St. Georgen an der Gusen (auch Sankt Georgen an der Gusen geschrieben) ist eine Marktgemeinde im Mühlviertel in Oberösterreich mit Einwohnern (Stand ). Sie ist mit 7,13 km² flächenmäßig die kleinste Gemeinde im Bezirk Perg.
Der zwischen 1220 und 1240 erstmals als Amt Sankt Georgen (Officium Sancti Georgi) urkundlich erwähnte Ort liegt an der Gusen, einem linken Nebenfluss der Donau. Seit dem 16. Jahrhundert führt die Hauderer Straße als Vorläufer der Donau Straße durch den Markt.
Geografie Die Marktgemeinde Sankt Georgen liegt am Eingang des Gusentals auf um die , das Gemeindegebiet bedeckt eine Fläche von 7,13 km². Die größte Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 3,3 km, von West nach Ost 4,8 km.
16,9 % der Fläche sind bewaldet, 63,4 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt, der Rest entfällt auf sonstige Zwecke. Die höchste Erhebung befindet sich im Norden des Gemeindegebietes in der Ortschaft Zottmann auf Die Donau passiert beim Kraftwerk Abwinden-Asten gut 1 km südlich der Gemeindegrenze.
Die Landeshauptstadt Linz ist 15 Kilometer in westlicher, die Bundeshauptstadt Wien 168 Kilometer in östlicher Richtung entfernt. Der nächste Grenzübergang nach Tschechien, Wullowitz in der Gemeinde Leopoldschlag, befindet sich nördlich in 52 Kilometer Entfernung. Die Landesgrenze zu Niederösterreich befindet sich in rund 11 Kilometer Entfernung und wird auf der Mauthausner Donaubrücken überschritten. Richtung Westen ist allgemein die Überquerung der Donau über die Linzer Donaubrücken möglich, während die Straße über das Stauwerk Abwinden-Asten in der Nachbargemeinde Luftenberg an der Donau nur von Fußgängern und Radfahrern benützt werden darf.
Landschaft und Geologie Die Hanglagen des heutigen Gemeindegebietes von Sankt Georgen an der Gusen befanden sich im Tertiär an der Uferzone eines Meeres. Zahlreiche, bis zu 40 Millionen Jahre alte Fossilien wurden in den Quarzsandlagerstätten des Ortes gefunden. Sankt Georgen an der Gusen liegt im Untermühlviertler Schollenland, einem Ausläufer des Granit- und Gneisplateaus.
Das Gemeindegebiet grenzt zwar nicht an die Donau, diese fließt aber nur wenige Kilometer südwestlich am Kraftwerk Abwinden-Asten in der Nachbargemeinde Luftenberg an der Donau und südöstlich an der Burgruine Spielberg in der Nachbargemeinde Langenstein vorbei. Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört das Gemeindegebiet von Sankt Georgen an der Gusen zu drei der 41 naturräumlichen Raumeinheiten des Bundeslandes Oberösterreich, wobei der größere Teil in der Raumeinheit Südliche Mühlviertler Randlagen gehört. Die Höhenlagen beiderseits der Gusen (Am Berg und am Kruckenberg) zählen landschaftlich zum Zentralmühlviertler Hochland und das südliche Ende des Gemeindegebiets ragt in das Linzer Feld, der Donautalung zwischen Linz und Mauthausen.
Gewässer Wesentlichstes Fließgewässer im Gemeindegebiet ist die Gusen, die im Nordosten die östliche Gemeindegrenze zur Nachbargemeinde Katsdorf bildet, dann von Norden nach Süden durch die Gemeinde fließt und diese im äußersten Süden Richtung Langenstein verlässt. Im Nordwesten gelangt der Retzbach auf das Gemeindegebiet und mündet schließlich kurz nach der Knollmühle in die Gusen.
Gemeindegliederung Einzige Katastralgemeinde ist St. Georgen an der Gusen. Die 4 Ortschaften (Einwohner Stand: ) sind: Sankt Georgen an der Gusen (, Hauptort) Zottmann () Denneberg () Schörgendorf () samt Am Berg, Bruckmühl und Steg.
Diese Ortschaften liegen allesamt direkt an der Gusen. Zählsprengel sind St.Georgen a.d.Gusen-Süd und St.Georgen a.d.Gusen-Nord, die jeweils etwa die Hälfte der Gemeinde umfassen.
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Perg.
