Wolmirstedt ist eine Stadt im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt, die auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurückblickt.
Geografie Lage Wolmirstedt liegt an der Ohre, 14 Kilometer nördlich von Magdeburg. Das Stadtgebiet wird im Süden vom Mittellandkanal durchquert und reicht im Osten bis an die Elbe.
Stadtgliederung Die Stadt Wolmirstedt gliedert sich neben der Kernstadt in die Ortsteile Elbeu Farsleben Glindenberg Mose
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Schloss Wolmirstedt Eine Besiedlung lässt sich seit 3000 Jahren belegen.Leonard Hennersdorf: Archäologischer Fund: Riesige Struktur unterirdische Struktur entdeckt – mitten in Deutschland
Im Jahr 780 erreichte ein fränkisches Heer unter Führung Karls des Großen die Elbe bei Wolmirstedt.Felix Biermann: Der »Schlossberg« von Ottersburg, Lkr. Stendal – eine früh- und hochmittelalterliche Burg in der Altmark, in: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 95 (2016) 307–420, hier: S. 308. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1014. Thietmar von Merseburg berichtete in seiner Chronik von einem Ereignis, das sich fünf Jahre zuvor in Wolmirstedt ereignet hatte. Er verwies somit auf das Jahr 1009.
Heinrich der Löwe wurde 1180 als Herzog von Sachsen gestürzt und verstarb 1195. Dies eröffnete den Askaniern die Möglichkeit, das Gebiet westlich der Elbe in ihre Territorialbildung einzubeziehen. Zu den Maßnahmen von Albrecht II., Markgraf von Brandenburg (1205–1220) gehörte der Ausbau der Burg Wolmirstedt anno 1208. Laut Markgrafenchronik richtete sie sich gegen das Erzstift Magdeburg. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden überlieferten erst spätere Zeiten, es ging um die Vormachtstellung im Elbe-Oder-Raum. Die Truppen von Wilbrand, Erzbischof von Magdeburg (1235–1253) und Heinrich III., Markgraf von Meißen (1221–1288) äscherten dabei im Sommer 1243 Wolmirstedt ein.
Das Gebiet um Wolmirstedt wurde als Grafschaft Billungshöhe bezeichnet, die u. a. bei Dahlenwarsleben eine Dingstätte hatte und zeitweise im Auftrag der Markgrafen von den Grafen von Falkenstein verwaltet wurde.Verein für Geschichte der Mark Brandenburg (Hrsg.): Märkische Forschungen, Band 8, 1863, S. 41Magdeburger Geschichtsverein: Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, Band 9, 1874, S. 316 Am 11. Juni 1316 verkaufte Waldemar, Markgraf von Brandenburg (1308–1319) die Grafschaft Billungshöhe für 2.260 Mark mit Rückkaufsrecht ans Erzstift Magdeburg. Ausgenommen blieben Wolmirstedt und Elbeu. Erstere Ortschaft und wohl auch das benachbarte Dorf südlich der Ohre verpfändete Waldemar drei Jahre später für 12.000 Mark an den Erzbischof. Da keine Einlösung erfolgte, rechnete noch das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 den Flecken und die Burg dem geistlichen Territorium zu.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Topographische Beschreibung der Mark]. Marchia transalbeana. Wolmerstede, S. 63 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
Wolmirstedt spielte eine Rolle beim Erscheinen des falschen Waldemars. Aus Magdeburg anreisend, präsentierte er sich hier im August 1348 erstmals der Öffentlichkeit. Zwischen dem 17. und 20. August wurden vor Ort mehrere Urkunden ausgestellt, die markbrandenburgischen Städten Privilegien erteilten. Ende August ritt der angebliche Markgraf in Begleitung von Otto, Erzbischof von Magdeburg (1327–1361), Rudolf I. und Otto, Herzöge von Sachsen-Wittenberg, Albrecht, Graf von Barby sowie ihren Gefolgen weiter in die Mark. Die Ortschaft selbst erhielt 1590 das Stadtrecht.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erlitt sie schwere Zerstörungen. Wolmirstedt beherbergte eine kaiserliche Garnison. Von ihr zog im Juli 1631 ein Reiterregiment bis Burgstall. Die Reiterei von Gustav Adolf II., König von Schweden (1611–1632) metzelte es nieder. 1680 wurde aus dem Erzstift das Herzogtum Magdeburg in Brandenburg-Preußen, Wolmirstedt lag bereits zuvor im Holzkreis.
