Rheine ist eine große kreisangehörige Stadt in Westfalen an der Ems und mit Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2025) die größte Stadt im Kreis Steinfurt sowie nach der kreisfreien Stadt Münster die zweitgrößte Stadt im Münsterland. Die einheimischen Bürger nennen sich Rheinenser.
Geographie Lage Die Stadt im westfälischen Emsland liegt an der nördlichen Grenze der westfälischen Tieflandbucht und wird von der Ems geteilt.
Etwa 40 km südöstlich von Rheine entfernt liegt Münster, 45 km östlich Osnabrück und 40 km westlich Enschede. Die Stadt in Nordrhein-Westfalen grenzt im Norden an Niedersachsen.
Nachbargemeinden Rheine grenzt im Norden an die Gemeinden Salzbergen und Spelle im Landkreis Emsland in Niedersachsen; im Osten grenzt Rheine in Westfalen an die Stadt Hörstel im Tecklenburger Land, im Süden an Emsdetten und im Westen an die Gemeinde Neuenkirchen.
Naturgeographie im Raum der Stadt Rheine mini|Blick vom östlichen (rechten) Ufer der Ems auf das Emswehr und die Innenstadt. Das Gebäude rechts oben ist die Stadtkirche, St. Dionysius.
Der Fluss Ems durchfließt die Stadt von Süden nach Norden in Richtung Nordsee. Im Raum Rheine münden in die Ems der Elter Mühlenbach, der Frischhofsbach, der Frische- oder Wambach, der Hemelter Bach, Krafelds Bächsken und der Randelbach.
Quer zur Fließrichtung der Ems verläuft der Stadtberg, der sich westlich der Ems (Rheine links der Ems) als Thieberg fortsetzt. Beide Höhenzüge bestehen aus Muschelkalkgestein, das sich in der Kreidezeit vor etwa 70 Millionen Jahren abgelagert hat. Der Fluss durchbricht diese Randhöhen an einer tektonischen Schwachstelle, an der er sich allerdings nicht tief eingegraben hat. So weist die Ems an dieser Stelle lediglich eine Untiefe mit festem Felsgrund auf, die wohl von jeher als Furt genutzt wurde. Nur wenige hundert Meter nördlich und südlich der Furt nahm der Überflutungsbereich der Ems vor ihrer Verbauung eine Breite von 500 Metern ein. An der Furt verengt sich die Flussaue auf nur 50 Meter. Beiderseits der Furt ragen mehr als fünf Meter hohe, steile Uferwälle auf.
Im Süden der Stadt liegt der Waldhügel, mit die höchste Erhebung im Stadtgebiet. In den Niederungen zwischen Stadtberg, Thieberg und Waldhügel und in der Flussaue entstanden durch hohe Grundwasserstände die sogenannten Gleyböden, für die ein ursprünglicher Bewuchs mit Weiden und Erlen typisch ist. Auf dem Stadtberg, Thieberg und Waldhügel dominierten Kalkbraunerden, auf denen Buchenwälder gediehen. Der übrige Raum wird im Wesentlichen bestimmt von graubraunem und schwarzgrauem Plaggenesch über Böden aus Flugsand und sandigen Flussablagerungen; hier ist ein Eichen-Buchen-Mischwald für die ursprüngliche Vegetation typisch. Als Besonderheit finden sich östlich der Ems ausgedehnte, heute überwachsene Dünenfelder, die der damals wie heute vorherrschende Westwind aus Sandablagerungen der Saaleeiszeit aufgetürmt hat.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gebiet der Stadt Rheine liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.
Die Stadt liegt im Tal der Ems am Übergang vom Münsterland zum Emsland. Das Stadtgebiet wird wesentlich durch die Ems, die das Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten durchquert, und ihre Niederungslandschaft geprägt. Daneben bestehen zahlreiche Nebenbäche, Altgewässer, Feuchtgrünländer und kleinere Moor- beziehungsweise Bruchlandschaften. Im Bereich Rheines weist die Ems sowohl naturnahe Abschnitte als auch durch wasserbauliche Maßnahmen geprägte Bereiche auf. Die Emsaue umfasst Altarme, Ufergehölze, Röhrichte und Feuchtwiesen und besitzt hohe Bedeutung für den regionalen Biotopverbund.
Zu den bedeutenderen Nebengewässern gehören die Wapel, der Hemelter Bach, der Elter Mühlenbach, der Frischhofsbach, der Frische- oder Wambach, Krafelds Bächsken und der Randelbach sowie kleinere Zuflüsse und Entwässerungsgräben. Mehrere Bäche entspringen in feuchten Niederungs- oder Waldgebieten und münden in die Ems. Historisch wurden viele dieser Gewässer durch Mühlenstaue, Begradigungen und Entwässerungsmaßnahmen verändert.
