Schwertberg ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich mit Einwohnern (Stand ). Der Ort liegt im Bezirk Perg im unteren Mühlviertel und etwa 20 km östlich der Landeshauptstadt Linz.
Geografie mini|Ansicht der Gemeinde Schwertberg Schwertberg liegt auf 268 m Höhe im Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 5,5 und von West nach Ost 6,4 Kilometer. Die Gesamtfläche umfasst Quadratkilometer. Davon sind 33 Prozent bewaldet, 47 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt.
Nächst der Ortschaft Lina liegt die durch Wanderwege erschlossene Erhebung Weltstein.
Gemeindegliederung
Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Ortschaften sind in weitere Ortsteile gegliedert.Leopold Josef Mayböck: Die Flurnamen in der Ortschaft Lina. In: Windegger Geschichten. Mitteilungsblatt des Arbeitskreises Windegg im Schwertberger Kulturring. Teil II 31. Ausgabe, Mai 2009 ().
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Perg.
Nachbargemeinden
Geschichte Ortsgeschichte Am 25. November 1287 wurde „Swertberg“ als Forum (= Markt) in einer Urkunde des Herzog Albrecht I. erstmals erwähnt. Der Ort gehörte damals zur Regensburger Herrschaft Windegg, die im Lehensbesitz Leutholds I. von Kuenring war. Zwischen 1357 und 1570 hieß der Markt „Schwerdberg“ und bekam dann unter dem neuen Besitzer Hans Tschernembl den Namen Schwertberg.
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.
Von 1659 bis 1664 wurde in größerem Stil Tabak angebaut, dessen Marktwert in den Folgejahren jedoch stark zurückging.Georg Grüll: Der erste oberösterreichische Tabak. Ein Ausschnitt aus der Geschichte der Herrschaft Schwertberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Jahrgang 1, Linz 1947, S. 336–340 ().
1715 und 1822 stand Schwertberg in Flammen, fast der gesamte Markt wurde dabei vernichtet. Während des Donauhochwassers 2002 wurde die Marktgemeinde vom hochwasserführenden Donauzufluss Aist stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Aufbauarbeiten dauerten mehr als ein Jahr.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.
Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. 1935 starb auf Schloss Schwertberg Erzherzogin Alicia, die letzte Großherzogin von Toskana.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs. Schwertberg spiele eine wesentliche Rolle im NS-Kriegsverbrechen der Mühlviertler Hasenjagd. Gefundene Flüchtlinge aus dem KZ Mauthausen wurden im Innenhof des noch heute bestehenden Gemeindeamtes erschossen. Als bekannteste Widerstandskämpferin aus Schwertberg gilt Anna Langthaler, welche zwei russische Kriegsgefangene, Michail Rybtschinskij und Nikolai Zimkolo für drei Monate auf ihrem Hof versteckte. Ihre Tochter Anna Hackl, Trägerin des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, erzählt als Zeitzeugin die Erlebnisse an Schulen und Gedenkveranstaltungen.
Bewohnerentwicklung
Ab den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Ortsbild in großem Ausmaß. Nun wird nicht nur im Marktkern eifrig gebaut, die Häuserreihen ziehen sich auch weiter in die Ebene hinaus besetzen Höhenzüge und die Flanken. Im Jahr 1995 zählt der Gemeindekern mehr als 600 Gebäude (um das Jahr 1930 waren es 200), Randzonen nicht miteinbezogen.
Von den 1100 Gebäuden im gesamten Gemeindegebiet sind nur rund 300 älter als 50 Jahre. Allein in der Zeit von 1961 bis 1971 wurden 200 Häuser errichtet. Quelle: Statistik AustriaEin Blick auf die Gemeinde Schwertberg (PDF; 35 kB).
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burgruine Windegg mini|Schloss Schwertberg mini|Schloss Poneggen mini|Pfarrkirche Schwertberg 1965 wurde im aufgelassenen Steinbruch auf der Aiser von der Laienspielgruppe Schwertberg, heute Verein Aiser-Bühne Schwertberg, eine Freilichtbühne eingerichtet. Seit der Gründung wurden bereits mehr als 2.400 Veranstaltungen abgewickelt, darunter die Aufführung von 60 Theaterstücken und 30 Märchenspiele.
Seit 2012 ist in dem zum Schloss Schwertberg gehörenden Meierhof das Kultur Zentrum Meierhof Schwertberg angesiedelt.Kultur Zentrum Meierhof Schwertberg, abgerufen am 18. Oktober 2015. Am Programm stehen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Lesungen, Konzerte, Filmvorführungen und Workshops.
