300px|mini|Lateinformation des Aachener TSC Blau-Silber, 2007 300px|mini|B-Standardformation des 1. TC Ludwigsburg, 2009

Formationstanzen ist im Gegensatz zum Paartanz und Solotanz das gemeinsame koordinierte Tanzen von mehr als zwei Personen. Prinzipiell lässt sich das Formationstanzen in zwei Arten aufteilen. Zum einen gibt es Formationen aus Einzeltänzern und zum anderen Formationen aus Paaren. Formationen aus Einzeltänzern sind z. B. im Jazz-Modern-Dance und im Gardetanz, als auch im Hip-Hop, Showdance und Stepptanz verbreitet. Formationen aus Paaren tanzen entweder einen einzelnen Tanz oder eine größere Anzahl von Tänzen ähnlicher Art.

Je nach getanzten Tänzen kann wiederum in eine Vielzahl von Arten untergliedert werden. Im deutschsprachigen Raum am etabliertesten sind die Standard- und Latein-Formationen, welche in den Ligen des Deutschen Tanzsportverbands (DTV) starten. Zehn-Tänze-Formationen, die alle zehn Standard- und Lateintänze tanzen, gibt es derzeit in Deutschland nicht.

Dieser Artikel behandelt in erster Linie den Formationssport im Bereich der Standard- und Lateintänze, wie er vom DTV und der World Dancesport Federation (WDSF)World Dancesport Federation, abgerufen am 13. November 2022 reglementiert wird. Hier besteht ein Formationsteam aus mindestens fünf und maximal acht Paaren. Ein Turnier wird in der Regel mit acht Paaren bestritten. Sonstige Formationen, die Rock ’n’ Roll, Boogie-Woogie oder Jazz-Modern-Dance tanzen, werden in den Artikeln der jeweiligen Tänze behandelt.

Charakteristik

Musik Die Musik darf bei Standard- und Lateinturnierformationen maximal sechs Minuten lang sein. Sie besteht aus Einmarsch, Hauptteil und Ausmarsch, wobei nur der Hauptteil in die Wertung eingeht. Der Hauptteil muss zwischen drei und viereinhalb Minuten lang sein. Der Ein- und Ausmarsch darf zusammen nicht länger als anderthalb Minuten sein, wobei deren Aufteilung beliebig ist. Sie sind dazu da, das Publikum auf das jeweilige Thema einzustimmen, werden vom Wertungsgericht aber nicht in die Wertung mit einbezogen. Die einzelnen Teile werden durch ein akustisches Signal, meist durch einen Gongschlag, voneinander getrennt.

In der Regel ist die Musik ein Arrangement von bekannten Musikstücken, die durch Bearbeitung an den jeweiligen Tanz angepasst werden. Jede Formationsmusik hat ein Thema, wie z. B. den Namen einer Musikgruppe, von der die Stücke stammen, oder ein Thema wie „Gipsy“, „Swing“ oder „Cuba“. Im Grunde genommen ist dem Choreografen bei der Wahl der Musik keine Grenze gesetzt, solange die gewählte Musik der Charakteristik der jeweiligen Tänze entspricht.

Die Produktion einer solchen Formationsmusik kann bis zu 15.000 Euro und mehr kosten, wenn diese von einem Orchester passend auf die Bedürfnisse einer Formation eingespielt wird. Das wird in der Hauptsache von finanzstarken Vereinen der Bundesligen praktiziert, die diese in den Folgejahren zur Refinanzierung an andere Teams unterer Ligen vermieten. Eine zusammengeschnittene Formationsmusik ist hingegen deutlich günstiger und kann – je nach vorhandenem musikalischen Kenntnissen und technischem Wissen – durchaus in Eigenarbeit erstellt werden. Da der Arbeitsaufwand und die nötige Erfahrung zur Erstellung einer geschnittenen Musik nicht gering ist, wird oftmals jedoch, in Vereinen jeder Größe, auf eine gemietete Musik zurückgegriffen.

Bilder

Durch die Veränderungen der Tanzpositionen werden sogenannte Bilder gestellt. So sehen die Wertungsrichter zum Beispiel Rauten, Diamanten, Linien, Kreise, Reihen und Diagonalen. Die Bildentwicklung macht einen großen Teil der choreografischen Leistung aus, da die Wirkung der Schritte und Posen auch stark von den Bildern abhängig ist. Alle Teile müssen aufeinander abgestimmt werden.

