Sankt Augustin (auch St. Augustin) ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie entstand bei der nordrhein-westfälischen Gebietsreform 1969 durch die Auflösung des Amtes Menden und liegt im Verdichtungsraum Bonn. Namensgeber ist der Schutzpatron der ansässigen Steyler Missionare, der heilige Augustinus (354–430). Sankt Augustin gehört zur Wirtschaftsregion Bonn/Rhein-Sieg sowie zur Wissenschaftsregion Bonn und ist mit über 55.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Rhein-Sieg-Kreis.
Geographie mini|Hangelarer Heide mini|Sieg und A560 in Sankt Augustin
Sankt Augustin liegt im Südosten der Kölner Bucht, genauer in der Siegniederung (bzw. auf der angrenzenden Mittelterrasse), einem weitgehend ebenen Bereich zwischen der Siegmündung in den Rhein und den Ausläufern des Bergischen Landes im Norden sowie im Süden dem Pleiser Hügelland, an dem die Stadt einen Anteil hat. Im Westen grenzt sie ohne geographische Trennung an den Bonner Stadtbezirk Beuel an, im Norden bildet der Unterlauf der Sieg eine natürliche Grenze zu Troisdorf und Siegburg, und der Beginn des Hügellandes markiert grob die Grenzen zu Hennef im Osten, Königswinter im Südosten und Bonn im Südwesten. Seinen höchsten Punkt erreicht das Stadtgebiet mit gut im Birlinghovener Wald nahe Schloss Birlinghoven, seinen niedrigsten mit gut Angabe gemäß Deutscher Grundkarte 1:5.000 am Siegufer beim Ortsteil Meindorf.Zahlen – Daten – Fakten, Stadt Sankt Augustin.
Die Ortsteile Hangelar, Sankt Augustin-Ort, Niederpleis und Mülldorf liegen entlang der Verbindungslinie Bonn–Siegburg. Sie bilden den bis auf kleinere Freiflächen durchgängig bebauten Hauptteil der Stadt. Menden und Meindorf im Norden, Buisdorf im Osten und Birlinghoven im Süden sind durch größere Wiesen, Felder und im Falle Birlinghovens durch einen Wald abgesetzt. In Niederpleis erhält die Sieg ihren letzten linken Zufluss, den Pleisbach.
Stadtgliederung Sankt Augustin besteht aus acht Stadtbezirken, die nach der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung über eigene Ortsvorsteher verfügen.
Stadtbezirk Einwohner Flächein km² Birlinghoven 1.952 3,2 Buisdorf 3.275 3,5 Hangelar (mit Niederberg) 9.195 6,7 Meindorf 2.929 2,1 Menden 10.229 7,2 Mülldorf 9.386 2,1 Niederpleis (mit Schmerbroich) 12.315 6,9 Sankt Augustin-Ort 6.556 2,6
Größte Nord-Süd-Ausdehnung: (Menden – Birlinghoven) ca. 6,8 km Größte Ost-West-Ausdehnung: (Meindorf – Buisdorf) ca. 8,5 km Länge der Stadtgrenze: 30,86 km.
Geologie Der Untergrund besteht im Großteil des Stadtgebietes aus geologisch jungen (erst im Quartär entstandenen) Kies- und Sandablagerungen. Die Oberfläche bildet eine 0,5 bis 2 m dicke Hochflutlehmschicht, die in der Nähe der Flüsse und Bäche abgewaschen ist, die Aueböden sind somit nährstoffärmer. In den höheren Lagen im Südosten dominieren Sande, Tone und Tuffe mit einer bis zu 15 m dicken, für die Landwirtschaft sehr gut geeigneten Lößdecke.
Bevölkerungsentwicklung Jahr18711939195519691977200020102018Einwohnerzahlhttps://www.sankt-augustin.de/cms123/unsere_stadt/stadtportrait/artikel/31201/4.50010.00017.00033.00047.00056.80057.10059.450
(Die Zahlen ab 1969 bezieht sich auf die kommunale Neugliederung und die Zahlen ab 2000 inkl. Nebenwohnsitz)
Geschichte Mittelalter In der Zeit vom 6. bis zum 9. Jahrhundert wurden die Herrschaftsgebiete der Franken in Gaue (Verwaltungsbezirke) eingeteilt. Das heutige Sankt Augustiner Stadtgebiet zählte zum Auelgau, der 722/723 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Der Sitz des Comes/Grafen war die Burg auf dem Michaelsberg in Siegburg.
In der Mitte des 11. Jahrhunderts kam es zu einem Machtkampf zwischen Pfalzgraf Heinrich und Erzbischof Anno II. von Köln. Als Anno den Pfalzgrafen besiegte, gründete er auf dem Michaelsberg ein Benediktinerkloster, die heutige Abtei Michaelsberg.
