Naarn im Machlande ist eine an der Donau gelegene Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Perg im Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ).

Geografie Lage und Umgebung, Geologie Naarn im Machlande liegt nördlich der Donau auf zur Gänze im oberösterreichischen Teil der Machlandebene.Hermann Kohl: Die leblose Natur. In: Land Oberösterreich (Hrsg.): Das Mühlviertel, Natur-Kultur-Leben, Beiträge zur Landesausstellung 1988 im Schloss Weinberg bei Kefermarkt. Linz 1988, S. 41ff. (). Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört Naarn ausschließlich zur Raumeinheit Machland und hat keine nennenswerten Erhebungen. Der Höhenunterschied innerhalb des Gemeindegebietes beträgt nur 9 Meter.Josef Froschauer: Naarn im Machlande – Ein Paradies für Radfahrer, in: Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg – Gemeinden des Bezirkes Perg (Hrsg.): Unsere Heimat – Der Bezirk Perg, S. 279ff. Bodenschätze auf dem Gemeindegebiet sind im Wesentlichen Schotter und Kies, die dort in geringen Mengen auch abgebaut werden.

Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 9,1 km und von West nach Ost 8,6 km. Die Gesamtfläche beträgt 35,1 Quadratkilometer. 12,8 Prozent der Fläche sind bewaldet, 72,4 Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Der Rest sind Gewässer, öffentliche Flächen und bebautes Gebiet.

Der Hauptort Naarn liegt rund vier Kilometer südwestlich der Bezirksstadt Perg und rund 30 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Linz. Die Entfernung in die Bundeshauptstadt Wien beträgt rund 190 Kilometer. Der nächste Grenzübergang nach Tschechien, Wullowitz in der Gemeinde Leopoldschlag, befindet sich in nördlicher Richtung in 60 Kilometer Entfernung.

Gewässer Flüsse, Gemeindegrenzen, Donaubrücken Das Gemeindegebiet wird im Süden von der Donau und im Westen von der Aist begrenzt. Durch das Gemeindegebiet fließen der Aist-Mühlbach und im Osten ein kleines Stück die Naarn.

Die Donau bildet die Grenze zu den niederösterreichischen Nachbargemeinden Sankt Pantaleon-Erla und Strengberg im Bezirk Amstetten im Mostviertel. Weitere Nachbarorte sind die Stadtgemeinde Perg im Nordosten sowie die Marktgemeinden Schwertberg im Norden, Mauthausen im Nordwesten und Mitterkirchen im Machland im Osten.

Die nächsten Donaubrücken befinden sich donauaufwärts in Mauthausen und donauabwärts in Grein. Eine Überquerung der Donau beim Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen ist mit Einschränkungen möglich.

Scheiterschwemme auf der Aist und auf der Naarn Sowohl auf der Naarn als auch auf der Aist wurde im 18., 19., und 20. Jahrhundert das im Hinterland geschlagene Holz mittels der Scheiterschwemme bis zur Donau gebracht und dort für den Weitertransport zunächst zu Flößen zusammengebaut, später mit Schleppern oder per Eisenbahn abtransportiert. Der Hauptrechen, die Schwemmlände und der Holzplatz für die Aistschwemme war in Au.

Flussregulierungen 1927 wurde die aus Beton hergestellte Brücke über die Aist in Obersebern eröffnet und noch im selben Jahr gemeinsam mit der Gemeinde Haid bei Mauthausen der Verlauf der Aist abgeändert und die Einmündung in die Donau verlegt.

Beim Bau des Kraftwerks Wallsee-Mitterkirchen wurden sowohl die Gewässernetze von Aist und Naarn als auch der Wasserhaushalt der Au reguliert, wobei teilweise wiederum neue Flussbette geschaffen und die Flussmündungen in die Donau verlagert wurden.

Donauregulierung Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die Donau im Bereich der heutigen Gemeinde Naarn einen weitgehend naturnahen Verlauf, wo manchmal wegen der unzähligen Mäander, Inseln und Kiesbänke ein Hauptstrom im üppigen Auwald nicht mehr erkennbar war. Ufersicherungen erfolgten beispielsweise 1773 im Bereich des Marktes Au. Die Donau machte unterhalb des Marktes Au eine starke Biegung nach Süden in Richtung Erlakloster, die aber im Laufe der Zeit immer mehr versandete. Am linken Ufer bildeten sich bei hohem Wasserstand zahlreiche Seitenarme und Wassergräben. Damals war es möglich, direkt von der Donau bis nach Staffling zu fahren.