Nachbargemeinden
Geschichte
mini|Der Markt Sankt Georgen an der Gusen. Im Hintergrund der Luftenberg Sankt Georgen und die Nachbargemeinden Die auf dem Gebiet der Pfarre Sankt Georgen bestehenden Ortsgemeinden Langenstein, Luftenberg, Pürach (1937 zu Luftenberg eingemeindet) sowie der Markt Sankt Georgen an der Gusen wurden 1784 als Katastralgemeinden festgelegt und 1848 zu selbständigen politischen Gemeinden. Der Gemeinschaftsbesitz der Marktbürger von Sankt Georgen an der Gusen wurde in der Marktkommune noch bis 1931 selbständig verwaltet. Die historische Verbundenheit der in der Pfarre zusammengefassten Orte besteht teilweise bis heute (gemeinsame Pfarrkirche, Friedhof, Kriegerdenkmal, Vereine, Ortspolizei). Erst durch das starke Bevölkerungswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Orte mit dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur. Die nachstehenden geschichtlichen Ausführungen beziehen sich daher großteils auf Sankt Georgen an der Gusen einschließlich der beiden angeführten Nachbargemeinden.
Überblick Die 1367 als „St. Jörger Pfarr bey der Gusen“ erstmals erwähnte Pfarre mit der um 1190 errichteten Georgskirche ist bis heute auch Mittelpunkt des religiösen Lebens für Luftenberg an der Donau und Langenstein. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Pfarre Sankt Georgen protestantisch. Die Machländische Bauernbewegung um den aus Steining stammenden Martin Aichinger hatte auch hier zahlreiche Anhänger. Ab 1784 entstanden auf dem Gebiet der Pfarre Sankt Georgen die Katastralgemeinden St. Georgen, Langenstein, Luftenberg und Pürach, die 1848 zu selbständigen politischen Gemeinden wurden. Die das Gemeinschaftseigentum der Bürger verwaltende Marktkommune ist 1931 zur Gänze in der Marktgemeinde aufgegangen. Seit 1873 führt die Summerauer Bahn durch das Gemeindegebiet. Der Bahnhof von Sankt Georgen befindet sich allerdings auf dem Gemeindegebiet der Nachbargemeinde Luftenberg in der Ortschaft Abwinden. Im Zweiten Weltkrieg war Sankt Georgen an der Gusen Sitz der Granitwerke Mauthausen der Deutschen Erd- und Steinwerke Berlin (DEST) und damit die wirtschaftliche Kommandozentrale für die Konzentrationslager in Gusen und Mauthausen. Unweit des Ortszentrums befand sich die zweitgrößte unterirdische Fabrik des Großdeutschen Reiches für die serielle Produktion von Messerschmitt Me 262 Düsenjagdflugzeugen, den ersten serienmäßig einsatzfähigen Militärflugzeugen mit Strahltriebwerken. Die historisch bedingte enge Verbindung mit Luftenberg und Langenstein wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich gelockert, indem diese begannen, eine eigenständige kommunale Infrastruktur mit Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen usw. einzurichten. Mit dem Ausbau der Donau Straße wurde Sankt Georgen an der Gusen gemeinsam mit Langenstein und Luftenberg vom immer stärker werdenden Verkehrsaufkommen entlastet. Durch die Nähe zum Donauradweg und zum Donausteig gewinnt der Tourismus an Bedeutung.
Ur- und Frühgeschichte Die Anwesenheit von Menschen lässt sich seit der älteren Steinzeit nachweisen. Bedeutende prähistorische Funde wurden beispielsweise auf dem Koglberg, dem Frankenberg und dem Luftenberg, sowie in den Ortschaften Gusen, Pürach und Schörgendorf gemacht. Darunter ist der prähistorische Kultplatz Berglitzl in Gusen von überregionaler Bedeutung. Fährstellen über die Donau und Salz-Transportwege abseits der Salzstraße durch das Gusental und über den Luftenberg (Luftenberger Steig durch das heutige Marktgebiet von Sankt Georgen, Ortschaft Steg nahe der Ortschaft Schörgendorf) nach BöhmenMartha Gammer: Der geheime Salzweg nach Böhmen. In: 300 Jahre Erweitertes Marktrecht St. Georgen a.d. Gusen, Marktgemeinde St. Georgen an der Gusen, St. Georgen an der Gusen 1989. haben die Entstehung von Siedlungen in der Gegend begünstigt. Wie die Reste von Wallanlagen auf Luftenberg und Frankenberg beweisen, waren die Siedlungen bereits in der Späten Bronzezeit und der La-Tène-Zeit militärisch befestigt. Von der Antike und bis ins Frühmittelalter befanden sich in diesem Bereich Grenzen, kulturelle Übergangszonen und Schnittpunkte von bis heute nachweisbaren sprachlichen Lautgrenzen.
Antike und frühes Mittelalter
Kelten In der Gegend lebten zunächst Kelten, erst später germanische Stämme. Mitten durch das heutige Gemeindegebiet verlief vermutlich im 1. Jahrhundert nach Christus entlang der Gusen (Cusus) auch die Ostgrenze des durch TacitusTacitus, Annalen 2,63. erwähnten quadischen Regnum Vannianum.