Das heutige Stadtgebiet war im Mittelalter ein ständiger Zankapfel zwischen den jeweils herrschenden Fürsten. Die Streitigkeiten zwischen dem Grafen von Sayn (Westerwald) und dem Grafen von Berg (Stammsitz bei Altenberg, später Burg an der Wupper) führten dazu, dass 1363 nach ursprünglicher Verpfändung die Herrschaft Blankenberg durch Nichteinlösung an den Grafen Wilhelm II. von Berg fiel.
Ende des 15. Jahrhunderts gehörte annähernd der gesamte heutige rechtsrheinische Rhein-Sieg-Kreis zum Herzogtum Berg. Dieses Herzogtum war verwaltungsmäßig in Ämter und diese in Honnschaften aufgeteilt.
Die Honnschaften Buisdorf, Mülldorf und Niederpleis waren dem Kirchspiel Niederpleis zugehörig, Meindorf, Obermenden und Niedermenden dem Kirchspiel Menden, Holzlar und Hangelar dem Kirchspiel Vilich und die Honnschaft Birlinghoven dem Kirchspiel Stieldorf. Sie alle zählten zum Amt Blankenberg.
19. Jahrhundert mini|Statue des Hl. Augustinus auf dem Karl-Gatzweiler-Platz (Marktplatte) im Zentrum, geschaffen von Yrsa von Leistner
Im Rahmen der Bildung des Rheinbundes kam das Herzogtum Berg 1806 unter französische Herrschaft. 1808 erfolgte eine einschneidende territoriale Neuordnung durch Napoleon. Die sogenannte Munizipalverwaltung wurde eingeführt. An der Spitze stand nunmehr ein Maire, ein Bürgermeister, der die kommunalen Geschäfte leitete. Nach dem Rückzug der französischen Truppen 1813 existierte für zwei Jahre lang eine provisorische Führung.
Im Jahre 1815 wurde das heutige Stadtgebiet vom Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugesprochen. Es zählte innerhalb der Rheinlande zur Provinz Jülich-Kleve-Berg und zum Kreis Siegburg (Zusammenlegung mit dem Kreis Uckerath 1825 zum Siegkreis) und nannte sich nunmehr Bürgermeisterei Menden (ab 1927 Amt Menden (Rheinland)).
20. Jahrhundert mini|Stadtstele auf dem Karl-Gatzweiler-Platz, Teil des Skulpturenweges
Das 20. Jahrhundert hat für das heutige Sankt Augustiner Stadtgebiet mehrere kommunale Gebietsänderungen aufzuweisen.
Am 1. Juli 1906 wechselte der Ort Zange von der Gemeinde Mülldorf zur Stadt Siegburg. 1927 wird der Ortsteil Deichhaus, der bis dahin zur Gemeinde Buisdorf gehörte, auch der Stadt Siegburg übergeben. Beide Gemeinden erhalten von der Stadt Siegburg finanzielle Entschädigungen für den Gebietsverlust.
1935 wurden die Gemeinden Ober- und Niedermenden zu Menden (Rheinland) zusammengelegt.
Folgende Gemeinden zählten nun zum Amt Menden: Buisdorf, Hangelar, Meindorf, Menden, Mülldorf, Niederpleis und Holzlar. Friedrich-Wilhelms-Hütte, das zur Gemeinde Menden gehörte, fiel bei der letzten kommunalen Neugliederung 1969 an Troisdorf und Holzlar an Bonn. Birlinghoven gehörte bis 1969 zur Gemeinde Stieldorf.
mini|Damalige Kleinbahn auf der Strecke Siegburg-Bonn, im Hintergrund das Kloster der Steyler Missionare (ca. 1920)
Am 17. Juli 1909 unternahm Fritz Pullig den ersten erfolgreichen Flugversuch in der Hangelarer Heide, wo in den folgenden Jahren der Flugplatz Bonn/Hangelar entstand. Die Siegburger Bahn der Bonner Stadtbahn wurde 1911 in Betrieb genommen. Bereits seit 1871 führte die Rechte Rheinstrecke durch Menden sowie die Hangelarer Heide, der Bahnhof Menden öffnete jedoch erst am 1. November 1912.General-Anzeiger vom 8. Oktober 1912, S. 10; Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, abgerufen am 3. September 2023.
