St. Thomas am Blasenstein (auch Sankt Thomas am Blasenstein) ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Perg im Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ).
Die seit 2003 zum Gerichtsbezirk Perg (zuvor zum ehemaligen Gerichtsbezirk Grein) zählende Gemeinde befindet sich etwa 17 Kilometer nordöstlich der Bezirkshauptstadt Perg, wo sich auch das zuständige Bezirksgericht befindet. Die Erhebung zum Markt erfolgte 1975. Seit 2005 gehören Teile des Gemeindegebietes zum Naturpark Mühlviertel. St. Thomas am Blasenstein ist eine von 18 Mitgliedergemeinden der Leader-Region Strudengau.
Geografie St. Thomas am Blasenstein im unteren Mühlviertel verfügt nach St. Georgen am Walde über das zweithöchstgelegene Ortszentrum im Bezirk Perg. Es befindet sich auf einer Höhe von
Das Gemeindegebiet hat eine Ausdehnung von Nord nach Süd 5,6 Kilometer und von West nach Ost 8,4 Kilometer und eine Gesamtfläche von Quadratkilometer, davon wurden im Jahr 2005 5,19 km² dem Naturpark Mühlviertel gewidmet. 43,1 % der Fläche sind bewaldet, 52,1 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt.
Die höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist der Steirederberg mit Bemerkenswert sind auch die Erhebungen beim Anwesen Schatzl mit , der Kienastberg mit , das Naturdenkmal Zigeunermauer auf und die Bärenluckn auf Der Unterschied zu den niedrigsten Punkten auf etwa an der südlichen Gemeindegrenze am Käfermühlbach ist beträchtlich.
Geologie Die Gemeinde liegt im Untermühlviertler Schollenland, einem Ausläufer des Granit- und Gneisplateaus. Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört das Gemeindegebiet von St. Thomas am Blasenstein zur Gänze zur oberösterreichischen Raumeinheit Aist-Naarn-Kuppenland.
Gewässer Die nördliche und nordöstliche Grenze zu den Nachbargemeinden Pierbach und Königswiesen (Katastralgemeinde Mönchdorf) im Bezirk Freistadt wird weitgehend vom Roßgrabenbach gebildet, der bei Pierbach in die Große Naarn mündet. Die nordwestliche und westliche Grenze zu Rechberg verläuft entlang des Hinterbergbachs (= Rechbergerbach), der zum Gewässernetz des Tobrabachs gehört. Im Osten bilden die zum Einzugsgebiet des Klambachs zählenden Bäche Maselsdorfer-, Senfmühl- und Klausmühlbach die Grenze zu Mönchdorf (Gemeinde Königswiesen), Pabneukirchen und ein kleines Stück zu Bad Kreuzen. Entlang der südwestlichen Grenze zu Münzbach (Katastralgemeinde Innernstein) wird daraus der Käfermühlbach. Der Willersdorferbach ist ein Zufluss zum Maselsdorferbach.
Gemeindegliederung
St. Thomas am Blasenstein besteht aus folgenden Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte Umfeld St. Thomas am Blasenstein teilt die wechselvolle Geschichte des Landes Oberösterreich.Herbert Hiesmayr: St. Thomas am Blasenstein – Eine große Vergangenheit verpflichtet. In: Unsere Heimat – Der Bezirk Perg. Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg, Linz 1995, 1996, S. 343ff.
Während der Römerzeit lag das heutige Gemeindegebiet von St. Thomas am Blasenstein nur wenige Kilometer nördlich der Grenze der Provinz Noricum, die in diesem Bereich vom Limes beziehungsweise von der Donau gebildet wurde, bereits außerhalb der 7,5 Kilometer breiten Pufferzone zwischen Römern und Barbaren. Das römische Kastell Adiuvense (Wallsee) und das römische Militärlager Lauriacum (Enns/Lorch) lagen in Sichtweite. Siedlungsspuren aus dieser Zeit sind auf dem Gebiet der Gemeinde St. Thomas am Blasenstein nicht nachweisbar.
Zur Zeit der Babenberger lag St. Thomas am Blasenstein in der Markgrafschaft beziehungsweise später im Herzogtum Österreich im Grenzbereich zwischen Riedmark und Machland sowie in Gebieten der Herren von Perg bzw. später der Herren von Machland.
Ortsgeschichte Bischof Reginbert von Passau schenkte dem Augustiner Chorherrenstift Säbnich 1147 ein dem Heiligen Thomas geweihtes Eigenkirchlein, das als Burgkapelle gedient haben soll.