Feuchtgebiete finden sich in der Emsaue sowie in den Niederungs- und Bruchlandschaften des Stadtgebietes. Charakteristisch sind Nass- und Feuchtgrünländer, Weichholzauen, Röhrichte, Tümpel und periodisch überflutete Senken.
Kleinere Moor- und Bruchwaldreste sowie vermoorte Niederungen gehören zur historischen Landschaftsausstattung des nördlichen Münsterlandes. Besonders bekannt ist das Wald- und Feuchtgebiet Bentlager Wald (ST 106) mit auentypischen Feuchtflächen entlang der Ems.
Von naturschutzfachlicher Bedeutung sind unter anderem die Emsauen bei Rheine sowie mehrere geschützte Feuchtgebiete und Auenbereiche im Umfeld des Klosters Bentlage. Renaturierungsmaßnahmen dienen dort der Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsflächen und der Verbesserung der Gewässerökologiehttps://www.rheine.de/leben-freizeit/umwelt-klima.
Klima In der Region um Rheine beträgt die mittlere Jahrestemperatur etwa neun Grad. Die durchschnittlichen jährlichen Niederschläge liegen zwischen 700 und 900 Millimeter, wobei ein sommerliches Niederschlagsmaximum sowie ein zweites, winterliches Maximum zu verzeichnen sind.
Es herrscht im Großen ein maritim, vom Atlantischen Ozean beeinflusstes Seeklima vor, das heute durch kühle Sommer und milde Winter geprägt ist.
Stadtteile mini|Karte der Stadt Rheine aus dem Jahre 1842 vor ihrem Wachstum im Zuge der Industrialisierung, Maßstab 1:25000
Rheine wuchs im Zuge der Industrialisierung (Textilindustrie) und durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes. In den Bauerschaften außerhalb der Stadtgrenzen (Dutum, Wadelheim und Bentlage links der Ems, Altenrheine, Eschendorf und Gellendorf rechts der Ems) wurden landwirtschaftlich genutzte Flächen bebaut. 1927 wurde das vormals kleine Stadtgebiet (im Wesentlichen die heutige Innenstadt) durch eine Grenzänderung verdreifacht.
Eine einheitliche Gliederung des Stadtgebietes existiert nicht, für verschiedene Zwecke werden verschiedene Gliederungen verwendet. Die Stadtteile bilden keine Verwaltungseinheiten. Für Planungszwecke gibt es eine statistische Abgrenzung, die die Stadtteile in zehn Gebiete zusammenfasst. Die Stadt Rheine hat elf beratende Stadtteilbeiräte, die aus Vertretern von 19 Stadtteilen gebildet werden. Der interaktive Stadtplan zeigt 13 Stadtteile bzw. Stadtbezirke. Für statistische Zwecke gibt es eine Einteilung in 18 statistische Bezirke. Für Planungszwecke gibt es individuelle Festlegungen, z. B. die Definition von 19 Ortslagen. Insgesamt sind in diesen Dokumenten 21 Stadtteile definiert:
mini|hochkant=2|Übersichtskarte von Rheine Innenstadt Die alten Bauerschaften links der Ems Bentlage (Nordwest) Wadelheim (West) Dutum (Südwest) Catenhorn (Bauerschaft bei Hauenhorst, heute kleinster Stadtteil)
Die alten Bauerschaften rechts der Ems Altenrheine (Nordost, bestehend aus Baarentelgen, Gresbrock, Möllerhock und der Siedlung Altenrheine) Eschendorf (Ost, heute der Stadtteil mit der höchsten Einwohnerzahl, mit dem Baugebiet Eschendorfer Aue) Gellendorf (Südost, mit der Gartenstadt Gellendorf)
Eingemeindete Dörfer (Eingemeindung 1. Januar 1975) Rodde (als Teil der Gemeinde Rheine rechts der Ems) Mesum (ehem. Gemeinde) Elte (ehem. Gemeinde) Hauenhorst (ursprünglich Bauerschaft links der Ems, mit dem Bau der Eisenbahn zum Dorf gewachsen)
Neue Siedlungen Schotthock (entstanden als Werkssiedlung der Textilindustrie, nordöstlich der Innenstadt) Dorenkamp (südwestlich der Innenstadt, größte Siedlung mit relativ dichter Bebauung) Kanalhafen (Siedlung und Gewerbegebiet am Dortmund-Ems-Kanal, wird in der Regel als Teil von bzw. gemeinsam mit Rodde ausgewiesen)