Das Missionshaus St. Augustin der Steyler Missionare wurde 1913 errichtet, 1925 entstand dort die Philosophisch-Theologische Hochschule des Ordens.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das heutige Stadtgebiet von Sankt Augustin durch Fliegerbomben und später durch Artillerie schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ein beträchtlicher Teil der Zerstörung entstand in den letzten Kriegswochen durch deutsche Artillerie, als die Sieg südliche Frontlinie des Ruhrkessels war.Stadtarchiv Sankt Augustin: Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Amt Menden/Rheinland. In: Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 43, Siegburg 2005, , ISBN 3-935005-89-X Von 1949 bis zum Inkrafttreten des Deutschlandvertrags 1955 gehörten große Teile des heutigen Stadtgebietes zur Enklave Bonn, die unter gemeinsamer Verwaltung der Alliierten Hohen Kommission stand um den Aufbau von Bonn als provisorischer Hauptstadt zu gewährleisten. 1951 siedelte sich am Hangelarer Flugplatz der Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) an, seit deren Bestehen 1972 ist dort auch die Antiterror-Einheit GSG9 beheimatet.
In den 30er und 50er Jahren gab es bereits erfolglose Versuche, die Gemeinden des Amtes Menden zu einer Gemeinde zusammenzulegen. Im Zuge der Gebietsreform 1969 (Bonn-Gesetz) wurde diskutiert, das Gebiet des Amtes Menden auf die Städte Bonn, Siegburg und Troisdorf aufzuteilen. Man bevorzugte jedoch die Neugründung der Gemeinde Sankt Augustin am 1. August 1969 aus den bisher selbständigen Gemeinden Buisdorf, Hangelar, Meindorf, Menden (Rheinland) und Siegburg-Mülldorf. Gebietsteile von Beuel (Landkreis Bonn), Holzlar und Stieldorf kamen hinzu.
In den 1970er Jahren wurde auf dem Gebiet des Stadtteils Sankt Augustin-Ort ein Stadtzentrum mit Rathaus, Karl-Gatzweiler-Platz, Einkaufszentrum und zahlreichen weiteren Büro- und Gewerbegebäuden gebaut. In den 80er Jahren wurde dem Stadtzentrum noch ein Hotel und ein Ärztehaus hinzugefügt. Außerhalb des Karl-Gatzweiler-Platzes befinden sich noch das Technische Rathaus (ehemaliges Postgebäude), das Finanzamt Sankt Augustin, das Rhein-Sieg-Gymnasium mit Aula, die Kinderklinik und ein Seniorenheim.
In den 70er Jahren wurde das Schulzentrum Niederpleis gebaut, mit einer Sechsfachsporthalle, einem Hallenbad, einer Haupt- und Realschule sowie dem Albert-Einstein-Gymnasium.
Am 6. September 1977 erhielt die Gemeinde Sankt Augustin die Stadtrechte.
Mitte der 80er Jahre entstand die Autobahn A 560 entlang des alten Siegdammes. Sie verbindet seit 1988 die A 3 mit der A 59.Landschaftsverband Rheinland – Rheinisches Autobahnamt Köln: A 560 Bundesautobahn St. Augustin–Hennef, Köln 1988
Als weiteres großes Bauprojekt wurde die Zweigstelle der 1995 gegründeten Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Betrieb genommen. Das Hauptgebäude wurde 1999 eröffnet, ein Erweiterungsbau 2005.
21. Jahrhundert Am 11. Mai 2009 kam es am Albert-Einstein-Gymnasium zu einem versuchten Amoklauf. Eine 16-jährige Schülerin plante, mithilfe selbstgebauter Molotowcocktails die Schule in Brand zu setzen. Sie wurde bei Vorbereitungen auf der Schultoilette von einer Mitschülerin gestört. Die Täterin griff diese an, trennte ihr einen Daumen ab und floh zunächst, stellte sich jedoch noch am selben Tag der Polizei.
Ab 2011 liefen die Haupt- und Realschule in Menden sukzessive aus und wurden durch eine neue Gesamtschule ersetzt (seit 2017 Fritz-Bauer-Gesamtschule). In den 2010er Jahren fanden umfangreiche Umbaumaßnahmen im Sankt Augustiner Zentrum statt. Als größtes Projekt wurde die Huma Shoppingwelt von 2013 bis 2017 in zwei Schritten neu gebaut. Weitere Maßnahmen betrafen die Stadtbahnhaltestelle Sankt Augustin Zentrum (ehemals Markt), bei der auch eine neue Fußgängerbrücke errichtet wurde. Eine Unterführung, die sogenannte Ost-West-Spange, ermöglicht seit 2017 erstmals eine schrankenfreie Querung der Stadtbahnlinie 66. Der Karl-Gatzweiler-Platz vor dem Rathaus wurde von 2021 bis 2023 neu gestaltet und barrierefrei umgebaut. Außerdem entstanden zusätzliche Gewerbe- und Bürogebäude, zwei Seniorenheime sowie Parkflächen rund um das Zentrum. 2017 wurde zudem ein weiterer Bauabschnitt der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg fertig gestellt. Pläne für einen weiteren Neubau bis 2030 genehmigte das Land NRW im Jahr 2023.