Tanztypische Besonderheiten

Zusätzlich zu den üblichen Figuren eines Tanzes gibt es spezielle, die nur in Formationsdarbietungen vorkommen. Dazu gehören bei Lateinformationen neben sonstigen Effekten das Roundabout, auch als Wanderroundabout und mit Bodenwischer, Pirouetten, Lankenaus, Kettenreaktionen, die sogenannte Velberter Rose, Potstirrer und der Wind, deren gute Ausführungsqualität sehr publikumswirksam sind. Auch sind Herrensoli wegen der meistens dunklen Kleidung und des hellen Parketts sehr beliebt, da hier die Synchronität besonders leicht zu erkennen ist. Im Ein- und Ausmarsch sind zudem Hebefiguren erlaubt.

Kleidung Im Bereich der Standardformationen ist für alle Herren ein Frack oder eine Weste in schwarz oder mitternachtsblau vorgeschrieben. Im Lateinbereich sind die Herren in der Regel schwarz gekleidet, da so der Kontrast zum hellen Parkett am größten ist und Bilder leichter zu erkennen sind. Die Regeln sind hier jedoch liberaler. So müssen die Tänzer lediglich einheitlich gekleidet sein. Die Damen dürfen im Rahmen der Kleiderordnung der Turnier- und Sportordnung des DTV unterschiedliche Kleider tragen, was jedoch nur sehr selten der Fall ist.Das GGC Bremen wollte an der WM 2014 in verschiedenfarbigen Kleidern auftreten, Marco Sietas, Sportdirektor der WDSF drohte jedoch die Mannschaft zu disqualifizieren.ggcbremen.de:

Bewertung

Die Wertungsrichter bewerten die Leistungen der Mannschaften mit Hilfe eines Punktesystems relativ zueinander. Hierbei stehen ihnen vier Wertungsgebiete zur Verfügung, die, im Gegensatz zum Wertungssystem bei Einzelwettbewerben, gleichberechtigt nebeneinander stehen.tanzsport.de:

Musik Alle Tänzer müssen dem Rhythmus und dem Takt der Musik folgen. Alle Bewegungen sollen zeitgleich ausgeführt werden. Die Musik selbst (also die Auswahl der Musikstücke) wird nicht bewertet. Tänzerische Leistung Gewertet wird die Durchschnittsleistung der Formation. Es sollten also alle Tänzer/Paare auf einem ähnlichen Niveau tanzen. Übergänge zwischen Bildern sollen mittels tanztypischer Figuren ertanzt und nicht gelaufen werden. Ausführung der Choreographie Gewünscht sind gerade Linien und runde Kreise, harmonische und „gut lesbare“ Übergänge zwischen den Bildern. Die Aufteilung der Mannschaft im Raum sollte innerhalb der Choreographie ausgewogen um die Mitte und die Mittelachsen gestaltet sein. Die Fläche sollte vollständig ausgenutzt werden. Durchgängigkeit und Charakteristik Die Tänze sollen ab dem ersten Takt anhand ihrer charakteristischen Bewegungen erkennbar sein. Der gesamte Vortrag sollte dabei ohne überflüssige Stopps durchgehend gezeigt werden. Ausnahmen bilden Posen, die als „Klatschpausen“ genutzt werden.

In der Vorrunde werden die Wertungen noch verdeckt gegeben, und die Mannschaften in ein großes und ein kleines Finale eingeteilt. Jedes Finale wird dann für sich mit offenen Platzempfehlungen gewertet, aus welchen sich durch Anwendung des Majoritätssystems der finale Platz ergibt. Ausnahmen bildet die Deutsche Meisterschaft sowie WM und EM, bei denen eine Vor-, Zwischen und Endrunde getanzt wird. Letztere wird dann auch offen gewertet.

Wettbewerbe

Ligastruktur in Deutschland

mini|Ligabereiche im DTV (Nord, West und Süd) Das Ligasystem des Deutschen Tanzsportverbandes ist weltweit einzigartig und gliedert sich in drei Ligabereiche: Nord, West und Süd. Im Lateinbereich vierstufig, reicht es von den Landesligen über die Regionalligen und 2. Bundesligen der einzelnen Ligabereiche bis zur 1. Bundesliga, die eingleisig geführt wird. Im Standardbereich beginnen die Turniere erst in der 2. Bundesliga, da die Anzahl der Mannschaften hier insgesamt geringer ist. Auch wurden schon die Ligabereiche der einzelnen Bereiche zusammengelegt, da nicht genügend Teilnehmer vorhanden waren (aktuell Süd und West). Da in den neuen Bundesländern nur vereinzelt Formationstanz betrieben wurde, war die Schaffung eines eigenen Ligabereiches Ost mangels Teilnehmer bisher nicht sinnvoll, so dass Vereine aus diesen Gebieten den Ligabereichen Nord (z. B. Berlin) oder Süd (z. B. Thüringen) zugeteilt worden sind. Außerdem besteht der Ligabereich West nur aus dem nordrhein-westfälischen Landesverband (TNW).

