Langenstein ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Perg in Oberösterreich.
Langenstein lag bis zur Donauregulierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts direkt am linken Ufer der Donau. Ein großer Teil der Ortschaften Langenstein und Gusen wird bis heute häufig von Hochwässern der Donau heimgesucht.
Geografie Langenstein liegt auf um 250 m Höhe im Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 4,3 km, von West nach Ost 4,8 km. Die Gesamtfläche beträgt 12,5 km², 26,5 % der Fläche sind bewaldet, 51,3 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Mit 1. Jänner 1997 wurde Schlossau mit Ruine Spielberg, da nördlich der Donau, von der Stadtgemeinde Enns an die Gemeinde Langenstein übergeben.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Frankenberg () (auch Ortsteil der Gem. Ried) samt Hart und Kirchberg Gusen (), Hauptort Langenstein () samt Wienergraben Stacherlsiedlung (), mit St. Georgen verwachsen
Die vier Ortschaften liegen donauabwärts in der Reihung: Stacherlsiedlung, Gusen, Langenstein und Frankenberg, das etwas oberhalb liegt. Einzige Katastralgemeinde ist Langenstein.
Gusen-Dorf und das Dorf Wienergraben (auch in Gem. Mauthausen) können ebenfalls als eigenständige Ortsteile betrachtet werden.
Zählsprengel sind Gusen, Langenstein und Langenstein-Umgebung.
Nachbargemeinden
Geschichte Die Gemeinde Langenstein ist eng mit dem Donaustrom verbunden und liegt am Kreuzungspunkt bedeutender ehemaliger Nord-Süd-Verbindungen mit dem Donauraum und der ehemaligen Hauderer-Straße, welche jahrhundertelang über die Ortsteile Gusen oder Frankenberg direkt durch die Ortschaft Langenstein verlief. Das Gemeindegebiet liegt auch im Herzen jenes Kernlandes am Nordsaum der Donau, welches durch Jahrtausende durch die Flussmündungen von Traun, Enns und Gusen mit ihren uralten Verkehrswegen von Süden nach Norden geprägt wurde.
Wirtschaft und Leben der Anwohner waren seit jeher durch Landwirtschaft, Fischerei, Schifffahrt, Granitsteinbrüche und auch die Donaugrenze zwischen dem heutigen Mühlviertel und dem Traunviertel geprägt.
Bedeutender als dieses trennende Element zu Zeiten der bayerisch-fränkischen Landnahme im 8. und 9. Jahrhundert nach Christus ist aber noch die Ur- und Frühgeschichte auf dem Boden der heutigen Gemeinde Langenstein.
Prähistorische und Römerzeit mini|Berglitzl
Das Gemeindegebiet erstreckt sich heute von den Ufern der Donau über ausgedehnte Ebenen und Auwälder bis hinein in die ersten größeren Anhöhen der Böhmischen Masse mit ihren bedeutenden Granitvorkommen, welche besonders im Gemeindegebiet von Langenstein an mehreren Stellen bis in die Niederungen der Donauebene vordringen. Diese besondere Geologie und Lage kommt in der Geschichte der Gemeinde Langenstein durch überregional bedeutende prähistorische Fundhorizonte und auch eine ehemalige Granitindustrie von gesamteuropäischer Bedeutung zum Ausdruck.
Mit der Berglitzl befindet sich eines der wohl bedeutendsten prähistorischen Heiligtümer des gesamten Donauraumes auf dem Boden der Gemeinde Langenstein. Die dort gefundenen Spuren menschlicher Kulthandlungen an einem in die damalige Donaulandschaft weit vorragenden Granitfelsen umfassen wie kaum sonst wo eine Zeitspanne von der Steinzeit über die Bronzezeit bis hin zum frühen Mittelalter. Diese außerordentliche Bedeutung des Gemeindegebietes von Langenstein für die Zivilisationen früherer Jahrtausende wird nordwestlich des Dorfes Gusen noch durch ein in den Jahren 1941 bis 1943 freigelegtes Gräberfeld mit etwa 200 urnenfelderzeitlichen Bestattungen aus der späten Bronzezeit unterstrichen.Gerhard Trnka und Herta Ladenbauer-Orel: Das urnenfelderzeitliche Gräberfeld von Gusen in Oberösterreich. In: Archaeologia Austriaca. Band 76, Franz Deuticke Verlagsgesellschaft mbH, Wien 1992, ISBN 3-7005-4639-4, S. 47–112.Vlasta Tovornik: Gräberfelder von Gusen und Auhof bei Perg in Oberösterr. Teil I. Gusen. In: Archaeologia Austriaca 69, 1985 (1986), S. 165–250.
