Rechberg ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Perg im Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Lage und Umgebung Rechberg liegt auf im unteren Mühlviertel. Die größte Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 4,3 km und von West nach Ost 5,8 km. Die Gemeinde bedeckt eine Fläche von 13,8 km². 39,6 % davon sind bewaldet, 55,4 % sind landwirtschaftlich genutzt. Die höchsten Erhebungen des Gemeindegebietes befinden sich auf dem Puchberg im Norden des Gemeindegebietes an der Grenze zu Pierbach mit beim Bauernhof Kragner und beim Bauernhof Großpammer.
Geologie, Gewässer Die Gemeinde liegt im Untermühlviertler Schollenland, einem Ausläufer des Granit- und Gneisplateaus. Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört das Gemeindegebiet von Rechberg zur Gänze zur oberösterreichischen Raumeinheit Aist-Naarn-Kuppenland.
Rechberg verfügt über einen in den 1970er-Jahren angelegten Badeteich (Stauweiher Rechberg), der vom Hiesbach gespeist und über den Hiesbach in die Naarn entwässert wird. Die Quelle des Hiesbachs befindet sich südlich des Puchbergs auf einer Höhe von etwa Das Einzugsgebiet ist sehr waldreich. Die Mündung befindet sich an einer der wenigen Vollwasserstrecken der Naarn.Klaus Berg, Clemens Gumpinger, Simonetta Siligato: Wehrkataster der Naarn und ihrer Zuflüsse. Gewässerschutz-Bericht 42. Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft, Linz 2009, S. 71 (land-oberoesterreich.gv.at [PDF; 2,8 MB]).
Die Naarn bildet die westliche Grenze des Gemeindegebietes. Das Naarntal ist auf dem Gemeindegebiet von Rechberg Teil des Naturparks Mühlviertel ein Landschaftsschutzgebiet, das zum Natura-2000-Gebiet Waldaist-Naarn gehört. Weitere kleinere Fließgewässer auf dem Gemeindegebiet sind der Hinterbergerbach an der Grenze zu St. Thomas am Blasenstein sowie der Brandstätterbach und der Modlerbach an der Grenze zu Windhaag bei Perg.
Das Klima im unteren Mühlviertel ist geprägt vom Atlantik und von der Lage am Nordrand der Alpen. Die meist aus westlicher Richtung herangetragenen feuchten atlantischen Luftmassen sorgen für Niederschläge, die in Rechberg rund 840 mm im Jahresdurchschnitt betragen. Es wurde eine Häufung der Niederschläge in den Sommermonaten, gefolgt von den Frühjahrsmonaten, gemessen, während die Herbst- und Wintermonate in der Regel die trockensten Perioden sind.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,7 °C, wobei die einzelnen Monatswerte zwischen −3 °C im Jänner und +19 °C im Juli schwanken. Die relative Sonnenscheindauer erreicht im Sommer mehr als 50 %, im Winter infolge der häufig nebelfreien Lage immerhin 30 bis 35 %.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 10 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus der Katastralgemeinde Rechberg.
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Perg.
Nachbargemeinden
Klima
Bevölkerung
Einwohnerentwicklung Die Bevölkerung erreichte 1880 mit 607 Personen einen Höchststand und ging dann mehrere Jahrzehnte lang zurück, wobei der Tiefpunkt mit 521 Personen 1951 erreicht wurde. Seither nimmt die Bevölkerung zu, es dauerte aber bis zur Überschreitung der Höchstmarke aus dem 19. Jahrhundert noch bis 1971. Ein starkes Bevölkerungswachstum war erst ab den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen. (Stand 2025)
Bevölkerungsstruktur nach Geschlecht, Alter und Bildung Die Gemeinde Rechberg hatte am 1. Jänner 2009 931 Einwohner, davon 491 Männer und 440 Frauen.Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde Rechberg Bevölkerungsstand und -struktur PDF
Die grobe Altersstruktur der Rechberger Bevölkerung zum 1. Jänner 2009 zeigt, dass 70,9 % der Rechberger über 15 und unter 65 Jahre alt sind. Mit 19,5 % ist etwas weniger als ein Fünftel der Bevölkerung jünger und mit 9,6 % etwa ein Zehntel der Bevölkerung älter. Der Frauenanteil liegt bei der Hauptgruppe mit rund 45,2 % deutlich unter, während er bei den älteren Personen mit 56,2 % deutlich höher als bei der Gesamtbevölkerung liegt.