Otto und Walchun von Machland besaßen um 1150 zwei Burgen Blasenstein, „duo Castra Plasenstein“, die sie gemäß dem Passauer Traditionskodex an das Bistum Passau schenkten. Die Burgen dürften nach Fundmaterial und Untersuchungen etwa um 1100 errichtet worden sein und werden als Ursprung der Siedlung Blasenstein angesehen. Erst als die Burgen Ende des 13. Jahrhunderts verlassen wurden und Ende des 14. Jahrhunderts eine große Wallfahrtskirche gebaut wurde, bekam die Siedlung den Namen des Kirchenpatrons (St. Thomas Pfarr, Thomasberg, St. Thomas).
Um 1260 waren im Urbar des böhmischen Herrschers Ottokars II. mehrere Güter und die zu leistenden Dienste angeführt, später werden die Kapeller, LiechtensteinerGeorg Grüll: Weinberg. Die Entstehungsgeschichte einer Mühlviertler Wirtschaftsherrschaft (= Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Band 4). Hermann Böhlau Verlag, Graz/Köln 1955, S. 60 (): Am 18. Dezember 1483 verkaufte Christoph von Liechtenstein dem Christoph von Zelking (dem Stifter des Kefermarkter Flügelaltars) das Dorf St. Thomas am Blasenstein und die beim Schloss Klingenberg gelegenen Güter samt Gericht, Zoll, Gjaid, Wald und Fischbann. und Zelkinger als Ortsherren genannt. Hinsichtlich der Bestellung des Ortsrichters lagen diese im Streit mit dem Kloster Waldhausen, das ebenfalls über Besitzungen verfügte.
Ab dem 14. Jahrhundert bestand eine Pfarrgemeinschaft mit der Pfarre Münzbach, wobei St. Thomas als Filialkirche von Münzbach bezeichnet wurde. Beide Pfarren waren damals dem Stift Waldhausen einverleibt. 1347 erhielt die Kirche auf Grund einer Messstiftung Herzog Albrecht II. einen ständigen Seelsorger und eine tägliche Frühmesse. Wenig später ist aber neuerlich nur ein Priester für beide Pfarren nachgewiesen.
Im heutigen Gemeindegebiet hatten damals auch folgende Herrschaften ihren Sitz: Burgruine Klingenberg (verfallen ab dem 17. Jahrhundert) Burgruine Saxenegg (verfallen im 15. Jahrhundert)
Im Jahr 1483 wurde das Gassengericht in St. Thomas erwähnt.Georg Grüll: Weinberg: Die Entstehung einer Mühlviertler Wirtschaftsherrschaft. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Band 4, Linz 1955, S. 126 (). Seit 1490 wird der Ort dem Fürstentum 'Österreich ob der Enns' zugerechnet. 1530 gelangte Münzbach an die Prager zu Windhaag, während St. Thomas bei Waldhausen beziehungsweise während der Protestantenzeit beim Bistum Passau verblieb und seither als selbständige Pfarre besteht. Nach der Aufhebung des Klosters Waldhausen war St. Thomas Religionsfonds-Pfarre und gehört heute zum Dekanat Grein.
Im Weinberger Urbar von 1591 wurden für St. Thomas drei Markttermine genannt: vom Sonntag vor Christi Himmelfahrt bis nach Pfingsten (2 Wochen), die drei Samstage nach dem 29. September und vom St. Thomastag (21. Dezember) bis über die Weihnachtsfeiertage, wobei die Markttermine im Frühling und im Dezember bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen könnten.Hiesmayr 1990, S. 27.
Das Weistum von St. Thomas aus dem Jahr 1573 bzw. dessen Überarbeitung im Jahr 1589 ist eine Sammlung von Rechtssätzen, die das gemeinschaftliche Leben regelt, von den Jahrmärkten und Kirtagen über Diebstähle, Schlägereien, Beschimpfungen und Grenzstreitigkeiten bis zum Weiderecht, Feuerschutz, Hauskauf und den Richtern, Handwerkern, Dienstboten und Inleuten.Hiesmayr 1990, S. 30–35. Die Taidinge in St. Thomas wurden ungefähr zwei Wochen nach dem Sankt Erhardstag (8. Januar) abgehalten. Sie mussten am Sonntag zuvor in der Kirche angekündigt und bei Strafandrohung besucht werden. Die Versammlung fand vermutlich in der Weinberger Schenke, dem heutigen Gasthof Ahorner, statt.
1629 wurden die Zelkinger von den Thürheims abgelöst, die im Zuge der bayerischen Besetzung ins Land kamen und bis 1848 die Herrschaft innehatten. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.
Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs. St. Thomas lag bis 1955 in der sowjetischen Besatzungszone.
Am 11. August 1975 erfolgte die Erhebung zur Marktgemeinde.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Die Anzahl der Einwohner von St. Thomas am Blasenstein stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst auf knapp mehr als 1.200 Einwohner an. In den darauf folgenden Jahrzehnten schwankte die Personenanzahl, nahm aber insgesamt leicht ab und unterschritt 1934 erstmals die Marke von 1100 Einwohnern und 1971 jene von 1000 Einwohnern. Nachdem 2001 der niedrigste Wert mit 876 Einwohnern festgestellt wurde, hat bis 2011 die Einwohneranzahl wieder leicht zugenommen.Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde St. Thomas am Blasenstein Bevölkerungsstand und -struktur (PDF; 9 kB)
Die Gemeinde St. Thomas am Blasenstein hatte am 1. Jänner 2011 937 Einwohner.
Die grobe Altersstruktur der Bevölkerung von St. Thomas am Blasenstein zum 1. Jänner 2001 zeigt, dass 60,9 % der Bewohner über 15 und unter 65 Jahre alt sind. Mit 20,2 % ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung jünger und mit 18,9 % etwas weniger als ein Fünftel der Bevölkerung älter. Der Frauenanteil liegt bei der Hauptgruppe bei 47,5 und bei den jüngeren Personen bei 44,7 % während er bei den älteren Personen mit 53,4 % deutlich höher als bei den beiden erstgenannten Gruppen liegt.
Von den 710 Einwohnern, die am 1. Jänner 2001 über 15 Jahre alt waren, sind 361 beziehungsweise 50,8 % Frauen. 16 Einwohner, das sind 2,2 % der über Fünfzehnjährigen, haben den Abschluss einer Universität, Fachhochschule oder Akademie, der Frauenanteil liegt hier mit 68,8 % überdurchschnittlich hoch. Weitere 34 Einwohner, das sind 4,2 % der relevanten Bevölkerungsgruppe, haben die Matura, dabei liegt der Frauenanteil mit 76,5 % ebenfalls über dem Durchschnitt der betreffenden Bevölkerungsgruppe. 295 Einwohner, das sind mit 41,5 % etwa zwei Fünftel der über Fünfzehnjährigen, haben eine Lehre oder berufsbildende mittlere Schule abgeschlossen, wobei der Frauenanteil 34,2 % beträgt. 365 oder 51,4 % der Einwohner haben nur einen Pflichtschulabschluss. Darunter sind fast zwei Drittel Frauen.Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde St. Thomas am Blasenstein Bildung PDF
Herkunft und Sprache 97,8 % der Einwohner von St. Thomas am Blasenstein sind zum 1. Jänner 2011 österreichische Staatsbürger und 97,2 % wurden in Österreich geboren. 1,3 % der Einwohner kommen aus anderen EU-Staaten, 0,9 % aus Nicht-EU-Staaten.Statistik Austria Tabelle: Ein Blick auf die Gemeinde St. Thomas am Blasenstein Demographische Daten PDF
Der mittel- oder donaubairische Dialekt ist eine bairische Dialektform, die in ganz Oberösterreich verbreitet ist. Der ostösterreichische Zweig des Mittelbairischen geht auf die Mundart des durch die bairische Ostsiedlung entstandenen babenbergischen Herrschaftsgebietes Ostarrichi zurück.
Bei der Volkszählung 2001 haben 862 Personen (98,4 %) Deutsch als Umgangssprache angegeben, 14 (1,6 %) eine sonstige Sprache.
Religion Bei der Volkszählung 2001 haben in St. Thomas am Blasenstein 842 Personen (96,1 %) römisch-katholisch als Religionsbekenntnis angegeben, 10 (1,1 %) islamisch, 4 (0,5 %) evangelisch, 20 (2,2 %) der Einwohner haben sich zu keiner Religion bekannt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche St. Thomas am Blasenstein mini|Burgruine Klingenberg mini|Naturdenkmal Zigeunermauer
Katholische Pfarrkirche St. Thomas am Blasenstein Luftg’selchter Pfarrer (mumifizierter Leichnam) Oberer und unterer Burgstall Blasenstein Naturdenkmal Zigeunermauer Naturdenkmal Einsiedlerstein (Phallusstein) Burgruine Klingenberg Burgruine Saxenegg Pechölsteine (insgesamt sieben, davon zwei als Naturdenkmale geschützt, siehe dazu auch Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel) Naturdenkmal Wackelstein (ehemaliges Puppenhausmuseum Sankt Thomas am Blasenstein: 2010–2018)