Die anlässlich der 1822 begonnenen österreichische Donauregulierung führte unterhalb des Marktes Au zu Durchstichen (1845/46) und 1852/54. Nach dem Donaudurchstich 1922 erhielt die Donau von Au bis Wallsee ein begradigtes Bett und eine bessere Strömung. Altarme und Nebengerinne blieben zwar erhalten, versumpften aber, so dass sie nicht mehr befahrbar waren. Eine Schifffahrtsrinne erleichterte von diesem Zeitpunkt an die Schifffahrt auf der Donau. Seit dem Bau des Kraftwerks Mitte der 1960er Jahre befindet sich die Donau im Bereich der Gemeinde Naarn in dessen Staubereich.

Hochwasserschutz Über die Hochwassergefahr der Donau im Bereich der heutigen Gemeinde Naarn wird bereits in den Aufzeichnungen der Römer berichtet, die ihre Position Albing gegenüber der Aistmündung wegen zu großer Hochwassergefahr aufgaben und ins etwas höher gelegene Lager Lauriacum übersiedelten. Weitere Hochwässer sind ab Beginn der schriftlichen Urkunden im 9. Jahrhundert immer wieder dokumentiert. Zuletzt bedrohte eine Hochwasserkatastrophe 2002 weite Teile des Machlandes.

Das von 2009 bis 2013 errichtete Baulos 1 des Machlanddammes erstreckt sich auf eine Länge von rund sieben Kilometern zwischen Au und Ruprechtshofen und soll für die Ortschaften Au, Naarn, Strass, Staffling und Ruprechtshofen Schutz gegen ein einhundertjähriges Hochwasser bieten.

Die ebenfalls zum Machlanddamm gehörende insgesamt 8,7 Kilometer lange Flutmulde (Baulos 8) beginnt ebenfalls in Au, verlässt das Gemeindegebiet nach etwa 7 Kilometern in Ruprechtshofen, mündet in Mitterkirchen im Machland in den Hüttinger Altarm und imitiert gemeinsam mit diesem einen Nebenarm der Donau mit einer Gesamtlänge von 14,3 Kilometer. Damit sollen die Situation bei kleineren Hochwässern verbessert und die ökologische Funktionsfähigkeit des Nebengewässersystems sichergestellt werden.

Gemeindegliederung

Die Marktgemeinde Naarn besteht aus vier Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

In der Katastralgemeinde Au ( Einwohner) befinden sich die Ortschaften Aist () mit dem Ortsteil Winkl, Au an der Donau (), Oberwagram () mit dem Ortsteil Brand und Sebern () mit den Ortsteilen Niedersebern und Obersebern. Die Katastralgemeinde Baumgarten ( Einwohner) besteht aus den Ortschaften Baumgarten (), Holzleiten () mit dem Ortsteil Höft, Neuhof () mit dem Ortsteil Holzpoint und Schönau () mit den Ortsteilen Loa und Oin. Zur Katastralgemeinde Naarn ( Einwohner) gehören die Ortschaften Dirnwagram (), Laab (), Naarn (), Pratztrum () und Wimm () mit den Ortsteilen Hainbuchen und Koth. Zur Katastralgemeinde Ruprechtshofen ( Einwohner) zählen die Ortschaften Ruprechtshofen (), Staffling () mit dem Ortsteil Tabor, Starzing () und Straß ().

Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Perg.

Nachbargemeinden

Geschichte Jungsteinzeit bis Antike mini|Standort dreier römischer Feldlager bei Obersebern Die Anwesenheit von Menschen in der Jungsteinzeit ist durch diverse Zufallsfunde von Steinbeilen und deren Bruchstücke aus der Zeit zwischen 4500 und 1800 vor Christus auf dem Gemeindegebiet von Naarn belegt (Beispiele sind Reibsteine, gelochte Beile, Klopfsteine u. a.). Zufallsfunde aus der Bronzezeit zwischen 1800 und 800 vor Christus, einerseits Bronzewerkzeuge und Bronzeschmuck sowie andererseits Urnenfelder, ergänzen die Nachweise aus der Antike. Systematische Grabungen wurden in Naarn im Gegensatz zu den Grabungsaktionen in Perg und Mitterkirchen im Machland bisher nicht durchgeführt.

Während der Römerzeit lag das heutige Naarner Gemeindegebiet nördlich der Grenze der Provinz Noricum am Limes des Römischen Reiches – der damals in diesem Bereich von der Donau gebildet wurde – innerhalb einer 7,5 Kilometer breiten Pufferzone zwischen Römern und Barbaren. Das römische Kastell Adiuvense (Wallsee), sowie die beiden Legionslager Albing und Lauriacum (Enns/Lorch) lagen in Sichtweite. Siedlungsspuren aus dieser Zeit waren in Naarn lange nicht nachweisbar, da die erwähnte Pufferzone von den dort siedelnden Germanen geräumt werden musste und Niemandsland darstellte.

