Bad Lauchstädt, amtlich Goethestadt Bad Lauchstädt () (bis 1925 Lauchstädt), ist eine Stadt im Saalekreis in Sachsen-Anhalt.

Geografie Lage Bad Lauchstädt liegt am Rande der Querfurter Platte an der Laucha. Die Stadt befindet sich ca. 8 km nördlich des Geiseltalsees, 11 km westlich von Merseburg und 21 km südwestlich von Halle (Saale). Der Ortsteil Klobikau liegt am Nordufer des Geiseltalsees.

Stadtgliederung Stadtteile sind Bad Lauchstädt, Delitz am Berge, Großgräfendorf, Klobikau, Milzau und Schafstädt. Die Ortschaft führt den Namen des Ortsteiles. Die Ortsteile Bad Lauchstädt und Großgräfendorf bilden die Ortschaft Bad Lauchstädt.Hauptsatzung der Goethestadt Bad Lauchstädt (PDF).

Ortschaft Einwohner Die Ortschaften von Bad Lauchstädt(anklickbare Karte) Bad Lauchstädt 4595 Delitz am Berge 840 Klobikau 522 Schafstädt 2015 Milzau 845

Geschichte mini|Schloss Bad Lauchstädt mini|Frühling in Bad Lauchstädt mini|Bad Lauchstädt in der Adventszeit mini|Historische Kuranlagen Gründung und Entwicklung des Ortes In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird das nach dem Saalezufluss Laucha benannteJohann Jakob Egli: Nomina geographica. Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. Friedrich Brandstetter, 2. Auflage, Leipzig 1893, S. 527. Lauchstädt zweimal als zehntpflichtiger Ort Lochstat im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt.Reg. Thur. Nr. 287 Seit 1341 Lehen der Herzöge von Braunschweig, gelangte die Siedlung 1370 an die Bischöfe von Merseburg, die dem Ort 1430 das Stadtrecht verliehen und im 16. Jahrhundert die ältere Burg Lauchstädt zu einem Renaissance-Schloss ausbauten. 1657 wurde Merseburg Sitz einer Seitenlinie der kursächsischen Albertiner. Das Lauchstädter Schloss diente 1684 bis 1738 den Herzögen von Sachsen-Merseburg als Wohnsitz. Lauchstädt war bis 1815 Hauptort des hochstiftlich-merseburgischen Amts Lauchstädt, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.

Am 14. Februar 1701 gegen 9 Uhr morgens entstand in Lauchstädt bei heftigem Sturmwind eine Feuersbrunst, welche in großer Schnelle 34 Häuser, darunter die Pfarre und Schule, einäscherte. Bereits im Vorjahr waren bei drei Bränden 27 Häuser in Lauchstädt vernichtet worden, also innerhalb von zwei Jahren insgesamt 61 Häuser.

Um 1700 trat für die unbedeutende Landstadt eine erfreuliche Wendung ein: Durch Zufall wurde eine Mineralquelle entdeckt, deren heilkräftige Wirkung von dem Mediziner Friedrich Hoffmann an der Universität Halle befunden wurde.Anonymus: Die Heilquelle. auf www.goethestadt-bad-lauchstaedt.de. So entstand das bis heute erhältliche Lauchstädter Heilbrunnen-Wasser. Daraufhin kümmerte sich Herzogin Erdmuth Dorothea um die Einrichtung eines Bades. Sie ließ die Quelle einfassen und die ersten Kuranlagen ausbauen. Als die Nebenlinie Sachsen-Merseburg 1738 ausstarb, fiel das Erbe zurück an Kursachsen. Das war ein Glücksfall, denn in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Lauchstädt der bevorzugte Badeort des Dresdner Hofes und nahm als exklusives Modebad einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Ein Kursaal und ein Spielpavillon wurden errichtet sowie ein Sommertheater installiert. Mit der Anlage des Kurparks wurde begonnen. mini|Neues Schillerhaus

Mit dem Besuch Goethes begann die literarische Bedeutung des Badeortes. 1802 wohnte er über vier Wochen in Lauchstädt und besorgte die Einweihung des Theaters mit dem Vorspiel Was wir bringen und der Aufführung von Mozarts Oper La clemenza di Tito. Mehrfach kam er in den folgenden Jahren wieder, und besonders seine Frau Christiane war eine gern gesehene Besucherin. Bedeutende Künstler und Gelehrte der Zeit gaben sich ein Stelldichein: Christian Fürchtegott Gellert, Johann Christoph Gottsched, Christoph Martin Wieland, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Schon 1789 hatte sich hier Schiller mit Charlotte von Lengefeld verlobt.