Von den 643 Rechbergern, die 2001 über 15 Jahre alt waren, sind 310 beziehungsweise 48,2 % Frauen. 17 Rechberger, das sind 2,7 % der über Fünfzehnjährigen, haben den Abschluss einer Universität, Fachhochschule oder Akademie, der Frauenanteil liegt hier mit 58,8 % deutlich über dem der Bevölkerungsgruppe insgesamt. Weitere 31 Rechberger, das sind 4,9 % der relevanten Bevölkerungsgruppe, haben die Matura, dabei liegt der Frauenanteil mit 51,6 % geringfügig unter dem an der betreffenden Bevölkerungsgruppe. 311 Rechberger, das sind mit 48,4 % fast die Hälfte der über Fünfzehnjährigen, haben eine Lehre oder berufsbildende mittlere Schule abgeschlossen, wobei der Frauenanteil 36,0 % beträgt. 284 oder 44,2 % der Rechberger haben nur einen Pflichtschulabschluss. Darunter sind etwa drei Fünftel Frauen.Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde Rechberg Bildung PDF
Herkunft und Sprache 97,6 % der Rechberger Einwohner sind zum 1. Jänner 2009 österreichische Staatsbürger und 97,3 % wurden in Österreich geboren. 0,5 % der Rechberger kommen aus anderen EU-Staaten, 1,9 % aus Nicht-EU-Staaten.Statistik Austria Tabelle: Ein Blick auf die Gemeinde Rechberg Demographische Daten PDF
Der mittel- oder donaubairische Dialekt ist eine bairische Dialektform, die in ganz Oberösterreich verbreitet ist. Der ostösterreichische Zweig des Mittelbairischen geht auf die Mundart des durch die bairische Ostsiedlung entstandenen babenbergischen Herrschaftsgebietes Ostarrichi zurück.
Bei der Volkszählung 2001 haben 855 Personen (97,5 %) Deutsch als Umgangssprache angegeben, 1 (0,1 %) Türkisch, 5 (0,6 %) Kroatisch, 3 (0,3 %) Ungarisch und 7 (0,8 %) eine sonstige Sprache.
Religion Im 16. Jahrhundert waren die Nachfolger von Ladislaus Prager zum protestantischen Glauben konvertiert und mit ihnen die zur Herrschaft Windhaag gehörenden Pfarren und Untertanen (Altenburg, Münzbach, Rechberg, Windhaag). Nach der Übernahme der Herrschaft durch den Gegenreformator Joachim Enzmilner wurden die protestantischen Pfarrer vertrieben, wer nicht zum katholischen Glauben zurückkehren wollte, verlor sein Hab und Gut und somit waren sehr bald die Pfarren und Untertanen wieder katholisch.
Bei der Volkszählung 2001 haben 835 Personen (95,2 %) römisch-katholisch als Religionsbekenntnis angegeben, 11 (1,3 %) islamisch, 6 (0,7 %) evangelisch, 2 (0,2 %) orthodox und 2 (0,2 %) sonstige Glaubensrichtungen. 21 (2,4 %) der Rechberger haben sich zu keiner Religion bekannt.
Geschichte Die Anwesenheit von Menschen in Rechberg ist seit dem Neolithikum durch den Fund eines Flachbeils aus dunkelgrünem Serpentin bezeugt. Auf der Felsformation in der Nähe befindet sich außerdem ein Schalenstein. Daher gelten kultische Aktivitäten am Plenkerberg als sehr wahrscheinlich.Gottfried Schindlbauer: Natur- & Kulturlandschaft der Gemeinde Rechberg. In: Mehr als nur Steine. Heimat Rechberg. Rechberg 2009, S. 21.
Während der Römerzeit lag die Gegend um Rechberg etwa fünfzehn Kilometer nördlich der Grenze der Provinz Noricum, die in diesem Bereich vom Limes beziehungsweise von der Donau gebildet wurde, bereits außerhalb der 7,5 Kilometer breiten Pufferzone zwischen Römern und Barbaren. Siedlungsspuren aus dieser Zeit sind auf dem Gebiet der Gemeinde Rechberg nicht nachweisbar.
Der sprachliche Einfluss der slawischen und baierischen Siedlungstätigkeit im 7. und 8. Jahrhundert ist verschiedentlich in den Bauernhof- und Ortschaftsbezeichnungen erhalten geblieben. Die Gegend um Rechberg war ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern gelegen und gehörte ab dem 9. Jahrhundert zur Awarenmark.