Je nach Zweck der Gliederung werden noch folgende kleinere Stadtteile benannt: Baarentelgen (das größte Industriegebiet der Stadt, im Industriegebiet Altenrheine, nördlich von Schotthock) Hörstkamp (Ortslage südlich der Innenstadt, am Jakobi-Krankenhaus) Schleupe (westlich der Innenstadt, zwischen der Bahnstrecke nach Emden und der Bahnstrecke nach Ochtrup) Stadtberg (Siedlung auf dem Höhenzug rechts der Ems, nördlich der Altenrheiner Straße) Südesch (Ortslage zwischen Innenstadt und Gellendorf, dazu gehört die Werkssiedlung Weißenburg) Wietesch (nördlich der Innenstadt, links der Ems)
Nicht als Stadtteile i. e. S. gelten: Darbrook (Wohngegend südlich von Dutum) Thieberg (Höhenzug links der Ems, Fortsetzung des Stadtbergs) Gartenstadt Gellendorf (gegründet auf einem ehemaligen Kasernengelände südlich von Gellendorf) Eschendorfer Aue (neues Wohngebiet im Süden von Eschendorf) Wohnpark Dutum (Baugebiet in Dutum) Ellinghorst (Wohngegend in Bentlage beim Zoo) Heine (Bauerschaft nördlich von Elte)
Die Namen der alten Bauerschaften sind teilweise noch gebräuchlich, im offiziellen Sprachgebrauch aber verschwunden, bzw. sie werden noch als Straßenname verwendet. Beispiele: Kloddenhook und Uhlenhook (zu Wadelheim), Nahrodde und Fernrodde (Rodde), Aussenhook, Möllerhook, Baarentelgen und Gresbrock (Altenrheine), Austenhook, Birkhook und Brüggerhook (Catenhorn), Nasigerhook (Mesum), Brochtrup (Hauenhorst), Heine und Feldkante (Elte).
Wahlbezirke Rheine hat 22 Wahlbezirke: Baarentelgen(Altenrheine)/Schotthock-Nord Altenrheine Schotthock-West Schotthock-Ost Stadtberg Rheine-Ost Eschendorf Eschendorf-West/Innenstadt-Ost Rodde/Kanalhafen/Eschendorf-Ost Südesch/Gellendorf-Nord Elte/Gellendorf-Süd Mesum-Süd Mesum-Nord Hauenhorst-Ost/Mesum-West Hauenhorst-West/Catenhorn/Darbrook Innenstadt-West/Hörstkamp Dorenkamp-Süd Dorenkamp Dutum Schleupe/Thieberg Wadelheim/Bentlage-West Wietesch/Bentlage-Ost
Stadtteilbeiräte Die elf Stadtteilbeiräte sind wie folgt zusammengesetzt Stadtteilbeirat Altenrheine Stadtteilbeirat Bentlage/Wadelheim/Wietesch/Schleupe Stadtteilbeirat Dutum/Dorenkamp Stadtteilbeirat Elte Stadtteilbeirat Eschendorf Stadtteilbeirat Gellendorf/Südesch Stadtteilbeirat Hauenhorst/Catenhorn Stadtteilbeirat Innenstadt/Hörstkamp Stadtteilbeirat Mesum Stadtteilbeirat Rodde/Kanalhafen Stadtteilbeirat Schotthock
Einwohnerzahlen Stadtteile Ort Einwohner* Altenrheine 2.030 Bentlage 2.297 Catenhorn 624 Dutum / Dorenkamp 13.962 Elte 2.193 Eschendorf 12.774 Gellendorf 2.763 Hauenhorst 3.641 Innenstadt 2.937 Mesum 8.777 Wadelheim / Schleupe 7.513 Schotthock** 9.421 * Stand Oktober 2024, ** Rodde inkl. Kanalhafen, Schotthock inkl. Altenrheine-Baarentelgen
Geschichte Vor- und Frühgeschichte des Siedlungsraumes Rheine mini|Gedenktafel an der ehemaligen Emsfurt
Archäologische Funde (Großsteingrab von Rheine-früher Altenrheine, heute im Schotthock) zeugen davon, dass der Raum um Rheine bereits ab der mittleren Jungsteinzeit, etwa um 3200 v. Chr., besiedelt war. Weitere Besiedlungen (600 bis 500 v. Chr.) sind durch Ausgrabungen im Stadtteil Altenrheine belegt, der auf dem heutigen Stadtberg, rechts der Ems, gelegen ist. In Altenrheine wurde bei Ausgrabungen ein Hünengrab aus Findlingsblöcken dokumentiert, ferner der etwa 3500 Jahre alte Abdruck eines Leichnams geborgen (zu sehen im Falkenhof-Museum). Links der Ems, im Bereich des heutigen Stadtzentrums, wurden bei Grabungen im Sommer 2018 auch Siedlungsspuren aus der Trichterbecherkultur und der vorrömischen Eisenzeit entdeckt.lwl.org, abgerufen am 1. Januar 2019