Dem aktuellen Stand der Forschung entsprechend wird vermutet, dass der Raum um Langenstein und Gusen in ur- und frühgeschichtlicher Zeit den Brückenkopf für den besonders durch die Funde in Hallstatt untermauerten ehemaligen Salzhandel entlang der Traun nach Nordeuropa bildete und betreffend diese Kulturen auch ein Zusammenhang mit den Ausgrabungen in dem etwa 15 km stromabwärts gelegenen Mitterkirchen und der latène-zeitlichen Befestigungsanlage auf dem nahen Luftenberg besteht. So soll z. B. bereits in frühgeschichtlicher Zeit der uralte Salzweg vom Nordufer der Donau nach Böhmen von Gusen seinen Ausgang genommen haben.Alfred Höllhuber: Alt-Hagenberg, die ehemalige Burg am uralten Salzweg von Gusen an der Donau über Wartberg nach Böhmen. Reichenstein 2005, S. 78–105.
Auf Höhe der ehemals hochwassersicheren Hanglagen werden zwischen Gusen und Langenstein bis heute immer wieder einzelne kleinere Gruppen von Bestattungen aus der Zeitspanne zwischen der Bronzezeit und dem frühen Mittelalter gefunden. Auch auf den Höhenrücken des ausgedehnten Frankenberges geben immer wieder ausgeackerte hallstattzeitliche und latène-zeitliche Tonscherben Zeugnis einer ausgeprägten frühzeitlichen Siedlungskultur auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Langenstein.
Bemerkenswert ist dabei die unmittelbare Nachbarschaft des Gemeindegebietes zum ehemaligen römischen Legionslager Lauriacum und den dazugehörigen Donauhafen der römischen Donauflotte Classis Lauriacensis bei Enghagen. Eine endgültige Grenzbereinigung zwischen dem Mühlviertel und dem Traunviertel erfolgte im Bereich der Gemeinde Langenstein erst am 1. Jänner 1997, nachdem der Gemeinde Langenstein nach jahrzehntelangen Bemühungen mit Hilfe der Oberösterreichischen Landesregierung die Schlossau mit der Ruine Spielberg von der Stadtgemeinde Enns einverleibt werden konnte. Dabei wurden im Gegenzug auch Liegenschaften der Gemeinde Langenstein im Traunviertel an die Stadtgemeinde Enns abgetreten. Mit dieser Grenzbereinigung wurde nach mehr als 100 Jahren die bereits durch die Regulierung der Donau in der Mitte des 19. Jahrhunderts neu geschaffene Grenzsituation auch verwaltungsmäßig und landeskundlich vollzogen.
Frühmittelalter mini|Die Reste der Kirche zum Hl. Johannes Baptistae auf dem Frankenberg sind heute Teil eines Bauernkriegsdenkmales.
Nicht nur die Ruine Spielberg erinnert an die einstige Grenzlage des Gemeindegebietes zwischen Ost und West. Bedeutende Grabfunde aus frühkarolingischer Zeit unterstreichen, dass der Raum um Langenstein bereits im frühen Mittelalter eine Übergangs- bzw. Grenzzone zwischen fränkisch-bairischen und slawisch-awarischen Siedlungszonen war.Vlasta Tovornik: Die frühmittelalterlichen Gräberfelder von Gusen und Auhof bei Perg in Oberösterreich. Teil 2: Auhof bei Perg. In: Archaeologia Austriaca. Band 70. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft mbH., Wien 1986, ISBN 3-7005-4580-0, S. 413–483.Erik Szameit: Zu frühmittelalterlichen Funden aus Gusen und Langenstein, Oberösterreich. Mit Exkursen zur Datierung des slawischen Gräberfeldes von Gusen und zur frühmittelalterlichen Graphittontechnik. In: Archaeologia Austriaca. Band 76. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft mbH., Wien 1992, ISBN 3-7005-4639-4, S. 113–196. Letzteres wird vermutlich auch durch das Kuriosum unterstrichen, dass die Flur- und Hofformen des Dorfes Langenstein bis heute dem Typus des Waldviertler Dreiseithofes entsprechen, während in den weiter westlich gelegenen Ortsteilen Gusen und Frankenberg der Traunviertler Vierkanthof überwiegt. Auch die Bezeichnung Frankenberg für den, den nördlichen Teil der Gemeinde beherrschenden Höhenrücken mit einem vermutlich bis ins 8. Jahrhundert zurückreichenden einstigen Kirchenbau zum Hl. Johannes Babtistae,Michael Premstaller: Das Frankenberger Kirchlein. In: Mühlviertler Heimatblätter. Heft 1/2. Mühlviertler Künstlergilde, Linz 1965, S. 25–29 ().Volkmar Premstaller: Das Frankenberger Kirchlein. In: Mühlviertler Heimatblätter. Heft 1. Linz 1981, S. 23. der einst inmitten einer keltischen Wehranlage errichtet wurde,Ernst Burgstaller: Arbeitseinsatz am Frankenberg. In: Bauernkriegsdenkmal Frankenberg. Festschrift zum Serviceprojekt des Round Table 2. Linz 1978, S. 23. unterstreicht wohl bis heute diese einstige Siedlungsgrenze, welche südlich der Donau ihre Fortsetzung im Ennsfluss fand. Noch um 1353 ist bei Langenstein eine Mautstelle an der Donau (die Maut zu Stein) überliefert, deren Einnahmen unter Herzog Albrecht II. (der Lahme, 1330–1358) auch zur Erhaltung der Wehrbauten der Feste Spielberg dienten.
