miniatur|Regierungsgebäude am Stadttheater Der Regierungsbezirk Aachen war eine Mittelbehörde der preußischen Rheinprovinz. Er wurde 1816 errichtet und hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg als Regierungsbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen Bestand. Der Regierungsbezirk Aachen wurde am 1. August 1972 aufgelöst und fast vollständig dem Regierungsbezirk Köln zugeschlagen.
Geschichte Der Regierungsbezirk Aachen wurde am 10. Januar 1816Karl-Wilhelm Nellessen: Umweltschutz als kommunale Aufgabe: Naturschutz und Landschaftspflege im Kreise Aachen, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2007, S. 107 (Auszug bei Google-Books) im Zuge der preußischen Reformen aufgrund der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815 in der nördlichen Provinz Jülich-Cleve-Berg errichtet. Nach dem Zweiten Pariser Frieden, der eine Umorganisation der Rheinprovinzen nach sich zog, wurde er noch im gleichen Monat dem Großherzogtum Niederrhein zugeordnet. Die Regierung in Aachen nahm am 22. April 1816 ihre Arbeit auf.
Mit königlichem Erlass vom 24. Februar 1822 wurde der Regierungsbezirk Aachen einer von fünf Regierungsbezirken der Rheinprovinz mit der Provinzhauptstadt Köln.150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte. Aachen 1967
Aachen, das zunächst dem Regierungsbezirk Köln zugeschlagen worden war, spielte bei den Verhandlungen über die Verwaltungsreform in Preußen eine bedeutende Rolle. Es richtete zum Beispiel 1842 eine Petition an König Friedrich Wilhelm IV., die das Recht der Wahl der Bürgermeister und Stadtverordneten betraf.
1820 wird der Regierungsbezirk Aachen mit einer Fläche von 74 Quadratmeilen beschrieben, auf der 312.566 Menschen leben. Er grenzte im Norden an den Regierungsbezirk Cleve, im Osten an die Regierungsbezirke Düsseldorf, Cöln und Coblenz, im Süden an den Regierungsbezirk Trier und im Westen an das Königreich Niederlande.
In der topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Aachen von 1820Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirk Aachen. Aachen 1820 findet sich folgende Auflistung:
KreisFlächein QuadratmeilenÖffentliche und privateGebäude Einwohnergesamt davonKatholiken ProtestantenJudenStadtkreis Aachen0,122.89632.015 31.287614114Landkreis Aachen5,098.76044.87943.1261.638115Kreis Düren9,3910.93138.34737.371587389Kreis Erkelenz5,766.33929.91728.3161.52378Kreis Eupen3,382.79117.29216.950342–Kreis Geilenkirchen3,385.31021.14020.526485129Kreis Gemünd15,038.14329.42427.9391.345140Kreis Heinsberg4,545.61828.27427.434638202Kreis Jülich5,568.27630.52629.297737492Kreis Malmedy14,892.67213.15813.1553–Kreis Montjoie6,792.95717.31216.1471.165–Kreis St. Vith–2.44610.28210.26121–Summen73,9367.139312.566301.8099.0981.659
Der 1816 eingerichtete Kreis Blankenheim wurde 1818 wieder aufgelöst und mit dem Kreis Gemünd vereinigt. 1821 kam der Kreis St. Vith zum Kreis Malmedy. 1829 wurde der Kreis Gemünd in Kreis Schleiden umbenannt. 1920 fielen die Kreise Malmedy und Eupen gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags an Belgien. 1932 schloss sich der Kreis Geilenkirchen mit dem Kreis Heinsberg zusammen und nannte sich seit 1949 „Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg“. Auch innerhalb der Kreise kam es zu zahlreichen Umstrukturierungen.
Bei der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen wurden der Regierungsbezirk Aachen mit Wirkung vom 1. August 1972 durch das Aachen-Gesetz aufgelöst und sein Gebiet (außer einem kleinen Teil des Kreises Heinsberg) dem Regierungsbezirk Köln zugeordnet. Die in den Kreis Euskirchen eingegliederten Gemeinden des Kreises Schleiden kamen bereits am 1. Januar 1972 zum Regierungsbezirk Köln.
Nachfolgender Überblick entstammt der Publikation Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1850–1970, historische Statistik von 1999.
Kreis Schl.-Nr.(bis 1972) Flächein km² Einwohneram 27. Mai 1970 (VZ) Anzahl der Gemeindenam 6. Juni 1961 (VZ) Kreisfreie Stadt Aachen 05 4 11 58,72 173.475 1 Landkreis Aachen 05 4 31 337,14 275.425 19 Kreis Düren 05 4 32 542,16 159.313 83 Kreis Erkelenz 05 4 33 321,14 96.659 22 Kreis Jülich 05 4 34 326,96 77.060 46 Kreis Monschau 05 4 35 290,32 32.136 19 Kreis Schleiden 05 4 36 822,56 64.718 71 Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg 05 4 37 398,96 137.604 41 Regierungsbezirk 05 4 3.097,97 1.016.390 302
Der ab 1976 gebildeten grenzüberschreitenden Kooperation Euregio Maas-Rhein gehört das gesamte Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Aachen an. Seit 1981 koordinieren sich innerhalb der Euregio die heute zu Deutschland gehörenden Teile des ehemaligen Regierungsbezirks in der Regio Aachen.
Regierungspräsidenten 1816–1834: August von Reiman 1834–1837: Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg 1837–1844: Christoph von Cuny 1844–1848: Busso von Wedell 1848–1866: Friedrich von Kühlwetter 1866–1872: Moritz von Bardeleben 1872–1878: Adolf Hilmar von Leipziger 1878–1892: Otto von Hoffmann 1892–1907: Julian von Hartmann 1907–1917: Max von Sandt 1917–1922: Adolf von Dalwigk zu Lichtenfels 1922–1928: Wilhelm Rombach 1928–1933: Georg Stieler 1933–1936: Eggert Reeder 1936–1945: Franz Vogelsang 1945–1950: Ludwig Philipp Lude 1950–1955: Heinrich Brand 1955–1967: Hubert Schmitt-Degenhardt 1968–1972: Josef Effertz
Siehe auch Liste der Bürgermeistereien im Regierungsbezirk Aachen
Literatur Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirk Aachen. J. A. Mayer, Aachen 1820 Johann Heinrich Kaltenbach: Der Regierungsbezirk Aachen. Ein Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde. Heinrich Benrath, Aachen 1850 (Digitalisat) Joseph Hansen: Die Rheinprovinz 1815–1915. Zwei Bände, Bonn 1917 Regierungspräsident in Aachen (Hrsg.): 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte. Philipp C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1967
Weblinks
Marie Luise Carl: Zur Geschichte des Regierungsbezirks Aachen
Einzelnachweise
Aachen Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Städteregion Aachen) Aachen Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Kreis Düren) Aachen
Kategorie:Regierungsbezirk Köln Kategorie:Politik (Aachen) Kategorie:Rheinprovinz Aachen Kategorie:Aufgelöst 1972