2017 konnten jedoch drei temporäre römische Feldlager am Fluss Aist im Ortsteil Obersebern (in früheren Landkarten als Untersebern bezeichnet) im Bereich der heutigen Schwemmgasse und den nordöstlich angrenzenden Feldern identifiziert werden (). Die Militärlager von Obersebern ermöglichten einerseits die Kontrolle des Donautals und andererseits auch die einer wichtigen gegen Norden führenden Verkehrsroute entlang des Flusses Aist in das Barbaricum. Die drei Feldlager stehen für die temporäre Präsenz militärischer Einheiten oder für die in kurzem Intervall eintreffenden Staffeln in der Größe dreier cohortes quinquenariae (Einheiten geringer Mannstärke). Die Identifizierung dieser Lager war eine kleine Sensation. Es sind die bisher einzigen römischen Lager in Oberösterreich nördlich der Donau.

Mittelalter mini|Harter Schlössel (Kupferstich von Georg Matthäus Vischer aus 1674) Nach der Völkerwanderungszeit siedelten in der Gegend von Naarn zeitgleich Baiern und Slawen (Winden). Beide Völker hinterließen Spuren in den Orts- und Hausbezeichnungen. Als Beispiele für windische Namen können für Naarn die Ortsbezeichnungen Starzing, Tabor, Straß, Pratztrum, Koth und Sebern angeführt werden. Als bayerische Ortsbezeichnung in Naarn sind beispielsweise Au, Winkl, Brand, Oberwagram, Dirnwagram, Hart, Bach, Staffling, Baumgarten, Wimm, Hainbuch, Neuhof, Holzleiten, Ruprechtshofen und Schönau zu qualifizieren.

Auf Grund der Siedlungsform sind Niedersebern und Pratztrum als alte Slawensiedlungen anzusehen. Die bayerischen Einzelhöfe und Dorfniederlassungen wurden zwischen den damals schon vorhandenen windischen Weilern errichtet.

Ab dem 9. Jahrhundert gehörte das Gebiet zur Awarenmark (Mark an der Donau, marchia orientalis) innerhalb des Herzogtums Bayern im Frankenreich.

Kirchlich zuständig war das Bistum Passau, wenngleich es Überschneidungen mit dem Bistum Regensburg gab. Aus dieser Zeit stammen die ersten schriftlichen Belege in Form von Urkunden, beispielsweise der Confirmatio Ludovici Pii von König Ludwig dem Frommen aus dem Jahr 823 u. a. mit der erstmaligen Erwähnung von Naarn als Nardinum. Naarn war im 8. Jahrhundert der einzige nördlich der Donau gelegene Taufbezirk des Bistums Passau im Mühlviertel mit Naarn als Taufkirche. Die Pfarre Naarn gilt neben Saxen und Ried in der Riedmark als eine der Urpfarren des Unteren Mühlviertels, von der später unmittelbar oder mittelbar 21 Pfarren der heutigen Bezirke Perg, Freistadt und Urfahr-Umgebung herausgelöst wurden.

Der Herrensitz in der Ortschaft Aisthofen auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Weinzierl war als Althof Mittelpunkt und Verwaltungssitz des jahrhundertelang so genannten Regensburger Luß, wobei in diesem Zusammenhang die Schenkung des Traungauer Grenzgrafen Wilhelm von großer lokaler Bedeutung ist.

In der Karolingerzeit wurden die Naarner Orte an der Donau Staffling und Au als Ansiedlungen und Handelsplätze und Donauhäfen genannt, von denen alte Handelswege Richtung Böhmen führten.

Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurde die bayerische Siedlungstätigkeit durch Angriffe der Ungarn beeinträchtigt. Eine Schlacht mit ungünstigem Ausgang für die Ungarn soll in der Ebene zwischen Naarn und Mauthausen stattgefunden haben.

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurden die Babenberger mit der Befriedung der Donaumark betraut. Das Machland war Teil dieser Mark, die als Kernland Österreichs gilt und vom Erlabach östlich der Enns beiderseits der Donau bis westlich des Wienerwaldes reichte. Leopold I. wurde 976 Markgraf und 996 erfolgte erstmals die urkundliche Erwähnung der Bezeichnung Ostarrichi (Österreich) für diese Gegend.

Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.