Nachdem die Weimarer Schauspieler 1814 ihr letztes Gastspiel gegeben hatten, verlor Lauchstädt an Anziehungskraft. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 fiel Lauchstädt an Preußen. Lauchstädt wurde 1816 dem Kreis Merseburg im Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen zugeteilt.

1865 heißt es:

Erst 1908 wurde das Theater wieder genutzt, dann erneut 1968 mit der Aufführung von Goethes Iphigenie auf Tauris. Auch die Kuranlagen erlebten wieder eine gewisse Blüte. Doch trotz Erhalt der Bezeichnung als „Bad“ wurde der Ort in der DDR nicht mehr als Kurort geführt. Von 1994 bis mindestens 1995 war Bad Lauchstädt vorläufig als Erholungsort staatlich anerkannt.1999 kein Erholungsort mehr, siehe:

Von 1952 bis 1994 lag Bad Lauchstädt im Kreis Merseburg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Merseburg-Querfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Saalekreises.

Seit dem 9. Oktober 2008 trägt die Stadt den amtlichen Zusatz Goethestadt.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008

Eingemeindungen mini|Kirche St. Anna in Großgräfendorf mini|Klobikau, Weinberg am Geiseltalsee mini|Gutshaus in Schafstädt Schotterey gehört seit dem 1. Juli 1950 zu Bad Lauchstädt. Großgräfendorf kam im Jahr 1998 hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998 Delitz am Berge, Klobikau und Schafstädt wurden Anfang 2008 eingemeindet. Milzau folgte Anfang 2010.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bischdorf 01.04.1937 Eingemeindung nach Milzau Burgstaden 01.07.1950 Eingemeindung nach Milzau Delitz am Berge 01.01.2008 Frohndorf ca. 1750 Zuordnung zu Schotterey Großgräfendorf 01.04.1998 Kleingräfendorf 01.07.1950 Eingemeindung nach Milzau Kleinlauchstädt 1939 Klobikau 01.01.2008 Krakau 01.04.1939 Eingemeindung nach Kleingräfendorf Milzau 01.01.2010 Netzschkau 01.04.1937 Eingemeindung nach Milzau Niederklobikau 01.07.1950 Zusammenschluss mit Oberklobikau zu Klobikau Oberklobikau 01.07.1950 Zusammenschluss mit Niederklobikau zu Klobikau Oberkriegstedt 01.04.1937 Eingemeindung nach Burgstaden Raschwitz 30.09.1928 Zusammenschluss mit Reinsdorf zu Wünschendorf Reinsdorf 30.09.1928 Zusammenschluss mit Raschwitz zu Wünschendorf Sankt Ulrich 1537 Schadendorf 01.04.1937 Eingemeindung nach Burgstaden Schafstädt 01.01.2008 Schotterey 01.07.1950 Strößen ca. 1750 Zuordnung nach Großgräfendorf Unterkriegstedt 01.04.1937 Eingemeindung nach Burgstaden Wünschendorf 01.04.1937 Eingemeindung nach Niederklobikau

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 4.063 2005 4.965 2010 9.222 2015 8.817 2020 8.781 Jahr Einwohner 2021 8.849 2022 8.853 2023 8.908 2024 8.883