Zur Zeit der Babenberger lag Rechberg in der Markgrafschaft beziehungsweise später im Herzogtum Österreich in der Riedmark im Gebiet der Herren von Perg. Die ältesten urkundlichen Erwähnungen erfolgten um 1209 mit einer Kirche in Rechberg, die als Filialkirche von Pierbach bezeichnet wurde. Der Ort war viele Jahrhunderte mit der Herrschaft Saxenegg verbunden, wobei die Burg bereits 1438 weitgehend abgetragen wurde. 1493 gelangte die Herrschaft zur Greinburg. Da Rechberg ab 1525 zur Herrschaft Windhaag gehörte, ist anzunehmen, dass im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts die Pfarre protestantisch war. Unter dem Gegenreformator Joachim Enzmilner wurde Rechberg 1656 eine selbständige Pfarre und war von 1673 bis 1782 dem Dominikanerinnenkloster Windhaag inkorporiert. Die Pfarrer kamen vom Dominikanerkloster Münzbach.
1782 wurde Rechberg Katastralgemeinde und ab 1848 selbständige Gemeinde. Seit 1918 ist Rechberg eine Gemeinde im Bundesland Oberösterreich.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs und Rechberg gehörte bis 1955 zur sowjetischen Besatzungszone.
In den 1970er-Jahren begann mit dem Bau des Stauweihers Rechberg die Entwicklung der Gemeinde zum Urlaubs- und Erholungsdorf, die mit der Schaffung des Naturparks Rechberg beziehungsweise später des überregionalen Naturparks Mühlviertel fortgesetzt wurde. Seither ist auch ein deutliches Wachstum der Bevölkerung zu beobachten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Rechberg mini|Der 400 Jahre alte Großdöllnerhof
Pfarrkirche Rechberg Großdöllnerhof (Freilichtmuseum und Steinlehrpfad)
Auf dem Plenkerberg befindet sich die nach Karl Weichselbaumer benannte Aussichtswarte mit Blick auf das Alpenvorland und die Alpen.
Naturdenkmäler mini|Naturdenkmal Schwammerling Auf dem Gebiet der Gemeinde befindet sich ein Teil des Naturparks Mühlviertel mit folgenden Naturdenkmälern:Homepage Naturpark Mühlviertel Naturdenkmal Pammerhöhe Schwammerling (pilzähnliche Felsformation) Felsformation auf dem Plenkerberg Elefantenstein auf der Pammerhöhe Fuchsmauern Pechölsteine (siehe dazu auch Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel)
Das Naarntal ist auf dem Gemeindegebiet als Landschaftsschutzgebiet und Natura 2000-Gebiet Waldaist-Naarn ausgewiesen.
Sport und Freizeit In der Gemeinde Rechberg wurden eine Reihe von Vereinen gegründet, die den kulturellen Bedürfnissen der regionalen Bevölkerung nachkommen. Der Großdöllnerhof ist ein uriger, vierhundert Jahre alter Mühlviertler Dreiseithof, in dem eine Dauerausstellung zum Thema Volksmedizin und Aberglaube sowie wechselnde Sonderausstellungen gezeigt werden.Homepage des Großdöllnerhofs
Die Union Rechberg wurde 1971 gegründet und betreibt die Sektionen Fußball, Stockschießen, Schifahren, Damenturnen, Tennis und Tischtennis. Der erste Fußballplatz befand sich im Naarntal und wurde 1975 eröffnet. 1998 erhielt Rechberg eine neue Freizeitanlage mit zwei Tennisplätzen, acht Stockbahnen, zwei Fußballplätzen und einem Clubhaus.
Rechberg ist regional bekannt durch seinen Badesee, der im Sommer zum Schwimmen und im Winter als Eisfläche verwendet wird.
In Rechberg wurden mehrere Wanderwege ausgeschildert: Weg Puchberg, sechs Kilometer, etwa drei Stunden Weg Schwammerling, vier Kilometer, etwa eineinhalb Stunden Weg Schartmühle, drei Kilometer, etwa eine Stunde Der Naturparkweg, sieben Kilometer, etwa dreieinhalb Stunden Stoakraft Weg (seit 2019), 48 kmHelmut Deibl: Das Mühlviertel. Der Stoakraft Weg. Von innen her wachsen ist Glück. Naturpark Mühlviertel – Fantastische Weitblicke. 2019, Rechberg S. 42–47, 88–101 und 126–131.
Nach Rechberg führt der 56 Kilometer lange, im Rahmen der Rad-KulTOUR ausgeschilderte Radweg Naturparkweg (Radweg 30 gemäß OÖ. Landesregierung). Ausgehend von Perg führt die Tour über Rechberg, Bad Zell, Schwertberg und Au an der Donau zurück nach Perg.
Rechberg liegt an der ältesten ausgeschilderten Mountainbike (MTB)-Strecke Österreichs, die auf einer Länge von 32 Kilometern die Gemeinden Windhaag bei Perg, Allerheiligen, Bad Zell, Rechberg, Pierbach und St. Thomas am Blasenstein verbindet. (PDF)
SOS-Kinderdorf