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern in der Riedmark gelegen, gehörte Langenstein ab dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich und ab 1490 zum Fürstentum Österreich ob der Enns.
Langenstein wurde urkundlich erstmals 1192 als Steine erwähnt.Satzung Herzog Leopolds von Österreich und Steiermark vom 9. Juli 1192 für die nach Österreich Handel treibenden Bürger der Stadt Regensburg. Vgl. Andreas von Meiller: Österreichische Stadtrechte und Satzungen aus der Zeit der Babenberger. In: Archiv für Kunde Österreichischer Geschichtsquellen der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Zehnter Band. Wien 1853, S. 95. Eine weitere frühe Nennung findet sich in dem zwischen 1220 und 1230 von Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark angelegten Urbar als De urbor Stein et Gusen. Frühe Nennungen waren auch Villa Stayn (1270) oder Stain (1475). Die Bezeichnung Langenstein tritt erstmals als Langenstain 1559 in Erscheinung. Die heutige Schreibweise Langenstein erst 1626. Aus dem Jahre 1565 ist auch noch die Bezeichnung Stain bei Spilberg überliefert. Deutlich früher als Langenstein wurden schon 1159 Spielberg (Spileberch) und 1171 Frankenberg (Franchenberg) urkundlich erwähnt. Das Dorf Langenstein war früher der Herrschaft Spielberg zugehörig. Die Ortsteile Frankenberg und Gusen gehörten zu verschiedenen Grundherrschaften.
Stromschnellen, Maut und Herrschaft Spielberg Die Ortsteile Langenstein und Gusen lagen noch bis zur Regulierung der Donau in der Mitte des 19. Jahrhunderts direkt am nördlichen Hauptgerinne der Donau, welche auf Höhe der heutigen Ruine Spielberg ähnlich gefährliche Stromschnellen aufwies, wie der Strudengau. Diese Stromschnellen waren in früheren Zeiten als Hungersteine, Steinbruch, Neubruch, Saurüssel oder Großer Fall bekannt und stellten einen gefürchteten Abschnitt für die Schiffsleute auf der Donau dar. Bei ungünstigem Wasserstand mussten die Schiffe seinerzeit beim Dorf Abwinden mitunter entladen und bei Mauthausen wieder neu beladen werden. Die Herrschaft Spielberg machte aufgrund dieser geologischen Besonderheit auch das Recht der Grund-Ur geltend und erklärte Schiffe ihr verfallen, welche durch die Stromschnellen nördlich des Schlosses verunglückten und sich nicht loskaufen konnten. Im Jahre 1619 wurde beim Schloss Spielberg auch eine Maut an der Donau eingerichtet.
Die Geschichte von Langenstein ist eng mit der Geschichte der ehemals an diesen Stromschnellen gelegenen ehemals bayerischen Grenzfestung Spielberg verwoben, zu deren Herrschaft die Ortschaft Langenstein bis Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte. Auch die ersten Steinbrüche auf dem Gebiet der Gemeinde Langenstein scheinen mit der Errichtung dieser einst mächtigen Wasserburg inmitten der Donau bereits im 12. Jahrhundert entstanden zu sein. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse für den Betrieb von Steinbrüchen stammen aus dem Jahre 1687, da damals der Langensteiner Steinmetzmeister Hans Wolfinger für den Ausbau des Stiftes St. Florian und des zu St. Florian gehörenden Schlosses Marbach Türgerichte, Staffeln für die Altäre und Pflasterstein an den Barockbaumeister Carlo Antonio Carlone lieferte.
Donauhandel und alte Beziehungen zu Ungarn mini|hochkant|Diese Statue des Hl. Nepomuk wurde einst durch ein Donauhochwasser angeschwemmt und gilt seit Generationen als der „Dorfheilige“ von Langenstein