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die starke Zunahme der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Bad Lauchstädt besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 11,3 % 1 20,6 % 3 CDU 23,8 % 5 18,4 % 4 Bündnis Miteinander – – 12,1 % 2 Freie Wählervereinigung Bad Lauchstädt 16,1 % 3 8,6 % 2 Wählergemeinschaft Milzau 11,1 % 2 7,8 % 2 Freiwillige Feuerwehr – – 7,8 % 2 Gemeinsam für Schafstädt – – 6,7 % 1 LSG Klobikau-Milzau 1899 4,0 % 1 5,7 % 1 Die Linke 11,8 % 2 3,8 % 1 Einzelbewerber Thomas Schorsch 3,7 % 1 2,8 % 1 Einzelbewerberin Mignon Beier – – 2,3 % – Bündnis 90/Die Grünen 2,7 % 1 2,0 % – Sportverein Germania Schafstädt 4,2 % 1 1,4 % – Bürgerliste Delitz am Berge 5,7 % 1 – – SPD 3,7 % 1 – – Am Berg, die Delitzer 2,0 % – – – Insgesamt 100 % 19 100 % 19

Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD zwei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD vier Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur drei Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister mini|Rathaus 2008–2015: Ilse Niewiadoma (FDP) seit 2015: Christian Runkel (CDU)

Runkel wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 29. März 2015 mit 62,1 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 29. März 2015 Am 13. März 2022 wurde er mit 64,8 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 13. März 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen Das Wappen wurde am 25. April 2008 durch den Landkreis genehmigt.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Lutz Döring neu entworfen.

Flagge Die Flagge ist blau-weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Wappen belegt.

Städtepartnerschaft Partnerstadt von Bad Lauchstädt ist Haan in Nordrhein-Westfalen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Bauwerke mini|Goethe-Theater mini|Evangelische Kirche mini|Katholische Kirche Goethe-Theater, errichtet 1802 durch Heinrich Gentz, zusammen mit der Kuranlage Teil des Projektes Gartenträume Sachsen-Anhalt Schloss Evangelische Kirche, erbaut 1685–1686, Turm und Sakristei von 1499, Taufstein von 1685, Chwatal-Orgel von 1829 Katholische Kirche Maria Regina, 1992–1994 erbaut, Architekt: Ralf Niebergall Bockwindmühle Bad Lauchstädt, erbaut 1850 Kursächsische Postmeilensäule Bad Lauchstädt (Viertelmeilenstein, 18. Jahrhundert) am Goethe-Theater Kirchen und Gutshäuser in den Ortsteilen, z. B. in Unterkriegstedt Rathaus am Markt

Denkmäler Mehrere Grabstätten auf dem Ortsfriedhof, in denen fünf sowjetische Kriegsgefangene und ein italienischer Zwangsarbeiter begraben wurden, die bei Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren haben Vier Grabstätten auf dem Friedhof des Ortsteiles Großgräfendorf, in denen vier unbekannte, vermutlich polnische oder italienische Zwangsarbeiter begraben wurden

Regelmäßige Veranstaltungen Ostermarkt Brunnenfest Herbstmarkt Christkindl-Markt Festspiel der Deutschen Sprache

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Neben kleineren Industrieunternehmen haben sich auch größere Arbeitgeber wie Blumenbecker oder Mineralbrunnen in Bad Lauchstädt angesiedelt.

In einem aus 19 Kavernen und einem ehemaligen Erdgasfeld bestehenden Untergrundspeicher der VNG befinden sich etwa 5 Prozent der deutschen Erdgasspeicherkapazität.

H2-Forschungskaverne 2019 begann (im Rahmen der Forschungsinitiative HYPOS) das Pilotprojekt „H2-Forschungskaverne“ mit dem Ziel einer Forschungsplattform zur Wasserstoffspeicherung in einer Salzkaverne. Die Speicheranlage soll nach einer zweijährigen Forschungsphase gebaut werden und wäre weltweit der erste Kavernenspeicher für Grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien – geplant sind Windkrafträder. Die Kaverne könnte über eine bestehende Gaspipeline an die bestehende Wasserstoffinfrastruktur im mitteldeutschen Chemiedreieck angeschlossen werden.Pressemitteilung Fraunhofer IMWS, abgerufen am 6. Mai 2022.

Verkehr mini|Bahnhof Bad Lauchstädt mini|Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle

Straße Bad Lauchstädt ist über die Anschlussstellen Schafstädt, Bad Lauchstädt und Merseburg-Nord an die Südharzautobahn A 38 (Göttingen–Halle/Leipzig) angebunden.

Eisenbahn