Römer und Germanen Zur Zeit der Römer entstand am südlichen Donauufer gegenüber dem Gusen-Delta das norische Lauriacum direkt am norischen Limes. Reste eines römischen Wachturmes sind im Gemäuer der Ruine Spielberg belegt. Nach dem Friedensschluss des römischen Kaisers Commodus mit den Germanenlag auch das Gebiet um Sankt Georgen in der etwa siebeneinhalb Kilometer breiten entmilitarisierten Zone nördlich der Donau.Hans Petrovitsch: Legio II Italica. Forschungen in Lauriacum, Band 13, Gesellschaft für Landeskunde in Oberösterreich, Linz 2006, ISBN 3-902299-04-5, S. 289. Bis zum 8. Jahrhundert zählte die Gegend von Sankt Georgen kirchlich zu Lorch, welches bereits im 3. Jahrhundert christianisiert war.Anton Gnirs: Zur Geschichte und Geographie Böhmens und Mährens in der Zeit des Imperium Romanum. Edition Voggenreiter im Verlag Wiss. Archiv. Bonn 1976, S. 73.Lobomir Niederle und Theodor Saturnik: Slovanske starozitnosti, Vol. 2. Ceska akademie ved a umeni. Burisk a Kohut, Prag 1925, S. 21.Acta Archaeologica Academiae Scientiarum Hungaricae. Tomus 1, Magyar Tudományos Akadémia, Budapest 1951, S. 189.
Im Frühmittelalter hieß der heutige Markt Sankt Georgen an der Gusen nach dem gleichnamigen Fluss lediglich Gusen, (Althochdeutsch) gleichbedeutend wie gusse (Guss, Flut, Überschwemmung). Der Fluss wurde später in Urkunden (beispielsweise 1125) Gvvsin beziehungsweise Gusuna genannt.Peter Wiesinger: Die Besiedlung Oberösterreichs im Lichte der Ortsnamen. In: Baiern und Slawen in Oberösterreich. Schriftenreihe des Oberösterreichischen Musealvereins-Gesellschaft für Landeskunde, Band 10, Linz 1980, ISBN 3-85320-225-X, S. 152.
Bajuvaren und Slawen Ab dem 6. Jahrhundert wurden die Bajuwaren in der Gegend sesshaft, wie Schwertfunde im Gusental und Skelettgräber beweisen. Um 600 folgten die slawischen Wenden, an die Ortsnamen wie Winning,Wienau, Abwinden oder Lungitz erinnern. Beide Gruppen lebten nebeneinander und gingen im Ostfränkischen Reich auf.
Franken Die Gründung des Ortes Sankt Georgen sowie die Kirchengründung auf dem Frankenberg werden den Franken zugeschrieben, die auf ihren Feldzügen gegen die Awaren in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts die damals hier verlaufende Ostgrenze ihres Reiches gegenüber der Mündung der Enns verteidigen mussten. Ortsnamen wie Kruckenberg, Amberg, Staffelberg oder Frankenberg zeigen, dass die Franken besonders den damals strategisch hervorragend gelegenen Frankenberg mit seinem idealen Überblick über das Land an der Ennsmündung und die Riedmark für ihre Zwecke nutzten. Ab 773 dürfte ein erster Pfarr- oder Missionsstützpunkt auf dem Frankenberg entstanden sein. 791 ließ Karl der Große bei einem Aufenthalt in Lorch auf dem Frankenberg eine Kirche errichten. 811 wurde dem Bistum Passau das Gebiet entlang der Donau zur Missionierung zugewiesen und 823 bestätigte König Ludwig der Fromme dem Hochstift Passau den Besitz des Gebietes nördlich der Donau, das damals noch als Reoda in terra Hunnorum – also als gerodetes bzw. erschlossenes Gebiet im Hunnenland – bezeichnet wurde. Dies gilt als erster urkundlicher Hinweis auf die Riedmark.
Als Zeugnis für Christianisierung der Bevölkerung durch eine bayerisch-fränkische Kirchenorganisation dient der auf der Berglitzl in Gusen gefundene Friedhof aus karolingischer Zeit. Im Jahre 1871 wurde in Sankt Georgen an der Gusen auch das älteste erhaltene karolingerzeitliche Schwert Österreichs gefunden.Erik Szameit: Karolingerzeitliche Waffenfunde aus Österreich – Teil I: Die Schwerter. In: Archaeologia Austriaca. Band 70. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien 1986, ISBN 3-7005-4580-0, S. 385–411.
Mittelalter
Luftenberger, Babenberger