussicht, bei der auch das preußische Dreiklassenwahlrecht durch ein geheimes und direktes Wahlrecht ersetzt werden soll. 13. April: In den Vereinigten Staaten wird durch Executive Order als Propagandainstrument das Committee on Public Information gegründet. 23. April: In Lettland wird die Demokratische Partei russischer Bürger deutscher Nationalität gegründet.

mini|links|hochkant|Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff in Bad Kreuznach 1917 23. April: Die Kreuznacher Kriegszielkonferenz zwischen der deutschen Reichsleitung unter Kanzler Theobald von Bethmann Hollweg und der Obersten Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff findet im Großen Hauptquartier der dritten Obersten Heeresleitung in Kreuznach statt. Das daraus resultierende Kreuznacher Programm enthält weitreichende Forderungen an Annexionen im Westen wie im Osten. Am 17. und 18. Mai folgt eine zweite Konferenz, auf der die Kriegsziele mit Österreich-Ungarn vereinbart werden. April: In Japan wird das Kriegsgefangenenlager Bandō errichtet. 7. Mai: John J. Pershing wird zum Oberbefehlshaber der neu gegründeten American Expeditionary Forces ernannt. 18. Mai: Woodrow Wilson unterzeichnet den Selective Service Act, mit dem die Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten eingeführt wird. 21. Mai: Die britische Imperial War Graves Commission für die Pflege von Kriegsgräbern wird gegründet. 30. Mai: Der österreichische Reichsrat tritt – von Kaiser Karl I. einberufen – zum ersten Mal seit 1914 wieder zusammen.

2. bis 19. Juni: Stockholmer Friedenskonferenz von 1917 11. Juni: König Konstantin I. von Griechenland dankt auf Druck Frankreichs ab und geht mit dem Kronprinzen Georg ins Exil in die Schweiz. Neuer König wird sein zweiter Sohn Alexandros. Die Gegenregierung unter Eleftherios Venizelos tritt am 29. Juni auf Seiten der Entente in den Krieg ein. 15. Juni: In den Vereinigten Staaten wird der Espionage Act beschlossen, der die Offenlegung von militärischen Informationen unter Strafe stellt. 23. Juni: Heinrich Clam-Martinic tritt als österreichischer Ministerpräsident zurück. Zu seinem Nachfolger wird Ernst Seidler von Feuchtenegg ernannt. Zur Lösung der Nationalitätenprobleme Cisleithaniens strebt Seidler trotz Bedenken gegen den Trialismus eine Verfassungsreform an, bei der unter Beibehaltung der Kronländer möglichst national einheitliche Kreise mit eigener Autonomie geschaffen werden sollen. Damit entsteht ein zunehmender Gegensatz zum autoritär agierenden Außenminister Graf Ottokar Czernin. 6. Juli: Die Mehrheitsfraktionen im Reichstag des Deutschen Kaiserreiches, Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Fortschrittliche Volkspartei (FVP) und der Deutschen Zentrumspartei, bilden als inoffizielles Gremium den Interfraktionellen Ausschuss. Unmittelbarer Gründungsanlass ist die Reichstagsdebatte über die Abfassung einer Friedensresolution, die der Abgeordnete Matthias Erzberger mit seiner Rede während der Sitzung des Hauptausschusses des Reichstages am Vormittag angestoßen hat. 6. Juli: Die Mehrheit des kanadischen Unterhauses nimmt den Military Service Act an. Fast alle englischsprachigen Abgeordneten stimmen für das Gesetz, sämtliche frankokanadischen Abgeordneten dagegen. Ab 1. Januar 1918 versucht die Regierung, die Wehrpflicht durchzusetzen. 9. Juli: Bei der Eidkrise verweigern mehrere Einheiten der Polnischen Legionen den Treueeid gegenüber dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Tausende Legionäre werden daraufhin degradiert oder interniert. Die rund 1100 Legionäre, die den Eid geleistet haben, werden in die im April neuaufgestellte Polnische Wehrmacht integriert. 13. Juli: Kaiser Wilhelm II. entlässt auf Druck der Obersten Heeresleitung Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, der sich für ein allgemeines und gleiches Wahlrecht ausgesprochen und den uneingeschränkten U-Boot-Krieg kritisiert hat; dessen Nachfolger wird Georg Michaelis. Die eigentliche Macht liegt mittlerweile jedoch bei Generalquartiermeister Erich Ludendorff.

17. Juli: Aufgrund der anti-deutschen Stimmung während des Ersten Weltkrieges legt der britische König George V. seinen Familiennamen Sachsen-Coburg und Gotha ab und nennt sich fortan Windsor. 19. Juli: Der deutsche Reichstag verabschiedet die Friedensresolution, die einen Verständigungsfrieden zur Beendigung des Ersten Weltkrieges fordert.

mini|links|hochkant|Seite 2 der Deklaration mit den Unterschriften 20. Juli: Mit der Deklaration von Korfu wird der Weg für die Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen unter der Herrschaft der Karađorđević-Dynastie geebnet. Sie wird vom serbischen Außenminister Nikola Pašić und Ante Trumbić, dem Vorsitzenden des Jugoslawischen Komitees, einer im Exil gegründeten Vereinigung von südslawischen Politikern aus der Habsburger-Monarchie auf Korfu unterzeichnet. Die Entente-Mächte Großbritannien und Frankreich unterstützen die Erklärung. 1. August: Das Apostolische Schreiben Dès le début stellt den Höhepunkt der Friedensbemühungen von Papst Benedikt XV. dar. Es stößt bei den Kriegsparteien auf geringe Resonanz. 1. November: Der deutsche Reichskanzler Georg Michaelis tritt nach drei Monaten im Amt zurück, Nachfolger wird Georg von Hertling.

mini|Bild von Balfour und seiner Deklaration 2. November: In der Balfour-Deklaration sagt der britische Außenminister Arthur Earl of Balfour dem Vertreter der zionistischen Bewegung Lord Rothschild Land in Palästina zur Gründung einer zionistischen „nationalen Heimstätte“ zu. Die seit Ende des Vorjahres im Amt befindliche britische Regierung unter David Lloyd George verspricht sich von der Zusage Vorteile in der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen während des Krieges und langfristige strategische Vorteile. 7. November: Frankreich, Großbritannien und Italien bilden auf der Konferenz von Rapallo den Alliierten Obersten Kriegsrat. 28. November: Leo Trotzki macht den Kriegsparteien einen Vorschlag für einen Waffenstillstand. Während die Entente ablehnt, stimmen die Mittelmächte zu. 7. Dezember: Die Vereinigten Staaten erklären Österreich-Ungarn den Krieg.

mini|links|Unterzeichnung des Waffenstillstands 9. Dezember: In Brest-Litowsk treffen sich die Delegationen Russlands und der Mittelmächte erstmals zu Waffenstillstandsverhandlungen. Trotz gegenseitiger persönlicher Abneigung der Verhandlungsführer wird am 15. Dezember ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.

mini|Karte der Wahl 1917