mini|Bahnhof Wolmirstedt, 1880
In den Jahren 1848/49 erfolgte mit dem Bahnhofsgebäude der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Ab 1850 siedelte sich die Lederindustrie mit sechs Betrieben an. Seit 1895 hat die Stadt ihr eigenes Elektrizitätswerk. Später wurde sie mit dem Umspannwerk Wolmirstedt zu einem wichtigen Knoten im Stromnetz.
Am 13. April 1945 besetzten US-amerikanischen Truppen Wolmirstedt und übertrugen es am 1. Juli 1945 der sowjetischen Besatzungszone. 1952 wurde Elbeu eingemeindet. In den Folgejahren entstanden im ehrenamtlichen Aufbauwerk: das Stadion des Friedens, die Freilichtbühne und die Uferpromenade an der Ohre. In den 1970er Jahren wurde der Wohnungsbau vorangetrieben. 3000 Wohnungen wurden vorrangig in Plattenbauweise errichtet.
Wolmirstedt war in der DDR Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Bezirk Magdeburg bzw. ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt, bis dieser 1994 mit dem Landkreis Haldensleben zum Ohrekreis zusammengelegt und Haldensleben zum Sitz von Landratsamt und Kreistag wurde. Aufgrund der Kreisreform 2007 gehört die Stadt seitdem zum Landkreis Börde.
Im Jahr 2009 feierte die Stadt „1000 Jahre Wolmirstedt“.
Eingemeindungen Elbeu wurde am 1. Juli 1950 eingemeindet. Mose kam am 1. Januar 1993 hinzu.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31. Dezember 1993 Am 1. Januar 2009 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Farsleben eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen am 1. Januar 2009 Das Stadtgebiet vergrößerte sich dadurch von 31,76 km² auf 38,88 km². Mit der Eingemeindung von Glindenberg am 1. Juli 2009StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009 vergrößerte sich das Stadtgebiet auf 54,29 km².
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 12.476 2005 10.601 2010 12.001 2015 11.620 2020 11.376 Jahr Einwohner 2021 11.371 2022 12.110 2023 12.281 2024 12.323 2025 12.390
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Wolmirstedt besteht aus 28 Mitgliedern und der Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,3 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 16,8 % 5 28,1 % 8 CDU 25,6 % 7 20,7 % 6 Kommunale Wählergemeinschaft Börde 12,3 % 3 15,3 % 4 SPD 17,0 % 5 11,2 % 3 Unabhängige Wählergemeinschaft Wolmirstedt 3,9 % 1 10,0 % 3 Wählergemeinschaft Wolmirstedt Ostumfahrung (WWO) – – 4,0 % 1 Die Linke 10,1 % 3 3,3 % 1 Einzelbewerber Jörg Bonewitz – – 3,0 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,9 % 1 2,5 % 1 FDP 2,3 % 1 1,2 % – Einzelbewerberin Annemarie Kleeblatt – – 0,7 % – Wolmirstedter Wählergemeinschaft Plan B (WWP) 4,9 % 1 – – Freie und Unabhängige Wählergemeinschaft (FUWG) 2,2 % 1 – – Insgesamt 100 % 28 100 % 28
Bürgermeister 1961–1973: Siegfried Reglinski (SED) 1994–2012: Hans-Jürgen Zander (FUWG) 2013–2018: Martin Stichnoth (CDU) 2018–2025: Marlies Cassuhn (parteilos) seit 2025: Mike Steffens (Kommunale Wählergemeinschaft Börde)
Stichnoth wurde am 17. Februar 2013 mit 54,0 % der gültigen Stimmen gewählt. 2018 übernahm er das Amt des Landrates im Landkreis Börde.