Kulturhaus Lichtenwagner unterhalb der Burgruine Windegg.Kulturhaus Lichtenwagner, auf schwertberg.at, abgerufen am 25. Oktober 2021
Bauwerke
Burgruine Windegg: im 12. Jahrhundert errichtet, in den 1980er-Jahren vom Verein Arbeitskreis Windegg renoviert. In der Ortschaft Windegg nördlich von Schwertberg. Schloss Schwertberg: erstmalige Erwähnung 1327. Am Ortsrand am Aistfluss. Privatbesitz Schloss Poneggen: im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt. In der Ortschaft Poneggen westlich von Schwertberg. Privatbesitz Katholische Pfarrkirche Schwertberg Hll. Philippus und Jakobus Villa Friedegg: erbaut 1842–44. Am Ortsrand. Privatbesitz
Wirtschaft und Infrastruktur Schwertberg ist der Sitz der österreichischen Kaolin- und Montanindustrie Aktiengesellschaft (KAMIG), des größten Kaolin Abbauunternehmen in Österreich. Die Betriebsstätte befindet sich in Kriechbaum-Weinzierl und umfasst die Gemeinden Allerheiligen im Mühlkreis, Perg, Schwertberg und Tragwein. 2004 wurden 16.345 Tonnen Reinkaolin im Tagbau oder im Grubenbau gewonnen.
Ansässige Unternehmen In Schwertberg befinden sich die Stammwerke dreier großer und international tätiger Unternehmen: Engel-Maschinenbau, ein Hersteller von Spritzgießmaschinen Hödlmayr International AG, spezialisiert auf Automobillogistik Steinbach International, ein Produzent von Pool Ausrüstung
Verkehr mini|Bahnhof Schwertberg Eisenbahn: Von Schwertberg gibt es Bahnverbindungen nach St. Valentin, Enns und Linz. Straße: Die wichtigste Straßenverbindung ist die im Süden der Gemeinde verlaufende Donau Straße B3.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 31 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 1997 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 17 SPÖ, 9 ÖVP und 5 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 17 SPÖ, 10 ÖVP, 3 GRÜNE und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 11 ÖVP, 3 FPÖ und 3 GRÜNE. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 ÖVP, 11 SPÖ, 3 FPÖ und 2 GRÜNE. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 18 ÖVP, 8 SPÖ, 3 GRÜNE und 2 FPÖ.
Bürgermeister Bürgermeister seit 1850 waren:
Windegg
Schwertberg
Wappen Folgendes Gemeindewappen wurde 1972 verliehen: In Schwarz über einem goldenen Dreiberg ein silbernes, schräggestelltes Schwert. Die Gemeindefarben sind Grün-Weiß-Grün.
Partnergemeinden : Seit 1987 besteht mit der bayerischen Gemeinde Schiltberg eine offizielle Partnerschaft.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde 2018: Gerhard Merckens, Unternehmer und GemeindepolitikerGerhard Merckens zum Ehrenbürger von Schwertberg ernannt, auf nachrichten.at, abgerufen am 30. April 2019.
Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Ludwig Diernhofer (1895–1980), Veterinärmediziner und Universitätsprofessor Evelyn Engleder, Schauspielerin und Moderatorin Franz Moser (1901–1975), Landwirt und Politiker, Gemeinderat und Vizebürgermeister, Nationalratsabgeordneter (1945 bis 1949), Anna Hackl, geb. Langthaler, Altbäuerin Johann Hödlmayr (1928–2011), Unternehmer Adolf Kloska (1920–1964), Bildhauer Rudolf Luftensteiner (* 1957), römisch-katholischer Theologe Friedrich Schmiedl (1902–1994), Raketenpionier und der Erfinder der Raketenpost Julius Strnadt (1833–1917), Begründer des OÖ. Landesarchivs Norbert Graf Thürheim, Verteidiger gegen die Türken in Ungarn, fällt 1788 Gräfin Constantine Thürheim, Frau von Andreas Fürst Rasumofsky Ludovika Gräfin Thürheim-Thiron (1788–1864), Landschafts und Porträtmalerin, Schriftstellerin (Erinnerungen aus Österreichs großer Welt) Georg Erasmus von Tschernembl (1567–1626), Protestantenführer im Dreißigjährigen Krieg Bernhard Zeller, Raubritter auf Schloss Schwertberg, wurde 1521 hingerichtet
Literatur Leopold Josef Mayböck, Alfred Höllhuber: Der Markt Schwertberg und die Burg Windegg, Schwertberg 1997. Beitrag zum 700jährigen Marktjubiläum von Schwertberg und Tragwein im Jahre 1987 (= Arbeitskreis Windegg im Schwertberger Kulturring (Hrsg.): Geschichtsblätter. Band 1). Schwertberg 1987. Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Schwertberg. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. 2004, S. 1–47 ().
Weblinks
Webpräsenz der Marktgemeinde Schwertberg
Einzelnachweise
Kategorie:Aist-Naarn-Kuppenland Kategorie:Südliche Mühlviertler Randlagen Kategorie:Machland Kategorie:Ersterwähnung 1287