Getanzt werden in der Regel fünf Turniere mit allen Mannschaften einer Ligagruppe, die möglichst aus acht Mannschaften besteht. Am Ende des fünften Turnieres werden die Mannschaften nach der Summe ihrer Ergebnisse sortiert und steigen entweder direkt auf oder nehmen an Aufstiegsturnieren teil. Der Abstieg ist in allen Ligen direkt, d. h., dass es keine echten Relegationsturniere gibt. Die genaue Anzahl der Auf- und Absteiger richtet sich nach Mannschaftszahl und wird jährlich vom Sportwart des DTV bestimmt.

Höhepunkt der Saison ist die Deutsche Meisterschaft der Formationen, zu der die Mannschaften der 1. Bundesligen (Standard und Latein) teilnahmeberechtigt sind. Zu beachten ist hier, dass das Abschneiden in der 1. Bundesliga als Tabellenführer noch nicht den Deutschen Meister kürt. Abgesehen von der Vergabe des nationalen Titels wird auch um die Startplätze der internationalen Wettbewerbe der WDSF gestritten.

In der Saison 2006/07 tanzten 145 Latein-Formationen aus 90 Vereinen und 38 Standard-Formationen aus 29 Vereinen. Die größten Vereine waren der Grün-Gold-Club Bremen mit fünf Latein-Formationen sowie der TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg und der Aachener TSC Blau-Silber mit je vier startenden Latein-Teams.

In der Saison 2022/23 war der TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg mit 6 startenden Lateinformationen der größte Verein im Bereich Latein. Der TSC Grün-Weiß Braunschweig, TSZ Blau-Gold-Casino Darmstadt, das Tanzsportteam d. ASC Göttingen 1846 und der TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg, die allesamt mit 2 Standardformationen starteten, waren die größten Vereine im Bereich Standard. Mit insgesamt 8 startenden Mannschaften war das TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg folglich der größte Verein Deutschlands.

Die folgenden „Liga-Pyramiden“ stellen den Aufbau des deutschen Ligasystems der Saison 20023/24 des DTV schematisch dar. Der aktuelle Tabellenstand und die Termine der Turniere aller Ligen können auf der offiziellen Webseite des Deutschen Tanzsportverband e. V. eingesehen werden.

Liga-Pyramide

Die Bundesligen 1. Bundesliga ↑ Aufstiegsturnier ↓ Direktabstieg 2. Bundesliga Nord (1) 2. Bundesliga West (2) 2. Bundesliga Süd (3) (4) (5) ↑ Direktaufstieg ↓ Direktabstieg ↑ Direktaufstieg ↓ Direktabstieg ↑ Direktaufstieg ↓ Direktabstieg Die Regionalligen Regionalliga Nord Regionalliga West Regionalliga Süd TBW (3) (4) Regionalliga Süd Bayern (5) ↑ Direktaufstieg ↓ Direktabstieg ↑ Direktaufstieg ↓ Direktabstieg ↑ Aufstiegsturnier ↓ Direktabstieg ↑ Direktaufstieg ↓ Direktabstieg Die Landesligen Landesliga Nord Landesliga West Landesliga Süd TBW 1 Landesliga Süd TBW 2 Landesliga Süd Bayern (1) nördl. Bundesländer; (2) TNW (Nordrhein-Westfalen); (3) HTV (Hessen), TRP (Rheinland-Pfalz), SLT (Saarland), TTSV (Thüringen); (4) TBW (Baden-Württemberg); (5) Bayern

Nationale Wettbewerbe des DTV

Neben dem Ligabetrieb wird einmal im Jahr die Deutsche Meisterschaft in Form eines einzelnen Turnieres veranstaltet. Sie ist gleichzeitig auch Auftaktturnier einer Saison und dient vielen Teams zur Vorstellung von neuen Choreographien für die dann kommenden Bundesligaturniere. Teilnahmeberechtigt sind alle Teams der 1. Bundesligen in ihrer jeweiligen Tanzart. So starten auch die Aufsteiger aus der 2. Bundesliga und müssen sich an der Konkurrenz aus der 1. Liga messen.

Aufgeführt sind hier der Erste und Zweite der Meisterschaften.