Cassuhn wurde in der Bürgermeisterwahl am 16. September 2018 mit 57,8 % der gültigen Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 16. September 2018
Steffens wurde am 7. September 2025 mit 54,4 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 7. September 2025 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen Das Wappen wurde am 20. Juni 1997 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Blasonierung: „In Silber die heilige Katharina von Alexandrien in rotem Gewand mit goldenem Haar und goldenem Nimbus, in der rechten Hand ein gestürztes silbernes Schwert mit goldener Parierstange und goldenem Griff, in der linken ein gebrochenes goldenes Rad mit fünf Speichen und vier Zacken; vor ihren Füßen ein blauer Schild mit einer silbernen Lilie.“
Die Farben der Stadt sind Blau – Silber (Weiß).
Flagge mini|Stadtfahne von Wolmirstedt
Die Stadtfahne ist diagonal in zwei Felder geteilt, im linken oberen Feld blau, im rechten unteren Feld weiß. In der Mitte enthält sie das Wappen der Stadt.
Städtepartnerschaften Wolmirstedt unterhält eine Partnerschaft mit Wunstorf in Niedersachsen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Sanierte Häuser in der Friedensstraße Bauwerke mini|hochkant|Schlosskapelle mini|Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium
Die bemerkenswertesten Baudenkmäler sind das Schloss Wolmirstedt und die historische Schlosskapelle als Zeugnisse der Backsteingotik. Ortsansässig als Schlossdomäne bezeichnet, ist das Schloss heute Sitz der Zweigstelle des Amtsgerichts Haldensleben. Im 16. Jahrhundert lebte der spätere Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg als Administrator auf der damaligen Burg. In dieser Zeit wurde es zu einer repräsentativen Renaissanceresidenz (ähnlich dem Schloss Bernburg). Später verfiel die Burg, und zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt wurden viele Teile am Ende des Dreißigjährigen Krieges abgetragen. Im 18. Jahrhundert erhielt das Schloss seine heutige Form im schlichten Barock. Seit dieser Zeit wurde das Schloss vom preußischen Staat als landwirtschaftliche Domäne genutzt. Heute erhaltene Bauten sind das Schloss mit Kapelle, das Herrenhaus (18. Jahrhundert), Torhaus, Stallungen (heute Bibliothek) sowie Feldsteinscheune (Kreismuseum). Die erste urkundliche Erwähnung 1014 beschreibt einen Angriff im Jahre 1009 auf die östliche Mauer der Oberburg. Diese Mauer blieb bis in jüngste Zeit fragmentarisch erhalten und war als ältestes Bauwerk der Stadt anzusprechen. Im Jahre 2007 wurden die Mauerfragmente abgerissen, um Pkw-Parkplätze zur 1000-Jahr-Feier 2009 zu schaffen.
Zu den erwähnenswerten Gebäuden im historischen Stadtkern gehören: das Alte Rathaus, im Kern aus dem 16. Jahrhundert, heute ein Wohn- und Geschäftshaus, das Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium, erbaut im Jahr 1995 für 30 Millionen Mark sowie ein Laubenganghaus in der August-Bebel-Straße 49, errichtet im 18. Jahrhundert.
Die weitere Sakralgebäude außer der Schlosskirche sind: die evangelische Kirche St. Katharinen im Ortskern von Wolmirstedt; die Stadt ist der Sitz des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstedt in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, sogenannte Neue Abtei etwas östlich von St. Katharina, katholische Kirche St. Josef in der Friedrich-Ebert-Straße, erbaut 1936, gehört heute zur Pfarrei St. Christophorus mit Sitz in Haldensleben, neuapostolische Kirche an der Friedensstraße; die Gemeinde geht auf das Jahr 1905 zurück und im Bürgerhaus auf der Schlossdomäne finden die Gottesdienste der Pfingstgemeinde Wolmirstedt statt; sie gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.
Westlich der Innenstadt befinden sich: Auerbachs Mühle, eine Bockwindmühle von 1842 und Jüdischer Friedhof
Gedenkstätten Mahnmal auf dem Friedhof St. Katharinen für sechs unbekannte KZ-Häftlinge, die am Haidberg bei Lindhorst im April 1945 ermordet, dort zunächst verscharrt und 1946 hier begraben wurden. Sie gehörten vermutlich einem Todesmarsch aus dem KZ Dora-Mittelbau an. Grabstätten auf dem gleichen Friedhof für 32 namentlich bekannte Frauen und Männer verschiedener Nationen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit in der Landwirtschaft und der Zuckerfabrik des Großgrundbesitzers Loß wurden.
Museen